{"id":28114,"date":"1981-01-29T00:29:41","date_gmt":"1981-01-28T22:29:41","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=28114"},"modified":"2013-07-29T10:32:42","modified_gmt":"2013-07-29T08:32:42","slug":"bfh-urteil-vom-29-1-1981-v-r-43_77-bstbl-1981-ii-s-542","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-29-1-1981-v-r-43_77-bstbl-1981-ii-s-542\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 29.1.1981 (V R 43\/77) BStBl. 1981 II S. 542"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 29.1.1981 (V R 43\/77) BStBl. 1981 II S. 542<\/strong><\/p>\n<p>Der Abwicklungsschein, mit dem die Voraussetzungen gem\u00e4\u00df Art. 67 Abs. 3 NATO-ZAbK nachzuweisen sind (vgl. \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 1 NATO-ZAbK-UStDV i. d. F. vom 20. Dezember 1967), kann als Bestandteil des buchm\u00e4\u00dfigen Nachweises noch bis zur letzten m\u00fcndlichen Verhandlung vor dem FG \u00fcber eine Klage gegen die erstmalige endg\u00fcltige Steuerfestsetzung oder den Berichtigungsbescheid vorgelegt werden.<\/p>\n<p>NATO-ZAbK Art. 67 Abs. 3; NATO-ZAbK-UStDV \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: Hessisches FG<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) betreibt das Fliesenlegerhandwerk. Er verlegte aufgrund eines ihm von einer amtlichen Beschaffungsstelle jeweils erteilten Auftrages im Jahre 1969 f\u00fcr US-Dienststellen der NATO-Stationierungskr\u00e4fte in F Fliesen zum Preis von 12.289,42 DM und von 29.796,70 DM. Entsprechend den Angaben des Kl\u00e4gers in seiner Umsatzsteuererkl\u00e4rung f\u00fcr 1969 und den entsprechenden Aufzeichnungen in seinen Gesch\u00e4ftsunterlagen lie\u00df der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) diese vom Kl\u00e4ger erkl\u00e4rten Ums\u00e4tze als solche i. S. des Art. 67 Abs. 3 des Zusatzabkommens zu dem Abkommen zwischen den Parteien des Nordatlantikvertrages \u00fcber die Rechtsstellung ihrer Truppen hinsichtlich der in der Bundesrepublik Deutschland stationierten ausl\u00e4ndischen Truppen vom 3. August 1959 (NATO-ZAbK) umsatzsteuerfrei.<\/p>\n<p>Aufgrund einer nachfolgenden Umsatzsteuerpr\u00fcfung hat das FA durch Berichtigungsbescheid (\u00a7 222 Abs. 1 Satz 1 der Reichsabgabenordnung &#8211; AO -) die Umsatzsteuerschuld des Kl\u00e4gers unter Versagung der Steuerbefreiung f\u00fcr die beiden erw\u00e4hnten Ums\u00e4tze auf 33.113,04 DM festgesetzt; nach den getroffenen Feststellungen lagen f\u00fcr die beiden Auftr\u00e4ge die erforderlichen Abwicklungsscheine nicht vor.<\/p>\n<p>Mit der Klage hat der Kl\u00e4ger die beiden &#8211; am 21. August 1972 von der zust\u00e4ndigen amtlichen Beschaffungsstelle ordnungsgem\u00e4\u00df ausgef\u00fcllten &#8211; Abwicklungsscheine f\u00fcr die beiden oben erw\u00e4hnten Leistungen vorgelegt. Nach den Abwicklungsscheinen sind die Leistungen des Kl\u00e4gers f\u00fcr die Truppe erbracht und die Zahlungen aus einem Konto der amtlichen Beschaffungsstelle bei der Amexco-Bank in Frankfurt geleistet worden.<\/p>\n<p>Nach Auffassung des Kl\u00e4gers ist der angefochtene und urspr\u00fcnglich rechtm\u00e4\u00dfige Umsatzsteuerberichtigungsbescheid vom 9. Oktober 1972 im Hinblick auf die Nachreichung der Abwicklungsscheine rechtswidrig geworden, da das Gesetz einen bestimmten Zeitpunkt f\u00fcr deren Vorlage nicht vorschreibe.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger hat beantragt, den Berichtigungsbescheid aufzuheben.<\/p>\n<p>Das FA vertritt dagegen zum Nachweis der begehrten Steuerbefreiung den Standpunkt, die Abwicklungsscheine h\u00e4tten wie Belege f\u00fcr die Ausfuhr sp\u00e4testens bei der Umsatzsteuerpr\u00fcfung vorliegen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) hat die Klage abgewiesen und zur Begr\u00fcndung die Auffassung vertreten, die Vorlage der Abwicklungsscheine erst nach Durchf\u00fchrung des Einspruchsverfahrens gegen den Berichtigungsbescheid k\u00f6nne keine materiell-rechtlichen Wirkungen mehr haben.<\/p>\n<p>Mit der Revision verfolgt der Kl\u00e4ger seinen Antrag auf ersatzlose Aufhebung des angefochtenen Berichtigungsbescheides weiter.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision des Kl\u00e4gers ist begr\u00fcndet, weil der Kl\u00e4ger die beiden fehlenden Abwicklungsscheine rechtzeitig vorgelegt hat.