{"id":30530,"date":"2013-03-10T10:27:43","date_gmt":"2013-03-10T08:27:43","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=30530"},"modified":"2013-03-10T10:27:43","modified_gmt":"2013-03-10T08:27:43","slug":"ix-r-7-12-wesentliche-beteiligung-innerhalb-der-letzten-fuenf-jahre-is-des-par-17-abs-1-estg-idf-des-stentlg-1999-2000-2002","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-7-12-wesentliche-beteiligung-innerhalb-der-letzten-fuenf-jahre-is-des-par-17-abs-1-estg-idf-des-stentlg-1999-2000-2002\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;7\/12 &#8211; Wesentliche Beteiligung innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre i.S. des &sect; 17 Abs. 1 EStG i.d.F. des StEntlG 1999\/2000\/2002"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.12.2012, IX R 7\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Wesentliche Beteiligung innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre i.S. des &sect; 17 Abs. 1 EStG i.d.F. des StEntlG 1999\/2000\/2002<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Der Beteiligungsbegriff gem&auml;&szlig; &sect; 17 Abs. 1 Satz 4 EStG i.d.F. des StEntlG 1999\/2000\/2002 ist veranlagungszeitraumbezogen auszulegen, indem das Tatbestandsmerkmal &quot;innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre am Kapital der Gesellschaft wesentlich beteiligt&quot; in &sect; 17 Abs. 1 Satz 1 EStG f&uuml;r jeden abgeschlossenen Veranlagungszeitraum nach der in diesem Veranlagungszeitraum jeweils geltenden Beteiligungsgrenze zu bestimmen ist.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) war an der B-AG mit einem Aktienbestand beteiligt, der bis zum 28.&nbsp;Dezember 1997 13,52&nbsp;%, seit dem 29.&nbsp;Dezember 1997&nbsp; 9,98&nbsp;% und seit dem 27.&nbsp;Dezember 1998&nbsp; 9,22&nbsp;% betrug. Am 1.&nbsp;Dezember 1999 (Streitjahr) ver&auml;u&szlig;erte der Kl&auml;ger 50&nbsp;000 Aktien und erzielte dabei einen Gewinn von 12.867.935&nbsp;DM, den der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) im Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr zun&auml;chst voll der Besteuerung nach &sect;&nbsp;17 des Einkommensteuergesetzes i.d.F. des Streitjahres (EStG) unterwarf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Einspruchsverfahren ruhte zun&auml;chst bis zur Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) im Urteil vom 1.&nbsp;M&auml;rz 2005 VIII&nbsp;R&nbsp;25\/02 (BFHE 209, 275, BStBl II 2005, 436). Nachdem das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) dieses Urteil mit Beschluss vom 7.&nbsp;Juli 2010&nbsp; 2&nbsp;BvR&nbsp;748\/05, 2&nbsp;BvR&nbsp;753\/05, 2&nbsp;BvR&nbsp;1738\/05 (BVerfGE 127, 61 ff., BGBl I 2010, 1296, BStBl II 2011, 86) aufgehoben und &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 i.V.m. &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG i.d.F. des Steuerentlastungsgesetzes 1999\/2000\/2002 (StEntlG 1999\/2000\/2002) vom 24.&nbsp;M&auml;rz 1999 (BGBl I 1999, 402) teilweise als nichtig erkannt hatte, erlie&szlig; das FA am 23.&nbsp;M&auml;rz 2011 einen ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr, indem es bezugnehmend auf das Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 20.&nbsp;Dezember 2010 (BStBl I 2011, 16) f&uuml;r den Zeitraum vom 31.&nbsp;M&auml;rz 1999 bis zum 1.&nbsp;Dezember 1999 einen Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn von 8.312.278&nbsp;DM erfasste. Den Einspruch wies es als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage blieb erfolglos. Das Finanzgericht (FG) f&uuml;hrte zur Begr&uuml;ndung aus, das FA habe zutreffend Wertsteigerungen der Beteiligung nach dem 31.