{"id":28275,"date":"1981-10-07T00:14:41","date_gmt":"1981-10-06T22:14:41","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=28275"},"modified":"2013-08-15T09:38:40","modified_gmt":"2013-08-15T07:38:40","slug":"bfh-urteil-vom-7-10-1981-ii-r-85_80-bstbl-1982-ii-s-79","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-7-10-1981-ii-r-85_80-bstbl-1982-ii-s-79\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 7.10.1981 (II R 85\/80) BStBl. 1982 II S. 79"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 7.10.1981 (II R 85\/80) BStBl. 1982 II S. 79<\/strong><\/p>\n<p>Der besondere Freibetrag des \u00a7 1 Abs. 2 Nr. 3 GrEStEigWoG steht einem Grundst\u00fccksk\u00e4ufer entsprechend dem Urteil vom 3. Dezember 1980 II R 139\/79 (BFHE 132, 340, BStBl II 1981, 328) auch dann zu, wenn vereinbarungsgem\u00e4\u00df der Erwerb des Erbbaurechtes erst mit Abschlu\u00df des Grundst\u00fcckskaufvertrages wirksam werden soll.<\/p>\n<p>Offen bleibt, ob der besondere Freibetrag auch demjenigen K\u00e4ufer zusteht, welcher Erbbaurecht und Grundst\u00fcck gleichzeitig oder kurz nacheinander von derselben Person erwirbt.<\/p>\n<p>GrEStEigWoG \u00a7 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4, \u00a7 1 Abs. 2 Nr. 3.<\/p>\n<p>Vorinstanz: Nieders\u00e4chsisches FG<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagten (Kl\u00e4ger) erwarben mit notariell beurkundetem Vertrag vom 27. Februar 1978 je zur ideellen H\u00e4lfte ein mit einem Zweifamilienhaus bebautes Erbbaurecht von den Eheleuten P. Dabei vereinbarten sie, da\u00df der Vertrag erst wirksam werden sollte, wenn die Eigent\u00fcmer des mit dem Erbbaurecht belasteten Grundst\u00fccks (Eheleute T) das diesen gleichzeitig gemachte Angebot zum Abschlu\u00df eines Kaufvertrags \u00fcber den Grund und Boden bis zum 20. M\u00e4rz 1978 annehmen. Die Eheleute T nahmen dieses Angebot am 14. M\u00e4rz 1978 in notariell beurkundeter Form an.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) erhob gem\u00e4\u00df \u00a7 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 des Gesetzes zur Grunderwerbsteuerbefreiung beim Erwerb von Einfamilienh\u00e4usern, Zweifamilienh\u00e4usern und Eigentumswohnungen (GrEStEigWoG) f\u00fcr den Erwerb des Erbbaurechts keine Steuer. Dagegen setzte er f\u00fcr den Kauf des Grundst\u00fccks mit zwei Bescheiden Grunderwerbsteuer fest. Den Antrag der Kl\u00e4ger, diesen Erwerb gem\u00e4\u00df \u00a7 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 GrEStEigWoG ebenfalls von der Steuer freizustellen, lehnte das FA ab. Bei Abschlu\u00df des Vertrags vom 27. Februar 1978 h\u00e4tten die Kl\u00e4ger noch keine Wohnung in dem Haus bewohnt, wie die genannte Vorschrift voraussetze. Die Einspr\u00fcche hatten keinen Erfolg.<\/p>\n<p>Auf die gemeinschaftliche Klage hob das Nieders\u00e4chsische Finanzgericht (FG) mit Urteil vom 4. M\u00e4rz 1980 III 462-463\/78 die Steuerbescheide auf. Die beiden notariell beurkundeten Vertr\u00e4ge \u00fcber den Erwerb des Grundst\u00fccks und des Erbbaurechts seien als eine Einheit anzusehen. Der Erwerb des Grundst\u00fccks sei daher ebenso wie der Erwerb des Erbbaurechts gem\u00e4\u00df \u00a7 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 GrEStEigWoG steuerfrei.<\/p>\n<p>Mit seiner Revision beantragt das FA, das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger beantragen, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision des FA ist teilweise begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>1. Der Erwerb des Grundst\u00fccks ist steuerfrei gem\u00e4\u00df \u00a7 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 GrEStEigWoG.