{"id":30565,"date":"2013-03-10T10:21:13","date_gmt":"2013-03-10T08:21:13","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=30565"},"modified":"2013-03-10T10:21:13","modified_gmt":"2013-03-10T08:21:13","slug":"vii-b-16-12-kein-wiederaufleben-der-umsatzsteuer-vorauszahlungsfestsetzungen-wenn-jahressteuerbescheid-wegen-fehlender-schuldnerschaft-des-adressaten-aufgehoben-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-16-12-kein-wiederaufleben-der-umsatzsteuer-vorauszahlungsfestsetzungen-wenn-jahressteuerbescheid-wegen-fehlender-schuldnerschaft-des-adressaten-aufgehoben-wird\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;16\/12 &#8211; Kein Wiederaufleben der Umsatzsteuer-Vorauszahlungsfestsetzungen, wenn Jahressteuerbescheid wegen fehlender Schuldnerschaft des Adressaten aufgehoben wird"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.11.2012, VII B 16\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Kein Wiederaufleben der Umsatzsteuer-Vorauszahlungsfestsetzungen, wenn Jahressteuerbescheid wegen fehlender Schuldnerschaft des Adressaten aufgehoben wird<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) &uuml;bernahm 1997 das Handelsgesch&auml;ft des Einzelunternehmers N. In der Folgezeit gab er auf dieses Handelsgesch&auml;ft bezogene Umsatzsteuererkl&auml;rungen f&uuml;r die Jahre 1997 und 1998 ab, nicht jedoch f&uuml;r das Jahr 1999, f&uuml;r das sodann ein Steuerbescheid aufgrund vom Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) gesch&auml;tzter Ums&auml;tze erging. Nach einer Umsatzsteuer-Sonderpr&uuml;fung erlie&szlig; das FA auf der Grundlage weiterer Hinzusch&auml;tzungen ge&auml;nderte Umsatzsteuerbescheide 1997 bis 1999 sowie einen Umsatzsteuerbescheid 2000. Auf die hiergegen nach erfolglosen Einspruchsverfahren erhobenen Klagen hob das Finanzgericht (FG) mit Urteilen vom 26.&nbsp;Juli 2006 (5&nbsp;K&nbsp;4788\/02 und 5&nbsp;K&nbsp;4789\/02) die Steuerbescheide mit der Begr&uuml;ndung auf, der Kl&auml;ger sei in den Streitjahren nicht Unternehmer, sondern lediglich Strohmann des weiterhin als Inhaber des Handelsgesch&auml;fts anzusehenden Einzelunternehmers N gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA folgerte daraus, dass die sich aus einzelnen Umsatzsteuervoranmeldungen des Kl&auml;gers in den Jahren 1998 bis 2000 ergebenden Guthaben ihm seinerzeit zu Unrecht erstattet bzw. auf offene Forderungen umgebucht worden seien, und forderte diese Betr&auml;ge mit Bescheid vom 19.&nbsp;November 2007 vom Kl&auml;ger zur&uuml;ck. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage wies das FG ab. Das FA habe gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) einen Anspruch auf R&uuml;ckzahlung der an den Kl&auml;ger ausgekehrten Guthaben. F&uuml;r diese Erstattungen und Verrechnungen habe es keinen Rechtsgrund gegeben, weil die den Erstattungen bzw. Verrechnungen zugrunde liegenden Steuerbescheide f&uuml;r die Jahre 1998 bis 2000 wegen fehlender Unternehmereigenschaft des Kl&auml;gers aufgehoben worden seien. Die entsprechenden Vorauszahlungsbescheide dieser Jahre seien allesamt Gegenstand der Umsatzsteuer-Jahresbescheide geworden. Der Kl&auml;ger sei als Empf&auml;nger der rechtsgrundlosen Leistung anzusehen, denn das FA habe die streitigen Erstattungen bzw. Verrechnungen erkennbar ausschlie&szlig;lich dem Kl&auml;ger leisten wollen, der sich nach au&szlig;en und gegen&uuml;ber dem FA als Inhaber des Handelsgesch&auml;fts geriert habe. Der R&uuml;ckzahlungsanspruch sei auch nicht verj&auml;hrt, da er erst mit der Rechtskraft der Urteile vom 26.&nbsp;Juli 2006 f&auml;llig geworden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Nichtzulassungsbeschwerde des Kl&auml;gers, welche er auf die Zulassungsgr&uuml;nde der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache und der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 und 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) st&uuml;tzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde hat keinen Erfolg, weil die geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde z.T. nicht schl&uuml;ssig dargelegt sind, wie es &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO verlangt, jedenfalls aber nicht vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die von der Beschwerde als kl&auml;rungsbed&uuml;rftig bezeichnete Rechtsfrage, &quot;ob die Aufhebung von Umsatzsteuer-Jahresbescheiden auch dann nicht zum Erl&ouml;schen der materiell-rechtlichen Anspr&uuml;che aus den Umsatzsteuervoranmeldungen f&uuml;hrt, wenn die Umsatzsteuer-Jahresbescheide mit einer Verneinung der Unternehmereigenschaft aufgehoben worden sind&quot;, ist durch die Rechtsprechung des beschlie&szlig;enden Senats gekl&auml;rt. In dem Revisionsverfahren VII&nbsp;R&nbsp;47\/11, auf das in der Beschwerdebegr&uuml;ndung als seinerzeit noch anh&auml;ngiges Verfahren verwiesen wird, hat der Senat mit Urteil vom 22.