{"id":30423,"date":"2013-03-10T10:29:13","date_gmt":"2013-03-10T08:29:13","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=30423"},"modified":"2013-03-10T10:29:13","modified_gmt":"2013-03-10T08:29:13","slug":"bfh-urteil-vom-11-5-1983-iii-r-112-113_79-bstbl-1983-ii-s-657","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-11-5-1983-iii-r-112-113_79-bstbl-1983-ii-s-657\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 11.5.1983 (III R 112-113\/79) BStBl. 1983 II S. 657"},"content":{"rendered":"<p><b>BFH-Urteil vom 11.5.1983 (III R 112-113\/79) BStBl. 1983 II S. 657<\/p>\n<p>R\u00fcckstellungen wegen Rekultivierungskosten f\u00fcr sog. Altabgrabungen aufgrund des zum 1. Januar 1973 in Kraft getretenen AbgrG vom 21. November 1972 (GV NW 1972, 372) d\u00fcrfen bei der Einheitsbewertung des Betriebsverm\u00f6gens zum 1. Januar 1973 nicht ber\u00fccksichtigt werden, wenn der Bewertung gem\u00e4\u00df \u00a7 106 Abs. 2 BewG die Verh\u00e4ltnisse vom vorausgegangenen Abschlu\u00dfstichtag zugrunde zu legen sind.<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p>BewG \u00a7\u00a7 22 Abs. 4, 103 und 106 Abs. 2.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG M\u00fcnster<\/p>\n<p><b><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) betreibt auf eigenen Grundst\u00fccken in X einen Steinbruch zur Gewinnung von Edelsplitt. In ihren Verm\u00f6gensaufstellungen zum 1. Januar 1971 bis 1. Januar 1973 hatte sie Schuldposten f\u00fcr k\u00fcnftige Rekultivierungskosten zun\u00e4chst nicht angesetzt. Im Verlauf einer Betriebspr\u00fcfung beantragte sie jedoch, R\u00fcckstellungen f\u00fcr Rekultivierungsma\u00dfnahmen auch f\u00fcr das bereits 1970 bis 1972 ausgebeutete Gel\u00e4nde &#8211; sog. Altabgrabungen &#8211; auf der Grundlage des am 1. Januar 1973 in Kraft getretenen Gesetzes zur Ordnung von Abgrabungen vom 21. November 1972 &#8211; AbgrG &#8211; (Gesetz- und Verordnungsblatt f\u00fcr das Land Nordrhein-Westfalen &#8211; GV NW &#8211; 1972, 372) sp\u00e4testens ab 1. Januar 1973 zu ber\u00fccksichtigen. Am 4. Januar 1973 hat sie den Steinbruch der Genehmigungsbeh\u00f6rde gem\u00e4\u00df \u00a7 14 AbgrG angezeigt. Am 12. M\u00e4rz 1979 k\u00fcndigte die Genehmigungsbeh\u00f6rde der Kl\u00e4gerin den Erla\u00df eines Auflagenbescheids gem\u00e4\u00df \u00a7 14 Abs. 2 AbgrG an. Bis zum Erla\u00df der Vorentscheidung wurde ein solcher Bescheid nicht erteilt. Die Kl\u00e4gerin vertritt die Auffassung, nach dem AbgrG sei sie verpflichtet, auch das Gel\u00e4nde von sog. Altabgrabungen zu rekultivieren.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) lehnte es f\u00fcr die hier streitigen Stichtage 1. Januar 1973 und 1. Januar 1977 ab, R\u00fcckstellungen f\u00fcr Rekultivierungskosten auf Altabgrabungen zu ber\u00fccksichtigen. Zwar k\u00f6nne die Genehmigungsbeh\u00f6rde im Einzelfall die Auflage aussprechen, Fl\u00e4chen, die bis zum 31. Dezember 1972 abgegraben worden sind, zu rekultivieren. Eine solche Auflage m\u00fcsse sich jedoch im Rahmen des Zumutbaren halten. Die Zumutbarkeit bestimme sich nach der wirtschaftlichen Gesamtsituation des Unternehmens. Hieraus folge, da\u00df die Verpflichtung zur Rekultivierung sog. Altabgrabungen &#8211; dem Grund und der H\u00f6he nach &#8211; von der Konkretisierung durch eine Ermessensentscheidung der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde abh\u00e4nge.