&nbsp;M&auml;rz 1999 erfasst. Zur Auslegung des &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 EStG folgt das FG dem BFH-Urteil in BFHE 209, 275, BStBl II 2005, 436.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision des Kl&auml;gers. Er habe zu keinem Zeitpunkt die Wesentlichkeitsschwelle nach der jeweils g&uuml;ltigen Fassung des Gesetzes &uuml;berschritten. Das BVerfG habe das BFH-Urteil in BFHE 209, 275, BStBl II 2005, 436 aufgehoben. Auch das BMF-Schreiben in BStBl I 2011, 16 sei im vorliegenden Fall nicht anwendbar. Ferner verweist der Kl&auml;ger zur Begr&uuml;ndung auf den Beschluss des erkennenden Senats vom 24.&nbsp;Februar 2012 IX&nbsp;B&nbsp;146\/11 (BFHE 236, 492, BStBl II 2012, 335) in der Aussetzungssache.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/><\/br>den angefochtenen Gerichtsbescheid aufzuheben und den Bescheid f&uuml;r 1999 &uuml;ber Einkommensteuer und Solidarit&auml;tszuschlag, ge&auml;ndert mit Bescheid vom 23.&nbsp;M&auml;rz 2011 i.d.F. der Einspruchsentscheidung vom 7.&nbsp;Oktober 2011 aufzuheben und die Einkommensteuer f&uuml;r 1999 ohne Ber&uuml;cksichtigung eines Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns von 8.312.278&nbsp;DM festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/><\/br>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach der Rechtsprechung des BVerfG seien Wertsteigerungen nach dem 31.&nbsp;M&auml;rz 1999 zu erfassen. Das BVerfG habe die f&uuml;nfj&auml;hrige R&uuml;ckwirkung der Beteiligungsgrenze nicht beanstandet. Deshalb seien die Grunds&auml;tze des BFH-Urteils in BFHE 209, 275, BStBl II 2005, 436 anzuwenden. Es sei daher unerheblich, dass die Beteiligung des Kl&auml;gers bereits im Jahr 1997 unter 10&nbsp;% sank.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das beigetretene BMF wendet sich gegen die Wortlautinterpretation des BFH im Beschluss in BFHE 236, 492, BStBl II 2012, 335; &uuml;berdies werde die veranlagungsbezogene Wesentlichkeitsgrenze dem historischen Willen des Gesetzgebers nicht gerecht und vom BVerfG-Beschluss in BVerfGE 127, 61&nbsp;ff., BStBl II 2011, 86 nicht gefordert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Entscheidung in der Sache selbst, n&auml;mlich zur Stattgabe der Klage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der angefochtene Gerichtsbescheid ist aufzuheben, weil er &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 EStG verletzt. Der Kl&auml;ger erf&uuml;llt mit der Anteilsver&auml;u&szlig;erung im Streitjahr keinen Steuertatbestand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG geh&ouml;rt zu den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb auch die Ver&auml;u&szlig;erung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft, wenn der Ver&auml;u&szlig;erer innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre am Kapital der Gesellschaft wesentlich beteiligt war. Eine wesentliche Beteiligung ist gegeben, wenn der Ver&auml;u&szlig;erer an der Gesellschaft zu mindestens 10&nbsp;% unmittelbar oder mittelbar beteiligt war (&sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Fassung des Gesetzes ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;1 EStG erstmals f&uuml;r den Veranlagungszeitraum 1999 anzuwenden. Ver&auml;u&szlig;ert jemand im Jahr 1999 eine Beteiligung von 10&nbsp;%, ist dieser Vorgang steuerbar. Ver&auml;u&szlig;ert er allerdings eine Beteiligung von &#8211;wie im Streitfall&#8211; unter 10&nbsp;%, liegt ein steuerbares Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ft nur vor, wenn er innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre am Kapital der Gesellschaft wesentlich beteiligt war. Da die Wesentlichkeitsgrenze von 10&nbsp;% nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;1 