{"id":26678,"date":"1980-03-31T15:58:03","date_gmt":"1980-03-31T13:58:03","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=26678"},"modified":"2013-09-03T11:33:55","modified_gmt":"2013-09-03T09:33:55","slug":"bfh-beschluss-vom-31-3-1980-v-b-3_80-bstbl-1980-ii-s-429","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-31-3-1980-v-b-3_80-bstbl-1980-ii-s-429\/","title":{"rendered":"BFH-Beschlu\u00df vom 31.3.1980 (V B 3\/80) BStBl. 1980 II S. 429"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Beschlu\u00df vom 31.3.1980 (V B 3\/80) BStBl. 1980 II S. 429<\/strong><\/p>\n<p>Tritt ein Westberliner Unternehmer, der einen in Berlin (West) hergestellten Gegenstand an einen westdeutschen Unternehmer ver\u00e4u\u00dfert hat, in der nachfolgenden Lieferkette erneut als K\u00e4ufer und Ver\u00e4u\u00dferer dieses Gegenstandes auf und ist der Gegenstand bis zum Zeitpunkt dieser letzten Ver\u00e4u\u00dferung noch nicht aus Berlin (West) in den \u00fcbrigen Geltungsbereich des Berlinf\u00f6rderungsgesetzes verbracht worden, steht dem (ersten) westdeutschen Abnehmer ein K\u00fcrzungsanspruch nach \u00a7 2 BerlinFG nicht zu (Anschlu\u00df an Urteil vom 31. M\u00e4rz 1977 V R 99\/72, BFHE 123, 84, BStBl II 1977, 810).<\/p>\n<p>BerlinFG 1970 \u00a7\u00a7 1, 2; UStG 1967 \u00a7 3 Abs. 2.<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Antragstellerin betreibt in der Bundesrepublik einen Gro\u00dfhandel mit Fleisch und Fleischbedarfsartikeln. In den Jahren 1973 bis 1975 kaufte sie Fleisch von der Westberliner Betriebst\u00e4tte einer in H ans\u00e4ssigen Import- und Export-Handelsgesellschaft (im folgenden IH genannt), deren Prokuristin sie ist. F\u00fcr die Bez\u00fcge nahm sie gem\u00e4\u00df \u00a7 15 Abs. 1 Nr. 1 des Umsatzsteuergesetzes (UStG 1967) den Vorsteuerabzug in Anspruch und k\u00fcrzte gem\u00e4\u00df \u00a7 2 Abs. 1 in Verbindung mit \u00a7 4 Abs. 1 Nr. 12 Buchst. b und Abs. 4 des Berlinf\u00f6rderungsgesetzes (BerlinFG 1970) die von ihr geschuldete Umsatzsteuer in H\u00f6he von 2,8 v. H. der f\u00fcr die Ware in Rechnung gestellten Entgelte. Dabei ergaben sich folgende Zahlen:<\/p>\n<table width=\"454\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"17%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"26%\">\n<p align=\"center\">Netto-<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"27%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"30%\">\n<p align=\"center\">K\u00fcrzungen<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"17%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"26%\">\n<p align=\"center\">Einkaufs-<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"27%\">\n<p align=\"center\">Vorsteuer-<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"30%\">\n<p align=\"center\">nach dem<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"17%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"26%\">\n<p align=\"center\">preise<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"27%\">\n<p align=\"center\">abzug<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"30%\">\n<p align=\"center\">BerlinFG<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"17%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"26%\">\n<p align=\"center\">DM<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"27%\">\n<p align=\"center\">DM<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"30%\">\n<p