{"id":27516,"date":"1980-10-07T21:04:16","date_gmt":"1980-10-07T19:04:16","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=27516"},"modified":"2013-08-21T09:55:21","modified_gmt":"2013-08-21T07:55:21","slug":"bfh-urteil-vom-7-10-1980-viii-r-111_78-bstbl-1981-ii-s-157","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-7-10-1980-viii-r-111_78-bstbl-1981-ii-s-157\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 7.10.1980 (VIII R 111\/78) BStBl. 1981 II S. 157"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 7.10.1980 (VIII R 111\/78) BStBl. 1981 II S. 157<\/strong><\/p>\n<p>Erwirbt ein Erbe die Erbanteile seiner Miterben im Rahmen der Erbauseinandersetzung gegen eine Abfindung, entstehen ihm dadurch keine Anschaffungskosten, von denen AfA bei der Ermittlung der Eink\u00fcnfte aus Vermietung und Verpachtung vorgenommen werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>EStG \u00a7\u00a7 7, 9, 21; EStDV \u00a7 11d.<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4ger) war nach dem Tode seiner Mutter zur H\u00e4lfte Miterbe nach seinem Vater, dessen Nachla\u00df allein aus dem Grundst\u00fcck A bestand, und zur H\u00e4lfte Miterbe nach seiner Mutter, deren Nachla\u00df allein aus dem Grundst\u00fcck B bestand. Im Oktober 1971 erwarb der Kl\u00e4ger durch Erbauseinandersetzungsvertrag vom 18.\/29. Oktober 1971 die Erbanteile seiner Miterben f\u00fcr insgesamt 35.000 DM. Die Grundst\u00fccke sind verpachtet.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Kl\u00e4ger die Ansicht vertritt, da\u00df er die Erbanteile der Miterben entgeltlich erworben habe, so da\u00df sich die Aufwendungen f\u00fcr deren Erwerb auf die H\u00f6he der Absetzung f\u00fcr Abnutzung (AfA) der auf den Grundst\u00fccken befindlichen Geb\u00e4ude auswirken m\u00fcsse, vertrat der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) die Auffassung, da\u00df es sich bei dem Ankauf der Miterbenanteile um eine Erbauseinandersetzung handele, die h\u00f6chstrichterlicher Rechtsprechung zufolge als unentgeltlicher Erwerb zu beurteilen sei, so da\u00df der Kl\u00e4ger gem\u00e4\u00df \u00a7 11d der Einkommensteuer-Durchf\u00fchrungsverordnung (EStDV) nur die den Erblassern zustehenden AfA geltend machen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Gegen die dementsprechend erlassenen Einkommensteuerbescheide 1971 und 1972 legte der Kl\u00e4ger ohne Erfolg Einspruch ein, obsiegte jedoch zum Teil mit seiner Klage. Das Finanzgericht (FG) hat seine Entscheidung wie folgt begr\u00fcndet: Der Kl\u00e4ger habe die beiden Grundst\u00fccke zur H\u00e4lfte unentgeltlich und zur H\u00e4lfte entgeltlich erworben. Der Erwerb der Erbanteile stelle sich bei wirtschaftlicher Betrachtung als Erwerb der allein zum Nachla\u00df geh\u00f6renden Grundst\u00fccksanteile dar. F\u00fcr die zum Erbanteil des Kl\u00e4gers geh\u00f6rende ideelle H\u00e4lfte des Geb\u00e4udes sei gem\u00e4\u00df \u00a7 10a Abs. 1 Nr. 1 EStDV vom am 21. Juni 1948 ma\u00dfgebenden Einheitswert auszugehen, f\u00fcr die andere H\u00e4lfte von den Aufwendungen f\u00fcr den Erwerb der Miterbenanteile (Hinweis auf das Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 6. Dezember 1957 VI 166\/56 U, BFHE 66, 82, BStBl III 1958, 33). Dem st\u00e4nden auch nicht die in Abschn. 44 Satz 7 der Einkommensteuer-Richtlinien 1975 (EStR) erw\u00e4hnten Entscheidungen des BFH vom 29. Mai 1969 IV R 238\/66 (BFHE 96, 182, BStBl II 1969, 614) und vom 21. Februar 1973 IV R 58\/72 (BFHE 108, 237, BStBl II 1973, 317) entgegen, weil diese Urteile andere Sachverhalte betr\u00e4fen. Der Erbe erwerbe vom Erblasser unentgeltlich nicht mehr, als ihm nach seinem Erbanteil zusteht. Alles weitere m\u00fcsse er entgeltlich erwerben.