{"id":28038,"date":"1981-02-17T00:27:34","date_gmt":"1981-02-16T22:27:34","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=28038"},"modified":"2013-08-09T09:13:15","modified_gmt":"2013-08-09T07:13:15","slug":"bfh-beschluss-vom-17-2-1981-vii-r-14_80-bstbl-1981-ii-s-395","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-17-2-1981-vii-r-14_80-bstbl-1981-ii-s-395\/","title":{"rendered":"BFH-Beschlu\u00df vom 17.2.1981 (VII R 14\/80) BStBl. 1981 II S. 395"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Beschlu\u00df vom 17.2.1981 (VII R 14\/80) BStBl. 1981 II S. 395<\/strong><\/p>\n<p>Der im Revisionsverfahren gem\u00e4\u00df Art. 1 Nr. 1 BFH-EntlastG durch einen Rechtsanwalt vertretene Revisionskl\u00e4ger kann die Revision ohne Mitwirkung des Bevollm\u00e4chtigten und sogar gegen dessen Willen selbst zur\u00fccknehmen.<\/p>\n<p>BFH-EntlastG Art. 1 Nr. 1; FGO \u00a7 64 Abs. 1, \u00a7 125.<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit Schreiben vom 25. August 1980 erkl\u00e4rte der Kl\u00e4ger pers\u00f6nlich, in seiner Revisionssache VII R 14\/80 ziehe er hiermit seine durch Rechtsanwalt M eingelegte Revision zur\u00fcck. Mit Schreiben vom 24. Oktober 1980 hat Rechtsanwalt M erkl\u00e4rt, er nehme die Revision nicht zur\u00fcck und bitte um Entscheidung.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger hat durch sein Schreiben vom 25. August 1980 die durch seinen Proze\u00dfbevollm\u00e4chtigten Rechtsanwalt M gegen das FG-Urteil vom 4. Oktober 1979 eingelegte Revision nach \u00a7 125 FGO rechtswirksam zur\u00fcckgenommen. F\u00fcr die Zur\u00fccknahme der Revision brauchte er sich nicht gem\u00e4\u00df Art. 1 Nr. 1 des Gesetzes zur Entlastung des Bundesfinanzhofs (BFH-EntlastG) vom 8. Juli 1975 (BGBl I 1975, 1861) vertreten zu lassen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der VIII. Senat des BFH hat im Beschlu\u00df vom 14. Juli 1976 VIII R 52\/76 (BFHE 119, 233, BStBl II 1976, 630) entschieden, da\u00df die Revision, die von einer nach Art. 1 Nr. 1 BFH-EntlastG als Bevollm\u00e4chtigter zugelassenen Person eingelegt worden ist, vom Revisionskl\u00e4ger selbst ohne Mitwirkung des Bevollm\u00e4chtigten zur\u00fcckgenommen werden kann. Der erkennende VII. Senat h\u00e4lt diese Entscheidung im Ergebnis f\u00fcr richtig, wenn er auch der vom VIII. Senat gegebenen Begr\u00fcndung, die Zur\u00fccknahme der Revision nach \u00a7 125 FGO k\u00f6nne auch zu Protokoll der Gesch\u00e4ftsstelle erkl\u00e4rt werden, so da\u00df nach \u00a7 155 FGO i. V. m. \u00a7 78 Abs. 2 der Zivilproze\u00dfordnung (ZPO) f\u00fcr diese Proze\u00dfhandlung kein Vertretungszwang bestehe, nicht zu folgen vermag. Die vom VIII. Senat f\u00fcr seine Begr\u00fcndung zitierten Ausf\u00fchrungen von Tipke-Kruse, Reichsabgabenordnung\/Finanzgerichtsordnung, Kommentar, \u00a7 72 FGO Anm. 3, beziehen sich nicht auf die R\u00fccknahme der Revision, sondern auf die R\u00fccknahme der beim FG erhobenen Klage. Die ebenfalls vom VIII. Senat zitierten Kommentatoren v. Wallis-List in H\u00fcbschmann-Hepp-Spitaler, Kommentar zur Reichsabgabenordnung\/Finanzgerichtsordnung, 1. bis 6. Aufl., \u00a7 125 FGO Anm. 3, verkennen, da\u00df die Rechtslage bei der Revisionsr\u00fccknahme anders ist als bei der Klager\u00fccknahme. Die von der herrschenden Meinung vertretene Auffassung, die Klager\u00fccknahme k\u00f6nne auch zur Niederschrift des Urkundsbeamten der Gesch\u00e4ftsstelle erkl\u00e4rt werden, rechtfertigt sich dadurch, da\u00df die Klage nach \u00a7 64 Abs. 1 Satz 2 FGO beim FG auch zur Niederschrift des Urkundsbeamten der Gesch\u00e4ftsstelle erhoben werden kann, ein Anwaltszwang daf\u00fcr nicht besteht und deshalb der Kl\u00e4ger auch befugt sein mu\u00df, die Klage auch ohne Anwalt wieder zur\u00fcckzunehmen (vgl. Gr\u00e4ber, Finanzgerichtsordnung, \u00a7 72 Anm. 3 A). Diese Gesichtspunkte k\u00f6nnen nicht auf die R\u00fccknahme der Revision angewandt werden, da die Einlegung dieses Rechtsmittels und das Verfahren vor dem Revisionsgericht gem\u00e4\u00df Art. 1 Nr. 1 BFH-EntlastG dem Vertretungszwang unterliegt und die in \u00a7 64 Abs. 1 Satz 2 FGO f\u00fcr die Erhebung der Klage vorgesehene M\u00f6glichkeit, sie zur Niederschrift des Urkundsbeamten der Gesch\u00e4ftsstelle zu erkl\u00e4ren, in den Vorschriften des \u00a7 120 FGO \u00fcber die Einlegung der Revision nicht vorgesehen ist.