align=\"center\">DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"17%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"26%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"27%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"30%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"17%\">1973<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"26%\">\n<p align=\"center\">2.976.936,75<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"27%\">\n<p align=\"center\">163.731,40<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"30%\">\n<p align=\"center\">83.354,22<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"17%\">1974<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"26%\">\n<p align=\"center\">3.085.024,87<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"27%\">\n<p align=\"center\">169.676,30<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"30%\">\n<p align=\"center\">86.380,69<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"17%\">1975<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"26%\">\n<p align=\"center\">2.758.622,51<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"27%\">\n<p align=\"center\">151.724,20<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"30%\">\n<p align=\"center\">77.241,43.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Umsatzsteuer 1973 und 1974 ist daraufhin durch Bescheide vom 30. Oktober 1975 bzw. vom 26. Januar 1976 auf negative Steuerschulden von 87.796,70 DM bzw. 90.550,35 DM vorl\u00e4ufig festgesetzt worden. Die negative Steuer ist ausgezahlt worden. F\u00fcr das Jahr 1975 sind der Antragstellerin aufgrund ihrer Umsatzsteuervoranmeldungen negative Steuern von 80.351,32 DM ausgezahlt worden.<\/p>\n<p>Anl\u00e4\u00dflich einer Betriebspr\u00fcfung stellte das Finanzamt fest, da\u00df das Fleisch zun\u00e4chst in der Berliner Betriebst\u00e4tte der IH verblieb. Die Antragstellerin verkaufte es unter dem Einkaufspreis an die X-OHG oder die Y-KG &#8211; beide in H -, deren Gesellschafter mit der Antragstellerin verwandt sind. In ihren Rechnungen an die beiden Gesellschaften wies die Antragstellerin die Umsatzsteuer mit 5,5 v. H. der Entgelte wie folgt aus:<\/p>\n<table width=\"447\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"19%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"40%\">\n<p align=\"center\">Entgelt<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"41%\">\n<p align=\"center\">Steuer<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"19%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"40%\">\n<p align=\"center\">DM<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"41%\">\n<p align=\"center\">DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"19%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"40%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"41%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"19%\">1973<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"40%\">\n<p align=\"center\">2.899.105<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"41%\">\n<p align=\"center\">159.450,70<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"19%\">1974<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"40%\">\n<p align=\"center\">3.012.339<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"41%\">\n<p align=\"center\">165.678,60<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"19%\">1975<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"40%\">\n<p align=\"center\">2.695.934<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"41%\">\n<p align=\"center\">148.276,30<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Gesellschaften verkauften die Ware wiederum an die IH, die das Fleisch dann durch ihre Berliner Betriebst\u00e4tte an Abnehmer in Westdeutschland lieferte. Dabei wurde die Ware erstmals von Berlin (West) in den \u00fcbrigen Geltungsbereich des Berlinf\u00f6rderungsgesetzes verbracht.