{"id":30558,"date":"2013-03-10T10:20:26","date_gmt":"2013-03-10T08:20:26","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=30558"},"modified":"2013-03-10T10:20:26","modified_gmt":"2013-03-10T08:20:26","slug":"xi-b-113-11-verfahrensfehlerhafte-nichtberuecksichtigung-von-wesentlichem-beteiligtenvorbringen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-113-11-verfahrensfehlerhafte-nichtberuecksichtigung-von-wesentlichem-beteiligtenvorbringen\/","title":{"rendered":"XI&nbsp;B&nbsp;113\/11 &#8211; Verfahrensfehlerhafte Nichtber&uuml;cksichtigung von wesentlichem Beteiligtenvorbringen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.11.2012, XI B 113\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Verfahrensfehlerhafte Nichtber&uuml;cksichtigung von wesentlichem Beteiligtenvorbringen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Das Finanzgericht (FG) gab der Klage mit der Begr&uuml;ndung statt, die durchgef&uuml;hrte Beweisaufnahme habe zu einem &quot;non liquet&quot; gef&uuml;hrt. Die Aussagen der Zeugen seien jede f&uuml;r sich genommen glaubhaft und die Zeugen wirkten auch glaubw&uuml;rdig, die Aussagen wiederspr&auml;chen sich jedoch eklatant. Es sei dem FG nicht m&ouml;glich, den Sachverhalt n&auml;her aufzukl&auml;ren und festzustellen, ob die Kl&auml;gerin und Beschwerdegegnerin (Kl&auml;gerin) die vom Beklagten und Beschwerdef&uuml;hrer (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) angenommenen Ums&auml;tze in Form von entgeltlichen Schrottanlieferungen get&auml;tigt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Tatbestand des Urteils wird die Einlassung des FA im Anschluss an dessen Antrag, die Klage abzuweisen, wie folgt wiedergegeben: &quot;Es beruft sich im Wesentlichen auf die Aussagen der Herren A und B.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den Antrag des FA auf Berichtigung des Tatbestandes gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) dahingehend, es habe sich &quot;neben den Zeugenaussagen auch auf die vorliegende Dokumentation der Einkaufsvorf&auml;lle und die Indizwirkung von Vergleichsf&auml;llen, die f&uuml;r die Richtigkeit der aufgezeichneten Schrottlieferungen spricht&quot; berufen, lehnte das FG ab. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es aus, nach der vom Senat in seinem Urteil vertretenen Rechtsauffassung sei die nur vom FA vertretene Indizwirkung von Vergleichsf&auml;llen unter keinem Gesichtspunkt entscheidungserheblich und rechtfertige daher auch keine Tatbestandsberichtigung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Nichtzulassungsbeschwerde macht das FA u.a. geltend, nach Lage der Akten habe das FG den Sachverhalt weiter aufkl&auml;ren m&uuml;ssen. Die streitigen Ums&auml;tze w&uuml;rden &#8211;abgesehen von ferner benannten Zeugen&#8211; auch durch die detaillierten Aufzeichnungen in einem Wareneingangsbuch &uuml;ber Schrottanlieferungen der Kl&auml;gerin sowie weiterer Kunden best&auml;rkt. Diese Aufzeichnungen seien von allen anderen in dem Wareneingangsbuch vermerkten Lieferanten im Rahmen von Betriebspr&uuml;fungen als zutreffend anerkannt worden und entfalteten daher hohe Indizwirkung f&uuml;r die dort gleichfalls aufgezeichneten Lieferungen der Kl&auml;gerin. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG habe zudem seiner Entscheidung nicht den Inhalt der vorgelegten Akten und sein &#8211;des FA&#8211; Vorbringen im gebotenen Ma&szlig;e ber&uuml;cksichtigt. Obwohl im Besteuerungs- und Klageverfahren wiederholt auf die Aufzeichnungen in einem Wareneingangsbuch verwiesen worden sei, habe das FG diese v&ouml;llig ignoriert. Die von dem FG in den Entscheidungsgr&uuml;nden erw&auml;hnten sog. nachtr&auml;glich erstellten Listen seien, wie vorgetragen, von den Aufzeichnungen im Wareneingangsbuch zu unterscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist zul&auml;ssig und begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung des Rechtsstreits an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat seiner Entscheidung nicht das Gesamtergebnis des Verfahrens zugrunde gelegt und damit gegen &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO versto&szlig;en. Die Vorentscheidung kann auf dem Verfahrensfehler beruhen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO entscheidet das Gericht nach seiner freien, aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens gewonnenen &Uuml;berzeugung. Das FG ist hiernach insbesondere verpflichtet, den Vortrag der Verfahrensbeteiligten vollst&auml;ndig zur Kenntnis zu nehmen und bei der Urteilsfindung zu ber&uuml;cksichtigen (vgl. z.B. Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 7.&nbsp;April 2005 IX&nbsp;B&nbsp;194\/03, BFH\/NV 2005, 1354; vom 19.&nbsp;Januar 2006 VIII&nbsp;B&nbsp;113\/05, BFH\/NV 2006, 803; vom 24.&nbsp;April 2007 VIII&nbsp;B&nbsp;251\/05, BFH\/NV 2007, 1521; vom 13.&nbsp;April 2011 IX&nbsp;B&nbsp;180\/10, BFH\/NV 2011, 1375, m.w.N.). Ein Versto&szlig; gegen diese Verpflichtung ist ein Verfahrensmangel i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 30.&nbsp;November 2006 VIII&nbsp;B&nbsp;104\/06, BFH\/NV 2007, 486, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FA macht zutreffend geltend, dass es im Laufe des Verfahrens wiederholt auf Aufzeichnungen in einem Wareneingangsbuch &uuml;ber Schrottanlieferungen verwiesen habe und darauf, dass sich die dort enthaltenen Aufzeichnungen bzgl. anderer Kunden als zutreffend erwiesen h&auml;tten und sich hieraus eine starke Indizwirkung daf&uuml;r ergebe, dass auch die die Kl&auml;gerin betreffenden Aufzeichnungen zutreffend seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diesen Sachvortrag hat das FG au&szlig;er Acht gelassen, wie sich bereits daraus ergibt, dass es im Tatbestand hinsichtlich des Vorbringens des FA lediglich ausf&uuml;hrt, das FA st&uuml;tze sich im Wesentlichen auf die Aussagen der Herren A und B. Aufzeichnungen eines Wareneingangsbuchs werden in dem Urteil an keiner Stelle erw&auml;hnt. Damit hat das FG einen Umstand nicht ber&uuml;cksichtigt, der in die Beweisw&uuml;rdigung h&auml;tte einflie&szlig;en m&uuml;ssen und mithin einen Teil des Gesamtergebnisses des Verfahrens nicht seiner Entscheidung zugrunde gelegt (vgl. dazu z.B. BFH-Beschluss vom 19.&nbsp;Oktober 2011 IX&nbsp;B&nbsp;90\/11, BFH\/NV 2012, 234).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit das FG in den Entscheidungsgr&uuml;nden ausf&uuml;hrt, es k&ouml;nne sein, dass &quot;die nachtr&auml;glich erstellten Listen&quot; nicht dem wahren Sachverhalt entsprechen, handelt es sich bei diesen Listen, deren Inhalt im Urteil nicht weiter erl&auml;utert wird, offensichtlich &#8211;und wie vom FA dargelegt&#8211; nicht um die vom FA angef&uuml;hrten &quot;Aufzeichnungen in einem Wareneingangsbuch&quot;. Denn das FA hat wiederholt geltend gemacht, die &quot;nachtr&auml;glich erstellten Listen&quot; d&uuml;rften nicht mit den von ihm angef&uuml;hrten &quot;Aufzeichnungen in einem Wareneingangsbuch&quot; gleichgesetzt werden. Dem Urteil des FG ist hierzu nichts Gegenteiliges zu entnehmen, obwohl es einer Begr&uuml;ndung bedurft h&auml;tte, wenn es entgegen dem FA davon &uuml;berzeugt gewesen sein sollte, dass die Aufzeichnungen des Wareneingangsbuchs nachtr&auml;glich erstellt worden sind. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Es erscheint sachgerecht, nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO die Vorentscheidung aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen, da im Streitfall angesichts des nicht hinreichend aufgekl&auml;rten Sachverhalts von einer Revisionsentscheidung keine weitere rechtliche Kl&auml;rung zu erwarten ist (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 17.&nbsp;September 2003 I&nbsp;B&nbsp;18\/03, BFH\/NV 2004, 207; vom 29.&nbsp;Januar 2010 II&nbsp;B&nbsp;107\/09, BFH\/NV 2010, 938). Das FG wird die notwendigen Feststellungen nachholen und hierzu ggf. weitere Zeugen h&ouml;ren m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.11.2012, XI B 113\/11 Verfahrensfehlerhafte Nichtber&uuml;cksichtigung von wesentlichem Beteiligtenvorbringen Tatbestand 1&nbsp; I. Das Finanzgericht (FG) gab der Klage mit der Begr&uuml;ndung statt, die durchgef&uuml;hrte Beweisaufnahme habe zu einem &quot;non liquet&quot; gef&uuml;hrt. 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