EStG erstmals f&uuml;r den Veranlagungszeitraum 1999 gilt, folgt daraus umgekehrt zugleich, dass sie f&uuml;r fr&uuml;here Veranlagungszeitr&auml;ume nicht anwendbar ist. Deshalb ist es unerheblich, ob der Steuerpflichtige, der im Jahr 1999 eine Beteiligung unter 10&nbsp;% ver&auml;u&szlig;ert, innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre am Kapital der Gesellschaft &uuml;ber 10&nbsp;%, aber bis einschlie&szlig;lich 25&nbsp;% beteiligt war. Denn in den Veranlagungszeitr&auml;umen <em>vor<\/em> 1999 war eine wesentliche Beteiligung nur dann gegeben, wenn der Ver&auml;u&szlig;erer an der Gesellschaft zu mehr als einem Viertel unmittelbar oder mittelbar beteiligt war (so &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG in fr&uuml;heren Fassungen).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Diesem sog. veranlagungszeitraumbezogenen Beteiligungsbegriff (so f&uuml;r Verlustf&auml;lle bereits BFH-Urteil vom 29.&nbsp;Mai 2008 IX&nbsp;R&nbsp;62\/05, BFHE 221, 227, BStBl II 2008, 856; vgl. zur nachfolgenden Rechtslage auch BFH-Urteil vom 24.&nbsp;Januar 2012 IX&nbsp;R&nbsp;8\/10, BFHE 237, 33 Rz&nbsp;28), der sich &#8211;wie gezeigt&#8211; aus dem Wortlaut der einschl&auml;gigen Normen erschlie&szlig;t (zweifelnd Paus, Finanz-Rundschau &#8211;FR&#8211; 2012, 959, 960), widerspricht entgegen der Auffassung des beigetretenen BMF nicht die Entwurfsbegr&uuml;ndung, ist doch danach &quot;eine wesentliche Beteiligung&quot; eben erst &quot;<em>k&uuml;nftig<\/em>&quot; bereits gegeben, wenn der Gesellschafter mindestens 10&nbsp;% der Anteile an der Kapitalgesellschaft h&auml;lt (so BTDrucks 14\/265, S.&nbsp;179). Der Veranlagungszeitraumbezug der Wesentlichkeitsgrenze entsprach &uuml;berdies der &uuml;berwiegenden Auffassung im Schrifttum, indes nicht der damaligen Rechtsprechung des BFH (vgl. zu den unterschiedlichen Auffassungen eingehend das BFH-Urteil in BFHE 209, 275, BStBl II 2005, 436). Das BVerfG hat dieses Urteil aber mit seinem Beschluss in BVerfGE 127, 61&nbsp;ff., BStBl II 2011, 86 aufgehoben. Damit ist dieses Urteil nicht mehr existent und die dort entschiedene Rechtsfrage wieder offen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der erkennende Senat beantwortet sie in dem Sinne, dass der Beteiligungsbegriff veranlagungszeitraumbezogen auszulegen ist, indem das Tatbestandsmerkmal &quot;innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre am Kapital der Gesellschaft wesentlich beteiligt&quot; in &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 EStG f&uuml;r jeden abgeschlossenen Veranlagungszeitraum nach der in diesem Veranlagungszeitraum jeweils geltenden Beteiligungsgrenze zu bestimmen ist (so aus dem neueren Schrifttum auch Schmidt\/Weber-Grellet, EStG, 31.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;17 Rz&nbsp;35; Gosch in Kirchhof, EStG, 11.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;17 Rz&nbsp;34, m.w.N.; Rapp in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, &sect;&nbsp;17 Rz&nbsp;94; Eilers\/R.&nbsp;Schmidt in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;17 EStG Rz&nbsp;131; Strahl in Korn, &sect;&nbsp;17 EStG Rz&nbsp;40; differenzierend Schneider, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;17 Rz&nbsp;A&nbsp;256 und B&nbsp;157).