<\/p>\n<p>Das Finanzamt sieht in der Lieferkette einen Mi\u00dfbrauch b\u00fcrgerlich-rechtlicher Gestaltungsm\u00f6glichkeiten (\u00a7 6 Abs. 1 des Steueranpassungsgesetzes &#8211; StAnpG -). Es hat daher die Lieferungen der IH an die Antragstellerin und die Weiterlieferung der Ware durch diese als nicht bewirkt angesehen und durch Bescheide vom 28. M\u00e4rz 1979 die Umsatzsteuer f\u00fcr 1973 und 1974 auf 399,25 DM bzw. 263,80 DM heraufgesetzt und f\u00fcr 1975 erstmals auf 923,70 DM festgesetzt.<\/p>\n<p>Nach erfolglosem Einspruch hat die Antragstellerin Klage gegen die Bescheide erhoben und zugleich Aussetzung der Vollziehung beantragt. Den Antrag, die Vollziehung der angefochtenen Steuerbescheide auszusetzen, hat das Finanzgericht abgelehnt (Beschlu\u00df vom 19. November 1979 IV 183\/79, Umsatzsteuer-Rundschau 1980 S. 53 &#8211; UStR 1980, 53 -). Es fehle bereits an einer Lieferung der IH an die Antragstellerin. Entgegen der Auffassung der Antragstellerin f\u00e4nden die f\u00fcr das Reihengesch\u00e4ft geltenden Grunds\u00e4tze (\u00a7 3 Abs. 2 UStG 1967) keine Anwendung. Denn trete der erste Unternehmer der Reihe sp\u00e4ter in der Reihe ein weiteres Mal auf, so werde sie &#8211; entgegen dem Urteil des Reichsfinanzhofs vom 14. Januar 1938 V 49\/36 (RFHE 43, 214, RStBl 1938, 399) &#8211; unterbrochen mit der Folge, da\u00df die dann von ihm bewirkte Lieferung an den n\u00e4chsten Abnehmer nicht mehr als gleichzeitige Lieferung der vorherigen Unternehmer an ihre jeweiligen Abnehmer gelte.<\/p>\n<p>Gegen den ablehnenden Beschlu\u00df richtet sich die vom Finanzgericht zugelassene Beschwerde der Antragstellerin. Die Antragstellerin ist der Ansicht, bei nochmaligem Auftreten des ersten Unternehmers in der Reihe breche die Lieferkette nicht ab. An der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der angefochtenen Steuerbescheide best\u00fcnden ernsthafte Zweifel, zumal der Reichsfinanzhof in dem zitierten Urteil unter Aufgabe eines fr\u00fcheren Erkenntnisses (Urteil vom 15. Dezember 1933 V A 441\/33, Steuer und Wirtschaft II 1934 S. 443 &#8211; StuW II 1934, 443 -) denselben Standpunkt zum Reihengesch\u00e4ft eingenommen habe.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Beschwerde der Antragstellerin ist nur zum Teil begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>1. \u00dcber das Bestehen eines K\u00fcrzungsanspruchs nach \u00a7 2 Abs. 1 BerlinFG 1970 ist im Rahmen der Umsatzsteuerfestsetzung zu entscheiden (\u00a7 11 Abs. 1 BerlinFG 1970; vgl. noch zu \u00a7 2 Abs. 1 und 6 des Berlinhilfegesetzes &#8211; BHG 1968 -: Urteil des Bundesfinanzhofs vom 15. Mai 1975 V R 84\/70, BFHE 117, 1, BStBl II 1976, 41).