{"id":30562,"date":"2013-03-10T10:21:11","date_gmt":"2013-03-10T08:21:11","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=30562"},"modified":"2013-03-10T10:21:11","modified_gmt":"2013-03-10T08:21:11","slug":"v-s-26-11-pkh-kindergeldrecht-keine-anwendbarkeit-der-vo-ewg-nr-1408-71-auf-geringfuegig-beschaeftigte-ausschluss-der-oeffentlichkeit-im-eroerterungstermin-tatbestandswirkung-der-entscheidung-einer-au","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-s-26-11-pkh-kindergeldrecht-keine-anwendbarkeit-der-vo-ewg-nr-1408-71-auf-geringfuegig-beschaeftigte-ausschluss-der-oeffentlichkeit-im-eroerterungstermin-tatbestandswirkung-der-entscheidung-einer-au\/","title":{"rendered":"V&nbsp;S&nbsp;26\/11&nbsp;(PKH) &#8211; Kindergeldrecht: keine Anwendbarkeit der VO (EWG) Nr. 1408\/71 auf geringf&uuml;gig Besch&auml;ftigte &#8211; Ausschluss der &Ouml;ffentlichkeit im Er&ouml;rterungstermin &#8211; Tatbestandswirkung der Entscheidung einer ausl&auml;ndischen Beh&ouml;rde bei Auslegung von Vorschriften des Unionsrechts"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 7.11.2012, V S 26\/11 (PKH)<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeldrecht: keine Anwendbarkeit der VO (EWG) Nr. 1408\/71 auf geringf&uuml;gig Besch&auml;ftigte &#8211; Ausschluss der &Ouml;ffentlichkeit im Er&ouml;rterungstermin &#8211; Tatbestandswirkung der Entscheidung einer ausl&auml;ndischen Beh&ouml;rde bei Auslegung von Vorschriften des Unionsrechts<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Antrag hat keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;142 der Finanzgerichtsordnung (FGO) i.V.m. &sect;&nbsp;114 der Zivilprozessordnung erh&auml;lt eine Partei, die nach ihren pers&ouml;nlichen und wirtschaftlichen Verh&auml;ltnissen die Kosten der Prozessf&uuml;hrung nicht, nur zum Teil oder nur in Raten aufbringen kann, auf Antrag Prozesskostenhilfe, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und nicht mutwillig erscheint.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im Streitfall bietet das Beschwerdeverfahren keine hinreichenden Erfolgsaussichten, da die in der Beschwerdeschrift geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde nicht vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Revision ist nicht wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO) zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Antragstellerin h&auml;lt es f&uuml;r unzul&auml;ssig, &quot;einer Kindergeldberechtigten Deutschen und EU B&uuml;rgerin kein Kindergeld zu gew&auml;hren, wenn sie zu dem Kreis der berechtigten Kindergeldempf&auml;nger geh&ouml;rt und von keiner weiteren Stelle oder einem anderen Staat Kindergeld erhalten hat&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Damit legt die Antragstellerin nicht &#8211;wie erforderlich&#8211; eine abstrakte Rechtsfrage (vgl. zu diesem Erfordernis z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 22.&nbsp;M&auml;rz 2012 IV&nbsp;B&nbsp;97\/11, BFH\/NV 2012, 1159) dar. Denn die Frage, ob eine Kindergeldberechtigung besteht, kann nur im Hinblick auf die sich aus einer bestimmten Vorschrift ergebende Berechtigung beantwortet werden. Hierzu legt die Beschwerde nichts dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Weiter macht die Antragstellerin geltend, dass es f&uuml;r die Anwendung der &quot;EWG Verordnung 1408\/71&quot; von grunds&auml;tzlicher Bedeutung sei, ob &quot;ein Arbeitnehmer auf 400 Euro Basis gegen ein oder mehrere Risiken, die von den Zweigen eines Systems der sozialen Sicherheit f&uuml;r Arbeitnehmer erfasst werden, pflichtversichert oder freiwillig weiterversichert&quot; sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Insoweit ber&uuml;cksichtigt die Antragstellerin aber nicht die bereits durch das Urteil des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union vom 14.&nbsp;Oktober 2010 C-16\/09 Schwemmer (Rdnrn.&nbsp;21 und 34) eingetretene Kl&auml;rung. Nach diesem &#8211;zum Kindergeldanspruch einer im Rahmen eines &quot;Minijobs&quot; besch&auml;ftigten Person ergangenen&#8211; Urteil erf&uuml;llen geringf&uuml;gig besch&auml;ftigte Personen die Voraussetzungen des pers&ouml;nlichen Anwendungsbereichs der &#8211;im Streitfall auch im Verh&auml;ltnis zur Schweiz&#8211; anzuwendenden Verordnung (EWG) Nr.&nbsp;1408\/71 des Rates vom 14.&nbsp;Juni 1971 &uuml;ber die Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbst&auml;ndige sowie deren Familienangeh&ouml;rige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (VO Nr.