{"id":26639,"date":"1980-02-27T15:55:33","date_gmt":"1980-02-27T13:55:33","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=26639"},"modified":"2013-09-05T09:54:27","modified_gmt":"2013-09-05T07:54:27","slug":"bfh-urteil-vom-27-2-1980-ii-r-48_77-bstbl-1980-ii-s-404","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-27-2-1980-ii-r-48_77-bstbl-1980-ii-s-404\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 27.2.1980 (II R 48\/77) BStBl. 1980 II S. 404"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 27.2.1980 (II R 48\/77) BStBl. 1980 II S. 404<\/strong><\/p>\n<p>Die Steuerbefreiung nach \u00a7 7 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a, Satz 2 KVStG 1972 setzt bei Aufstockung des Kommanditkapitals einer als Kapitalgesellschaft geltenden KG (\u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3 KVStG 1972) voraus, da\u00df in der letzten, der Erh\u00f6hung der Kommanditeinlage vorausgehenden Jahresbilanz der Gesellschaft offen eine gesamth\u00e4nderisch gebundene R\u00fccklage ausgewiesen ist.<\/p>\n<p>KVStG 1972 \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 2, \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3, \u00a7 7 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a, Satz 2.<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) ist eine Kommanditgesellschaft, deren pers\u00f6nlich haftende Gesellschafterin eine GmbH ist. Die Gesellschafter der Kl\u00e4gerin fa\u00dften am 4. Januar 1974 den Beschlu\u00df, die Kommanditeinlagen von bisher 200.000 DM durch Umwandlung offener R\u00fccklagen zum 1. Januar 1974 um 100.000 DM auf 300.000 DM zu erh\u00f6hen. Am 5. Dezember 1975 beschlossen die Gesellschafter, die Kommanditeinlagen zum 31. Dezember 1975 und zum 1. Januar 1976 jeweils um insgesamt 100.000 DM durch Umwandlung weiterer offener R\u00fccklagen zu erh\u00f6hen. Die Bilanzen der Kl\u00e4gerin zum 31. Januar 1973, 1974 und 1975 weisen keine R\u00fccklagen auf. Die Verlust- und Gewinnrechnungen zum 31. Dezember 1974 sowie zum 31. Dezember 1975 weisen jeweils folgendes aus:<\/p>\n<table width=\"469\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"54%\">Jahres\u00fcberschu\u00df<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"46%\">\n<p align=\"RIGHT\">X DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"54%\">Zuf\u00fchrung zu den R\u00fccklagen<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"46%\">\n<p align=\"RIGHT\">100.000 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"54%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"46%\">\n<p align=\"RIGHT\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"54%\">Bilanzgewinn<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"46%\">\n<p align=\"RIGHT\">x abz\u00fcgl. 100.000 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Auf dem Konto &#8222;R\u00fccklagen&#8220; sind folgende Buchungen enthalten:<\/p>\n<table width=\"475\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"62%\">Vortrag 1. Januar 1974<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"38%\">\n<p align=\"RIGHT\">&#8211; DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"62%\">Zuf\u00fchrung aus Jahres\u00fcberschu\u00df<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"38%\">\n<p align=\"RIGHT\">100.000 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"62%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"38%\">\n<p align=\"RIGHT\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"62%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"38%\">\n<p align=\"RIGHT\">100.000 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"62%\">Zuf\u00fchrung zum Kommanditkapital<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"38%\">\n<p align=\"RIGHT\">100.000 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"62%\">31. Dezember 1974<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"38%\">\n<p align=\"RIGHT\">&#8211; DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die n\u00e4mlichen Buchungen enth\u00e4lt das R\u00fccklagenkonto 1975. Nach dem Gesellschaftsvertrag erh\u00e4lt die Komplement\u00e4rin einen Gewinnvorab und wird der nach Verzinsung der Nebenkosten der Kommanditisten verbleibende Restgewinn auf diese im Verh\u00e4ltnis ihrer Beteiligung am Gesellschaftskapital verteilt.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) setzte mit zwei Bescheiden vom 13. April 1976 gegen die Kl\u00e4gerin Gesellschaftsteuer in H\u00f6he von 1.000 bzw. 2.000 DM fest. Als Besteuerungsgrund gab es in den Bescheiden an: &#8222;Zuf\u00fchrungen zu den gesamth\u00e4nderisch gebundenen offenen R\u00fccklagen aus dem Jahres\u00fcberschu\u00df 1974 (bzw. 1975) ohne entsprechende Anordnung oder Erm\u00e4chtigung im Gesellschaftsvertrag.&#8220;<\/p>\n<p>Nach erfolgloser Durchf\u00fchrung des Vorverfahrens begehrt die Kl\u00e4gerin mit der Klage die Aufhebung der Gesellschaftsteuerfestsetzungen. Das Finanzgericht (FG) hat die Klage abgewiesen und zur Begr\u00fcndung seiner Entscheidung, die in Entscheidungen der Finanzgerichte 1977 S. 233 (EFG 1977, 233) ver\u00f6ffentlicht ist, ausgef\u00fchrt, zwar habe die Kl\u00e4gerin keine R\u00fccklagen gebildet, weil weder die Bilanzen einen derartigen Posten auswiesen noch die in der Verlust- und Gewinnrechnung erfolgte Abbuchung vom Jahresgewinn gen\u00fcge, um eine R\u00fccklagenbildung anzunehmen. Die Erf\u00fcllung der Einzahlungspflicht aus den Beschl\u00fcssen \u00fcber die Erh\u00f6hung der Hafteinlagen unterliege jedoch nach Ma\u00dfgabe des \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 2 des Kapitalverkehrsteuergesetzes (KVStG) 1972 der Gesellschaftsteuer und sei nicht nach \u00a7 7 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a KVStG steuerfrei.