<\/p>\n<p>Zutreffend geht das Finanzgericht davon aus, da\u00df der Antrag auf Aussetzung der Vollziehung der angefochtenen Umsatzsteuerbescheide 1973 bis 1975 insoweit statthaft ist, wie die Bescheide die Rechtsposition der Antragstellerin gegen\u00fcber den urspr\u00fcnglichen Steuerbescheiden bzw. gegen\u00fcber dem Voranmeldungsverfahren verschlechtert haben. Die angefochtenen Bescheide sind einer Aussetzung der Vollziehung in H\u00f6he des Unterschiedsbetrages zwischen der urspr\u00fcnglich festgesetzten bzw. vorangemeldeten negativen und der nunmehr festgesetzten positiven Umsatzsteuerschuld zug\u00e4nglich. In diesem Umfang wird von der Antragstellerin etwas gefordert, was im Falle der Weigerung mit Beitreibungsma\u00dfnahmen erzwungen werden k\u00f6nnte (vgl. Beschl\u00fcsse des Bundesfinanzhofs vom 28. November 1974 V B 52\/73, BFHE 114, 169, BStBl II 1975, 239 sowie vom 5. Februar 1976 V B 73\/75, BFHE 118, 149, BStBl II 1976, 435).<\/p>\n<p>2. Gem\u00e4\u00df \u00a7 69 Abs. 3 Satz 1, Abs. 2 Satz 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) kann das Gericht die Vollziehung angefochtener Verwaltungsakte ganz oder teilweise aussetzen, wenn ernstliche Zweifel an deren Rechtm\u00e4\u00dfigkeit bestehen. Derartige Zweifel sind im vorliegenden Fall insoweit gegeben, als den angefochtenen Steuerbescheiden die Auffassung des Finanzamts zugrunde liegt, die IH h\u00e4tte gegen\u00fcber der Antragstellerin keine steuerrechtlich anzuerkennenden Lieferungen erbracht. Dagegen bestehen keine Zweifel daran, da\u00df der Antragstellerin die Verg\u00fcnstigung des \u00a7 2 Abs. 1 in Verbindung mit \u00a7 4 Abs. 1 Nr. 12 Buchst. b BerlinFG 1970 zu Recht versagt worden ist.<\/p>\n<p>a) Gem\u00e4\u00df \u00a7 2 Abs. 1 BerlinFG 1970 hat der K\u00fcrzungsanspruch eines westdeutschen Unternehmers (\u00a7 5 Abs. 2 BerlinFG 1970) zur Voraussetzung, da\u00df er von einem Berliner Unternehmer (\u00a7 5 Abs. 1 BerlinFG 1970) von diesem in Berlin (West) hergestellte Gegenst\u00e4nde erworben hat und die Gegenst\u00e4nde aus Berlin (West) in den \u00fcbrigen Geltungsbereich des Berlinf\u00f6rderungsgesetzes gelangt sind. Mit diesem K\u00fcrzungsanspruch des westdeutschen Unternehmers geht ein entsprechender K\u00fcrzungsanspruch des Berliner Unternehmers gem\u00e4\u00df \u00a7 1 Abs. 1 BerlinFG 1970 einher. Damit wird eine Warenbewegung auf der Grundlage einer Lieferung gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a7 1 und 2 BerlinFG 1970 beg\u00fcnstigt, bei der der Liefergegenstand aus der Verf\u00fcgungsmacht des liefernden Westberliner Unternehmers ausscheidet und in diejenige des westdeutschen Abnehmers \u00fcbergeht. Demgem\u00e4\u00df ist ein im vorstehenden Sinne durch das Berlinf\u00f6rderungsgesetz beg\u00fcnstigter Vorgang nicht gegeben, wenn eine in Berlin (West) belegene Betriebst\u00e4tte eines Unternehmers, der seine Gesch\u00e4ftsleitung im \u00fcbrigen Geltungsbereich dieses Gesetzes oder im Ausland hat (vgl. \u00a7 5 Abs. 1 Nr. 2 BerlinFG 1970), an den nicht in Berlin (West) gelegenen Betriebsteil des Unternehmens (vgl. \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 1 BerlinFG 1970) &#8222;liefert&#8220;. Hier stehen sich nicht zwei Unternehmer im Rahmen des Leistungsaustausches gegen\u00fcber (vgl. S\u00f6nksen\/S\u00f6ffing, Kommentar zum Berlinf\u00f6rderungsgesetz, K \u00a7 5 Rdnr. 11; Urteil des Bundesfinanzhofs vom 16. Dezember 1965 V 55\/62, Steuerrechtsprechung in Karteiform &#8211; StRK -, Berlinhilfegesetz 1950, \u00a7 3, Rechtsspruch 9 = H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1966 S. 183 &#8211; HFR 1966, 183 -). Es ist vielmehr ein innerbetrieblicher Vorgang gegeben, der unter den besonderen, hier nicht gegebenen Voraussetzungen nach \u00a7 1a BerlinFG 1970 beg\u00fcnstigt sein kann.