{"id":28058,"date":"1981-02-19T00:24:44","date_gmt":"1981-02-18T22:24:44","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=28058"},"modified":"2013-08-09T09:48:00","modified_gmt":"2013-08-09T07:48:00","slug":"bfh-urteil-vom-19-2-1981-iv-r-141_77-bstbl-1981-ii-s-433","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-19-2-1981-iv-r-141_77-bstbl-1981-ii-s-433\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 19.2.1981 (IV R 141\/77) BStBl. 1981 II S. 433"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 19.2.1981 (IV R 141\/77) BStBl. 1981 II S. 433<\/strong><\/p>\n<p>Zu den Voraussetzungen einer Anwendung des \u00a7 15 (Abs. 1) Nr. 2 Halbsatz 2 EStG, wenn eine KG mietweise ein Grundst\u00fcck nutzt, das einer anderen teilweise gesellschafteridentischen Personengesellschaft geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>EStG \u00a7 15 (Abs. 1) Nr. 2, GewStG \u00a7 7.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG M\u00fcnchen<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin), eine Kommanditgesellschaft, betreibt einen Einzelhandel mit optischen Erzeugnissen. Gesellschafter der Kl\u00e4gerin waren in den Streitjahren 1970 bis 1972 A als Komplement\u00e4r und B, C und D als Kommanditisten mit einer Beteiligung von je 25 v.H.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin betrieb ihr gewerbliches Unternehmen in gemieteten R\u00e4umen des Anwesens B-Stra\u00dfe. Dieses Grundst\u00fcck geh\u00f6rte einer Kommanditgesellschaft (im folgenden A-KG), deren Gesellschafter zu je 1\/3 A, B und D waren. Die Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume, die die A-KG an die Kl\u00e4gerin vermietet hatte, machten etwa 1\/3 der gesamten Fl\u00e4che des Geb\u00e4udes aus.<\/p>\n<p>Bei der Ermittlung ihrer Gewinn- und Gewerbeertr\u00e4ge f\u00fcr die Streitjahre 1970 bis 1972 behandelte die Kl\u00e4gerin die an die A-KG gezahlten Mietzinsen gewinnmindernd als Betriebsausgaben.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber vertrat der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) im Anschlu\u00df an eine Betriebspr\u00fcfung die Auffassung, da\u00df die Vermietung des dem Betrieb der Kl\u00e4gerin dienenden Grundst\u00fccksteils steuerlich &#8222;als Einbringung zur Nutzung&#8220; zu werten sei. Demgem\u00e4\u00df seien der vermietete Grundst\u00fccksteil notwendiges (Sonder-)Betriebsverm\u00f6gen eines Teiles der Gesellschafter der Kl\u00e4gerin und die Mietzinsen keine Betriebsausgaben, sondern gem\u00e4\u00df \u00a7 15 Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) Vorweggewinnanteile der an der A-KG beteiligten Gesellschafter der Kl\u00e4gerin, also von A, B und D, und zwar in H\u00f6he der gezahlten Mietzinsen abz\u00fcglich der anteiligen Geb\u00e4udeunkosten.<\/p>\n<p>Auf dieser Grundlage erlie\u00df das FA Gewerbesteuerme\u00dfbescheide f\u00fcr 1970 bis 1972.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin erhob Sprungklage.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) wies die Sprungklage ab, weil es keinen wesentlichen Unterschied mache, &#8222;ob ein Wirtschaftsgut einer Personengesellschaft von einem einzelnen Mitunternehmer oder von mehreren &#8211; in einer weiteren Mitunternehmerschaft zusammengeschlossenen -Gesellschaften zur Nutzung \u00fcberlassen ist&#8220;; demgem\u00e4\u00df sei \u00a7 15 Nr. 2 EStG auch in diesem Falle anzuwenden, und zwar auch bei der Ermittlung des dem Gewerbeertrag zugrunde zu legenden Gewinns. Dabei sei auch gleichg\u00fcltig, ob in der das Wirtschaftsgut \u00fcberlassenden und in der es nutzenden Gesellschaft die gleichen Beteiligungsverh\u00e4ltnisse best\u00fcnden oder nicht (Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 28. September 1951 I 11\/45 U, BFHE 56, 35, BStBl III 1952, 15; vom 18. M\u00e4rz 1958 I 147\/57 U, BFHE 66, 683, BStBl III 1958, 262; vom 12. Februar 1965 VI 306\/63, H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1965 S. 404 &#8211; HFR 1965, 404 -). Nicht zu entscheiden sei, ob die Mietertr\u00e4ge bei der A-KG gewerbesteuerpflichtig seien.