{"id":28654,"date":"1981-10-14T00:17:21","date_gmt":"1981-10-13T22:17:21","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=28654"},"modified":"2013-08-09T11:04:48","modified_gmt":"2013-08-09T09:04:48","slug":"bfh-urteil-vom-14-10-1981-ii-r-47_78-bstbl-1982-ii-s-169","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-14-10-1981-ii-r-47_78-bstbl-1982-ii-s-169\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 14.10.1981 (II R 47\/78) BStBl. 1982 II S. 169"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 14.10.1981 (II R 47\/78) BStBl. 1982 II S. 169<\/strong><\/p>\n<p>Ein Erbbauberechtigter, der in Nordrhein-Westfalen 1966 ein Erbbaurecht samt Eigenheim erworben hatte, konnte 1972 das mit dem Erbbaurecht belastete Grundst\u00fcck nicht grunderwerbsteuerfrei erwerben.<\/p>\n<p>GrEStWoBauG NW \u00a7 1 Nr. 1, \u00a7 1 Nr. 5, \u00a7 1 Nr. 7; GrEStG NW \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 1, \u00a7 11 Abs. 2 Nr. 2 Satz 3; GG Art. 3 Abs. 1, Art. 20 Abs. 3, Art. 72 Abs. 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG M\u00fcnster<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) &#8211; Eheleute &#8211; hatten sich 1963 um eines der Kaufeigenheime beworben, welche eine Baugenossenschaft aufgrund eines Erbbaurechts auf dem Grundst\u00fcck &#8230; in &#8230; (Nordrhein-Westfalen) &#8222;im eigenen Namen &#8230; aber f\u00fcr Rechnung des Bewerbers&#8220; zu erstellen beabsichtigte. Das Kaufeigenheim war 1964 bezugsfertig geworden und von den Kl\u00e4gern bezogen worden. Am 12. Mai 1966 hatten die Kl\u00e4ger das Erbbaurecht samt Geb\u00e4ude f\u00fcr 91.982,81 DM erworben. Am 31. Januar 1972 erwarben sie auch das Erbbaurechtsgrundst\u00fcck f\u00fcr 8.190 DM. Sie sind der Ansicht, dieser Erwerbsvorgang sei steuerfrei gem\u00e4\u00df \u00a7 1 Nr. 1 des Gesetzes \u00fcber die Grunderwerbsteuerbefreiung f\u00fcr den Wohnungsbau i. d. F. vom 19. Juni 1958 &#8211; GrEStWoBauG &#8211; (Gesetz- und Verordnungsblatt 1958 S. 282 &#8211; GVBl 1958, 282 -, BStBl II 1958, 105) i. V. m. dem Erla\u00df des Finanzministers des Landes Nordrhein-Westfalen vom 7. Dezember 1959, betreffend Freistellung von der Grunderwerbsteuer beim Erwerb eines Erbbaugrundst\u00fccks nach der Errichtung eines beg\u00fcnstigten Eigenheims (Deutsche Verkehrsteuer-Rundschau 1960 S. 15 &#8211; DVR 1960, 15 -).<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) hielt den Erwerbsvorgang nicht f\u00fcr steuerfrei und setzte durch Bescheide vom 13. November 1973 die Grunderwerbsteuer f\u00fcr jeden der Kl\u00e4ger auf 285 DM fest; die verbundenen Einspr\u00fcche wies er zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Mit ihrer gemeinschaftlichen Klage haben die Kl\u00e4ger begehrt, die beiden Steuerbescheide und die Einspruchsentscheidung aufzuheben. Diese Verwaltungsakte seien rechtswidrig. Entgegen der Ansicht des FA falle auch der Erwerb des Erbbaugrundst\u00fccks nach dessen Bebauung