<\/p>\n<p>Hiergegen richtete sich die Revision des FA mit folgender Begr\u00fcndung: Nach gefestigter Rechtsprechung des BFH erfolge der Erwerb von Erbanteilen durch einen Miterben im Rahmen der Erbauseinandersetzung unentgeltlich. Dem entspr\u00e4chen die beiden vom FG erw\u00e4hnten Entscheidungen des BFH. Im Urteil vom 5. November 1974 VIII R 81\/69 (BFHE 114, 475, BStBl II 1975, 411) habe der BFH festgestellt, da\u00df die Zuweisung von Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nden gegen Abfindungsleistung oder der Erwerb eines Erbanteils durch einen Miterben nicht anders zu beurteilen sei als die Naturalteilung, die unentgeltlichen Charakter habe.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, das Urteil des FG aufzuheben und die Einkommensteuer auf 61.130 DM f\u00fcr 1971 auf 53.134 DM f\u00fcr 1972 festzusetzen.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet. Dem Kl\u00e4ger sind durch den Erwerb der Erbanteile seiner Miterben keine Anschaffungskosten entstanden, von denen AfA bei der Ermittlung der Eink\u00fcnfte aus Vermietung und Verpachtung vorgenommen werden k\u00f6nnten (\u00a7\u00a7 21, 7, 9 des Einkommensteuergesetzes &#8211; EStG -, \u00a7 11d EStDV).<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger kann lediglich die AfA in Anspruch nehmen, die den Erblassern zustand, weil er die Grundst\u00fccke aus einkommensteuerrechtlicher Sicht unmittelbar von den Erblassern erworben hat. Der Vorgang, der hier steuerrechtlich zu beurteilen ist, stellt den Abschlu\u00df der Auseinandersetzung der Miterben untereinander dar und mu\u00df unter diesem Gesichtspunkt gesehen werden. Hierzu hat der erkennende Senat in dem vom FA zitierten Urteil in BFHE 114, 475, BStBl II 1975, 411 entschieden, da\u00df der Erwerb der Erbanteile der Miterben an der noch nicht auseinandergesetzten Erbengemeinschaft kein entgeltliches Rechtsgesch\u00e4ft ist. Es kommt nicht auf die im Einzelfall gew\u00e4hlte Form der Abfindung an. Ob der \u00fcbergebende Miterbe in bar abgefunden wird und ob die Abfindung aus der Erbma\u00dfe geleistet wird oder zu ihrem Zweck Verm\u00f6genswerte au\u00dferhalb derselben herangezogen werden, ist unerheblich. Auch der Erwerb der Miterben gegen Abfindung ist eine Art der Auseinandersetzung der Miterben (\u00a7 2042 BGB: Urteil des Reichsgerichts vom 22. Mai 1930 IV 397\/29, RGZ, 129, 123; Zunft in Juristenzeitung 1956 S. 550).<\/p>\n<p>Danach ist die AfA im Jahre 1971 um 95 DM und im Jahre 1972 um 382 DM zu k\u00fcrzen und das Einkommen des Kl\u00e4gers f\u00fcr das Jahr 1971 um den gleichen Betrag auf 155.829 DM und f\u00fcr das Jahr 1972 auf 139.725 DM zu erh\u00f6hen, so da\u00df sich nach der Splittingtabelle f\u00fcr das Jahr 1971 eine Einkommensteuer von 61.130 DM und f\u00fcr das Jahr 1972 eine Einkommensteuer von 53.134 DM ergibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 7.10.1980 (VIII R 111\/78) BStBl. 1981 II S. 157 Erwirbt ein Erbe die Erbanteile seiner Miterben im Rahmen der Erbauseinandersetzung gegen eine Abfindung, entstehen ihm dadurch keine Anschaffungskosten, von denen AfA bei der Ermittlung der Eink\u00fcnfte aus Vermietung und Verpachtung vorgenommen werden k\u00f6nnten. EStG \u00a7\u00a7 7, 9, 21; EStDV \u00a7 11d. 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