{"id":30582,"date":"2013-03-10T10:13:35","date_gmt":"2013-03-10T08:13:35","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=30582"},"modified":"2013-03-10T10:13:35","modified_gmt":"2013-03-10T08:13:35","slug":"vii-r-18-11-kein-abrechnungsbescheid-ueber-einbehaltene-aber-nicht-abgefuehrte-steuer-fuer-im-inland-ausgeuebte-kuenstlerische-darbietungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-18-11-kein-abrechnungsbescheid-ueber-einbehaltene-aber-nicht-abgefuehrte-steuer-fuer-im-inland-ausgeuebte-kuenstlerische-darbietungen\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;18\/11 &#8211; Kein Abrechnungsbescheid &uuml;ber einbehaltene, aber nicht abgef&uuml;hrte Steuer f&uuml;r im Inland ausge&uuml;bte k&uuml;nstlerische Darbietungen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 23.10.2012, VII R 18\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Kein Abrechnungsbescheid &uuml;ber einbehaltene, aber nicht abgef&uuml;hrte Steuer f&uuml;r im Inland ausge&uuml;bte k&uuml;nstlerische Darbietungen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die in &Ouml;sterreich ans&auml;ssige Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) erzielte im Jahr 2002 aufgrund eines Vertrages mit der Firma A &uuml;ber sechs von der Kl&auml;gerin ausgerichtete Auff&uuml;hrungen in B-Stadt (Deutschland) Eink&uuml;nfte von 101.700&nbsp;EUR gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;d des Einkommensteuergesetzes (EStG), also Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb, die durch im Inland ausge&uuml;bte k&uuml;nstlerische, unterhaltende oder &auml;hnliche Darbietungen erzielt wurden. Nach &sect;&nbsp;50a Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG, der hier noch in der Fassung des Steuerentlastungsgesetzes 1999\/2000\/ 2002 (BStBl I 1999, 402) anzuwenden ist, wird die Einkommensteuer insoweit bei beschr&auml;nkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben. Aufgrund der mit der Kl&auml;gerin getroffenen Vereinbarung hat die A dementsprechend rd.&nbsp;27.000&nbsp;EUR Einkommensteuer und Solidarit&auml;tszuschlag einbehalten und bei dem zust&auml;ndigen Finanzamt angemeldet. Vereinbarungsgem&auml;&szlig; hat sie den Restbetrag des Honorars, n&auml;mlich rd.&nbsp;75.000&nbsp;EUR, an die Kl&auml;gerin ausbezahlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der von der A einbehaltene, vorgenannte Betrag ist jedoch nur zu einem geringen Teil an das Finanzamt abgef&uuml;hrt worden. Ein Antrag der Kl&auml;gerin beim damaligen Bundesamt f&uuml;r Finanzen, hinsichtlich ihres Anspruches auf Steuererstattung nach &sect;&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 S&auml;tze&nbsp;2 und 3 EStG einen Freistellungsbescheid zu erteilen, blieb erfolglos, nachdem das betreffende Finanzamt dem Bundesamt mitgeteilt hatte, dass die angemeldeten Steuern nur teilweise durch Zahlung bzw. Verrechnungsbuchung entrichtet worden seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin hat indes bei dem Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;, auf das die verwaltungsm&auml;&szlig;ige Zust&auml;ndigkeit inzwischen &uuml;bergegangen war), darum ersucht, die von der A geleisteten Zahlungen an Abzugsteuern vollst&auml;ndig den von ihren Eink&uuml;nften einbehaltenen Abzugsbetr&auml;gen zuzurechnen. Das FA hat daraufhin den angefochtenen Abrechnungsbescheid erlassen. Auf den Steuerabzug zu Lasten der Kl&auml;gerin seien nur rd. 5.700&nbsp;EUR von der A bezahlt worden. Die &uuml;brigen von dieser geleisteten Zahlungen seien vom FA in der Reihenfolge der F&auml;lligkeit nach dem Alter der Forderungen verbucht worden; die entsprechenden Veranstaltungen anderer K&uuml;nstler h&auml;tten vor denen der Kl&auml;gerin stattgefunden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen hat die Kl&auml;gerin nach erfolglosem Einspruchsverfahren Klage erhoben, die das Finanzgericht (FG) abgewiesen hat. Das FG urteilte, die Kl&auml;gerin habe Anspruch auf Erlass eines Abrechnungsbescheides; sie k&ouml;nne zwar f&uuml;r die vom Verg&uuml;tungsschuldner nicht abgef&uuml;hrten Steuern nicht in Anspruch genommen werden, jedoch habe die H&ouml;he der von ihm geleisteten Zahlungen Auswirkungen auf die der Kl&auml;gerin