{"id":30533,"date":"2013-03-10T10:38:46","date_gmt":"2013-03-10T08:38:46","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=30533"},"modified":"2013-03-10T10:38:46","modified_gmt":"2013-03-10T08:38:46","slug":"x-b-221-222-12-ausnahmsweise-anspruch-auf-aktenuebersendung-in-die-kanzlei-des-in-seiner-beweglichkeit-erheblich-eingeschraenkten-prozessbevollmaechtigten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-221-222-12-ausnahmsweise-anspruch-auf-aktenuebersendung-in-die-kanzlei-des-in-seiner-beweglichkeit-erheblich-eingeschraenkten-prozessbevollmaechtigten\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;221-222\/12 &#8211; Ausnahmsweise Anspruch auf Akten&uuml;bersendung in die Kanzlei des in seiner Beweglichkeit erheblich eingeschr&auml;nkten Prozessbevollm&auml;chtigten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 13.12.2012, X B 221-222\/12; X B 221\/12; X B 222\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Ausnahmsweise Anspruch auf Akten&uuml;bersendung in die Kanzlei des in seiner Beweglichkeit erheblich eingeschr&auml;nkten Prozessbevollm&auml;chtigten<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Vor dem Finanzgericht (FG) betreiben die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) ein Klageverfahren und ein Verfahren wegen Aussetzung der Vollziehung, deren Gegenstand Steuernachforderungen infolge einer Au&szlig;enpr&uuml;fung bei dem vom Kl&auml;ger betriebenen Gastronomiebetrieb sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger werden durch einen Steuerberater (S) als Prozessbevollm&auml;chtigten vertreten. Dieser beantragte am 1.&nbsp;Oktober 2012 f&uuml;r beide Verfahren Akteneinsicht im Wege der &Uuml;bersendung der Gerichts- und Beh&ouml;rdenakten in seine Kanzlei gegen R&uuml;ckgabe innerhalb einer Woche. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte er aus, er sei durch einen Krankenhausaufenthalt und die anschlie&szlig;ende Nachbehandlung &auml;u&szlig;erst beeintr&auml;chtigt. Am 2.&nbsp;Oktober 2012 &uuml;bersandte er eine Arztbescheinigung von 25.&nbsp;September 2012. Daraus ergibt sich, dass der 74-j&auml;hrige S infolge eines Treppensturzes eine Quadrizepssehnenruptur (Kreuzbandriss) erlitten hatte. Er war vom 17. bis zum 26.&nbsp;September 2012 in station&auml;rer Behandlung; die Operation wurde am 18.&nbsp;September 2012 durchgef&uuml;hrt. Die weitere Therapie sollte in einer &quot;Mobilisation unter schmerzadaptierter Vollbelastung NUR in Streckstellung an UAGS [Unterarm-Gehst&uuml;tzen] f&uuml;r 6&nbsp;Wochen&quot; bestehen. W&auml;hrend dieser Zeit hatte S eine Hypex-Lite-Schiene (gro&szlig;formatige Knieschiene) zu tragen, die sicherstellen sollte, dass das Bein in Streckstellung verblieb. Eine &quot;schmerzadaptierte Vollbelastung&quot; bedeutet, dass das Bein zwar prinzipiell belastet werden darf, bei Belastung aber Schmerzen auftreten, die die Belastbarkeit wiederum begrenzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Beschl&uuml;ssen vom 5.&nbsp;Oktober 2012 lehnte das FG die Antr&auml;ge ab. Es f&uuml;hrte aus, den von S vorgelegten Unterlagen sei nicht zu entnehmen, dass vorliegend einer der eng begrenzten Sonderf&auml;lle gegeben sei, in denen die Akteneinsicht in der Kanzlei des Prozessbevollm&auml;chtigten erfolgen k&ouml;nne. Die Beweglichkeit des S sei nicht derart eingeschr&auml;nkt, dass er gehindert sei, eine in der N&auml;he seiner Kanzlei gelegene Landes- oder Bundesbeh&ouml;rde aufzusuchen. Wie der Schriftverkehr zeige, habe S seine Berufst&auml;tigkeit in seinen Kanzleir&auml;umen wieder aufgenommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer hiergegen gerichteten Beschwerde tragen die Kl&auml;ger vor, S ben&ouml;tige bis zur vollen Wiederherstellung der Beweglichkeit eine Zeitspanne