<\/p>\n<p>Die vom Kl\u00e4ger in Anspruch genommene Steuerbefreiung gem\u00e4\u00df Art. 67 Abs. 3 Buchst. a NATO-ZAbK setzt u. a. voraus, da\u00df die materiell-rechtlichen Voraussetzungen den zust\u00e4ndigen deutschen Beh\u00f6rden nachgewiesen werden. Nach Buchst. c a. a. O. wird die Art dieses Nachweises durch Vereinbarung zwischen den deutschen Beh\u00f6rden und den Beh\u00f6rden des betreffenden Entsendestaates festgelegt. Der Nachweis ist durch einen Abwicklungsschein zu f\u00fchren (vgl. Erla\u00df des Bundesministers der Finanzen &#8211; BdF &#8211; vom 15. Dezember 1969 IV A\/3 &#8211; S 7492 &#8211; 31\/69, Abschn. C Nr. 5 Abs. 1 und Anlg. 3, BStBl I 1970, 150, 157).<\/p>\n<p>Aufgrund des \u00a7 9 des Truppenzollgesetzes vom 17. Januar 1963 &#8211; TrZG 1962 &#8211; (BGBl I 1963, 51) hat die Bundesregierung erg\u00e4nzend die Verordnung zur Durchf\u00fchrung der umsatzsteuerlichen Vorschriften des Zusatzabkommens vom 3. August 1959 zu dem Abkommen zwischen den Parteien des Nordatlantikvertrages vom 19. Juni 1951 \u00fcber die Rechtsstellung ihrer Truppen &#8211; NATO-Truppenstatut &#8211; vom 30. September 1963 &#8211; NATO-ZAbK-UStDV &#8211; (BGBl I 1963, 769) i. d. F. vom 20. Dezember 1967 (BGBl I 1961, 1296) erlassen. Nach \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 1 dieser Verordnung hat der Unternehmer, der f\u00fcr seine Lieferungen oder Leistungen an NATO-Truppendienststellen Steuerbefreiung in Anspruch nehmen m\u00f6chte, die Voraussetzungen durch einen ordnungsgem\u00e4\u00df ausgef\u00fcllten Abwicklungsschein nach vorgeschriebenem Muster nachzuweisen und die f\u00fcr den Nachweis erforderlichen Aufzeichnungen zu machen.<\/p>\n<p>In dieser Verordnung ist nicht geregelt, wann dieser Abwicklungsschein vorzuliegen hat und die entsprechenden Aufzeichnungen vorgenommen sein m\u00fcssen. Wie sich insbesondere aus \u00a7 1 Abs. 2 NATO-ZAbK-UStDV ergibt, handelt es sich bei dem vom NATO-Zusatzabkommen und der NATO-ZAbK-UStDV geforderten Nachweis um eine kombinierte Beleg- und Buchnachweisregelung (vgl. BFH-Beschlu\u00df vom 25. Oktober 1979 V B 5\/79, BFHE 129, 226, BStBl II 1980, 110). Auf diese k\u00f6nnen angesichts des Fehlens besonderer Vorschriften die zu \u00a7 4 Nr. 1 und \u00a7 6 des Umsatzsteuergesetzes (UStG 1967) entwickelten Grunds\u00e4tze zum Zeitpunkt des Buchnachweises entsprechend angewendet werden. Denn der Abwicklungsschein nimmt in einem wesentlichen Punkt im Nachweisverfahren eine dem Ausfuhrnachweis vergleichbare Stellung ein; er dient dem Nachweis, da\u00df der gelieferte Gegenstand den Bereich der inl\u00e4ndischen Wirtschaft verlassen und den ausl\u00e4ndischen Bereich der NATO-Stationierungsstreitkr\u00e4fte erreicht hat. Wie der Senat mit Urteil vom 28. Februar 1980 V R 118\/76 (BFHE 130, 118, BStBl II 1980, 415) erkannt hat, kann der buchm\u00e4\u00dfige Nachweis und der Ausfuhrnachweis als Bestandteil desselben noch bis zur letzten m\u00fcndlichen Verhandlung vor dem FG \u00fcber eine Klage gegen die erstmalige endg\u00fcltige Steuerfestsetzung oder den Berichtigungsbescheid gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger konnte demgem\u00e4\u00df noch nach Ergehen des Berichtigungsbescheides den gesetzlichen Anforderungen gen\u00fcgen und damit dem Berichtigungsbescheid den Boden entziehen. Dies hat er durch Vorlage der Abwicklungsscheine getan. Nach den Feststellungen des FG lagen die entsprechenden Aufzeichnungen bei Beginn der Pr\u00fcfung vor. Da\u00df der Kl\u00e4ger das Fehlen der Abwicklungsscheine bei der Abgabe der Steuererkl\u00e4rung nicht offengelegt hat, ist jedenfalls f\u00fcr die Gew\u00e4hrung der begehrten Steuerbefreiung ohne Bedeutung (vgl. Abs. 5 der Gr\u00fcnde des Urteils in BFHE 130, 118).<\/p>\n<p>Das angefochtene Urteil war daher aufzuheben. Auf die Klage waren die Einspruchsentscheidung und der angefochtene Berichtigungsbescheid ersatzlos aufzuheben, da die erh\u00f6hte Festsetzung nur die beiden Leistungen des Kl\u00e4gers betrifft, f\u00fcr die er zwischenzeitlich die Abwicklungsscheine vorgelegt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 29.1.1981 (V R 43\/77) BStBl. 1981 II S. 542 Der Abwicklungsschein, mit dem die Voraussetzungen gem\u00e4\u00df Art. 67 Abs. 3 NATO-ZAbK nachzuweisen sind (vgl. \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 1 NATO-ZAbK-UStDV i. d. F. vom 20. 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