<\/p>\n<p>Mit der Revision, die das FG wegen der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung der Rechtssache zulie\u00df, beantragt die Kl\u00e4gerin, die Gewerbesteuerme\u00dfbetr\u00e4ge f\u00fcr 1970 um 700 DM, f\u00fcr 1971 um 750 DM und f\u00fcr 1972 um 950 DM herabzusetzen. Die Kl\u00e4gerin r\u00fcgt unrichtige Anwendung des \u00a7 7 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) und des \u00a7 15 Nr. 2 EStG.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision mu\u00df zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur\u00fcckverweisung des Rechtsstreits an das FG f\u00fchren, weil die bisherigen tats\u00e4chlichen Feststellungen f\u00fcr eine abschlie\u00dfende rechtliche Beurteilung nicht ausreichen.<\/p>\n<p>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7 7 GewStG ist der Gewerbeertrag der nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes zu ermittelnde Gewinn, vermehrt und vermindert um die in den \u00a7\u00a7 8 und 9 GewStG bezeichneten Betr\u00e4ge. Nach \u00a7 15 (Abs. 1) Nr. 2 Halbsatz 2 EStG geh\u00f6ren zu den einkommensteuerpflichtigen Eink\u00fcnften aus Gewerbebetrieb neben den Gewinnanteilen der Gesellschafter einer KG &#8222;die Verg\u00fctungen, die der Gesellschafter von der Gesellschaft &#8230; f\u00fcr die \u00dcberlassung von Wirtschaftsg\u00fctern bezogen hat&#8220;.<\/p>\n<p>Es entspricht st\u00e4ndiger Rechtsprechung des BFH, da\u00df zu den f\u00fcr die Bestimmung des Gewerbeertrags im Sinne des Gewerbesteuergesetzes ma\u00dfgeblichen Vorschriften des Einkommensteuergesetzes auch \u00a7 15 (Abs. 1) Nr. 2 Halbsatz 2 EStG zu rechnen ist und da\u00df demgem\u00e4\u00df auch Sonderverg\u00fctungen im Sinne dieser Vorschrift zum Gewerbeertrag der Personengesellschaft geh\u00f6ren, die derartige Sonderverg\u00fctungen an einen Gesellschafter leistet (z.B. Urteile vom 14. Dezember 1978 IV R 98\/74, BFHE 127, 45, BStBl II 1979, 284, mit weiteren Nachweisen; vom 6. November 1980 IV R 182\/77, BFHE 132, 93).<\/p>\n<p>2. Die Anwendbarkeit des \u00a7 15 (Abs. 1) Nr. 2 Halbsatz 2 EStG entf\u00e4llt nicht schon deshalb, weil die von einer KG f\u00fcr die Nutzung von Wirtschaftsg\u00fctern geleisteten Verg\u00fctungen (z.B. Mietzinsen) bei demjenigen, der diese Verg\u00fctungen bezieht, nach den allgemeinen Gewinnermittlungsvorschriften einkommensteuerrechtlich zu den Eink\u00fcnften aus Gewerbebetrieb geh\u00f6ren w\u00fcrden und gewerbesteuerrechtlich Bestandteil eines gewerbesteuerpflichtigen Gewerbeertrags w\u00e4ren, wenn die Verg\u00fctungen nicht bereits gem\u00e4\u00df \u00a7 15 (Abs. 1) Nr. 2 Halbsatz 2 EStG bei der die Verg\u00fctung gew\u00e4hrenden KG zu erfassen w\u00e4ren (z.B. BFH-Urteil vom 18. Juli 1979 I R 199\/75, BFHE 128, 516, BStBl II 1979, 750).<\/p>\n<p>3. Der erkennende Senat hat jedoch mit Urteil vom 6. November 1980 IV R 5\/77 (BFHE 132, 241, BStBl II 1981, 307) entschieden, da\u00df \u00a7 15 (Abs. 1) Nr. 2 Halbsatz 2 EStG nicht anwendbar ist, wenn eine KG Verg\u00fctungen f\u00fcr T\u00e4tigkeiten im Rahmen eines Schuldverh\u00e4ltnisses gew\u00e4hrt, das zivilrechtlich nicht mit einem (oder allen) ihrer Gesellschafter besteht, sondern mit einer anderen (gewerblich t\u00e4tigen) Personengesellschaft, an der die Gesellschafter der die Verg\u00fctung gew\u00e4hrenden KG ebenfalls beteiligt sind, es sei denn, da\u00df der Gesellschafter der KG (zus\u00e4tzlich) eine eigene Leistungspflicht gegen\u00fcber ihrer KG obliegt, zu deren Erf\u00fcllung sie sich der anderen Personengesellschaft bedienen.