{"id":28085,"date":"1981-02-11T00:27:33","date_gmt":"1981-02-10T22:27:33","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=28085"},"modified":"2013-08-09T09:13:01","modified_gmt":"2013-08-09T07:13:01","slug":"bfh-urteil-vom-11-2-1981-i-r-13_77-bstbl-1981-ii-s-475","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-11-2-1981-i-r-13_77-bstbl-1981-ii-s-475\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 11.2.1981 (I R 13\/77) BStBl. 1981 II S. 475"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 11.2.1981 (I R 13\/77) BStBl. 1981 II S. 475<\/strong><\/p>\n<p>Der Bundesfinanzhof pr\u00fcft die Auslegung von Vertr\u00e4gen auch unter dem Gesichtspunkt, ob das Finanzgericht die f\u00fcr die Auslegung bedeutsamen, au\u00dferhalb des Vertragstextes liegenden Umst\u00e4nde erforscht und ber\u00fccksichtigt hat.<\/p>\n<p>FGO \u00a7 76 Abs. 1, \u00a7 96 Abs. 1 Satz 1, \u00a7 118.<\/p>\n<p>Vorinstanz: Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zutreffend hat das FG entschieden, da\u00df die Kl\u00e4gerin ihrer ausl\u00e4ndischen Gesellschafterin (X) durch die Zahlung der Verg\u00fctung f\u00fcr das von den Eheleuten K eingegangene Wettbewerbsverbot keinen Vorteil zugewendet hat, welcher als verdeckte Gewinnaussch\u00fcttung zu werten ist (\u00a7 6 Abs. 1 Satz 2 KStG, \u00a7 20 Abs. 2 Nr. 1, \u00a7 43 Abs. 1 Nr. 1, \u00a7 44, \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 5 EStG), mithin, da\u00df die Kl\u00e4gerin mit dieser Zahlung keine Verpflichtung ihrer Gesellschafterin X, sondern eine ihr selbst obliegende Verpflichtung erf\u00fcllt hat. Um eine ihr obliegende Verbindlichkeit handelte es sich, weil die Kl\u00e4gerin Inhaberin der Rechte aus der Wettbewerbsvereinbarung geworden ist. Das FG hat festgestellt, da\u00df diese Rechte der Kl\u00e4gerin und nicht der X zustanden. Diese Feststellung ist, wie sich aus den folgenden Ausf\u00fchrungen ergibt, f\u00fcr den erkennenden Senat bindend (\u00a7 118 Abs. 2 FGO). Daher ist kein Raum f\u00fcr die Annahme einer verdeckten Gewinnaussch\u00fcttung an die X und f\u00fcr eine sich hieraus ergebende Haftung der Kl\u00e4gerin f\u00fcr die streitige Kapitalertragsteuer.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt der vom FG vorzunehmenden Tatsachenw\u00fcrdigung standen die beiden Vertr\u00e4ge von 1972 und von 1973, welche die Eheleute K zuerst mit der X und dann mit der Kl\u00e4gerin geschlossen haben. Das FG hat den ersten Vertrag als Rahmenvereinbarung gewertet und demgem\u00e4\u00df den zweiten Vertrag als eine nur noch erg\u00e4nzende Festlegung angesehen. Diese W\u00fcrdigung war m\u00f6glich. Sie l\u00e4\u00dft keinen Rechtsfehler erkennen.<\/p>\n<p>Der Senat geht dabei davon aus, da\u00df die W\u00fcrdigung der Vertr\u00e4ge durch das FG revisionsrechtlich daraufhin zu pr\u00fcfen ist, ob das FG die Willenserkl\u00e4rungen der Beteiligten richtig ausgelegt, ob es vor allem die gesetzlichen Auslegungsregeln (\u00a7 133, \u00a7 157 BGB) beachtet und nicht gegen Denkgesetze und Erfahrungss\u00e4tze versto\u00dfen hat. Denn die Auslegung eines Vertrages ist, wie der BFH in st\u00e4ndiger Rechtsprechung entschieden hat, Rechtsanwendung (vgl. Urteile vom 16. November 1967 V 118\/65, BFHE 91, 336, BStBl II 1968, 348; vom 5. Mai 1976 I R 166\/74, BFHE 119, 478, BStBl II 1976, 717; vom 30. November 1977 I R 27\/75, BFHE 124, 56, BStBl II 1978, 149; vom 1. Juni 1979 III R 53\/78, BFHE 128, 299, BStBl II 1979, 636; vom 4. Dezember 1979 VII R 29\/77, BFHE 130, 226, BStBl II 1980, 488). So hat das Revisionsgericht auch zu pr\u00fcfen, ob das FG die f\u00fcr die Vertragsauslegung bedeutsamen Begleitumst\u00e4nde erforscht hat (vgl. BFH-Urteil in BFHE 130, 226, BStBl II 1980, 488), besonders die Interessenlage der Beteiligten (vgl. BFH-Urteil vom 25. Juli 1979 II R 105\/77, BFHE l28, 544, BStBl II 1980, 11). Denn nach der angef\u00fchrten Rechtsprechung m\u00fcssen bei der Vertragsauslegung auch au\u00dferhalb der Vertr\u00e4ge liegende Umst\u00e4nde beachtet werden. Das Revisionsgericht nimmt eine Auslegung selbst vor, wenn die Tatsacheninstanz sie unterlassen, aber die dazu notwendigen Feststellungen getroffen hat (BGH-Urteil vom 25. September 1975 VII ZR 179\/73, BGHZ 65, 107, HFR, 1976, 182). F\u00fcr die steuerrechtliche Beurteilung von Vertr\u00e4gen ist an das Ergebnis der Auslegung anzukn\u00fcpfen, bei welcher nicht nur das formell Vereinbarte, sondern auch und vor allem das von den Vertragsbeteiligten wirklich Gewollte und tats\u00e4chlich Durchgef\u00fchrte ber\u00fccksichtigt ist (vgl. \u00a7 5 Abs. 1 und 3 StAnpG = \u00a7 41 AO 1977). Unter allen diesen Gesichtspunkten bietet die Vorentscheidung keinen Anla\u00df zur Beanstandung.<\/p>\n<p>Das FA verkennt, da\u00df die Vertragsbeteiligten nach den Feststellungen des FG tats\u00e4chlich ihre Beziehungen hinsichtlich des Wettbewerbsverbots eindeutig in dem Sinne geregelt und gestaltet haben, da\u00df im Zeitpunkt der Zahlung der Verg\u00fctung f\u00fcr das Wettbewerbsverbot (31. Januar 1973) die Kl\u00e4gerin als Berechtigte aus dieser Vereinbarung feststand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 11.2.1981 (I R 13\/77) BStBl. 1981 II S. 475 Der Bundesfinanzhof pr\u00fcft die Auslegung von Vertr\u00e4gen auch unter dem Gesichtspunkt, ob das Finanzgericht die f\u00fcr die Auslegung bedeutsamen, au\u00dferhalb des Vertragstextes liegenden Umst\u00e4nde erforscht und ber\u00fccksichtigt hat. FGO \u00a7 76 Abs. 1, \u00a7 96 Abs. 1 Satz 1, \u00a7 118. 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