{"id":28050,"date":"1981-02-24T00:27:17","date_gmt":"1981-02-23T22:27:17","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=28050"},"modified":"2013-08-09T09:17:43","modified_gmt":"2013-08-09T07:17:43","slug":"bfh-beschluss-vom-24-2-1981-viii-b-14_78-bstbl-1981-ii-s-416","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-24-2-1981-viii-b-14_78-bstbl-1981-ii-s-416\/","title":{"rendered":"BFH-Beschlu\u00df vom 24.2.1981 (VIII B 14\/78) BStBl. 1981 II S. 416"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Beschlu\u00df vom 24.2.1981 (VIII B 14\/78) BStBl. 1981 II S. 416<\/strong><\/p>\n<p>\u00a7 155 Abs. 2 und \u00a7 162 Abs. 3 AO 1977 i. d. F. des Gesetzes zur \u00c4nderung des Einkommensteuergesetzes, des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes und anderer Gesetze vom 20. August 1980 (BGBl I 1980, 1545, BStBl I 1980, 589) sind auch dann im gerichtlichen Verfahren zu ber\u00fccksichtigen, wenn die Verwaltungsentscheidung vor Inkrafttreten dieser Vorschriften ergangen ist.<\/p>\n<p>AO 1977 \u00a7\u00a7 155 Abs. 2, 162 Abs. 3; FGO \u00a7 69.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Rheinland-Pfalz<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Antragsteller und Beschwerdegegner (Antragsteller) begehrte in seiner Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr 1972 bis 1975 den Ausgleich (\u00a7 2 des Einkommensteuergesetzes &#8211; EStG -) und Abzug (\u00a7 10d EStG) folgender Verlustanteile aus Beteiligungen an drei Abschreibungsgesellschaften:<\/p>\n<table width=\"411\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"17%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"21%\">\n<p align=\"RIGHT\">1972<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"30%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"31%\">\n<p align=\"RIGHT\">1973<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"17%\">SA<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"21%\">Leasing<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"30%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"31%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"17%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"21%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"30%\">540.000 DM<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"31%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"17%\">TB<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"21%\">Leasing<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"30%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"31%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"17%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"21%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"30%\">120.000 DM<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"31%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"TOP\" width=\"17%\">C<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"21%\">Film<\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"30%\"><\/td>\n<td valign=\"TOP\" width=\"31%\">\n<p align=\"RIGHT\">433.413 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Antragsgegner und Beschwerdef\u00fchrer (das Finanzamt &#8211; FA -) ber\u00fccksichtigte diese Verlustanteile in den Einkommensteuerbescheiden 1972 bis 1975 nicht, mit der Begr\u00fcndung, da\u00df die Feststellungsbescheide der Betriebs-F\u00c4 hierf\u00fcr noch nicht vorl\u00e4gen. Der Antragsteller legte gegen die Einkommensteuerbescheide Einspruch ein. Seinen Antrag, die Vollziehung der Einkommensteuerbescheide bis zum Ergehen der Feststehungsbescheide in H\u00f6he der Betr\u00e4ge auszusetzen, um die sich die Steuerforderungen mindern w\u00fcrden, wenn die Beteiligungsverluste anerkannt w\u00fcrden, lehnte das FA ab.