{"id":30516,"date":"2013-03-10T10:27:44","date_gmt":"2013-03-10T08:27:44","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=30516"},"modified":"2013-03-10T10:27:44","modified_gmt":"2013-03-10T08:27:44","slug":"vii-r-33-34-11-kulturgueterschutz-kann-auch-einzelne-muenzen-umfassen-archaeologische-gegenstaende-is-der-verordnung-eg-116-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-33-34-11-kulturgueterschutz-kann-auch-einzelne-muenzen-umfassen-archaeologische-gegenstaende-is-der-verordnung-eg-116-2009\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;33,&nbsp;34\/11 &#8211; Kulturg&uuml;terschutz kann auch einzelne M&uuml;nzen umfassen &#8211; &quot;Arch&auml;ologische Gegenst&auml;nde&quot; i.S. der Verordnung (EG) 116\/2009"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.12.2012, VII R 33, 34\/11; VII R 33\/11; VII R 34\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Kulturg&uuml;terschutz kann auch einzelne M&uuml;nzen umfassen &#8211; &quot;Arch&auml;ologische Gegenst&auml;nde&quot; i.S. der Verordnung (EG) 116\/2009<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Arch&auml;ologische Gegenst&auml;nde im Sinne der Verordnung (EG) &uuml;ber die Ausfuhr von Kulturg&uuml;tern (VO Nr. 116\/2009) sind nur solche, die einen Wert f&uuml;r die Arch&auml;ologie haben, also von Menschenhand geschaffene oder bearbeitete Gegenst&auml;nde, die Erkenntnisse &uuml;ber vergangene Kulturen zu vermitteln verm&ouml;gen, insbesondere etwa &uuml;ber deren Gebr&auml;uche, den damaligen technischen und k&uuml;nstlerischen Entwicklungsstand, politische und gesellschaftliche Strukturen, die Religion und dergleichen mehr. Gegenst&auml;nde, die anderweit gewonnene Erkenntnisse &uuml;ber vergangene Kulturen allenfalls illustrieren und deshalb f&uuml;r die Arch&auml;ologie keine Bedeutung haben, sind keine &quot;arch&auml;ologischen Gegenst&auml;nde&quot; oder Funde.<\/p>\n<\/p>\n<p>Antike M&uuml;nzen k&ouml;nnen arch&auml;ologische Gegenst&auml;nde sein.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger, Revisionskl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) hat am 31.&nbsp;Oktober 2008 bei dem Zollamt (ZA) des Beklagten, Revisionsbeklagten und Revisionskl&auml;gers (Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) eine Ausfuhranmeldung &uuml;ber 32&nbsp;M&uuml;nzen und Medaillen abgegeben, die &#8211;wie in der Anlage zur Ausfuhranmeldung erl&auml;utert wurde&#8211; 1&nbsp;500 bis 2&nbsp;400&nbsp;Jahre alt und zwischen 50&nbsp;EUR und 400&nbsp;EUR wert sein sollen. Das ZA hat die Annahme dieser Anmeldung abgelehnt, weil es sich um Kulturg&uuml;ter i.S. des Art.&nbsp;1, Anh.&nbsp;A Nr.&nbsp;1 der Verordnung (EWG) Nr.&nbsp;3911\/92 des Rates vom 9.&nbsp;Dezember 1992 &uuml;ber die Ausfuhr von Kulturg&uuml;tern (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Gemeinschaften Nr.&nbsp;L&nbsp;395\/1; im Folgenden: VO Nr.&nbsp;3911\/92) handele, f&uuml;r die eine Ausfuhrgenehmigung vorgelegt werden m&uuml;sse. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf die gegen diesen Bescheid erhobene Klage hat das Finanzgericht (FG) unter Abweisung derselben im &Uuml;brigen das HZA mit in Zeitschrift f&uuml;r Z&ouml;lle und Verbrauchsteuern 2012, Beilage&nbsp;2, 19 ver&ouml;ffentlichtem Urteil verpflichtet, den Kl&auml;ger erneut zu bescheiden. Es ist der Auffassung, bei den Ausfuhrwaren handele es sich zwar um Kulturg&uuml;ter im Sinne der VO Nr.&nbsp;3911\/92 bzw. der insofern seit dem 2.&nbsp;M&auml;rz 2009 anzuwendenden Verordnung (EG) Nr.&nbsp;116\/2009 des Rates vom 18.&nbsp;Dezember 2008 &uuml;ber die Ausfuhr von Kulturg&uuml;tern (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union Nr.&nbsp;L&nbsp;39\/1; im Folgenden: VO Nr.&nbsp;116\/2009), so dass der Kl&auml;ger die Annahme der Ausfuhranmeldung ohne Vorlage einer Ausfuhrgenehmigung nicht verlangen k&ouml;nne. Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Unterabs.&nbsp;2 VO Nr.&nbsp;116\/2009 r&auml;ume den Mitgliedstaaten jedoch Ermessen ein, Ausnahmen von der generellen Ausfuhrgenehmigungspflicht zu machen. Dieses Ermessen habe das HZA bisher nicht ausge&uuml;bt. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen dieses Urteil richten sich die Revisionen des Kl&auml;gers sowie des HZA, welche die Verletzung materiellen Rechts r&uuml;gen. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger meint &#8211;zusammengefasst&#8211;, die VO Nr.&nbsp;116\/2009 bestimme nur den Rahmen, innerhalb dessen die Mitgliedstaaten Kulturg&uuml;ter bestimmen k&ouml;nnten. Dazu w&uuml;rden in Deutschland nach &sect;&nbsp;1 des Gesetzes zum Schutz deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung (KultgSchG) Verzeichnisse national wertvollen Kulturgutes aufgestellt und ver&ouml;ffentlicht. Dar&uuml;ber hinaus w&uuml;rden durch jenes Gesetz nur Kulturg&uuml;ter gesch&uuml;tzt, die unrechtm&auml;&szlig;ig auf deutsches Zollgebiet gelangt seien. Zusammen mit dem Kulturg&uuml;terr&uuml;ckgabegesetz (BGBl I 2007, 757, 2547) sei insofern ein geschlossenes &Uuml;berwachungs- und R&uuml;ckholsystem geschaffen worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einzelne M&uuml;nzen st&uuml;nden nicht unter dem Schutz der VO Nr.&nbsp;116\/2009, wie deren Anh.&nbsp;I.A Nr.&nbsp;13 Buchst.&nbsp;b zeige, in der nur Sammlungen von M&uuml;nzen als Schutzobjekt genannt seien. Auch seien antike M&uuml;nzen im Allgemeinen keine arch&auml;ologischen Gegenst&auml;nde, sondern in gro&szlig;er Zahl im Handel pr&auml;sentes Massengut und in zahlreichen Katalogen mit Preisangaben aufgef&uuml;hrt; sie seien erst recht kein nationales Kulturgut, das &#8211;und nicht etwa das Interesse an arch&auml;ologischer Bet&auml;tigung und Forschung&#8211; zu sch&uuml;tzen die Union allein eine Kompetenz in Anspruch nehmen k&ouml;nne. Die vom HZA und vom FG f&uuml;r richtig gehaltene Auslegung der VO Nr.&nbsp;116\/2009 br&auml;chte im &Uuml;brigen den M&uuml;nzhandel mit drittl&auml;ndischen Kunden in einer mit der Warenverkehrsfreiheit nicht vereinbaren Weise zum Erliegen. Die Beh&ouml;rden w&auml;ren v&ouml;llig &uuml;berfordert, wenn sie f&uuml;r jede M&uuml;nze die Erteilung einer Ausfuhrgenehmigung bzw. die vom FG geforderte Ermessensentscheidung treffen m&uuml;ssten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im &Uuml;brigen ist der Kl&auml;ger der Auffassung, Art.&nbsp;2 Unterabs.&nbsp;2 VO Nr.&nbsp;116\/2009 gelte &#8211;anders als das HZA meint&#8211; unmittelbar und bed&uuml;rfe keiner Umsetzung durch einen nationalen Rechtsakt. Das ergebe sich aus dem Wortlaut, in dem nicht darauf verwiesen werde, dass die Erm&auml;chtigung durch Rechtssatz umzusetzen sei. St&uuml;nde die Umsetzung im Belieben der Mitgliedstaaten, k&auml;me es &uuml;berdies zu einer mit Art.&nbsp;36 Satz&nbsp;2 des Vertrags &uuml;ber die Arbeitsweise der Europ&auml;ischen Union nicht vereinbaren Diskriminierung der M&uuml;nzh&auml;ndler. F&uuml;r den Schutz von Objekten arch&auml;ologisch und wissenschaftlich beschr&auml;nkten Werts fehle es auch an einer unionsrechtlichen Kompetenz. Der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz gebiete, solche Objekte vom Schutz auszunehmen; denn sie k&ouml;nnten definitionsgem&auml;&szlig; nicht zu den Kulturg&uuml;tern eines Mitgliedstaats geh&ouml;ren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das HZA tr&auml;gt vor, Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Unterabs.&nbsp;2 VO Nr.