von drei Monaten. Die Wiederaufnahme der Berufst&auml;tigkeit habe sich auf ein bis zwei Stunden pro Tag beschr&auml;nkt. S sei von Dritten zu seiner Kanzlei gefahren worden. Jeder Weg verursache ihm Schmerzen und sei nur mit &quot;Kr&uuml;cken&quot; zur&uuml;ckzulegen. Den Schriftverkehr habe die B&uuml;roleiterin vorbereitet; S habe nur die Unterschriften geleistet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;, die angefochtenen Beschl&uuml;sse aufzuheben und das FG zu verpflichten, die Gerichts- und Beh&ouml;rdenakten f&uuml;r eine Woche zur Akteneinsicht in die Kanzleir&auml;ume des S zu &uuml;bersenden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) hat sich im Beschwerdeverfahren nicht ge&auml;u&szlig;ert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerden sind begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hren zur Aufhebung der angefochtenen Beschl&uuml;sse und &#8211;in entsprechender Anwendung des &sect;&nbsp;572 Abs.&nbsp;3 der Zivilprozessordnung&#8211; zur Zur&uuml;ckverweisung der Sachen zur anderweitigen Entscheidung an das FG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG h&auml;tte die Antr&auml;ge auf Akten&uuml;bersendung im Zeitpunkt seiner Entscheidungen nicht mit der von ihm gegebenen Begr&uuml;ndung ablehnen d&uuml;rfen (unten&nbsp;1.). Da f&uuml;r die abschlie&szlig;ende Beurteilung der Begr&uuml;ndetheit der Beschwerden jedoch die Sachlage im Zeitpunkt der Entscheidung &uuml;ber sie ma&szlig;gebend ist, gehen die Sachen zur Ermittlung der gegenw&auml;rtigen Tatsachenlage an das insoweit orts- und sachn&auml;here FG zur&uuml;ck (unten&nbsp;2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die vorinstanzlichen Entscheidungen k&ouml;nnen mit den vom FG gegebenen Begr&uuml;ndungen nicht bestehen bleiben, weil sie ermessensfehlerhaft ergangen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Im Ausgangspunkt zutreffend hat das FG allerdings erkannt, dass sich aus dem in &sect;&nbsp;78 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) verwendeten Begriff &quot;einsehen&quot; und der in &sect;&nbsp;78 Abs.&nbsp;2 Satz 1 FGO enthaltenen Regelung &uuml;ber die Erteilung von Ausfertigungen, Ausz&uuml;gen, Ausdrucken und Abschriften durch die Gesch&auml;ftsstelle ergibt, dass die Einsichtnahme der Akten bei Gericht die Regel sein soll. Dar&uuml;ber hinaus ist es im Regelfall sachgerecht, die Akten an dasjenige Finanzamt oder Gericht zu versenden, das dem Wohnsitz oder B&uuml;ro des zur Akteneinsicht Berechtigten am n&auml;chsten liegt, wenn dieser Berechtigte seinen Wohnsitz oder sein B&uuml;ro nicht am Ort des FG hat (zum Ganzen Senatsbeschl&uuml;sse vom 2.&nbsp;Oktober 2007 X&nbsp;B&nbsp;96\/07, BFH\/NV 2008, 93, unter&nbsp;II.3., und vom 15.&nbsp;Juli 2008 X&nbsp;B&nbsp;5\/08, BFH\/NV 2008, 1695, unter&nbsp;II.4.). Allein der Umstand, dass mit einer Akteneinsicht au&szlig;erhalb der eigenen Kanzlei stets ein gewisser Zeitaufwand sowie Unbequemlichkeiten verbunden sind, reicht nicht aus, um einen Anspruch auf Akten&uuml;bersendung in die Kanzlei zu begr&uuml;nden (Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 29.&nbsp;April 1987 VIII&nbsp;B&nbsp;4\/87, BFH\/NV 1987, 796, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die h&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung hat allerdings schon fr&uuml;h betont, dass im Rahmen des Anspruchs des Antragstellers auf ermessensfehlerfreie Entscheidung &uuml;ber sein Akteneinsichtsgesuch Ausnahmen von dem dargestellten Grundsatz m&ouml;glich seien, wenngleich sie sich auf Sonderf&auml;lle beschr&auml;nken m&uuml;ssten. Gegen eine Akten&uuml;bersendung spricht die Gefahr von Aktenverlusten, die Wahrung des Steuergeheimnisses und das Interesse des FG an einer jederzeitigen Verf&uuml;gbarkeit der Akten (ausf&uuml;hrlich BFH-Beschluss vom 31.