unter die Befreiungsvorschrift des \u00a7 1 Nr. 1 GrEStWoBauG. Das folge zwar nicht unmittelbar aus deren Wortlaut, wohl aber aus deren Sinn und auch aus der Tatsache, da\u00df der Gesetzgeber das Gesetz \u00fcber Grunderwerbsteuerbefreiung f\u00fcr den Wohnungsbau entsprechend erg\u00e4nzt habe durch Art. 2 Nr. 2 des Gesetzes zur \u00c4nderung des Grunderwerbsteuergesetzes vom 8. April 1975 &#8211; GrESt\u00c4ndG 1975 &#8211; (GVBl NW 1975, 298, BStBl I 1975, 637). Im Lande Baden-W\u00fcrttemberg sei schon seit 1962 der Erwerb eines Grundst\u00fccks, auf dem der Erwerber bereits ein beg\u00fcnstigtes Geb\u00e4ude erstellt habe, steuerfrei. Im Lande Nordrhein-Westfalen h\u00e4tten die Erlasse des Finanzministers vom 2. Mai 1957 (Betriebs-Berater 1957 S. 503 Nr. 1017 &#8211; BB 1957, 503 Nr. 1017 -) und vom 7. Dezember 1959 (DVR 1960, 15, 16) &#8222;im Endergebnis zu der gleichen Steuerbefreiung&#8220; gef\u00fchrt. Der Bundesfinanzhof (BFH) habe f\u00fcr das Land Baden-W\u00fcrttemberg den Kauf eines Erbbaugrundst\u00fccks auch dann als steuerfrei beurteilt, wenn der Erwerber nicht selbst in Aus\u00fcbung des Erbbaurechts das Wohngeb\u00e4ude errichtet hatte (Urteil vom 23. Juni 1976 II R 191\/71, BFHE 119, 191, 192, BStBl II 1976, 580). Die gleiche Beurteilung m\u00fcsse f\u00fcr das Land Nordrhein-Westfalen gelten. Das gebiete der Gleichheitssatz.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) hat die Klage abgewiesen. Es hat die Revision zugelassen, weil es der Rechtssache grunds\u00e4tzliche Bedeutung beimi\u00dft.<\/p>\n<p>Mit ihrer Revision r\u00fcgen die Kl\u00e4ger Verletzung des \u00a7 1 Nr. 1 GrEStWoBauG und des Art. 3 des Grundgesetzes (GG). Sie beantragen, das Urteil des FG und die beiden Steuerbescheide aufzuheben, hilfsweise, die Sache an das FG zur\u00fcckzuverweisen.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision der Kl\u00e4ger ist unbegr\u00fcndet und daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<\/p>\n<p>Der Kaufvertrag vom 31. Januar 1972 unterliegt der Grunderwerbsteuer, denn er begr\u00fcndet f\u00fcr die Kl\u00e4ger den Anspruch gegen die Verk\u00e4uferin auf \u00dcbereignung des bezeichneten Grundst\u00fccks (\u00a7 1 Abs. 1 Nr. 1 des Grunderwerbsteuergesetzes &#8211; GrEStG -, \u00a7 433 Abs. 1, \u00a7 741, \u00a7 432 Abs. 1 Satz 1 BGB). Er ist nicht etwa deshalb steuerfrei, weil auf dem erworbenen Grundst\u00fcck im Jahre 1964 aufgrund eines Erbbaurechts ein Eigenheim errichtet und von den Kl\u00e4gern bezogen worden war und die Kl\u00e4ger im Jahre 1966 dieses Erbbaurecht samt dem Eigenheim erworben hatten. Denn eine diesbez\u00fcgliche Befreiungsvorschrift wurde erst sp\u00e4ter in das Gesetz \u00fcber Grunderwerbsteuerbefreiung f\u00fcr den Wohnungsbau eingef\u00fcgt, und zwar mit Wirkung vom 1. Januar 1975 (Art. 2 Nr. 2, Art. 8 GrESt\u00c4ndG 1975). Diesen zeitlichen Geltungsbereich der Befreiungsvorschrift d\u00fcrfen die Finanzverwaltungsbeh\u00f6rden und die FG nicht von sich aus erweitern; denn sie sind an Gesetz und Recht gebunden (Art. 20 Abs. 3 GG).