<\/p>\n<p>Nach erfolglosem Einspruchsverfahren hielt die Kl\u00e4gerin mit ihren Klagen an dem Begehren fest, bei der Einheitsbewertung des Betriebsverm\u00f6gens sp\u00e4testens von dem Feststellungszeitpunkt 1. Januar 1973 an eine R\u00fcckstellung f\u00fcr Altabgrabungen in H\u00f6he von jeweils 642.000 DM und zum 1. Januar 1977 in H\u00f6he von 548.000 DM zu ber\u00fccksichtigen. Das Finanzgericht (FG) gab der Klage f\u00fcr die Stichtage 1. Januar 1973 und 1. Januar 1977 statt. Die Verpflichtung der Kl\u00e4gerin zu Rekultivierungsma\u00dfnahmen ergebe sich &#8211; wie das FG ausf\u00fchrte &#8211; dem Grunde nach unmittelbar aus \u00a7 14 Abs. 2 i.V.m. \u00a7 2 Abs. 1 AbgrG. Dem stehe nicht entgegen, da\u00df die Verpflichtung hinsichtlich der Art und des Umfangs der Rekultivierungsma\u00dfnahmen durch einen Bescheid nach \u00a7 14 AbgrG konkretisiert werde.<\/p>\n<p>Das FA r\u00fcgt mit der Revision einen Versto\u00df der Vorentscheidung gegen \u00a7 103 Abs. 1 des Bewertungsgesetzes (BewG) i.V.m. \u00a7 152 Abs. 7 des Aktiengesetzes (AktG). Es beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p><b><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Revision wegen Einheitsbewertung des Betriebsverm\u00f6gens zum 1. Januar 1973 ist begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>1. Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats sind Auff\u00fcll- und Rekultivierungsverpflichtungen bei der Einheitsbewertung des Betriebsverm\u00f6gens dem Grunde nach gem\u00e4\u00df \u00a7 103 BewG 1965 als Betriebsschulden abziehbar (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 26. Oktober 1970 III R 150\/67, BFHE 100, 465, BStBl II 1971, 82). Dies gilt unabh\u00e4ngig davon, ob eine Auff\u00fcll- und Rekultivierungsverpflichtung auf Vertrag oder \u00f6ffentlichem Recht beruht (BFHE 100, 465, BStBl II 1971, 82). Voraussetzung f\u00fcr den Abzug ist, da\u00df eine rechtliche Verpflichtung am ma\u00dfgebenden Stichtag bestand, noch nicht erloschen ist und die Verpflichtung eine wirtschaftliche Belastung darstellt.<\/p>\n<p>2. Der Senat teilt nicht die Auffassung des FG, bei der Einheitsbewertung des Betriebsverm\u00f6gens zum 1. Januar 1973 sei wegen Rekultivierungskosten f\u00fcr Altabgrabungen eine R\u00fcckstellung im Betrag von 642.000 DM zum Abzug zuzulassen.