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) gab dem Antrag auf Aussetzung der Vollziehung im vollen Umfange statt. Zur Begr\u00fcndung verwies es auf die Entscheidungen des FG D\u00fcsseldorf, Senate in K\u00f6ln, vom 20. Dezember 1976 VIII 115\/76 S (Entscheidungen der Finanzgerichte 1977 S. 179 &#8211; EFG 1977, 179 -) und vom 6. Juli 1977 VII 220\/77 AE (EFG 1977, 543), des Nieders\u00e4chsischen FG vom 13. Januar 1977 VII 183\/76 (EFG 1977, 180) und vom 26. Januar 1977 VIII 87\/76 (EFG 1977, 375) und des FG Rheinland-Pfalz vom 28. April 1977 III 4a\/77 (EFG 1977, 384), die mit der \u00fcberwiegenden Meinung der Fachliteratur \u00fcbereinstimmten (Hinweis auf Pelka, Steuer und Wirtschaft 1977, S. 334 &#8211; StuW 1977, 344-). Der vom Bundesfinanzhof (BFH) im Beschlu\u00df vom 1. August 1973 I B 29\/73 (BFHE 110, 177, BStBl II 1973, 854) vertretenen Ansicht k\u00f6nne es sich nicht anschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Mit der wegen Abweichung von der Rechtsprechung des BFH zugelassenen Beschwerde macht das FA geltend, da\u00df eine Aussetzung der Vollziehung nicht in Betracht komme, da die ge\u00e4nderten Steuerbescheide Rechtens seien. Es entspreche der st\u00e4ndigen Rechtsprechung des BFH, da\u00df der Erla\u00df eines Folgebescheides vor der Erteilung eines Grundlagenbescheides nicht gegen die Vorschriften des \u00a7 180 Abs. 1 Nr. 2a der Abgabenordnung (AO 1977) versto\u00dfe (Hinweis auf BFH-Beschlu\u00df vom 29. Juli 1976 VIII B 6\/75, BFHE 120, 9, BStBl II 1977, 119). Auch der Ansatz eines Verlustes mit null DM ber\u00fchre die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Einkommensteuerbescheides nicht. Das Wohnsitz-FA sei nicht befugt, Eink\u00fcnfte, die durch einheitliche und gesonderte Feststellung ermittelt w\u00fcrden, mangels fehlender Mitteilungen selbst festzustellen und der Einkommensteuerveranlagung zugrunde zu legen (\u00a7 182 Abs. 1 AO 1977). Dies w\u00fcrde dem eigentlichen Feststellungsverfahren vorgreifen.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, den angefochtenen Beschlu\u00df aufzuheben und den Antrag des Antragstellers zur\u00fcckzuweisen, soweit mit ihm eine Aussetzung der Vollziehung begehrt wird, die \u00fcber die am 20. M\u00e4rz 1978 bewilligte hinausgehe. Wegen der nunmehr ausgesetzten Betr\u00e4ge w\u00fcrde das Verfahren in der Hauptsache f\u00fcr erledigt erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Der Antragsteller widerspricht den Ausf\u00fchrungen des FA. Er beantragt, die Beschwerde als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen und den Antragsteller von Verfahrenskosten freizustellen. Soweit das FA die Hauptsache f\u00fcr erledigt erkl\u00e4rt habe, schlie\u00dfe er sich dem an.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Beschwerde des FA ist nicht begr\u00fcndet. Mit dem FG ist, wenn auch aus anderen Gr\u00fcnden, davon auszugehen, da\u00df ernstliche Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der angefochtenen Einkommensteuerbescheide f\u00fcr 1972 bis 1975 bestehen (\u00a7 69 Abs. 3 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<\/p>\n<p>1. Der Senat kann offenlassen, ob er an seiner Meinung im Beschlu\u00df in BFHE 120, 9, BStBl II 1977, 119, der sich die FG \u00fcberwiegend angeschlossen haben und die auch im Schrifttum \u00fcberwiegend geteilt wird (vgl. die o. a. Hinweise), festhalten oder ob er die Meinung im Beschlu\u00df des I. Senats des BFH in BFHE 110, 177, BStBl II 1973, 854 teilen w\u00fcrde. Er kann weiter offenlassen, ob er sich der neuerdings im Urteil des I. Senats vom 17. Mai 1978 I R 50\/77 (BFHE 125, 423, BStBl II 1978, 579) oder der hierzu in einem gewissen Widerspruch stehenden Ansicht des IV. Senats im Beschlu\u00df vom 19. Oktober 1978 IV B 34\/77 (BFHE 125, 510, BStBl II 1978, 632) anschlie\u00dfen w\u00fcrde. \u00a7 155 Abs. 2, \u00a7 162 Abs. 3 AO 1977 i. d. F. des Gesetzes zur \u00c4nderung des Einkommensteuergesetzes, des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes und anderer Gesetze vom 20. August 1980 (BGBl I 1980, 1545, BStBl I 1980, 589) schreiben nunmehr vor, da\u00df ein Steuerbescheid erteilt werden kann, auch wenn ein Grundlagenbescheid noch nicht erlassen wurde und da\u00df in diesem Fall die in einem Grundlagenbescheid festzustellenden Besteuerungsgrundlagen