&nbsp;August 1993 XI&nbsp;B&nbsp;31\/93, BFH\/NV 1994, 187). Mit diesen Gesichtspunkten sind die Interessen des die Akten&uuml;bersendung Begehrenden abzuw&auml;gen. Als Beispiel f&uuml;r ein &Uuml;berwiegen von dessen Interessen wird eine k&ouml;rperliche Behinderung des Beteiligten oder seines Prozessbevollm&auml;chtigten genannt (vgl. zum Ganzen BFH-Beschluss in BFH\/NV 1987, 796). So hat der BFH einem Prozessbevollm&auml;chtigten, der auf die Benutzung eines Rollstuhls angewiesen war, einen Anspruch auf Akten&uuml;bersendung in seine Kanzlei zuerkannt (Beschluss vom 29.&nbsp;Oktober 2008 III&nbsp;B&nbsp;176\/07, BFH\/NV 2009, 192).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall hat das FG sein Ermessen nicht zutreffend ausge&uuml;bt. Die von ihm gegebene Begr&uuml;ndung l&auml;sst nicht erkennen, dass es die erheblichen krankheitsbedingten Einschr&auml;nkungen des S geb&uuml;hrend in seine Abw&auml;gung einbezogen h&auml;tte. Zudem hat das FG sich nicht auf konkrete &ouml;ffentliche Interessen berufen, die einer Akten&uuml;bersendung im vorliegenden Fall entgegenstehen k&ouml;nnten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach der vorgelegten, detaillierten und substantiierten Arztbescheinigung war die Mobilit&auml;t des 74-j&auml;hrigen S f&uuml;r einen nennenswerten Zeitraum in erheblicher Weise eingeschr&auml;nkt. Das betroffene Bein wurde zwangsweise in Streckstellung gehalten; mit jeder Belastung waren Schmerzen verbunden. F&uuml;r den Zeitraum, in dem diese Einschr&auml;nkungen bestanden &#8211;jedenfalls im Zeitpunkt der angegriffenen Entscheidung des FG&#8211; waren diese Einschr&auml;nkungen der Beweglichkeit in gewisser Weise mit denen zu vergleichen, denen ein Rollstuhlfahrer unterliegt; ein Rollstuhlfahrer hat nach den vorstehend dargestellten Grunds&auml;tzen aber im Regelfall einen Anspruch auf Akten&uuml;bersendung. Auch ist nicht erkennbar, dass das FG das hohe Alter des S &#8211;das einer z&uuml;gigen Wiedergewinnung der Beweglichkeit zumindest nicht zutr&auml;glich ist&#8211; in seine Abw&auml;gung einbezogen h&auml;tte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat die Betroffenheit des S durch dessen eingeschr&auml;nkte Beweglichkeit allein deshalb als nicht allzu gewichtig eingesch&auml;tzt, weil es davon ausgegangen ist, S habe seine Berufst&auml;tigkeit aus seinen Kanzleir&auml;umen heraus wieder aufgenommen. Diese Einsch&auml;tzung ist in doppelter Weise fehlerhaft: Zum einen &uuml;bersteigt die Belastung einer Person, die in ihrer Mobilit&auml;t erheblich eingeschr&auml;nkt ist, durch eine ausw&auml;rtige Akteneinsicht erheblich diejenigen Belastungen, die mit einer B&uuml;rot&auml;tigkeit in den eigenen, vertrauten Kanzleir&auml;umen verbunden sind. Die Argumentation des FG ist schon aus diesem Grund nicht geeignet, die Interessen des S in der Abw&auml;gung mit den &ouml;ffentlichen Interessen als von geringerem Gewicht erscheinen zu lassen. Zum anderen hat S substantiiert dargelegt, dass er sich zwar sofort nach seiner Entlassung aus der station&auml;ren Behandlung unter gro&szlig;en Schmerzen wieder in seine Kanzlei habe fahren lassen, die T&auml;tigkeit sich aber in zeitlicher Hinsicht auf eine Anwesenheit von ein bis zwei Stunden t&auml;glich und in inhaltlicher Hinsicht auf das blo&szlig;e Unterschreiben vorbereiteter Schrifts&auml;tze beschr&auml;nkt habe. Der Senat hat &#8211;auch angesichts des Alters des S&#8211; keinen Anlass, an der Schl&uuml;ssigkeit und Plausibilit&auml;t von dessen Darstellung zu zweifeln.