<\/p>\n<p>Aus \u00a7 1 Nr. 1 GrEStWoBauG l\u00e4\u00dft sich eine Steuerbefreiung f\u00fcr den bezeichneten Erwerbsvorgang nicht ableiten. Nach dieser Vorschrift ist unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei &#8222;der Erwerb eines unbebauten Grundst\u00fccks&#8220;. Die Kl\u00e4ger haben indes kein unbebautes, sondern ein bebautes Grundst\u00fcck erworben.<\/p>\n<p>Auch aus \u00a7 1 Nr. 5 Satz 1 GrEStWoBauG l\u00e4\u00dft sich eine Steuerbefreiung f\u00fcr den bezeichneten Vertrag vom 31. Januar 1972 nicht ableiten. Nach dieser Vorschrift ist unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei &#8222;der erste Erwerb&#8220; eines Wohnhauses. Erster Erwerb i. S. dieser Vorschrift war der &#8222;Erbbaurechts\u00fcbertragungsvertrag&#8220; vom 12. Mai 1966. Ihn hat das FA zutreffend als steuerfrei nach \u00a7 1 Nr. 5 Satz 1 GrEStWoBauG beurteilt. Diese Steuerbefreiung l\u00e4\u00dft sich jedoch ohne gesetzliche Grundlage nicht ausdehnen auf den &#8222;Grundst\u00fcckskaufvertrag&#8220; vom 31. Januar 1972. Beide Vertr\u00e4ge sind grunderwerbsteuerrechtlich gesondert zu beurteilen (vgl. BFH-Urteil vom 30. April 1974 II R 79\/66, BFHE 113, 63, 65, BStBl II 1974, 661). Die Steuerbefreiung des \u00a7 1 Nr. 5 Satz 1 GrEStWoBauG endete, nachdem der vom Gesetz als f\u00f6rderungsw\u00fcrdig erachtete Zweck (die \u00dcbernahme des Eigenheims im Jahre 1966) erreicht war (vgl. BFH-Urteil vom 14. Dezember 1977 II R 151\/71, BFHE 124, 242, 243, BStBl II 1978, 202). Die erw\u00e4hnten Vertr\u00e4ge vom 12. Mai 1966 und vom 31. Januar 1972 bilden nicht etwa deshalb rechtlich eine Einheit, weil &#8211; worauf die Kl\u00e4ger hinweisen &#8211; sich die Grundst\u00fcckseigent\u00fcmerin im Erbbauvertrag vom 3. Mai 1960 verpflichtet hatte, &#8222;den Eigenheimen, denen die Erbbauberechtigte das Erbbaurecht erstmalig \u00fcbertr\u00e4gt, ein vererbliches Vorkaufsrecht f\u00fcr jeden Fall der Ver\u00e4u\u00dferung&#8220; des Erbbaugrundst\u00fccks zu bestellen. Denn damit wurde den Kl\u00e4gern das Recht zum Grundst\u00fcckserwerb lediglich f\u00fcr den ungewissen Fall einger\u00e4umt, da\u00df die Grundst\u00fcckseigent\u00fcmerin das Grundst\u00fcck einmal verkauft (\u00a7\u00a7 1094, 504 BGB). Es kann unentschieden bleiben, ob die beiden Vertr\u00e4ge eine rechtliche Einheit dann bilden w\u00fcrden, wenn den Kl\u00e4gern ein Ankaufsrecht einger\u00e4umt worden w\u00e4re (so der BFH in seinem Urteil vom 29. August 1962 II 260\/60 U, BFHE 76, 35, BStBl III 1963, 14). Der erkennende Senat l\u00e4\u00dft auch offen, ob eine andere rechtliche Beurteilung dann geboten w\u00e4re, wenn der Erbbaurechts\u00fcbertragungsvertrag nicht am 12. Mai 1966, sondern erst am 13. Juni 1970 oder sp\u00e4ter geschlossen worden w\u00e4re, also ab einem Zeitpunkt, ab dem auch der Erbbauzins zur Gegenleistung geh\u00f6rt, von deren Wert die Grunderwerbsteuer im allgemeinen berechnet wird (vgl. Art. 1 Nr. 6 Buchst. a, Art. 7 Nr. 2 GrESt\u00c4ndG vom 21. Mai 1970, GVBl NW 1970, 395, BStBl I 1970, 820). Seit diesem Zeitpunkt k\u00f6nnte m\u00f6glicherweise ein Wertungswiderspruch zwischen \u00a7 1 Nr. 5 Satz 1 GrEStWoBauG und \u00a7 11 Abs. 2 Nr. 2 GrEStG bestehen.