gesch\u00e4tzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese \u00c4nderung auf dem Gebiete des Verwaltungsverfahrensrechtes, die die Verwaltung im Falle einer Aufhebung der Verwaltungsentscheidung und Fortf\u00fchrung des Verfahrens nach neuem Recht zu beachten h\u00e4tte, sind auch in einem anh\u00e4ngigen Gerichtsverfahren zu ber\u00fccksichtigen. Wie der erkennende Senat in seinem Urteil vom 8. Februar 1977 VIII R 50\/74 (BFHE 121, 379, BStBl II 1977, 516) ausgesprochen hat, entspricht dies dem Grundsatz, da\u00df neues Verfahrensrecht auch f\u00fcr schwebende Verfahren gilt, soweit nicht ausdr\u00fccklich etwas anderes vorgeschrieben ist, und dem Grundsatz der Proze\u00df\u00f6konomie. Diese Ansicht entspricht weiter auch der neueren Richtung in der Rechtsprechung, f\u00fcr die Frage, ob ein Urteil auf einer Rechtsverletzung beruht, nicht auf eine fehlerhafte Beurteilung durch das Gericht im Zeitpunkt seiner Entscheidung abzustellen, sondern darauf, ob das Urteil im Zeitpunkt der Entscheidung des Rechtsmittelgerichtes mit dem Gesetz objektiv im Einklang steht (BFHE 121, 379, BStBl II 1977, 516, mit weiteren Hinweisen).<\/p>\n<p>2. Wendet man diese Grunds\u00e4tze an, so erweist sich die angefochtene Entscheidung im Ergebnis auch nach neuem Recht als zutreffend.<\/p>\n<p>a) Das FG hat es als m\u00f6glich erachtet, da\u00df der Folgebescheid bereits vor Erla\u00df des Grundlagenbescheides ergehen kann. Diese Rechtsmeinung findet nunmehr in \u00a7 155 Abs. 2 AO 1977 eine St\u00fctze. Daher k\u00f6nnen unter diesem Blickwinkel keine ernstlichen Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der angefochtenen Einkommensteuerbescheide hergeleitet werden.<\/p>\n<p>b) Das FG hat gleichwohl ernstliche Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der angefochtenen Bescheide bejaht, weil das FA (Wohnsitz FA) keine Entscheidungskompetenz f\u00fcr einen Ansatz der Verlustanteile in H\u00f6he von null DM gehabt habe. Diese Ansicht des FG ist dadurch \u00fcberholt, da\u00df nach \u00a7 162 Abs. 3 AO 1977 das Wohnsitz FA, das nach \u00a7 155 Abs. 2 AO 1977 den Folgebescheid vor dem Grundlagenbescheid erlassen will, die durch den Grundlagenbescheid festzustellenden Besteuerungsgrundlagen sch\u00e4tzen kann. Der Wortlaut des \u00a7 162 Abs. 3 AO 1977 bedeutet nicht, da\u00df es das FA in der Hand hat, ob es in dem Einkommensteuerbescheid die in einem Grundlagenbescheid festzustellenden Besteuerungsgrundlagen \u00fcberhaupt ansetzt. Will das FA den Einkommensteuerbescheid vor Ergehen des Grundlagenbescheides erlassen, so mu\u00df es diese Besteuerungsgrundlagen ber\u00fccksichtigen. Denn \u00a7 25 EStG gebietet den Ansatz aller im Veranlagungszeitraum angefallenen Eink\u00fcnfte. Dies folgt auch aus dem Untersuchungsgrundsatz des \u00a7 88 Abs. 2 AO 1977, wonach die Finanzbeh\u00f6rde alle f\u00fcr den Einzelfall bedeutsamen, auch die f\u00fcr die Beteiligten g\u00fcnstigen Umst\u00e4nde zu ber\u00fccksichtigen hat.<\/p>\n<p>c) Ernstliche Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der angefochtenen Bescheide bestehen aber deshalb, weil das FA diese Bescheide erlassen hat, ohne selbst zu pr\u00fcfen, ob die erkl\u00e4rten Verlustanteile des Antragstellers dem Grunde und der H\u00f6he nach anzusetzen sind. Die Tatsache, da\u00df das Betriebs-FA die Verlustanteile noch nicht festgestellt hat, ist nach \u00a7 155 Abs. 2, \u00a7 162 Abs. 3 AO 1977 i. d. F. des Gesetzes zur \u00c4nderung des Einkommensteuergesetzes, des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes und anderer Gesetze vom 20. August 1980 kein ausreichender Grund mehr, die Verlustanteile im Einkommensteuerbescheid nicht zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Beschlu\u00df vom 24.2.1981 (VIII B 14\/78) BStBl. 1981 II S. 416 \u00a7 155 Abs. 2 und \u00a7 162 Abs. 3 AO 1977 i. d. F. des Gesetzes zur \u00c4nderung des Einkommensteuergesetzes, des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes und anderer Gesetze vom 20. 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