&nbsp;1408\/71) nicht, da sie nicht pflichtversichert sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Weiter sei von grunds&auml;tzlicher Bedeutung, ob &quot;ein deutsches Finanzgericht an die Auslegung vom Gemeinschaftsrecht durch eine ausl&auml;ndische Beh&ouml;rde, welche einen souver&auml;nen Staat vertritt, gebunden&quot; sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Antragstellerin ber&uuml;cksichtigt insoweit nicht, dass nach dem BFH-Urteil vom 13.&nbsp;August 2002 VIII&nbsp;R&nbsp;54\/00 (BFHE 200, 204, BStBl II 2002, 869) bereits gekl&auml;rt ist, dass die Entscheidung einer ausl&auml;ndischen (z.B. niederl&auml;ndischen) Beh&ouml;rde, kein Kindergeld nach dem Recht des betreffenden Staates (z.B. niederl&auml;ndischem Recht) zu gew&auml;hren, f&uuml;r die deutschen Beh&ouml;rden und Gerichte keine sog. Tatbestandswirkung entfaltet, da diese an die Auslegung des Unionsrechts durch eine ausl&auml;ndische Beh&ouml;rde nicht gebunden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Revision ist auch nicht zur Fortbildung des Rechts und zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 FGO) zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Antragstellerin f&uuml;hrt f&uuml;r die Notwendigkeit einer Entscheidung durch den BFH an, es sei kein Einzelfall, &quot;dass die Schweiz die deutschen 400,&#8211; Euro Arbeitsstellen als vollst&auml;ndig pflichtversicherte Arbeiten wertet und daher bei einem Aufenthalt der Familie in Deutschland einen deutschen Kindergeldanspruch bejaht&quot;, w&auml;hrend &quot;Deutschland die gegenteilige Ansicht [vertritt] und &#8230; der Meinung [ist], dass die Schweiz f&uuml;r die Kindergeldzahlung zust&auml;ndig ist&quot;. Es seien dann bei Uneinigkeit hinsichtlich der vorrangigen Zust&auml;ndigkeit Art.&nbsp;114 der Verordnung (EWG) Nr. 574\/72 des Rates vom 21.&nbsp;M&auml;rz 1972 &uuml;ber die Durchf&uuml;hrung der VO Nr.&nbsp;1408\/71 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und deren Familien, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (VO Nr.&nbsp;574\/72) und Art.&nbsp;84a der VO Nr.&nbsp;1408\/71 anzuwenden. Das danach vorgesehene Verfahren sei unterblieben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Damit macht die Antragstellerin keine das vorliegende Verfahren betreffende Einwendung geltend. Art.&nbsp;84a der VO Nr.&nbsp;1408\/71 sieht in seinen Abs.&nbsp;1 und 2 eine Informationspflicht mit Sanktionsfolge vor, so dass sich ein besonderes Verfahren nur aus Abs.&nbsp;3 dieser Vorschrift ergeben kann. Danach soll sich der Tr&auml;ger eines Mitgliedstaates mit dem Tr&auml;ger eines anderen betroffenen Mitgliedstaates in Verbindung setzen, wenn durch Schwierigkeiten bei der Auslegung dieser Verordnung die Rechte einer Person in Frage gestellt werden. Art.&nbsp;114 der VO Nr.&nbsp;574\/72 regelt dabei die M&ouml;glichkeit vorl&auml;ufiger Zahlungen. Das Verfahren nach Art.&nbsp;84a Abs.&nbsp;3 der VO Nr.&nbsp;1408\/71 ist f&uuml;r das Kindergeldverfahren indes nicht vorgreiflich und kann daher eine das Kindergeldverfahren betreffende Revisionszulassung nicht begr&uuml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Revision ist auch nicht wegen eines Verfahrensfehlers (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;5 FGO) zuzulassen. Die Antragstellerin macht insoweit geltend, dass das Finanzgericht (FG) die &Ouml;ffentlichkeit verletzt habe, da die T&uuml;r zum FG verschlossen gewesen sei. Der Grundsatz der &Ouml;ffentlichkeit gilt indes nur f&uuml;r die m&uuml;ndliche Verhandlung, nicht aber f&uuml;r den Er&ouml;rterungstermin (vgl. BFH-Beschluss vom 21.&nbsp;April 1986 IV&nbsp;R&nbsp;190\/85, BFHE 146, 357, BStBl II 1986, 568). Dar&uuml;ber hinaus hat das FG ausweislich der das FG-Verfahren betreffenden Akten nach Verzicht der Beteiligten auf m&uuml;ndliche Verhandlung im schriftlichen Verfahren gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;2 FGO entschieden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 7.11.2012, V S 26\/11 (PKH) Kindergeldrecht: keine Anwendbarkeit der VO (EWG) Nr. 1408\/71 auf geringf&uuml;gig Besch&auml;ftigte &#8211; Ausschluss der &Ouml;ffentlichkeit im Er&ouml;rterungstermin &#8211; Tatbestandswirkung der Entscheidung einer ausl&auml;ndischen Beh&ouml;rde bei Auslegung von Vorschriften des Unionsrechts Gr&uuml;nde 1&nbsp; Der Antrag hat keinen Erfolg. 2&nbsp; 1. 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