{"id":27313,"date":"1979-10-30T21:27:44","date_gmt":"1979-10-30T19:27:44","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=27313"},"modified":"2013-08-16T10:26:17","modified_gmt":"2013-08-16T08:26:17","slug":"bfh-urteil-vom-30-10-1979-ii-r-142_78-bstbl-1980-ii-s-754","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-30-10-1979-ii-r-142_78-bstbl-1980-ii-s-754\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 30.10.1979 (II R 142\/78) BStBl. 1980 II S. 754"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 30.10.1979 (II R 142\/78) BStBl. 1980 II S. 754<\/strong><\/p>\n<p>Ein Erwerbsvorgang ist i. S. des \u00a7 5 Satz 2 Nr. 1 GrEStEigWoG &#8222;verwirklicht&#8220;, wenn die Grunderwerbsteuerpflicht f\u00fcr den abgeschlossenen Grundst\u00fcckskaufvertrag entstanden ist.<\/p>\n<p>GrEStEigWoG \u00a7 5 Satz 2 Nr. 1.<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) kauften durch notariell beurkundeten Vertrag vom 9. Juli 1976 je zur H\u00e4lfte als Miteigent\u00fcmer ein Grundst\u00fcck mit Einfamilienhaus.<\/p>\n<p>Der im Grundbuch eingetragene Eigent\u00fcmer des Grundst\u00fcckes war bei Abschlu\u00df des vorgenannten Kaufvertrages verstorben. Als Verk\u00e4ufer des Grundst\u00fccks traten seine voraussichtlichen Erben auf, n\u00e4mlich A, B und C. A war pers\u00f6nlich anwesend, die beiden \u00fcbrigen genannten Personen wurden durch einen Dritten ohne Vollmacht vertreten. Sie genehmigten die in ihrem Namen abgegebenen Erkl\u00e4rungen am 29. Juli 1976 (B) und am 2. August 1976 (C).<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) setzte mit zwei Bescheiden vom 6. September 1976 gegen jeden der Kl\u00e4ger Grunderwerbsteuer fest. Die Steuerbescheide wurden bestandskr\u00e4ftig.<\/p>\n<p>Mit Schriftsatz vom 8. November 1977 &#8211; beim FA eingegangen am 9. November 1977 &#8211; beantragten die Kl\u00e4ger, &#8222;die grunderwerbsteuerlichen Verg\u00fcnstigungen nach dem Gesetz zur Grunderwerbsteuerbefreiung beim Erwerb von Einfamilienh\u00e4usern, Zweifamilienh\u00e4usern und Eigentumswohnungen auf den entsprechenden Kaufpreisanteil einzur\u00e4umen und die alten Bescheide aufzuheben&#8220;. Das FA lehnte diesen Antrag ab.<\/p>\n<p>Die Klage hatte keinen Erfolg.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision der Kl\u00e4ger ist unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger k\u00f6nnen keine Steuerverg\u00fcnstigung gem\u00e4\u00df \u00a7 5 Nr. 1 des Gesetzes zur Grunderwerbsteuerbefreiung beim Erwerb von Einfamilienh\u00e4usern, Zweifamilienh\u00e4usern und Eigentumswohnungen (GrEStEigWoG) in Anspruch nehmen, weil der besteuerte Erwerbsvorgang bereits vor dem 31. Dezember 1976 verwirklicht worden ist.<\/p>\n<p>&#8220; Erwerbsvorgang&#8220; war hier der Kaufvertrag vom 9. Juli 1976, welcher als Rechtsvorgang im Sinne des \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 1 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) der Grunderwerbsteuer unterlag. Das ergibt sich auch aus der \u00dcberschrift des \u00a7 1 GrEStG, welche die einzelnen Rechtsvorg\u00e4nge ausdr\u00fccklich als &#8222;Erwerbsvorg\u00e4nge&#8220; bezeichnet. Der Erwerbsvorgang war verwirklicht, nachdem s\u00e4mtliche Voraussetzungen f\u00fcr die Entstehung der Steuerpflicht erf\u00fcllt waren. Im vorliegenden Fall geh\u00f6rte zu diesen Voraussetzungen die Genehmigung des Vertrages vom 9. Juli 1976 durch die damals ohne Vollmacht vertretene Miterbin, B.<\/p>\n<p>Die Genehmigung erfolgte am 29. Juli 1976, so da\u00df an diesem Tage die Steuerpflicht entstand (entsprechende Anwendung des \u00a7 3 Abs. 5 Nr. 5 Buchst. b des Steueranpassungsgesetzes &#8211; StAnpG -). Unerheblich ist, da\u00df bei Abschlu\u00df des Vertrages vom 9. Juli 1976 auch C als Verk\u00e4uferin aufgetreten war, die &#8211; wie sich sp\u00e4ter herausstellte &#8211; nicht Miterbin des verstorbenen Grundst\u00fcckseigent\u00fcmers war. Ausschlaggebend ist, da\u00df der Vertrag au\u00dferdem von denjenigen Personen als Verk\u00e4ufern abgeschlossen wurde, die sich sp\u00e4ter als Erben des Grundst\u00fcckseigent\u00fcmers herausstellten.<\/p>\n<p>Irgendwelche weiteren Genehmigungen \u00f6ffentlich-rechtlicher und privatrechtlicher Art, welche die Entstehung der Grunderwerbsteuer gem. \u00a7 3 Abs. 5 Nr. 5 StAnpG h\u00e4tten hinausschieben k\u00f6nnen, waren nach dem vom Finanzgericht festgestellten Sachverhalt nicht erforderlich.<\/p>\n<p>Entgegen der Ansicht der Kl\u00e4ger war der Erwerbsvorgang nicht erst mit ihrer (der Kl\u00e4ger) Eintragung als Eigent\u00fcmer im Grundbuch am 23. Mai 1977 verwirklicht. Das Grunderwerbsteuergesetz kn\u00fcpft die Steuerpflicht und damit die Verwirklichung des Erwerbsvorganges an den schuldrechtlichen Vertrag und nur hilfsweise an andere Vorg\u00e4nge, falls ein schuldrechtlicher Vertrag nicht vorliegt (\u00a7 1 GrEStG). Weder dem Wortlaut des \u00a7 5 GrEStEigWoG noch dem aus dem Wortlaut erkennbaren Sinn der Vorschrift l\u00e4\u00dft sich entnehmen, da\u00df der Gesetzgeber hier die Terminologie des Grunderwerbsteuerrechtes in einem anderen Sinne gebrauchen wollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 30.10.1979 (II R 142\/78) BStBl. 1980 II S. 754 Ein Erwerbsvorgang ist i. S. des \u00a7 5 Satz 2 Nr. 1 GrEStEigWoG &#8222;verwirklicht&#8220;, wenn die Grunderwerbsteuerpflicht f\u00fcr den abgeschlossenen Grundst\u00fcckskaufvertrag entstanden ist. GrEStEigWoG \u00a7 5 Satz 2 Nr. 1. Sachverhalt &nbsp; I. 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