<\/p>\n<p>Eine Gesetzesl\u00fccke, d. h. eine planwidrige Unvollst\u00e4ndigkeit des Gesetzes, die das Gericht im Wege richterlicher Rechtsfortbildung i. S. der Kl\u00e4ger schlie\u00dfen d\u00fcrfte, liegt nicht vor. Vielmehr lag es im Plan (in der Regelungsabsicht) des Gesetzgebers, einen Tatbestand von der Art, wie die Kl\u00e4ger ihn verwirklicht haben, nicht von der Grunderwerbsteuer zu befreien. Das wird deutlich aus der Zielsetzung des Gesetzes \u00fcber Grunderwerbsteuerbefreiung f\u00fcr den Wohnungsbau (1.) und seiner Entwicklung (2.):<\/p>\n<p>1. Ziel des Gesetzes \u00fcber Grunderwerbsteuerbefreiung f\u00fcr den Wohnungsbau in seiner urspr\u00fcnglichen Fassung von 1952 war es, den sozialen Wohnungsbau zu f\u00f6rdern, um die Wohnungsnot zu lindern (Abschn. I Nr. 2 der Begr\u00fcndung des Gesetzentwurfs, Landtag Nordrhein-Westfalen, 2. Wahlperiode, Bd. II, Drucksache Nr. 512). Dieses Ziel war erreicht, sobald Wohnungen errichtet worden waren, sei es aufgrund Eigentums am Grundst\u00fcck, sei es aufgrund eines Erbbaurechts.<\/p>\n<p>2. a) Das Gesetz \u00fcber Grunderwerbsteuerbefreiung f\u00fcr den Wohnungsbau in seiner urspr\u00fcnglichen Fassung vom 4. M\u00e4rz 1952 (GVBl NW 1952, 33, BStBl II 1952, 46) sah keine Befreiung vor f\u00fcr einen Tatbestand, wie die Kl\u00e4ger ihn verwirklicht haben, obwohl schon damals bekannt war, da\u00df es F\u00e4lle gibt, in denen jemand ein Grundst\u00fcck erwirbt, das zuvor aufgrund eines Erbbaurechts mit einem steuerbeg\u00fcnstigten Geb\u00e4ude bebaut worden war (vgl. das zu \u00a7 8 Nr. 9 GrEStG 1919\/1927 ergangene Urteil des Reichsfinanzhofs &#8211; RFH &#8211; vom 3. Juni 1930 II A 321\/30, Steuer und Wirtschaft 1930 Nr. 1087, RStBl 1930, 454 Nr. 650 nur Leitsatz).<\/p>\n<p>b) Auch das &#8222;Gesetz zur \u00c4nderung und Erg\u00e4nzung des Gesetzes \u00fcber Grunderwerbsteuerbefreiung f\u00fcr den Wohnungsbau&#8220; vom 3. Juni 1958 (GVBl NW 1958, 221, BStBl II 1958, 103) enth\u00e4lt einen solchen Befreiungstatbestand nicht, obwohl<\/p>\n<p>&#8211; die Anwendung des Gesetzes \u00fcber Grunderwerbsteuerbefreiung f\u00fcr den Wohnungsbau in der Praxis gezeigt hatte, &#8222;da\u00df die vorhandenen spezialisierten gesetzlichen Befreiungsvorschriften nicht&#8220; ausreichten, &#8222;alle f\u00f6rderungsw\u00fcrdigen Vorg\u00e4nge zu umfassen&#8220; und &#8222;verschiedene Zweifelsfragen &#8230; einer gesetzlichen Kl\u00e4rung&#8220; bedurften (Abschn. I der Begr\u00fcndung des Gesetzentwurfs, Landtag Nordrhein-Westfalen, 3. Wahlperiode, Bd. V, Drucksache Nr. 643 