<\/p>\n<p>Das erworbene Grundst\u00fcck war bei Abschlu\u00df des Kaufvertrags \u00fcber dieses Grundst\u00fcck mit einem Erbbaurecht belastet, dessen wesentlicher Bestandteil das aufstehende, zu mehr als 66 2\/3 v. H. Wohnzwecken dienende Zweifamilienhaus war. Erbbauberechtigte waren die Kl\u00e4ger; denn gleichzeitig mit Abschlu\u00df des Grundst\u00fcckskaufvertrags hatten sich die bisherigen Inhaber des Erbbaurechts verpflichtet, dieses auf die Kl\u00e4ger zu \u00fcbertragen. Da\u00df die Kl\u00e4ger schon als Erbbauberechtigte im Erbbaugrundbuch eingetragen waren, ist nicht notwendig (vgl. dazu das Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 3. Dezember 1980 II R 139\/79, BFHE 132, 340, BStBl II 1981, 328).<\/p>\n<p>Erforderlich ist au\u00dferdem, da\u00df eine Wohnung in dem Zweifamilienhaus von den Kl\u00e4gern &#8222;bewohnt wird&#8220;. Hierbei gen\u00fcgt es, da\u00df die Kl\u00e4ger k\u00fcnftig binnen f\u00fcnf Jahren seit Erwerb des Erbbaurechts diese Wohnung bewohnen werden; denn die Vorschrift des \u00a7 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 GrEStEigWoG kann nicht f\u00fcr sich allein, sondern nur im Zusammenhang mit den Nrn. 1 bis 3 des \u00a7 1 Abs. 1 Satz 1 des genannten Gesetzes ausgelegt werden (BFHE 132, 340). Da\u00df die Kl\u00e4ger die Wohnung ein Jahr lang bewohnen werden, ist f\u00fcr die Anwendung des \u00a7 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 GrEStEigWoG nicht erforderlich (BFHE 132, 340).<\/p>\n<p>2. Der Senat verkennt nicht, da\u00df es in F\u00e4llen der vorliegenden Art naheliegt, beide Erwerbsvorg\u00e4nge grunderwerbsteuerrechtlich als eine Einheit anzusehen und \u00a7 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 GrEStEigWoG auch auf den Erwerb des Grundst\u00fccks anzuwenden. Der Senat folgt dieser Ansicht des FG aber deshalb nicht, weil dann insgesamt nur der Freibetrag nach \u00a7 1 Abs. 2 Nr. 1 oder Nr. 2 GrEStEigWoG gew\u00e4hrt werden k\u00f6nnte. Damit w\u00fcrden F\u00e4lle der vorliegenden Art ohne Grund anders behandelt werden als diejenigen Sachverhalte, \u00fcber welche mit den BFH-Urteilen vom 2. Juli 1980 II R 132\/79 (BFHE 130, 574, BStBl II 1980, 729) und in BFHE 132, 340, BStBl II 1981, 328 entschieden wurde; dort hat der Senat f\u00fcr den Erwerb des Grundst\u00fccks den besonderen Freibetrag gem\u00e4\u00df \u00a7 1 Abs. 2 Nr. 3 GrEStEigWog zugestanden.<\/p>\n<p>Ob der letztgenannte besondere Freibetrag auch demjenigen K\u00e4ufer zusteht, welcher Erbbaurecht und Grundst\u00fcck gleichzeitig oder kurz nacheinander von derselben Person erwirbt, kann hier offenbleiben.<\/p>\n<p>3. Nach den Ausf\u00fchrungen unter II. 1. ist der Erwerb des Grundst\u00fccks durch die Kl\u00e4ger gem\u00e4\u00df \u00a7 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 GrEStEigWoG nur dann steuerfrei, wenn die Kl\u00e4ger entsprechend ihrer glaubhaften Erkl\u00e4rung innerhalb der nach Nr. 2 ma\u00dfgebenden F\u00fcnfjahresfrist eine Wohnung in dem aufstehenden Haus bewohnen werden. Da \u00a7 3 GrEStEigWoG f\u00fcr die F\u00e4lle des \u00a7 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 nicht gilt, mu\u00df das FA die Kl\u00e4ger nach \u00a7 165 Abs. 1 Satz 1 der Abgabenordnung vorl\u00e4ufig von der Steuer freistellen. Der Senat legt die Klageantr\u00e4ge dahin aus, da\u00df sie auch diese vorl\u00e4ufige Freistellung als das Geringere gegen\u00fcber der beantragten ersatzlosen Aufhebung der Steuerbescheide und der Einspruchsentscheidungen mit einschlie\u00dfen. Da die Kl\u00e4ger statt der uneingeschr\u00e4nkten Aufhebung der Steuerbescheide und der Einspruchsentscheidungen nur die Aufhebung dieser Verwaltungsakte unter Verpflichtung des FA zur vorl\u00e4ufigen Freistellung erreicht haben und die Klage daher nicht in vollem Umfang Erfolg gehabt hat, war sie im \u00fcbrigen abzuweisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 7.10.1981 (II R 85\/80) BStBl. 1982 II S. 79 Der besondere Freibetrag des \u00a7 1 Abs. 2 Nr. 3 GrEStEigWoG steht einem Grundst\u00fccksk\u00e4ufer entsprechend dem Urteil vom 3. 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