{"id":28032,"date":"1981-02-11T00:27:30","date_gmt":"1981-02-10T22:27:30","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=28032"},"modified":"2013-08-09T09:15:08","modified_gmt":"2013-08-09T07:15:08","slug":"bfh-urteil-vom-11-2-1981-ii-r-106_79-bstbl-1981-ii-s-380","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-11-2-1981-ii-r-106_79-bstbl-1981-ii-s-380\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 11.2.1981 (II R 106\/79) BStBl. 1981 II S. 380"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 11.2.1981 (II R 106\/79) BStBl. 1981 II S. 380<\/strong><\/p>\n<p>\u00a7 8 des Nordrhein-Westf\u00e4lischen GrEStG i. d. F. vom 12. Juli 1970 verst\u00f6\u00dft nicht deshalb gegen den Gleichheitsgrundsatz, weil er die Steuerverg\u00fcnstigung auf den Grundst\u00fcckserwerb mit Hilfe solcher Kapitalabfindungen beschr\u00e4nkt, die nach den Vorschriften des Bundesversorungsgesetzes gewahrt werden.<\/p>\n<p>GrEStG NW 1970 \u00a7 8.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG D\u00fcsseldorf<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) ist infolge eines Arbeitsunfalles zu 100 % in seiner Erwerbsf\u00e4higkeit gemindert. Er und seine Ehefrau erwarben 1975 zu je 1\/2 ein Grundst\u00fcck mit aufstehendem Wohnhaus. Sie beantragten Befreiung von der Grunderwerbsteuer &#8222;gem\u00e4\u00df \u00a7 8 des Grunderwerbsteuergesetzes, in Verbindung mit \u00a7 607 RVO&#8220; und legten die Fotokopie eines Bescheides der Berufsgenossenschaft vor, wonach dem Kl\u00e4ger gem\u00e4\u00df den \u00a7\u00a7 607 bis 612 und 1583 der Reichsversicherungsordnung (RVO) zum Kauf des genannten Grundst\u00fccks eine teilweise Abfindung der bisher gew\u00e4hrten Dauerrente gezahlt wurde.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) setzte Grunderwerbsteuer fest. Den Antrag auf Steuerbefreiung lehnte das FA ab; die Kapitalabfindung sei nicht, wie \u00a7 8 des Nordrhein-Westf\u00e4lischen Grunderwerbsteuergesetzes i. d. F. vom 12. Juli 1970 &#8211; GrEStG 1970 &#8211; (Gesetz- und Verordnungsblatt Nordrhein-Westfalen 1970 S. 612 &#8211; GVBl NW 1970, 612) voraussetze, nach den Vorschriften des Bundesversorgungsgesetzes (BVG) oder einer Rechtsvorschrift gew\u00e4hrt worden, in der die Vorschriften des Bundesversorgungsgesetzes \u00fcber die Gew\u00e4hrung einer Kapitalabfindung f\u00fcr entsprechend anwendbar erkl\u00e4rt sind.<\/p>\n<p>Der Einspruch wurde zur\u00fcckgewiesen, nachdem die Berufsgenossenschaft dem FA auf Anfrage geantwortet hatte, die Voraussetzungen und das Verfahren \u00fcber die Abfindung von Unfallrenten zum Erwerb von Grundbesitz seien in den bezeichneten Vorschriften der Reichsversicherungsordnung abschlie\u00dfend geregelt. Es werde dort nicht auf die Vorschriften des Bundesversorgungsgesetzes verwiesen.<\/p>\n<p>Die Klage wies das Finanzgericht (FG) ab.<\/p>\n<p>\u00a7 8 GrEStG 1970 beg\u00fcnstige nach seinem eindeutigen Wortlaut nicht den Grundst\u00fcckserwerb mit Hilfe einer Kapitalabfindung, die nach den Vorschriften der Reichsversicherungsordnung gew\u00e4hrt werde. Der Gleichheitsgrundsatz des Art. 3 des Grundgesetzes (GG) sei dadurch nicht verletzt. Er verbiete nur eine willk\u00fcrliche Differenzierung. Der Kreis der beg\u00fcnstigten Personen sei in \u00a7 8 GrEStG 1970 aber nicht willk\u00fcrlich abgegrenzt. Vielmehr habe der Gesetzgeber hier Personen beg\u00fcnstigt, die auf Verlangen des Staates unmittelbar f\u00fcr die Allgemeinheit h\u00e4tten Opfer bringen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Eine verfassungskonforme Auslegung des \u00a7 8 GrEStG 1970 scheitere \u00fcberdies daran, da\u00df der Wortlaut dieser Vorschrift eindeutig und nicht auslegungsf\u00e4hig sei.<\/p>\n<p>Das Urteil des FG ist in den Entscheidungen der Finanzgerichte 1979 S. 565 (EFG 1979, 565) ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die vom FG zugelassene Revision der Kl\u00e4gers ist unbegr\u00fcndet und daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO). Das angefochtene Urteil l\u00e4\u00dft keine Rechtsverletzung erkennen.<\/p>\n<p>\u00a7 8 GrEStG 1970 verst\u00f6\u00dft nicht gegen Art. 3 GG.