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ferner hat das FG keine besonderen &ouml;ffentlichen Interessen angef&uuml;hrt, die trotz der erheblichen Mobilit&auml;tseinschr&auml;nkung des S dessen Interesse an einer Akten&uuml;bersendung &uuml;berwiegen k&ouml;nnten. Es hat sich weder darauf berufen, dass die Akten demn&auml;chst im Gericht ben&ouml;tigt werden k&ouml;nnten, noch darauf, dass in den Akten nicht reproduzierbare Beweismittel enthalten sein k&ouml;nnten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Gleichwohl ist dem Senat eine abschlie&szlig;ende Beurteilung verwehrt, weil hierf&uuml;r die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt der Entscheidung &uuml;ber die Beschwerde ma&szlig;gebend ist (BFH-Beschluss vom 17.&nbsp;M&auml;rz 2008 IV&nbsp;B&nbsp;100, 101\/07, BFH\/NV 2008, 1177, unter&nbsp;II.2.a). Da das Datum sowohl der Arztbescheinigung als auch des Akteneinsichtsantrags bereits etwa zehn Wochen in der Vergangenheit liegt, d&uuml;rfte sich die k&ouml;rperliche Verfassung des S zwischenzeitlich verbessert haben. Zur Aufkl&auml;rung dieser Umst&auml;nde gehen die Sachen an das FG zur&uuml;ck. Eine solche Zur&uuml;ckverweisung ist auch im Beschwerdeverfahren zul&auml;ssig; dies gilt insbesondere, wenn die noch erforderlichen Ma&szlig;nahmen zur Ermittlung des entscheidungserheblichen Sachverhalts vom ortsn&auml;heren FG besser getroffen werden k&ouml;nnen als vom Beschwerdegericht (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2008, 1177, unter&nbsp;II.2.d).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen seiner erneuten Entscheidung ist das FG nicht gehindert, erstmals konkrete Umst&auml;nde f&uuml;r ein &Uuml;berwiegen &ouml;ffentlicher Interessen anzuf&uuml;hren. So ist darauf hinzuweisen, dass auch im Strafprozess in der Regel nur die &#8211;zumeist reproduzierbaren&#8211; Ermittlungsakten in die Kanzlei des Strafverteidigers &uuml;bersandt werden, nicht aber die Beweismittelordner, die die Originale der ma&szlig;gebenden Beweismittel enthalten (vgl. Matthes, Entscheidungen der Finanzgerichte 2009, 1851). Auch ist es denkbar, die Akten&uuml;bersendung zu verweigern, wenn S sich nach den Erfahrungen des insoweit ortsn&auml;heren FG in der Vergangenheit als unzuverl&auml;ssig erwiesen haben sollte, wof&uuml;r nach dem vorliegenden Akteninhalt allerdings nichts erkennbar ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vorsorglich bemerkt der Senat noch, dass allein aus der Teilnahme des S als Beistand an der am 16.&nbsp;Oktober 2012 vor dem Amtsgericht D im Steuerstrafverfahren gegen den Kl&auml;ger durchgef&uuml;hrten Hauptverhandlung noch nicht abgeleitet werden kann, dass die Mobilit&auml;tseinschr&auml;nkung nicht gravierend war. Denn ebenso wie ein Rollstuhlfahrer kann auch ein von einem Kreuzbandriss Betroffener in der Lage sein, im Wege &uuml;berobligationsm&auml;&szlig;iger Anstrengung ausw&auml;rtige Termine wahrzunehmen. Gleichwohl wiegen die Interessen dieser Personen an einer Akten&uuml;bersendung in ihre Kanzlei deutlich schwerer als bei nicht in ihrer Beweglichkeit eingeschr&auml;nkten Prozessbevollm&auml;chtigten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Eine Kostenentscheidung ist nicht zu treffen. Bei den vorliegenden Beschwerdeverfahren handelt es sich um unselbst&auml;ndige Zwischenverfahren, die von den Kostenentscheidungen in den noch abzuschlie&szlig;enden Verfahren vor dem FG mit umfasst sind (vgl. zu einer erfolgreichen Beschwerde gegen die Versagung der Akten&uuml;bersendung auch BFH-Beschluss in BFH\/NV 2009, 192, unter&nbsp;II.4., m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 13.12.2012, X B 221-222\/12; X B 221\/12; X B 222\/12 Ausnahmsweise Anspruch auf Akten&uuml;bersendung in die Kanzlei des in seiner Beweglichkeit erheblich eingeschr&auml;nkten Prozessbevollm&auml;chtigten Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. 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