<\/p>\n<p>Der erkennende VII. Senat sieht die Rechtfertigung daf\u00fcr, da\u00df der bei der Einlegung der Revision gem\u00e4\u00df Art. 1 Nr. 1 BFH-EntlastG durch einen Rechtsanwalt als Bevollm\u00e4chtigten vertretene Revisionskl\u00e4ger die Revision ohne Mitwirkung des Bevollm\u00e4chtigten und sogar gegen dessen Willen selbst zur\u00fccknehmen kann, in der Notwendigkeit, eine f\u00fcr den Revisionskl\u00e4ger unbillige F\u00f6rmelei zu vermeiden, die mit Sinn und Zweck des Gesetzes zur Entlastung des Bundesfinanzhofs nicht zu vereinbaren w\u00e4re. Im Beschlu\u00df vom 31. Januar 1978 VII K 2\/77 (BFHE 124, 156, BStBl II 1978, 232), der die Zur\u00fccknahme einer gem\u00e4\u00df \u00a7 37 Nr. 2 FGO beim BFH erhobenen, nach Art. 1 Nr. 1 BFH-EntlastG dem Vertretungszwang unterliegenden Klage betrifft, hat der erkennende Senat entschieden, da\u00df eine solche ohne Mitwirkung eines Bevollm\u00e4chtigten i. S. des Art. 1 Nr. 1 BFH-EntlastG erhobene Klage vom Kl\u00e4ger auch ohne Mitwirkung eines Bevollm\u00e4chtigten zur\u00fcckgenommen werden kann, weil sich ein Verlangen nach Heranziehung eines Anwalts nur zum Zwecke der Klager\u00fccknahme als f\u00fcr den Kl\u00e4ger unbillige F\u00f6rmelei erweisen w\u00fcrde. Dieser Grund trifft auch f\u00fcr den vorliegenden Fall zu, da\u00df das nach Art. 1 Nr. 1 BFH-EntlastG dem Vertretungszwang unterliegende Rechtsmittel unter Mitwirkung eines Bevollm\u00e4chtigten eingelegt worden ist, der Bevollm\u00e4chtigte jedoch dem Begehren des Rechtsmittelkl\u00e4gers nach Zur\u00fccknahme des Rechtsmittels nicht entsprechen will und deshalb der Rechtsmittelkl\u00e4ger bei strenger Auslegung des Art. 1 Nr. 1 BFH-EntlastG gezwungen w\u00fcrde, einen anderen Bevollm\u00e4chtigten allein f\u00fcr die Erkl\u00e4rung der R\u00fccknahme des Rechtsmittels zu bestellen. Das Gesetz zur Entlastung des Bundesfinanzhofs bringt durch seine Vorschriften nur den Willen des Gesetzgebers zum Ausdruck, den Zugang zum BFH einzuschr\u00e4nken und das Verfahren vor dem BFH zu vereinfachen. Es entspricht diesem Zweck, seine Vorschriften \u00fcber den Vertretungszwang in denjenigen F\u00e4llen zugunsten des Verfahrensbeteiligten gro\u00dfz\u00fcgig auszulegen, bei denen es um die Beendigung eines beim BFH anh\u00e4ngig gewordenen Verfahrens geht (vgl. hierzu auch die BFH-Beschl\u00fcsse vom 16. Juni 1978 VI R 3\/78, BFHE 125, 149, BStBl II 1978, 464; vom 13. M\u00e4rz 1979 VII K2\/79, BFHE 127, 309 BStBl II 1979, 431 und vom 17. Juli 1979 VII B20\/77, BFHE 128, 327, BStBl II 1979, 707).<\/p>\n<p>F\u00fcr die Wirksamkeit der R\u00fccknahme der Revision bedurfte es keiner Einwilligung des Revisionsbeklagten, da der Kl\u00e4ger nicht auf m\u00fcndliche Verhandlung verzichtet hatte, eine m\u00fcndliche Verhandlung nicht stattgefunden hat und kein Vorbescheid ergangen ist (vgl. \u00a7 125 Abs. 1 Satz 2 FGO). Die Erkl\u00e4rung des Rechtsanwalts M im Schriftsatz vom 24. Oktober 1980, er nehme die Revision nicht zur\u00fcck, ist bedeutungslos, weil in diesem Zeitpunkt der Kl\u00e4ger selbst die Revision bereits wirksam zur\u00fcckgenommen hatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Beschlu\u00df vom 17.2.1981 (VII R 14\/80) BStBl. 1981 II S. 395 Der im Revisionsverfahren gem\u00e4\u00df Art. 1 Nr. 1 BFH-EntlastG durch einen Rechtsanwalt vertretene Revisionskl\u00e4ger kann die Revision ohne Mitwirkung des Bevollm\u00e4chtigten und sogar gegen dessen Willen selbst zur\u00fccknehmen. 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