<\/p>\n<p>Mit der vom FG zugelassenen Revision verfolgt die Kl\u00e4gerin ihr Klagebegehren weiter. Sie r\u00fcgt Verletzung materiellen Rechts. Das FA ist der Revision entgegengetreten.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision ist, soweit sie sich dagegen wendet, da\u00df das FG die Klage gegen den Gesellschaftsteuerbescheid vom 13. April 1976 KVLi Nr. 437\/74 \u00fcber 1.000 DM in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 2. August 1976 abgewiesen hat, unbegr\u00fcndet und deshalb zur\u00fcckzuweisen (\u00a7 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -). Im \u00fcbrigen f\u00fchrt die Revision zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG zu anderweitiger Verhandlung und Entscheidung (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 2 FGO). Zutreffend hat das FG den Tatbestand des \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 2 KVStG 1972 f\u00fcr erf\u00fcllt angesehen und die Steuerfreiheit des Vorgangs nach \u00a7 7 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a, Satz 2 KVStG 1972 verneint, soweit bei Erla\u00df des angefochtenen Steuerbescheides die zus\u00e4tzlichen Kommanditeinlagen bereits bewirkt waren.<\/p>\n<p>1. Nach den bindenden (\u00a7 118 Abs. 2 FGO) Feststellungen des FG hat die Kl\u00e4gerin in den Bilanzen zum 31. Januar 1973, 1974 und 1975 keine offenen (gesamth\u00e4nderisch gebundenen) R\u00fccklagen ausgewiesen. Sie hat vielmehr Gewinnanteile unmittelbar (wenn auch buchungsm\u00e4\u00dfig \u00fcber ein &#8222;R\u00fccklagenkonto&#8220;) dem Kommanditkapital zugewiesen. Da die Kommanditisten von ihrer unmittelbaren Haftung (\u00a7 171 Abs. 1 HGB) befreit werden sollten, wurde auf diese Weise ihrer Einlageverpflichtung aus den Erh\u00f6hungsbeschl\u00fcssen gen\u00fcgt.<\/p>\n<p>2. F\u00fcr die Kapitalgesellschaften i. S. des Handelsrechts (Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien und Gesellschaften mit beschr\u00e4nkter Haftung) ist seit dem Inkrafttreten des Gesetzes \u00fcber die Kapitalerh\u00f6hung aus Gesellschaftsmitteln und \u00fcber die Gewinn- und Verlustrechnung (KapErhG) vom 23. Dezember 1959 (BGBl I 1959, 789) die unmittelbare Umwandlung bestimmter R\u00fccklagen (\u00a7 2 KapErhG, vgl. auch \u00a7 208 des Aktiengesetzes &#8211; AktG &#8211; 1965) in Nennkapital (\u00a7 1 KapErhG, vgl. auch \u00a7 207 AktG 1965) gesetzlich m\u00f6glich. Die Erh\u00f6hung der Einlage eines Kommanditisten aus &#8222;Gesellschaftsmitteln&#8220; bedarf dagegen im Hinblick auf \u00a7 171 Abs. 1 HGB stets einer Doppelma\u00dfnahme: n\u00e4mlich der Aufl\u00f6sung einer gebildeten gesamth\u00e4nderisch gebundenen R\u00fccklage und der Erf\u00fcllung der Einlageverpflichtung des Kommanditisten. W\u00e4hrend es f\u00fcr den Bereich der Kapitalgesellschaften dahingestellt bleiben kann, ob die Kapitalerh\u00f6hung gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a7 1 ff. KapErhG bzw. \u00a7\u00a7 207 ff. AktG 1965 unter dem Gesichtspunkt der Besteuerung der Kapitalverst\u00e4rkung \u00fcberhaupt noch der Gesellschaftsteuer unterliegt, kann die den Tatbestand des \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 2 KVStG 1972 erf\u00fcllende Erh\u00f6hung der Kommanditeinlage bei einer als Kapitalgesellschaft geltenden Kommanditgesellschaft (\u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3 KVStG 1972) nur nach Ma\u00dfgabe von \u00a7 7 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a, Satz 2 KVStG 1972 von der Steuer befreit sein. Die Steuerbefreiung setzt dabei unabdingbar voraus, da\u00df in der letzten, der Erh\u00f6hung der Kommanditeinlage vorausgehenden Jahresbilanz der Gesellschaft eine offene R\u00fccklage ausgewiesen ist, weil \u00a7 7 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a KVStG an \u00a7 2 KapErhG bzw. \u00a7 208 AktG 1965 ankn\u00fcpft.<\/p>\n<p>3. Das FG wird noch zu pr\u00fcfen haben, ob die nach dem Gesellschafterbeschlu\u00df vom 5. Dezember 1975 zum 1. Januar 1976 vorzunehmende Aufstockung des Kommanditkapitals bei Erla\u00df des diesen Lebenssachverhalt betreffenden Gesellschaftsteuerbescheides bereits verwirklicht war (\u00a7 2 Abs. 1 Nr. 2 KVStG 1972).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 27.2.1980 (II R 48\/77) BStBl. 1980 II S. 404 Die Steuerbefreiung nach \u00a7 7 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a, Satz 2 KVStG 1972 setzt bei Aufstockung des Kommanditkapitals einer als Kapitalgesellschaft geltenden KG (\u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3 KVStG 1972) voraus, da\u00df in der letzten, der Erh\u00f6hung der Kommanditeinlage vorausgehenden Jahresbilanz &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-27-2-1980-ii-r-48_77-bstbl-1980-ii-s-404\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 27.2.1980 (II R 48\/77) BStBl. 1980 II S. 404<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-26639","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26639","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26639"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26639\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26639"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26639"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26639"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}