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Dem entspricht der vom BVerfG in BVerfGE 127, 61&nbsp;ff., BStBl II 2011, 86 hervorgehobene Zweck der Ver&auml;u&szlig;erungsgewinnbesteuerung: Die Besteuerung ist danach nicht deshalb auf die Realisation bezogen, weil erst zu diesem Zeitpunkt der Wertzuwachs entsteht, sondern <em>obwohl<\/em> er bereits vorher beim Steuerpflichtigen entstanden ist. Es wird also im Zeitpunkt der Realisation ein &uuml;ber den vorangegangenen Zeitraum akkumulierter Zuwachs an Leistungsf&auml;higkeit nachholend der Besteuerung unterworfen. Auf die blo&szlig; formale Zuordnung des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns zu einem bestimmten Veranlagungszeitraum kommt es daher nicht an, sondern ma&szlig;geblich ist, dass sich die h&ouml;here Leistungsf&auml;higkeit, auf die mit der steuerlichen Erfassung des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns zugegriffen wird, materiell auf den gesamten Zeitraum zwischen Anschaffung und Ver&auml;u&szlig;erung bezieht (so der Beschluss des BVerfG in BVerfGE 127, 61&nbsp;ff., BStBl II 2011, 86, unter B.I.2.b&nbsp;bb). Unter dieser Pr&auml;misse eines steuerbaren Zuwachses an Leistungsf&auml;higkeit muss die sog. latente Verstrickung irgendwann einmal aktuell geworden sein. Wenn es auf die &quot;formale Zuordnung des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns zu einem bestimmten Veranlagungszeitraum&quot; nicht ankommt, so kann auch nicht entscheidend sein, ob der Steuerpflichtige allein aus der Retrospektive dieses Zeitraums fr&uuml;her einmal wesentlich und damit steuerbar beteiligt war, ohne es aber w&auml;hrend des Zuwachses an Leistungsf&auml;higkeit je gewesen zu sein (vgl. n&auml;her BFH-Beschluss in BFHE 236, 492, BStBl II 2012, 335; dem folgend S&ouml;ffing\/Bron, Der Betrieb 2012, 1585, 1590; Bode, FR 2012, 589, 591; Milatz\/Herbst, GmbH-Rundschau 2012, 520&nbsp;ff.; Paus, FR 2012, 959, 960).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diesen Zusammenhang verst&auml;rkt folgender Aspekt: Wenn das BVerfG im o.g. Beschluss mit Gesetzeskraft (BGBl I 2010, 1296) entschieden hat, dass &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 i.V.m. &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG i.d.F. des StEntlG 1999\/2000\/2002 nichtig ist, soweit in einem Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn Wertsteigerungen steuerlich erfasst werden, die bis zur Verk&uuml;ndung des Steuerentlastungsgesetzes 1999\/2000\/2002 am 31.&nbsp;M&auml;rz 1999 entstanden sind und die &#8211;so wie auch im Streitfall&#8211; bei einer Ver&auml;u&szlig;erung nach Verk&uuml;ndung des Gesetzes sowohl zum Zeitpunkt der Verk&uuml;ndung als auch zum Zeitpunkt der Ver&auml;u&szlig;erung nach der zuvor geltenden Rechtslage steuerfrei h&auml;tten realisiert werden k&ouml;nnen, so kann es nicht r&uuml;ckwirkend auf eine Beteiligungsgrenze ankommen, die der Steuerpflichtige&nbsp;&nbsp;&nbsp;allein in dem Zeitraum verwirklicht&nbsp;&nbsp;&nbsp;hat, in dem&nbsp;&nbsp;&nbsp;ein&nbsp;&nbsp;Wertzuwachs nicht steuerbar war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Entgegen der Auffassung des FA und des BMF hat das BVerfG in seinem Beschluss in BVerfGE 127, 61&nbsp;ff., BStBl II 2011, 86 keine Stellung zu dem Tatbestandsmerkmal des &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 EStG bezogen, um das es hier geht. Es hat vielmehr allgemeine Ma&szlig;st&auml;be zu den Grunds&auml;tzen des verfassungsrechtlichen Vertrauensschutzes entwickelt und hat das einfache Recht nicht ausgelegt (eingehend BFH-Beschluss in BFHE 236, 492, BStBl II 2012, 335).