{"id":27264,"date":"1980-07-08T12:55:21","date_gmt":"1980-07-08T10:55:21","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=27264"},"modified":"2013-08-29T11:07:23","modified_gmt":"2013-08-29T09:07:23","slug":"bfh-beschluss-vom-8-7-1980-vii-b-18_80-bstbl-1980-ii-s-657","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-8-7-1980-vii-b-18_80-bstbl-1980-ii-s-657\/","title":{"rendered":"BFH-Beschlu\u00df vom 8.7.1980 (VII B 18\/80) BStBl. 1980 II S. 657"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Beschlu\u00df vom 8.7.1980 (VII B 18\/80) BStBl. 1980 II S. 657<\/strong><\/p>\n<p>Der BFH h\u00e4lt daran fest, da\u00df er nach Aufhebung eines Beschlusses des FG im Beschwerdeverfahren die Sache an das FG zur\u00fcckverweisen darf; das gilt grunds\u00e4tzlich auch im Verfahren \u00fcber die Aussetzung der Vollziehung.<\/p>\n<p>FGO \u00a7\u00a7 69, 132, 155; ZPO \u00a7 575.<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) verwarf einen erneuten Antrag auf Aussetzung der Vollziehung eines Steuerbescheides mit der Begr\u00fcndung, die vorgetragenen Tatsachen seien keine &#8222;ver\u00e4nderten Umst\u00e4nde&#8220; im Sinne des Art. 3 \u00a7 7 Abs. 2 des Gesetzes zur Entlastung der Gerichte in der Verwaltungs- und Finanzgerichtsbarkeit vom 31. M\u00e4rz 1978 (VGFGEntlG).<\/p>\n<p>Mit der vom FG zugelassenen Beschwerde bittet die Antragstellerin, den Beschlu\u00df des FG aufzuheben und dem Aussetzungsantrag stattzugeben. Nach ihrer Auffassung ist der Senat aus den vom FG Schleswig-Holstein im Beschlu\u00df vom 5. November 1979 III 250\/79 (Entscheidungen der Finanzgerichte 1980 S. 87 &#8211; EFG 1980, 87 -) dargelegten Gr\u00fcnden gehindert, die Sache an das FG zur\u00fcckzuverweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Senat h\u00e4lt es f\u00fcr angebracht, die Sache an das FG zur\u00fcckzuverweisen, damit dieses die Begr\u00fcndetheit des Antrages pr\u00fcft. Die Befugnis zur Zur\u00fcckverweisung der Sache ergibt sich aus \u00a7\u00a7 132, 155 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO &#8211; i. V. m. \u00a7 575 der Zivilproze\u00dfordnung &#8211; ZPO &#8211; (vgl. die Beschl\u00fcsse des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 5. Februar 1975 II B 29\/74, BFHE 115, 12, BStBl II 1975, 465, und vom 30. M\u00e4rz 1976 VII B 105\/75, BFHE 119, 122, BStBl II 1976, 595).<\/p>\n<p>Der Beschlu\u00df des FG Schleswig-Holstein in EFG 1980, 87, auf den sich die Antragstellerin f\u00fcr ihre Auffassung st\u00fctzt, der BFH sei in einem Verfahren wegen Aussetzung der Vollziehung an einer Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG gehindert, ist durch den BFH-Beschlu\u00df vom 26. M\u00e4rz 1980 I B 11\/80 (BFHE 130, 17, BStBl II 1980, 334) aufgehoben worden. Die in ihm zur Frage der Zur\u00fcckverweisungsbefugnis dargelegten Argumente greifen nicht durch.