&nbsp;Mai 2012 (BFHE 238, 10, BFH\/NV 2012, 1849) entschieden, dass sich Umsatzsteuer-Vorauszahlungsfestsetzungen zwar mit dem Erlass des Jahressteuerbescheids erledigen, weil nach der Festsetzung der Jahressteuer von den Vorauszahlungsfestsetzungen (grunds&auml;tzlich) keine Rechtswirkungen mehr ausgehen, diese jedoch wieder wirksam werden, wenn der Jahressteuerbescheid, durch dessen Erlass sich die Vorauszahlungsfestsetzungen in anderer Weise i.S. des &sect;&nbsp;124 Abs.&nbsp;2 AO erledigt hatten, aufgehoben wird. Dies gilt allerdings nicht, wenn das FA den Jahressteuerbescheid mangels Schuldnerschaft des Adressaten aufhebt, denn damit wird deutlich, dass die Grundlage f&uuml;r jedwede Umsatzsteuerfestsetzung fehlt und der Wille des FA gerade nicht darauf gerichtet ist, die Vorauszahlungsfestsetzungen wieder in Kraft zu setzen. In einem solchen Fall sind die Vorauszahlungsfestsetzungen als stillschweigend aufgehoben anzusehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das angefochtene FG-Urteil entspricht im Ergebnis dieser Senatsrechtsprechung, so dass die Revision auch nicht wegen nachtr&auml;glich entstandener Divergenz (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO) zu vorgenanntem Senatsurteil zuzulassen ist. Zwar unterscheidet sich der Streitfall von dem mit dem Senatsurteil in BFH\/NV 2012, 1849 entschiedenen Fall insoweit, als vorliegend die Jahressteuerbescheide nicht durch das FA, sondern durch das FG aufgehoben worden sind. Auch im Streitfall hat aber das FA die mit den FG-Urteilen vom 26.&nbsp;Juli 2006 getroffene Entscheidung, der zufolge der Kl&auml;ger in den Streitjahren nicht als Unternehmer t&auml;tig war, akzeptiert und hat sp&auml;testens mit dem Erlass des R&uuml;ckforderungsbescheids vom 19.&nbsp;November 2007 zweifelsfrei zu erkennen gegeben, dass es die wegen fehlender Unternehmereigenschaft des Kl&auml;gers fehlgeschlagenen Umsatzsteuerfestsetzungen der Streitjahre 1998 bis 2000 insgesamt, also auch hinsichtlich der Festsetzungen der Vorauszahlungen bereinigen wollte, weshalb von einer stillschweigenden Aufhebung der Vorauszahlungsfestsetzungen dieser Jahre auszugehen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Entscheidung des FG, der Rechtsgrund f&uuml;r die dem Kl&auml;ger f&uuml;r einzelne Voranmeldungszeitr&auml;ume der Streitjahre 1998 bis 2000 gezahlten Erstattungen bzw. f&uuml;r die Verrechnung entsprechender Guthaben mit offenen Forderungen sei nachtr&auml;glich entfallen, erweist sich somit jedenfalls im Ergebnis als richtig (vgl. f&uuml;r die entsprechende Anwendung des &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;4 FGO im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde: Senatsbeschluss vom 8.&nbsp;Januar 1998 VII&nbsp;B&nbsp;102\/97, BFH\/NV 1998, 729, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Ob mit dem Beschwerdevorbringen, das FG habe die nach h&ouml;chstrichterlicher Rechtsprechung bestehende Eigenst&auml;ndigkeit von Vorauszahlungsfestsetzungen verneint, der Zulassungsgrund der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO in Gestalt der Divergenz schl&uuml;ssig dargelegt wird, kann offenbleiben. Auf diese Frage k&auml;me es in dem angestrebten Revisionsverfahren nicht an, weil &#8211;wie ausgef&uuml;hrt&#8211; davon auszugehen ist, dass die Vorauszahlungsfestsetzungen des Streitfalls, die Grundlage f&uuml;r die streitigen Erstattungen bzw. Verrechnungen waren, als stillschweigend aufgehoben anzusehen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Hinsichtlich der Frage der Zahlungsverj&auml;hrung ist das FG im Ergebnis davon ausgegangen, dass ein f&auml;lliger, den Lauf der Verj&auml;hrungsfrist ausl&ouml;sender (&sect;&nbsp;229 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO) R&uuml;ckzahlungsanspruch des FA erst mit der Aufhebung der betreffenden Vorauszahlungsfestsetzungen entstanden ist. Auch dies entspricht der Rechtsprechung des beschlie&szlig;enden Senats gem&auml;&szlig; dem Urteil in BFH\/NV 2012, 1849, weshalb auch insoweit keine Gr&uuml;nde f&uuml;r die Zulassung der Revision vorliegen. Das seitens der Beschwerde angef&uuml;hrte Senatsurteil vom 25.&nbsp;Februar 1992 VII&nbsp;R&nbsp;8\/91 (BFHE 168, 6, BStBl II 1992, 713) steht dem nicht entgegen, weil es einen mit dem Streitfall nicht vergleichbaren Sachverhalt betrifft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.11.2012, VII B 16\/12 Kein Wiederaufleben der Umsatzsteuer-Vorauszahlungsfestsetzungen, wenn Jahressteuerbescheid wegen fehlender Schuldnerschaft des Adressaten aufgehoben wird Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) &uuml;bernahm 1997 das Handelsgesch&auml;ft des Einzelunternehmers N. 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