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Interpretation des Gesetzes durch den erkennenden Senat vermeidet, dass das Gesetz &uuml;berhaupt zur&uuml;ckwirkt. Sie ist entgegen der in der m&uuml;ndlichen Verhandlung vom FA hervorgehobenen Auffassung mit dem F&uuml;nf-Jahreszeitraum des &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG vereinbar. Wenn danach die Ver&auml;u&szlig;erung nur dann steuerbar ist, wenn der Ver&auml;u&szlig;erer am Kapital der Gesellschaft innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre vor der Ver&auml;u&szlig;erung qualifiziert beteiligt war, so wird dieses Tatbestandsmerkmal durch die veranlagungszeitraumbezogene Auslegung des Beteiligungsbegriffs nicht in Frage gestellt. Durch diese im gesetzlichen Tatbestand angelegte R&uuml;ckbez&uuml;glichkeit soll Gestaltungen entgegengewirkt werden, den Rechtsfolgen des &sect;&nbsp;17 EStG mittels Teilver&auml;u&szlig;erungen auszuweichen (vgl. zum Zweck Gosch in Kirchhof, EStG, 11.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;17 Rz&nbsp;30; s. auch BFH-Urteil vom 1.&nbsp;April 2009 IX&nbsp;R&nbsp;31\/08, BFHE 224, 530, BStBl II 2009, 810). Ob sich diese R&uuml;ckankn&uuml;pfung indes auf die im Ver&auml;u&szlig;erungszeitraum g&uuml;ltige Wesentlichkeitsgrenze oder auf die im jeweiligen Veranlagungszeitraum geltende Beteiligungsgrenze bezieht, ist die Frage, um die es geht. Sie ist &#8211;als vorrangige Fragestellung&#8211; nach Wortlaut und Zweck der Ver&auml;u&szlig;erungsgewinnbesteuerung veranlagungszeitraumbezogen zu beantworten. Ver&auml;u&szlig;ert also jemand wie im Streitfall 1999 eine nicht wesentliche Beteiligung von 9,22&nbsp;%, ist der Vorgang gleichwohl steuerbar, wenn der Ver&auml;u&szlig;erer in den letzten f&uuml;nf Jahren wesentlich, und das bedeutet, zu mehr als einem Viertel beteiligt war. Dabei kommt es auf Dauer und Gr&uuml;nde dieser Beteiligung nicht an. Es reicht aus, wenn die wesentliche Beteiligung von mehr als ein Viertel nur kurze Zeit innerhalb des retrospektiven F&uuml;nf-Jahreszeitraums bestanden hat (vgl. dazu Bl&uuml;mich\/Ebling, &sect;&nbsp;17 EStG Rz&nbsp;301, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Da das FG-Urteil diesen Ma&szlig;st&auml;ben nicht entspricht, ist es aufzuheben. Die Sache ist spruchreif. Der Klage ist stattzugeben. Der Kl&auml;ger erf&uuml;llt mit seiner Ver&auml;u&szlig;erung im Streitjahr keinen Steuertatbestand. Der angefochtene (ge&auml;nderte) Einkommensteuerbescheid ist zu &auml;ndern und die Einkommensteuer f&uuml;r das Streitjahr ohne Ber&uuml;cksichtigung eines Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns von 8.312.278&nbsp;DM festzusetzen. Das FA muss die Einkommensteuer nach &sect;&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2, &sect;&nbsp;121 FGO entsprechend berechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.12.2012, IX R 7\/12 Wesentliche Beteiligung innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre i.S. des &sect; 17 Abs. 1 EStG i.d.F. des StEntlG 1999\/2000\/2002 Leits&auml;tze Der Beteiligungsbegriff gem&auml;&szlig; &sect; 17 Abs. 1 Satz 4 EStG i.d.F. des StEntlG 1999\/2000\/2002 ist veranlagungszeitraumbezogen auszulegen, indem das Tatbestandsmerkmal &quot;innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre am Kapital der Gesellschaft &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-7-12-wesentliche-beteiligung-innerhalb-der-letzten-fuenf-jahre-is-des-par-17-abs-1-estg-idf-des-stentlg-1999-2000-2002\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;7\/12 &#8211; Wesentliche Beteiligung innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre i.S. des &sect; 17 Abs. 1 EStG i.d.F. des StEntlG 1999\/2000\/2002<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-30530","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30530","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30530"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30530\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30530"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30530"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30530"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}