S. 9),<\/p>\n<p>&#8211; der Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen nicht Gebrauch gemacht hatte von der ihm durch \u00a7 4 Abs. 1 Nr. 2 GrEStWoBauG einger\u00e4umten Erm\u00e4chtigung, &#8222;Rechtsverordnungen&#8220; zur Durchf\u00fchrung des Gesetzes \u00fcber Grunderwerbsteuerbefreiung f\u00fcr den Wohnungsbau zu erlassen, &#8222;soweit das zur Wahrung der Gleichm\u00e4\u00dfigkeit bei der Besteuerung und zur Beseitigung von Unbilligkeiten in H\u00e4rtef\u00e4llen erforderlich ist&#8220; (Art. 70, 71 Nrn. 2 und 3 der Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen vom 28. Juni 1950, GVBl NW 1950, 127), sondern sich darauf beschr\u00e4nkt hatte, einen Erla\u00df an die ihm nachgeordneten Oberfinanzdirektionen D\u00fcsseldorf, K\u00f6ln und M\u00fcnster zu richten und darin zu erkl\u00e4ren, er sei entsprechend dem Sinn und Zweck des Gesetzes &#8222;damit einverstanden&#8220;, da\u00df unter n\u00e4her bezeichneten Voraussetzungen der &#8222;Erwerb eines Erbbaugrundst\u00fccks &#8230; nach der Errichtung eines beg\u00fcnstigten Geb\u00e4udes &#8230; von der Grunderwerbsteuer freigestellt wird&#8220; (Erla\u00df vom 2. Mai 1957 S 4504 &#8211; 21119\/VC-3, BB 1957, 503 Nr. 1017).<\/p>\n<p>c) Im Jahre 1970 wurde das Gesetz \u00fcber Grunderwerbsteuerbefreiung f\u00fcr den Wohnungsbau erneut ge\u00e4ndert und erg\u00e4nzt, um die Befreiungsvorschriften &#8222;an die gegenw\u00e4rtigen Verh\u00e4ltnisse&#8220; anzupassen (Art. 3 GrESt\u00c4ndG vom 21. Mai 1970, GVBl NW 1970, 395, BStBl II 1970, 820, 825 und Abschn. I der Begr\u00fcndung zum Entwurf dieses Gesetzes, Landtag Nordrhein-Westfalen, 6. Wahlperiode, BD. VII, Drucksache Nr. 1145 S. 25, 27, 43). Auch bei dieser Gelegenheit hat der Gesetzgeber eine Befreiungsvorschrift f\u00fcr den Nacherwerb des Erbbaugrundst\u00fccks nicht in das Gesetz eingef\u00fcgt, obwohl<\/p>\n<p>&#8211; andere Bundesl\u00e4nder, z. B. Hessen und Schleswig-Holstein, entsprechende Befreiungsvorschriften geschaffen hatten (\u00a7 4 Abs. 1 Nr. 8 Buchst. h des Hessischen GrEStG i. d. F. der Bekanntmachung vom 31. Mai 1965, GVBl I, 110, BStBl II 1965, 116, und \u00a7 2 Nr. 6 des Schleswig-Holsteinischen Gesetzes \u00fcber die Befreiung von der Grunderwerbsteuer bei Ma\u00dfnahmen des sozialen Wohnungsbaus und bei Ma\u00dfnahmen aus dem Bereich des Bundesbaugesetzes i. d. F. der Bekanntmachung vom 28. Juni 1962, GVBl 1962, 265, BStBl II 1962, 163),<\/p>\n<p>&#8211; der BFH sich mit der grunderwerbsteuerrechtlichen Beurteilung des Nacherwerbs eines Erbbaugrundst\u00fccks befa\u00dft hatte (BFHE 76, 35, BStBl III 1963, 14, ergangen zu \u00a7 1 Nr. 1 des Rheinland-Pf\u00e4lzischen Gesetzes \u00fcber Grunderwerbsteuerbefreiung beim Wohnungsbau vom 14. M\u00e4rz 1955),<\/p>\n<p>&#8211; der Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen sich veranla\u00dft gesehen hatte, seinen angef\u00fchrten Erla\u00df vom 2. Mai 1957 zu erweitern, um ein ihm unbillig erscheinendes Ergebnis zu vermeiden (Erla\u00df vom 7. Dezember 1959 S. 4504 &#8211; 22299\/VC-2, DVR 1960, 15).