&nbsp;116\/2009 enthalte lediglich eine Erm&auml;chtigungsgrundlage f&uuml;r die Mitgliedstaaten, eine Ausnahmeregelung durch Rechtsvorschrift zu schaffen. Dies m&uuml;sse in Deutschland durch Gesetz erfolgen. Ein solches Gesetz gebe es ebenso wenig wie eine diesbez&uuml;gliche Verwaltungsvorschrift oder -&uuml;bung. In Deutschland bestehe folglich derzeit keine M&ouml;glichkeit, Kulturg&uuml;ter ohne Ausfuhrgenehmigung auszuf&uuml;hren. Dies sei nach dem Unionsrecht auch nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des Kl&auml;gers ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt zur dem Klageantrag entsprechenden Verpflichtung des HZA (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Soweit das Urteil des FG das HZA zu einer Ermessensentscheidung verpflichtet hat und sich das HZA dagegen mit seiner Revision wendet, f&uuml;hrt vorgenannter, &uuml;ber die Verpflichtung zu erneuter Ermessensentscheidung hinausgehender und diese verdr&auml;ngender Ausspruch zur Erledigung des betreffenden Klagebegehrens und der Revision des HZA.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Urteil des FG verletzt Bundesrecht (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 der hier bereits anzuwendenden VO Nr.&nbsp;116\/2009, die in den ma&szlig;geblichen Bestimmungen mit den Vorschriften der VO&nbsp;Nr.&nbsp;3911\/92 &uuml;bereinstimmt, d&uuml;rfen Kulturg&uuml;ter aus dem Zollgebiet der Gemeinschaft (jetzt: Union) nur ausgef&uuml;hrt werden, wenn eine Ausfuhrgenehmigung vorliegt. Als Kulturg&uuml;ter gelten nach Art.&nbsp;1 der Verordnung die in ihrem Anhang&nbsp;I aufgef&uuml;hrten G&uuml;ter, mithin u.a. mehr als 100&nbsp;Jahre alte arch&auml;ologische Gegenst&auml;nde aus Grabungen und arch&auml;ologischen Funden zu Lande oder unter Wasser, arch&auml;ologischen St&auml;tten und arch&auml;ologischen Sammlungen. Wird von dem Zollbeteiligten eine solche Ausfuhrgenehmigung f&uuml;r die von ihm gestellten Objekte nicht vorgelegt, obwohl es sich um Kulturg&uuml;ter im Sinne der VO Nr.&nbsp;116\/2009 handelt, kann er nicht nach Art.&nbsp;63, 62 Abs.&nbsp;2 des Zollkodex verlangen, dass das HZA seine Zollanmeldung annimmt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Auffassung des FG, dass Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 VO Nr.&nbsp;116\/2009 im Streitfall greife, verletzt jedoch Bundesrecht. Denn das FG ist von einem unzutreffenden Begriff des &quot;arch&auml;ologischen Gegenstandes&quot; bzw. &quot;arch&auml;ologischen Fundes&quot; ausgegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Allerdings vermag der erkennende Senat nicht die &#8211;von dem Kl&auml;ger in der m&uuml;ndlichen Verhandlung auch nicht mehr vorgetragene&#8211; Auffassung zu teilen, einer Ausfuhrgenehmigung bed&uuml;rfe es nur f&uuml;r Gegenst&auml;nde, die gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1 KultgSchG in das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes aufgenommen sind, nur solche Gegenst&auml;nde seien also Kulturgut im Sinne der vorgenannten Unionsverordnung und nur f&uuml;r solche Gegenst&auml;nde k&ouml;nne die Union &uuml;berhaupt die Kompetenz in Anspruch nehmen, bei ihrer Ausfuhr eine besondere Genehmigung zu verlangen. Eine solche enge Auslegung des Anwendungsbereichs der Verordnung w&auml;re mit deren Zweck nicht zu vereinbaren, Verfahrensregularien f&uuml;r einen in der Union einheitlichen Schutz vor einer Ausfuhr von den Mitgliedstaaten als sch&uuml;tzenswert angesehener Gegenst&auml;nde aufzustellen. Dabei liegt es auf der Hand, dass die Zollstelle in der Regel nicht beurteilen kann, ob ein ihr zur Abfertigung gestellter Gegenstand von einem der Mitgliedstaaten als Kulturgut unter Schutz gestellt worden ist. Dies zu pr&uuml;fen muss deshalb, wie es die Verordnung vorschreibt, einer daf&uuml;r von dem betreffenden Mitgliedstaat zu bestimmenden fachkundigen Beh&ouml;rde im Zusammenwirken mit den entsprechenden Beh&ouml;rden der anderen Mitgliedstaaten (vgl. Art.&nbsp;6 VO Nr.