<\/p>\n<p>Entsprechend ist die von \u00a7 1 Abs. 1 und von \u00a7 2 Abs. 1 BerlinFG 1970 geforderte Warenbewegung des Gegenstandes von Berlin (West) in den \u00fcbrigen Geltungsbereich des Berlinf\u00f6rderungsgesetzes zu beurteilen. Auch sie erfordert nicht nur eine r\u00e4umliche Bewegung des Gegenstandes von Berlin (West) in den \u00fcbrigen Geltungsbereich des Berlinf\u00f6rderungsgesetzes, sondern eine Warenbewegung im Zusammenhang mit einem Leistungsaustausch zwischen einem Westberliner Lieferer und einem Abnehmer im \u00fcbrigen Geltungsbereich des Berlinf\u00f6rderungsgesetzes oder im Ausland (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs vom 31. M\u00e4rz 1977 V R 99\/72, BFHE 123, 84, BStBl II 1977, 810).<\/p>\n<p>Folgt in einer Lieferkette, an deren Anfang ein Westberliner Unternehmer steht, auf einen oder mehrere westdeutsche Abnehmer erneut als Abnehmer in der Kette die Westberliner Betriebst\u00e4tte oder deren Unternehmensteil im Sinne des \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 1 BerlinFG 1970 und l\u00f6sen diese Gesch\u00e4fte die Warenbewegung von Berlin (West) in den \u00fcbrigen Geltungsbereich des Berlinf\u00f6rderungsgesetzes noch nicht aus, so entsteht f\u00fcr den ersten westdeuschen Abnehmer in dieser Lieferkette noch kein K\u00fcrzungsanspruch nach \u00a7 2 Abs. 1 BerlinFG 1970. Die Warenbewegung im Sinne der \u00a7\u00a7 1 und 2 BerlinFG 1970 im Zusammenhang mit einem Leistungsaustausch ist vielmehr erst dann zu bejahen, wenn die erneut in die Lieferkette eingeschaltete Westberliner Betriebst\u00e4tte oder deren Unternehmensteil im Sinne des \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 1 BerlinFG 1970 an einen westdeutschen Endabnehmer weiterliefert und daraufhin aufgrund dieses Leistungsaustausches die Warenbewegung aus Berlin (West) in den \u00fcbrigen Geltungsbereich des Berlinf\u00f6rderungsgesetzes vollzogen wird. In diesem Falle w\u00e4re, wenn die Westberliner Betriebst\u00e4tte im eigenen Namen mit dem Endabnehmer kontrahiert hat, diese nach \u00a7 1 Abs. 1 BerlinFG 1970 und der westdeutsche Endabnehmer nach \u00a7 2 Abs. 1 BerlinFG 1970 k\u00fcrzungsberechtigt. Kontrahiert der im Bundesgebiet oder im Ausland belegene Unternehmensteil (\u00a7 5 Abs. 2 Nr. 1 BerlinFG 1970) im eigenen Namen mit dem westdeutschen Endabnehmer, scheiden K\u00fcrzungsanspr\u00fcche aus, da in diesem Falle nicht durch einen Westberliner Unternehmer geliefert worden ist.<\/p>\n<p>Aufgrund vorstehender Erw\u00e4gungen steht der Antragstellerin ein K\u00fcrzungsanspruch nach \u00a7 2 Abs. 1 BerlinFG 1970 nicht zu. Sie ist in eine Lieferkette eingeschaltet gewesen, an deren Anfang die Westberliner Betriebst\u00e4tte der IH steht und in deren Gefolge als weiterer Abnehmer entweder diese selbst oder ihr westdeutscher Unternehmensteil aufgetreten ist. Die IH (sei es mit ihrem Westberliner, sei es mit ihrem westdeutschen Unternehmensteil) konnte bei dieser Gestaltung der Gesch\u00e4fte \u00fcber das Schicksal des jeweiligen Liefergegenstandes bestimmen. Die IH hat erst durch den Verkauf der Liefergegenst\u00e4nde an westdeutsche Endabnehmer eine endg\u00fcltige Bestimmung in der Weise getroffen, da\u00df nunmehr wegen dieser mit den westdeutschen Endabnehmern getroffenen Leistungsaustausche die damit zusammenh\u00e4ngenden Warenbewegungen von Berlin (West) in den \u00fcbrigen Geltungsbereich des Berlinf\u00f6rderungsgesetzes veranla\u00dft und vollzogen wurden.<\/p>\n<p>Bei dieser Sachlage kann es f\u00fcr die Anwendung des Berlinf\u00f6rderungsgesetzes dahingestellt bleiben, ob der Lieferkette ein Reihengesch\u00e4ft im Sinne des \u00a7 3 Abs. 2 UStG 1967 zugrunde gelegen hat.