<\/p>\n<p>d) Als im Jahre 1975 durch das erw\u00e4hnte Gesetz zur \u00c4nderung des Grunderwerbsteuergesetzes vom 8. April 1975 eine Befreiungsvorschrift f\u00fcr den Nacherwerb des Erbbaugrundst\u00fccks in das Gesetz \u00fcber Grunderwerbsteuerbefreiung f\u00fcr den Wohnungsbau eingef\u00fcgt wurde, begrenzte der Gesetzgeber deren Wirkung auf die Zeit ab 1. Januar 1975, und zwar in Kenntnis der Tatsache, da\u00df sich die F\u00e4lle gemehrt hatten, &#8222;in denen Erbbauberechtigte das Erbbaugrundst\u00fcck nachtr\u00e4glich erwerben&#8220; und da\u00df &#8222;einige andere Bundesl\u00e4nder (Baden-W\u00fcrttemberg, Bayern, Hessen, Saarland, Schleswig-Holstein) zwischenzeitlich bereits den Erwerb eines Erbbaugrundst\u00fccks nach der Bebauung von der Grunderwerbsteuer befreit haben&#8220; (S. 15 der Begr\u00fcndung des Gesetzentwurfs, Landtags-Drucksache 7\/4310). F\u00fcr die vorhergehende Zeit ging er davon aus, da\u00df &#8222;ein Erwerb des Erbbaugrundst\u00fccks nach der Bebauung &#8230; grunds\u00e4tzlich nicht mehr unter den beg\u00fcnstigten Zweck&#8220; f\u00e4llt und &#8222;deshalb der Besteuerung&#8220; unterliegt (S. 14 der Begr\u00fcndung, a. a. O.).<\/p>\n<p>Das angefochtene Urteil beruht auch nicht auf einer Verletzung des Art. 3 Abs. 1 GG, wonach &#8222;alle Menschen &#8230; vor dem Gesetz gleich&#8220; sind.<\/p>\n<p>1. a) Der Gleichheitssatz ist insbesondere nicht dadurch verletzt, da\u00df der Nacherwerb des Erbbaugrundst\u00fccks in Nordrhein-Westfalen erst seit 1. Januar 1975, in anderen Bundesl\u00e4ndern (z. B. in Baden-W\u00fcrttemberg) dagegen schon seit l\u00e4ngerer Zeit steuerfrei ist. Denn infolge der f\u00f6derativen Struktur der Bundesrepublik Deutschland braucht ein Landesgesetzgeber den Gleichheitssatz nur innerhalb seines Landes zu wahren (Beschlu\u00df des Bundesverfassungsgerichts &#8211; BVerfG &#8211; vom 10. M\u00e4rz 1976 I BvR 355\/67, BVerfGE 42, 20, 27, und die st\u00e4ndige Rechtsprechung des BFH, zuletzt Urteil vom 3. Dezember 1980 II R 162\/78, BFHE 132, 337, 340, BStBl II 1981, 326, 328).<\/p>\n<p>b) Ohne Einflu\u00df auf diese rechtliche Beurteilung ist die von den Kl\u00e4gern hervorgehobene Tatsache, da\u00df seit dem 1. Januar 1970 der Bund die konkurrierende Gesetzgebung \u00fcber die Grunderwerbsteuer hat (Art. I Nr. 3, Art. II des Finanzreformgesetzes vom 12. Mai 1969, BGBl I 1969, 359, BStBl I 1969, 321, Art. 72 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 3 GG). Denn der Bund war &#8211; mangels eines ausdr\u00fccklichen dahingehenden Auftrags des Grundgesetzes &#8211; nicht verpflichtet, bis zum 31. Januar 1972 (dem Tag des Grundst\u00fcckskaufvertrags) von seiner Kompetenz umfassend Gebrauch zu machen und ein bundeseinheitliches Grunderwerbsteuergesetz zu schaffen (vgl. die bisherige Rechtsprechung des BVerfG zum &#8222;Unterlassen des Gesetzgebers&#8220; in seinem Beschlu\u00df vom 14. Januar 1981 1 BvR 612\/72, BVerfGE 56, 54, 70, Neue Juristische Wochenschrift 1981 S. 1655).