&nbsp;116\/2009) &uuml;berlassen bleiben und das Ergebnis der Pr&uuml;fung in deren Ausfuhrgenehmigung zum Ausdruck gebracht werden. Dass ein Gegenstand von einem Mitgliedstaat nach seinen Rechtsvorschriften unter Schutz gestellt worden ist, ist also nicht Voraussetzung f&uuml;r das Erfordernis der Vorlage einer Ausfuhrgenehmigung bei der Ausfuhr aus dem Zollgebiet der Union, sondern nach Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Unterabs.&nbsp;3 VO Nr.&nbsp;116\/2009 Ma&szlig;stab f&uuml;r die Erteilung der Ausfuhrgenehmigung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob Gegenst&auml;nde im Sinne vorgenannter Vorschriften &quot;arch&auml;ologische Gegenst&auml;nde&quot; sind, l&auml;sst sich indes, anders als das FG offenbar meint, nicht allein anhand ihres Alters und ihrer (vom FG auch nur als wahrscheinlich angesehenen bzw. aufgrund eines zweifelhaften Beweises des ersten Anscheins unterstellten) Herkunft aus Funden oder Grabungen beurteilen. Ein arch&auml;ologischer Gegenstand ist vielmehr nur ein solcher, der einen Wert f&uuml;r die Arch&auml;ologie hat, also ein von Menschenhand geschaffener oder bearbeiteter Gegenstand, der Erkenntnisse &uuml;ber vergangene Kulturen zu vermitteln vermag, insbesondere etwa &uuml;ber deren Gebr&auml;uche, den damaligen technischen und k&uuml;nstlerischen Entwicklungsstand, politische und gesellschaftliche Strukturen, die Religion und dergleichen mehr. Gegenst&auml;nde, die anderweit gewonnene Erkenntnisse &uuml;ber vergangene Kulturen allenfalls illustrieren und deshalb f&uuml;r die Arch&auml;ologie keine Bedeutung haben, sind keine &quot;arch&auml;ologischen Gegenst&auml;nde&quot; oder Funde i.S. des Anh.&nbsp;I VO Nr.&nbsp;116\/2009. Dem entsprechen die Erl&auml;uterungen zum Harmonisierten System betreffend die Position 9705, auf welche der vorgenannte Anhang Bezug nimmt, und die ebenfalls auf das &quot;arch&auml;ologische Interesse&quot; abstellen, welches sie u.a. zum Studium fr&uuml;herer Generationen geeigneten Gegenst&auml;nden beimessen, bei deren beispielhafter Aufz&auml;hlung sie &uuml;brigens M&uuml;nzen und Medaillen nicht erw&auml;hnen. Dem entspricht es ferner, dass Gegenst&auml;nde, die f&uuml;r die Arch&auml;ologie keinen (Erkenntnis-)Wert haben, nicht von einem Mitgliedstaat aufgrund eines arch&auml;ologischen Interesses unter Schutz gestellt werden k&ouml;nnen. Die VO Nr.&nbsp;116\/2009 soll jedoch, wie ausgef&uuml;hrt, nur der Durchsetzung solcher Schutzma&szlig;nahmen eines Mitgliedstaats dienen, n&auml;mlich sicherstellen, dass diese an den Au&szlig;engrenzen der Union beachtet und eine mit ihnen nicht vereinbare Ausfuhr als nationale Kulturg&uuml;ter schutzbed&uuml;rftiger Gegenst&auml;nde verhindert wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Allerdings kann entgegen der Ansicht des Kl&auml;gers weder aus der ausdr&uuml;cklichen Benennung der &quot;Sammlungen von &#8230; numismatischem Wert&quot; in Anh.&nbsp;I.A Nr.&nbsp;13 Buchst.&nbsp;b VO Nr.&nbsp;116\/2009 der Umkehrschluss gezogen werden, einzelne M&uuml;nzen st&uuml;nden nicht unter dem Schutz der Verordnung, noch vermag der Senat von vornherein auszuschlie&szlig;en, dass einzelnen M&uuml;nzen oder Medaillen unter Umst&auml;nden ein arch&auml;ologischer Wert zukommen mag, der sie als einen &quot;arch&auml;ologischen Gegenstand&quot; im Sinne der VO Nr.&nbsp;116\/2009 erscheinen l&auml;sst.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Recht macht der Kl&auml;ger indes sinngem&auml;&szlig; geltend, dass M&uuml;nzen, die aus der sog. Antike stammen, in der Regel keinen solchen arch&auml;ologischen Wert haben und deshalb keine arch&auml;ologischen Gegenst&auml;nde sind, insbesondere wenn es sie in gro&szlig;er Anzahl gibt und sie &#8211;worauf auch das Badische Landesmuseum in seiner vom HZA in der m&uuml;ndlichen Verhandlung vorgelegten Stellungnahme hingewiesen hat&#8211; nicht (mehr) einem bestimmten Fundort zugeordnet werden k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das arch&auml;ologische Interesse an