<\/p>\n<p>Die Frage, ob der BFH nach Aufhebung der FG-Entscheidung nunmehr selbst \u00fcber die Begr\u00fcndetheit zu entscheiden hat, oder ob er zur Nachholung dieser Entscheidung durch das FG die Sache an dieses zur\u00fcckverweisen darf, beurteilt sich nach den Vorschriften \u00fcber das Beschwerdeverfahren. Dieses ist in der Finanzgerichtsordnung unvollst\u00e4ndig geregelt, so da\u00df hier ein besonderes Bed\u00fcrfnis besteht, von der Vorschrift des \u00a7 155 FGO Gebrauch zu machen, wonach L\u00fccken in den Verfahrensbestimmungen der Finanzgerichtsordnung durch sinngem\u00e4\u00dfe Anwendung der Zivilproze\u00dfordnung zu schlie\u00dfen sind (vgl. Gr\u00e4ber, Finanzgerichtsordnung, \u00a7 132 Rdnr. 1; Tipke-Kruse, Abgabenordnung\/Finanzgerichtsordnung, 9. Aufl., \u00a7 132 Abs. 1 FGO). Als sinngem\u00e4\u00df anwendbare Vorschrift der Zivilproze\u00dfordnung kommt hier \u00a7 575 in Betracht. F\u00fcr den vorliegenden Fall, da\u00df das Beschwerdegericht die Beschwerde f\u00fcr begr\u00fcndet h\u00e4lt, gestattet sie die Zur\u00fcckverweisung der Sache an das untere Gericht (Baumbach\/Lauterbach, Zivilproze\u00dfordnung, 38. Aufl., \u00a7 575 Anm. 1). Das entspricht der f\u00fcr das Revisionsverfahren in der Finanzgerichtsordnung selbst enthaltenen Regelung des \u00a7 126 Abs. 3 Nr. 2, wonach bei einer begr\u00fcndeten Revision der BFH das angefochtene Urteil aufheben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcckverweisen kann. Diese Zur\u00fcckverweisungsbefugnis ist Ausflu\u00df eines tragenden Grundprinzips des Instanzenzuges, n\u00e4mlich der Aufteilung der Rechtsprechungsfunktionen unter den Gerichten. Als Revisions- und Beschwerdegericht hat der BFH in erster Linie die Aufgabe, die Entscheidungen der FG zu \u00fcberpr\u00fcfen, wohingegen die FG dem Rechtsuchenden den ersten Zugang zum Richter zu bieten haben. Sie k\u00f6nnen diese Aufgabe in der Regel auch schneller und effektiver erf\u00fcllen, weil sie den Beteiligten \u00f6rtlich n\u00e4her sind. Deshalb ist es gerade dann, wenn &#8211; wie im vorliegenden Fall &#8211; der Antrag eines Rechtsuchenden vom FG als unzul\u00e4ssig abgelehnt worden ist und diese Entscheidung sich im Beschwerdeverfahren vor dem BFH als rechtsirrig herausgestellt, besonders angezeigt, die Sache an das FG zur\u00fcckzuverweisen, damit dieses die von ihm aufgrund seines Rechtsirrtums unterlassene Nachpr\u00fcfung der Begr\u00fcndetheit des Antrags nachholt. Der Rechtsuchende mag in manchen F\u00e4llen ein Interesse an einer sofortigen Sachentscheidung des BFH haben. Indessen ist demgegen\u00fcber zu bedenken, da\u00df die erste Sachentscheidung Fragen aufwerfen kann, f\u00fcr deren rechtliche Kl\u00e4rung eine erstinstanzliche Entscheidung durch das FG wesentlich ist. Denn der Instanzenzug dient auch der Befruchtung der Rechtsprechung des BFH durch die der FG.<\/p>\n<p>Alles dies gilt grunds\u00e4tzlich auch f\u00fcr Beschwerdeverfahren in Aussetzungssachen, wenn auch wegen der in solchem Fall in der Regel vorliegenden Eilbed\u00fcrftigkeit der BFH von der M\u00f6glichkeit einer Zur\u00fcckverweisung zur\u00fcckhaltend Gebrauch machen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Beschlu\u00df vom 8.7.1980 (VII B 18\/80) BStBl. 1980 II S. 657 Der BFH h\u00e4lt daran fest, da\u00df er nach Aufhebung eines Beschlusses des FG im Beschwerdeverfahren die Sache an das FG zur\u00fcckverweisen darf; das gilt grunds\u00e4tzlich auch im Verfahren \u00fcber die Aussetzung der Vollziehung. FGO \u00a7\u00a7 69, 132, 155; ZPO \u00a7 575. 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