<\/p>\n<p>2. Der Gleichheitssatz ist auch nicht dadurch verletzt, da\u00df &#8211; wie die Kl\u00e4ger meinen &#8211; der Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen durch den erw\u00e4hnten Erla\u00df vom 7. Dezember 1959 (DVR 1960, 15) nicht &#8222;alle gleichen Sachverhalte in seinem Rechtsgebiet&#8220; gleichbehandelt habe. Ob diese Behauptung zutrifft, kann hier dahingestellt bleiben. Denn jener Erla\u00df bindet allenfalls die dem Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen unterstellten Verwaltungsbeh\u00f6rden, nicht auch die Gerichte. Die Gerichte sind an &#8222;Gesetz und Recht&#8220; gebunden (Art. 20 Abs. 3 GG). Nach dem &#8222;Gesetz&#8220; aber war es richtig, da\u00df das FA die Kl\u00e4ger ebenso behandelte wie andere Erwerber, f\u00fcr die durch Rechtsgesch\u00e4ft ein Anspruch auf \u00dcbereignung eines inl\u00e4ndischen Grundst\u00fccks begr\u00fcndet worden ist (\u00a7 1 Abs. 1 Nr. 1 GrEStG, Art. 3 Abs. 1 GG). Es sind keine Umst\u00e4nde erkennbar, welche die Anwendung dieses Gesetzes als unvereinbar mit \u00fcbergeordnetem &#8222;Recht&#8220; erscheinen lie\u00dfen. Die Frage, ob ein Sachverhalt von der Art, wie die Kl\u00e4ger ihn verwirklicht haben, nicht schon 1972 von der Grunderwerbsteuer h\u00e4tte befreit werden sollen, haben die gesetzgebenden K\u00f6rperschaften &#8211; wie dargelegt &#8211; verneint. Die Gerichte sind nicht befugt, einen vom Gesetzgeber nicht vorgesehenen Befreiungstatbestand von sich aus zu schaffen oder einen gesetzlich genau umrissenen Befreiungstatbestand aufgrund eigener Wertvorstellungen auszuweiten (Art. 20 Abs. 3 GG; BFH-Urteil vom 30. August 1972 II R 79\/72, BFHE 107, 155, 156, BStBl II 1973, 30).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 14.10.1981 (II R 47\/78) BStBl. 1982 II S. 169 Ein Erbbauberechtigter, der in Nordrhein-Westfalen 1966 ein Erbbaurecht samt Eigenheim erworben hatte, konnte 1972 das mit dem Erbbaurecht belastete Grundst\u00fcck nicht grunderwerbsteuerfrei erwerben. GrEStWoBauG NW \u00a7 1 Nr. 1, \u00a7 1 Nr. 5, \u00a7 1 Nr. 7; GrEStG NW \u00a7 1 Abs. 1 Nr. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-14-10-1981-ii-r-47_78-bstbl-1982-ii-s-169\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 14.10.1981 (II R 47\/78) BStBl. 1982 II S. 169<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-28654","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28654","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28654"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28654\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28654"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28654"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28654"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}