<\/p>\n<p>b) W\u00e4hrend somit keine ernsthaften Bedenken gegen die Versagung der K\u00fcrzungsanspr\u00fcche nach \u00a7 2 Abs. 1 BerlinFG 1970 bestehen, ist bez\u00fcglich der Fragen, ob Lieferungen der IH an die Antragstellerin und Weiterlieferungen an deren Abnehmer gegeben sind, und ob der Antragstellerin daraus Anspr\u00fcche auf Vorsteuerabz\u00fcge zustehen, eine die Aussetzung der Vollziehung rechtfertigende Unsicherheit in der Rechtslage gegeben. Dazu macht die Antragstellerin zutreffend geltend, da\u00df der Reichsfinanzhof mit Urteil vom 14. Januar 1938 in RFHE 43, 214 trotz nochmaligen Auftretens des ersten Unternehmers in der Lieferkette ein Reihengesch\u00e4ft angenommen habe, und da\u00df diese Entscheidung in der Literatur vielfach zustimmend zitiert werde (Rau\/D\u00fcrrw\u00e4chter\/Flick\/Geist, Umsatzsteuergesetz, Mehrwertsteuer, Kommentar, 3. Aufl., Bd. I, \u00a7 3 Anm. 664; Hartmann\/Metzenmacher, Umsatzsteuergesetz, Mehrwertsteuer, Kommentar, 6. Aufl., 2. Bd., \u00a7 3 Anm. 42; Pl\u00fcckebaum\/Malitzky, Umsatzsteuergesetz, Mehrwertsteuer, Kommentar, 10. Aufl., Bd. II\/2, \u00a7\u00a7 1 bis 3 Anm. 936). Demgegen\u00fcber hat der Reichsfinanzhof im Urteil vom 15. Dezember 1933 V A 441\/33 in StuW II 1934, 443 eine gegenteilige Rechtsauffassung eingenommen. Der Bundesfinanzhof hat zu den divergierenden Urteilen des Reichsfinanzhofs noch nicht Stellung genommen.<\/p>\n<p>2. Die Vollziehung der angefochtenen Umsatzsteuerbescheide 1973 bis 1975 ist daher lediglich in H\u00f6he der Differenz zwischen den durch die Weiterlieferungen der Fleischwaren entstandenen Umsatzsteuern und den auf den Vorbez\u00fcgen ruhenden Vorsteuern auszusetzen. Die Differenzen belaufen sich auf folgende Betr\u00e4ge:<\/p>\n<table width=\"391\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"52%\">F\u00fcr 1973 auf<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"48%\">4.280,70 DM.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"52%\">f\u00fcr 1974 auf<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"48%\">3.997,70 DM und<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"52%\">f\u00fcr 1975 auf<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"48%\">3.447,90 DM.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Im \u00fcbrigen ist die Beschwerde als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Beschlu\u00df vom 31.3.1980 (V B 3\/80) BStBl. 1980 II S. 429 Tritt ein Westberliner Unternehmer, der einen in Berlin (West) hergestellten Gegenstand an einen westdeutschen Unternehmer ver\u00e4u\u00dfert hat, in der nachfolgenden Lieferkette erneut als K\u00e4ufer und Ver\u00e4u\u00dferer dieses Gegenstandes auf und ist der Gegenstand bis zum Zeitpunkt dieser letzten Ver\u00e4u\u00dferung noch nicht aus Berlin (West) &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-31-3-1980-v-b-3_80-bstbl-1980-ii-s-429\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Beschlu\u00df vom 31.3.1980 (V B 3\/80) BStBl. 1980 II S. 429<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-26678","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26678","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26678"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26678\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26678"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26678"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26678"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}