<\/p>\n<p>Die vorgenannte Vorschrift beschr\u00e4nkt die Steuerbeg\u00fcnstigung auf solche Personen, die entweder unmittelbar aufgrund des Bundesversorgungsgesetzes bzw. In entsprechender Anwendung dieses Gesetzes einen Anspruch auf Kapitalabfindung haben oder deren Rentenanspruch gem\u00e4\u00df \u00a7 65 BVG ruht. F\u00fcr diese Beschr\u00e4nkung gibt es sachlich einleuchtende Gr\u00fcnde. Sie beruht auf der Erw\u00e4gung, da\u00df der Staat zur Wiedergutmachung des durch die fr\u00fchere Staatsgewalt verursachten Schadens verpflichtet sei (vgl. dazu den Beschlu\u00df des Bundesverfassungsgerichts &#8211; BVerfG &#8211; vom 12. Oktober 1977 1 BvR 243\/77, H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1977 S. 585 &#8211; HFR 1977, 585-, und das Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 13. Juli 1977 II R 149\/76, BFHE 123, 66, BStBl II 1977, 849). Das gleiche gilt f\u00fcr bestimmte Hinterbliebene der gesch\u00e4digten Personen. Allerdings haben solche Gr\u00fcnde keinen &#8222;Ewigkeitswert&#8220;. Sie sind daher dem Wandel der Anschauungen unterworfen. Mit wachsendem Abstand zum zweiten Weltkrieg ist in den 70er Jahren die Tendenz erkennbar geworden, den Staat zur F\u00fcrsorge f\u00fcr alle K\u00f6rperbehinderten ohne R\u00fccksicht auf die Ursache der Behinderung zu verpflichten (vgl. dazu das BFH-Urteil vom 15. Januar 1975 II R 152\/72, BFHE 114, 449, BStBl II 1975, 274). Einen ersten Ansatz zur Verwirklichung dieser Tendenz enth\u00e4lt das Gesetz zur Weiterentwicklung des Schwerbesch\u00e4digtenrechts vom 24. April 1974 (BGBl I 1974, 981), durch welches u. a. das bisherige Schwerbesch\u00e4digtengesetz in &#8222;Schwerbehindertengesetz&#8220; umbenannt wurde. Das letztgenannte Gesetz stellt nicht mehr auf die Ursache der Behinderung ab. Sp\u00e4ter folgte das Gesetz \u00fcber die unentgeltliche Bef\u00f6rderung Schwerbehinderter im \u00f6ffentlichen Personenverkehr vom 9. Juli 1979 (BGBl I 1979, 989), welches den Kreis der unentgeltlich zu bef\u00f6rdernden Personen gegen\u00fcber dem bis dahin geltenden Gesetz \u00fcber die unentgeltliche Bef\u00f6rderung von Kriegs- und Wehrdienstbesch\u00e4digten sowie von anderen Behinderten im Nahverkehr vom 27. August 1965 (BGBl I 1965, 978) auf alle gehbehinderten Personen ohne R\u00fccksicht auf die Ursache der Behinderung ausdehnte. Auf dem Gebiet der Verkehrsteuern brachte das Kraftfahrzeugsteuergesetz i. d. F. vom 1. Februar 1979- KraftStG 1979-(BGBl I 1979, 132) eine \u00e4hnliche \u00c4nderung. Jetzt k\u00f6nnen nach \u00a7 3 Nr. 11 dieses Gesetzes gehbehinderte Personen ohne R\u00fccksicht auf die Ursache ihrer Behinderung und ihre wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse einen PKW oder ein Kraftrad steuerfrei halten, nach dem bis dahin geltenden Recht (zuletzt \u00a7 3 Abs. 1 des Kraftfahrzeugsteuergesetzes i. d. F. vom 1. Dezember 1972 &#8211; KraftStG 1972 -) waren die wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse unber\u00fccksichtigt zu lassen nur bei &#8222;Schwerbesch\u00e4digten i. S. des Bundesversorgungsgesetzes und Personen, die den K\u00f6rperschaden infolge nationalsozialistischer Verfolgungs- oder Unterdr\u00fcckungsma\u00dfnahmen aus politischen, rassischen oder religi\u00f6sen Gr\u00fcnden erlitten haben&#8220;.<\/p>\n<p>Ob die bezeichnete Tendenz Anla\u00df sein kann die Steuerverg\u00fcnstigung des \u00a7 8 GrEStG 1970 in dem vom Kl\u00e4ger erstrebten Umfang zu erweitern, ist allein den gesetzgebenden K\u00f6rperschaften vorbehalten (Art. 20 Abs. 3 GG). Ihnen liegt der Entwurf eines neuen Grunderwerbsteuergesetzes bereits vor (Bundesrats-Drucksache 585\/80). Er sieht allerdings keine Erweiterung der Steuerverg\u00fcnstigung, sondern deren Aufhebung bei gleichzeitiger Senkung des Steuersatzes vor. Sein Ziel ist es, das \u00dcberma\u00df an Steuerbefreiungen zu beseitigen und dadurch das Grunderwerbsteuerrecht zu vereinfachen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 11.2.1981 (II R 106\/79) BStBl. 1981 II S. 380 \u00a7 8 des Nordrhein-Westf\u00e4lischen GrEStG i. d. F. vom 12. Juli 1970 verst\u00f6\u00dft nicht deshalb gegen den Gleichheitsgrundsatz, weil er die Steuerverg\u00fcnstigung auf den Grundst\u00fcckserwerb mit Hilfe solcher Kapitalabfindungen beschr\u00e4nkt, die nach den Vorschriften des Bundesversorungsgesetzes gewahrt werden. GrEStG NW 1970 \u00a7 8. 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