<\/p>\n<p>Diese Erkenntnis mu\u00df sinngem\u00e4\u00df gelten, wenn, wie im Streitfall, eine KG Verg\u00fctungen f\u00fcr die \u00dcberlassung von Wirtschaftsg\u00fctern zur Nutzung gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>a) Die genannten Rechtsgrunds\u00e4tze erfordern allerdings, wie bereits angedeutet, da\u00df diejenige Personengesellschaft, die t\u00e4tig ist oder Wirtschaftsg\u00fcter zur Nutzung \u00fcberl\u00e4\u00dft und daf\u00fcr Verg\u00fctungen erh\u00e4lt, mit diesen Verg\u00fctungen einkommensteuerrechtliche Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb bezieht und gewerbesteuerpflichtig ist. Hingegen wird \u00a7 15 (Abs. 1) Nr. 2 Halbsatz 2 EStG bei der Gewinnermittlung f\u00fcr die die Verg\u00fctung gew\u00e4hrende KG nicht ausgeschlossen, wenn die KG die Verg\u00fctungen einer Personengesellschaft gew\u00e4hrt, zu der sich alle oder ein Teil der Gesellschafter der KG zum Beispiel zur Erbringung freiberuflicher Leistungen gegen\u00fcber der KG zusammengeschlossen haben (BFH-Urteile vom 30. November 1978 IV R 15\/73, BFHE 126, 461, BStBl II 1979, 236; vom 23. Mai 1979 I R 56\/77, BFHE 128, 505\/510, BStBl II 1979, 763). Entsprechendes mu\u00df gelten, wenn die KG die Verg\u00fctungen einer (ganz oder teilweise gesellschafteridentischen) Personengesellschaft gew\u00e4hrt, die nur verm\u00f6gensverwaltend t\u00e4tig ist und zum Beispiel nur Eink\u00fcnfte aus Vermietung und Verpachtung bezieht (vgl. bereits BFH-Urteil in BFHE 56, 35, BStBl III 1952, 15; dazu auch Littmann, Die Information 1974 S. 529).<\/p>\n<p>b) Die genannten Rechtsgrunds\u00e4tze erfordern des weiteren, da\u00df diejenige Personengesellschaft, die t\u00e4tig ist oder Wirtschaftsg\u00fcter zur Nutzung \u00fcberl\u00e4\u00dft, von den Gesellschaftern der die Verg\u00fctung gew\u00e4hrenden KG (oder einem Teil ihrer Gesellschafter) nicht nur vorgeschoben ist, um eine Anwendung des \u00a7 15 (Abs. 1) Nr. 2 Halbsatz 2 EStG bei der die Verg\u00fctung gew\u00e4hrenden KG zu umgehen (z.B. das BFH-Urteil vom 15. Januar 1981 IV R 76\/77, BFHE 132, 289, BStBl II 1981, 314).<\/p>\n<p>4. F\u00fcr den Streitfall folgt hieraus, da\u00df die Vorentscheidung aufzuheben ist, da sie noch von anderen Rechtsgrunds\u00e4tzen ausgeht, n\u00e4mlich einer uneingeschr\u00e4nkten einkommen- und gewerbesteuerrechtlichen Gleichwertigkeit unmittelbarer und mittelbarer Nutzungs\u00fcberlassung jedenfalls in den F\u00e4llen, in denen alle Gesellschafter der die Wirtschaftsg\u00fcter zur Nutzung \u00fcberlassenden Personengesellschaft (hier der A-KG) auch an der nutzenden und daf\u00fcr Verg\u00fctung zahlenden KG (hier der Kl\u00e4gerin) beteiligt sind.<\/p>\n<p>Der Senat kann nicht selbst entscheiden, da nicht festgestellt ist,<\/p>\n<p>a) ob die A-KG in den Streitjahren aus der Vermietung der Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume an die Kl\u00e4gerin einkommensteuerrechtliche Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb bezogen hat und mit diesen Eink\u00fcnften gewerbesteuerpflichtig war. Dies ist auch unter dem rechtlichen Gesichtspunkt der Betriebsaufspaltung &#8211; Besitzunternehmen im Verh\u00e4ltnis zur Kl\u00e4gerin &#8211; zu pr\u00fcfen;<\/p>\n<p>b) ob den Gesellschaftern A, B und D der Kl\u00e4gerin, also den alleinigen Gesellschaftern der A-KG, hinsichtlich der der Kl\u00e4gerin \u00fcberlassenen Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume eine eigene Leistungspflicht gegen\u00fcber der Kl\u00e4gerin oblegen hat, zu deren Erf\u00fcllung sie sich der A-KG bedienten und<\/p>\n<p>c) ob die Gesellschafter A, B und D der Kl\u00e4gerin, die zugleich die alleinigen Gesellschafter der A-KG sind, diese bei der Vermietung der Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume an die Kl\u00e4gerin nur vorgeschoben haben, um eine Anwendung des \u00a7 15 (Abs. 1) Nr. 2 Halbsatz 2 EStG bei der Kl\u00e4gerin zu umgehen.<\/p>\n<p>Sollten die Frage zu a) zu bejahen und die Fragen zu b) und c) zu verneinen sein, so ist der Klage stattzugeben. Das FA wird sodann zu pr\u00fcfen haben, ob die Gewerbesteuerme\u00dfbetragsfestsetzung f\u00fcr die A-KG gem\u00e4\u00df \u00a7 174 der Abgabenordnung zu \u00e4ndern ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 19.2.1981 (IV R 141\/77) BStBl. 1981 II S. 433 Zu den Voraussetzungen einer Anwendung des \u00a7 15 (Abs. 1) Nr. 2 Halbsatz 2 EStG, wenn eine KG mietweise ein Grundst\u00fcck nutzt, das einer anderen teilweise gesellschafteridentischen Personengesellschaft geh\u00f6rt. EStG \u00a7 15 (Abs. 1) Nr. 2, GewStG \u00a7 7. 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