<\/p>\n<p>a) Soweit das FG Bestand und Inhalt der Vorschriften des AbgrG festgestellt hat, ist der Senat allerdings hieran wie an tats\u00e4chliche Feststellungen gebunden (\u00a7 118 Abs. 2 FGO). Denn bei den Vorschriften des AbgrG handelt es sich um Landesrecht (\u00a7 562 der Zivilproze\u00dfordnung &#8211; ZPO &#8211; i.V.m. \u00a7 155 FGO). Dem BFH als Revisionsgericht ist die Pr\u00fcfung des angefochtenen Urteils nur im Hinblick auf die Verletzung von Bundesrecht erlaubt (\u00a7 118 Abs. 1 FGO; Urteil vom 15. November 1978 I R 65\/76, BFHE 126, 424, BStBl II 1979, 193 mit weiteren Hinweisen). Der V. Senat des BFH hat zwar im Urteil vom 8. Juli 1971 V R 1\/68 (BFHE 103, 247, 250, BStBl II 1972, 70) ausgef\u00fchrt, da\u00df nichtrevisibles Recht, soweit es sich dabei um Vorfragen f\u00fcr die Anwendung von bundesrechtlichen Steuerrechtss\u00e4tzen handelt, in der Revisionsinstanz nachpr\u00fcfbar sei (vgl. auch Tipke\/Kruse, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, 10. Aufl., \u00a7 118 FGO Tz. 24). Diese \u00c4u\u00dferung bezieht sich aber, worauf bereits der I. Senat im Urteil in BFHE 126, 424, BStBl II 1979, 193 hingewiesen hat, ersichtlich auf den Fall, da\u00df sich das FG mit Existenz und Inhalt als Vorfrage entscheidungserheblichen Landesrechts nicht befa\u00dft hat. Im Streitfall hat jedoch die Vorinstanz eine hinreichend konkretisierte Rekultivierungspflicht f\u00fcr sog. Altabgrabungen ausdr\u00fccklich auf \u00a7 14 AbgrG i.V.m. \u00a7 2 Abs. 1 AbgrG gest\u00fctzt, so da\u00df dem Senat eine \u00dcberpr\u00fcfung der Vorentscheidung insoweit verwehrt ist.<\/p>\n<p>b) Soweit das FG aus dem von ihm dem Bestand und dem Inhalt nach festgestellten Landesrecht Schl\u00fcsse f\u00fcr die Anwendung des \u00a7 103 BewG gezogen hat, ist die Vorentscheidung im Hinblick auf die Anwendung von Bundesrecht revisibel.<\/p>\n<p>aa) Die Feststellung des Einheitswerts des Betriebsverm\u00f6gens der Kl\u00e4gerin zum 1. Januar 1973 wurde durch Wertfortschreibung gem\u00e4\u00df \u00a7 22 BewG durchgef\u00fchrt. Nach \u00a7 22 Abs. 4 BewG werden der Fortschreibung &#8211; vorbehaltlich des \u00a7 27 BewG &#8211; die Verh\u00e4ltnisse im Fortschreibungszeitpunkt zugrunde gelegt. Die Vorschrift des \u00a7 106 BewG, nach der auch ein anderer Zeitpunkt f\u00fcr die Bestimmung dieser Verh\u00e4ltnisse ma\u00dfgebend sein kann, bleibt jedoch unber\u00fchrt. Gem\u00e4\u00df \u00a7 106 Abs. 2 BewG ist f\u00fcr Betriebe, die regelm\u00e4\u00dfig j\u00e4hrliche Abschl\u00fcsse auf den Schlu\u00df des Kalenderjahres machen, dieser Abschlu\u00dftag zugrunde zu legen. Dies ist jeweils der 31. Dezember 24.00 Uhr (BFH-Urteil vom 3. M\u00e4rz 1978 III R 126\/75, BFHE 124, 548, BStBl II 1978, 366). \u00c4nderungen, die nach diesem Zeitpunkt in den f\u00fcr den Bestand und f\u00fcr die Bewertung ma\u00dfgebenden Verh\u00e4ltnissen eintreten, bleiben au\u00dfer Betracht. Aus dieser Erw\u00e4gung hat es der Senat im Urteil in BFHE 124, 548, BStBl II 1978, 366 abgelehnt, eine Erh\u00f6hung der Listenpreise f\u00fcr das gewerbliche Vorratsverm\u00f6gen zum 1. Januar eines Jahres bereits bei der Einheitsbewertung des Betriebsverm\u00f6gens, die gem\u00e4\u00df \u00a7 106 Abs. 2 BewG nach den Verh\u00e4ltnissen des vorangegangenen Abschlu\u00dftages (31. Dezember) erfolgte, zu ber\u00fccksichtigen. Diese Auswirkungen des sog. Stichtagsprinzips gelten im Grundsatz in jeder Hinsicht, insbesondere etwa in bezug auf die Zurechnung einer wirtschaftlichen Einheit, die Zugeh\u00f6rigkeit von Wirtschaftsg\u00fctern