einem Gegenstand ist in diesem Zusammenhang vom HZA bzw. dem Tatrichter nach den Umst&auml;nden des Einzelfalls zu bewerten, wobei als wichtige Beurteilungskriterien insbesondere in Betracht kommen, wie der betreffende Gegenstand im Handel bewertet wird und ob gleiche oder vergleichbare Gegenst&auml;nde in gr&ouml;&szlig;erem Umfang Gegenstand eines Handels sind, an dem nicht Arch&auml;ologen bzw. arch&auml;ologische Institutionen und Sammlungen, sondern Sammler teilnehmen, die solche M&uuml;nzen nicht aus einem &quot;arch&auml;ologischen&quot; Interesse, sondern aus Sammelleidenschaft, wegen des &auml;sthetischen Werts der betreffenden Objekte oder anderer Interessen erwerben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FG hat &#8211;von seinem unzutreffenden rechtlichen Ausgangspunkt aus&#8211; keinerlei Feststellungen dazu getroffen, dass die streitgegenst&auml;ndlichen M&uuml;nzen und Medaillen aus irgendwelchen besonderen Gr&uuml;nden eine Bedeutung und irgendeinen Wert f&uuml;r die Arch&auml;ologie h&auml;tten. Auch das HZA hat dazu nichts beigetragen. Die ihm vom Landesmuseum W&uuml;rttemberg unter dem 28.&nbsp;April 2009 erteilte Auskunft w&auml;re keine geeignete Grundlage f&uuml;r eine entsprechende Feststellung, zumal sie widerspr&uuml;chlich ist, wenn einerseits sinngem&auml;&szlig; die Erteilung einer Ausfuhrgenehmigung f&uuml;r erforderlich erkl&auml;rt wird, andererseits das Landesmuseum offenl&auml;&szlig;t, ob es sich &uuml;berhaupt um &quot;arch&auml;ologisches Gut&quot; handelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hingegen hat der Kl&auml;ger unwidersprochen vorgetragen, es handele sich um &quot;Massenware&quot;, wie sie sich vielfach im allgemeinen Handel befinde. Davon kann der erkennende Senat bei seiner Entscheidung ausgehen, da nichts daf&uuml;r erkennbar ist, dass das FG, dem allerdings grunds&auml;tzlich die tats&auml;chliche Aufkl&auml;rung und Bewertung solcher Gegebenheiten obliegt, bei einer Zur&uuml;ckverweisung der Sache gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 FGO in einem zweiten Rechtsgang zu anderen Erkenntnissen kommen k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da das FG die vom Kl&auml;ger zur Ausfuhr gestellten Objekte nach alledem zu Unrecht als arch&auml;ologische Gegenst&auml;nde angesehen hat, ist sein Urteil aufzuheben. Die Sache ist spruchreif. Der Kl&auml;ger hat Anspruch auf Annahme seiner Ausfuhranmeldung, ohne dass er daf&uuml;r eine Ausfuhrgenehmigung vorlegen muss.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.12.2012, VII R 33, 34\/11; VII R 33\/11; VII R 34\/11 Kulturg&uuml;terschutz kann auch einzelne M&uuml;nzen umfassen &#8211; &quot;Arch&auml;ologische Gegenst&auml;nde&quot; i.S. der Verordnung (EG) 116\/2009 Leits&auml;tze Arch&auml;ologische Gegenst&auml;nde im Sinne der Verordnung (EG) &uuml;ber die Ausfuhr von Kulturg&uuml;tern (VO Nr. 116\/2009) sind nur solche, die einen Wert f&uuml;r die Arch&auml;ologie haben, also &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-33-34-11-kulturgueterschutz-kann-auch-einzelne-muenzen-umfassen-archaeologische-gegenstaende-is-der-verordnung-eg-116-2009\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;33,&nbsp;34\/11 &#8211; Kulturg&uuml;terschutz kann auch einzelne M&uuml;nzen umfassen &#8211; &quot;Arch&auml;ologische Gegenst&auml;nde&quot; i.S. der Verordnung (EG) 116\/2009<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-30516","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30516","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30516"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30516\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30516"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30516"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30516"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}