zum Betriebsverm\u00f6gen, den Bestand und die der Bewertung zugrunde zu legenden tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse. Soweit gesetzliche Vorschriften f\u00fcr den Bestand und die Bewertung von Bedeutung sind, ist die Rechtslage am Abschlu\u00dftag ma\u00dfgebend. Eine \u00c4nderung gesetzlicher Vorschriften mit Wirkung vom Feststellungszeitpunkt (1. Januar) tritt erst nach dem gem\u00e4\u00df \u00a7 106 Abs. 2 BewG ma\u00dfgebenden Abschlu\u00dftag (31. Dezember) ein und mu\u00df bei der Einheitsbewertung des Betriebsverm\u00f6gens zum 1. Januar unber\u00fccksichtigt bleiben. Diese Auffassung entspricht der Erw\u00e4gung, wonach das Stichtagsprinzip bildlich mit einer Momentaufnahme des Verm\u00f6gens am ma\u00dfgebenden Stichtag verglichen wird und aus Gr\u00fcnden der Praktikabilit\u00e4t bisweilen Ergebnisse in Kauf genommen werden m\u00fcssen, die sachlich nicht befriedigend sind (BFHE 124, 548, BStBl II 1978, 366).<\/p>\n<p>bb) Die Kl\u00e4gerin erstellt regelm\u00e4\u00dfig j\u00e4hrliche Abschl\u00fcsse auf den Schlu\u00df des Kalenderjahres. Gem\u00e4\u00df \u00a7 106 Abs. 2 BewG sind bei der Einheitsbewertung des Betriebsverm\u00f6gens zum 1. Januar 1973 die Verh\u00e4ltnisse vom 31. Dezember 1972 ma\u00dfgebend (\u00a7 106 Abs. 2 BewG). Das AbgrG ist mit Wirkung vom 1. Januar 1973 in Kraft getreten (\u00a7 16 AbgrG). Am 31. Dezember 1972 bestand mithin f\u00fcr die Kl\u00e4gerin noch keine Rechtspflicht zur Herrichtung des von ihr ausgebeuteten Gel\u00e4ndes. Die R\u00fcckstellung f\u00fcr Rekultivierungskosten durfte daher bei der Einheitsbewertung des Betriebsverm\u00f6gens zum 1. Januar 1973 nicht ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>3. Die Vorentscheidung, der eine andere Rechtsauffassung zugrunde liegt, war aufzuheben. Die Sache ist spruchreif. Die Klage ist abzuweisen (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 1 FGO), da das FA zum 1. Januar 1973 den Abzug eines Schuldpostens f\u00fcr Rekultivierungskosten zu Recht versagt hat.<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision wegen Einheitsbewertung des Betriebsverm\u00f6gens zum 1. Januar 1977 ist nicht begr\u00fcndet. Soweit das FG erkannt hat, eine hinreichend konkretisierte Rechtspflicht zur Rekultivierung f\u00fcr Altabgrabungen bestehe gem\u00e4\u00df \u00a7 14 i.V.m. \u00a7 2 Abs. 1 AbgrG, ist der Senat an diese Auslegung wie an eine tats\u00e4chliche Feststellung (\u00a7 118 Abs. 2 FGO) gebunden. Denn es handelt sich dabei um eine Auslegung von Landesrecht (\u00a7 562 ZPO i.V.m. \u00a7 155 FGO). Hinsichtlich der Anwendung von &#8211; revisiblem &#8211; Bundesrecht ist ein Rechtsfehler nicht erkennbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 11.5.1983 (III R 112-113\/79) BStBl. 1983 II S. 657 R\u00fcckstellungen wegen Rekultivierungskosten f\u00fcr sog. Altabgrabungen aufgrund des zum 1. Januar 1973 in Kraft getretenen AbgrG vom 21. November 1972 (GV NW 1972, 372) d\u00fcrfen bei der Einheitsbewertung des Betriebsverm\u00f6gens zum 1. 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