nach &sect;&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG zu erstattenden Steuerbetr&auml;ge. Von der A seien jedoch &#8211;&uuml;ber den unstreitigen Teil hinaus&#8211; keine gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;224 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) wirksamen Zahlungen geleistet worden. Keine der in dieser Vorschrift genannten Voraussetzungen liege vor. Der eindeutige Wortlaut der Vorschrift spreche im &Uuml;brigen gegen die Auffassung der Kl&auml;gerin, dass die Abzugsteuer bereits mit ihrer Einbehaltung durch den Verg&uuml;tungsschuldner als getilgt anzusehen sei. Es sei auch keine Regelungsl&uuml;cke erkennbar. Der Verg&uuml;tungsschuldner sei zwar gewisserma&szlig;en verl&auml;ngerter Arm der Verwaltung, der Staat habe jedoch das Risiko seiner Zuverl&auml;ssigkeit und Zahlungsf&auml;higkeit nicht &uuml;bernommen. Das Steuerabzugsverfahren sei nach dem Urteil des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) vom 3.&nbsp;Oktober 2006 C-290\/04 &#8211;FKP Scorpio Konzertproduktionen GmbH&#8211; (Slg. 2006, I-9461) auch mit dem Unionsrecht vereinbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Schlie&szlig;lich sei auch die vom FA vorgenommene Verbuchung der Zahlungen der A nicht zu beanstanden. Die Kl&auml;gerin habe eine abweichende Tilgungsreihenfolge nicht bestimmen k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob die in &sect;&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG enthaltene Regelung, dass nur vom Verg&uuml;tungsschuldner gezahlte Steuer dem beschr&auml;nkt Steuerpflichtigen zu erstatten sei, mit der Dienstleistungsfreiheit der Art.&nbsp;49 und 50 des Vertrags zur Gr&uuml;ndung der Europ&auml;ischen Gemeinschaft (EG) vereinbar sei, sei nicht zu entscheiden, weil diese Frage in das Antragsverfahren bei dem Bundesamt f&uuml;r Finanzen geh&ouml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen dieses Urteil richtet sich die Revision der Kl&auml;gerin. Diese beruft sich im Wesentlichen darauf, dass der Verg&uuml;tungsschuldner Verwaltungshelfer sei und seine Unzuverl&auml;ssigkeit im Einzelfall nur geringe fiskalische Risiken berge. Der Staat k&ouml;nne zudem ggf. die gesetzlichen Vertreter des Verg&uuml;tungsschuldners in Haftung nehmen. Dieser Schutz des Steueraufkommens m&uuml;sse ausreichen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie habe aufgrund des Art.&nbsp;4 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik &Ouml;sterreich zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen sowie der Gewerbesteuern und der Grundsteuern (DBA AUT, BGBl II 1955, 750) Anspruch auf Steuerfreistellung schon an der Quelle. Sie k&ouml;nne diesen Anspruch in Gestalt eines zweistufigen Folgenbeseitigungsanspruchs auch gegen das FA geltend machen und sich aufgrund der verfassungsrechtlichen Unzul&auml;ssigkeit eines treaty overriding (Hinweis auf den Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 10.&nbsp;Januar 2012 I&nbsp;R&nbsp;66\/09, BFHE 236, 304) gegen&uuml;ber den Vorschriften des EStG auf dieses Abkommen berufen. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ihr Klagebegehren sei zudem aufgrund einer analogen Anwendung des &sect;&nbsp;224 Abs.&nbsp;1 AO gerechtfertigt. Die Anmeldung der Verg&uuml;tungsschuldnerin betreffe &#8211;entgegen der Ansicht im BFH-Beschluss vom 7.&nbsp;November 2007 I&nbsp;R&nbsp;19\/04 (BFHE 219, 300, BStBl II 2008, 228)&#8211; nicht nur deren Entrichtungsschuld, sondern enthalte auch eine Steuerfestsetzung gegen sie. Da sie nach &sect;&nbsp;50a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;6 EStG f&uuml;r die Entrichtungsschuld nicht in Anspruch genommen werden k&ouml;nne, seien von der Verg&uuml;tungsschuldnerin einbehaltene, aber nicht gezahlte Steuern auf ihre Steuerschuld anzurechnen. &Auml;hnliche Rechtsgrunds&auml;tze best&uuml;nden auch im Bereich der Lohnsteuer und der Kapitalertragsteuer. Eine andere Handhabung verletzte ihre Dienstleistungsfreiheit, zumal ihr in &Ouml;sterreich eine erneute Besteuerung drohe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da die Steueranmeldung der Verg&uuml;tungsschuldnerin eine Steuerfestsetzung gegen sie (die Kl&auml;gerin) beinhalte, stehe ihr auch ein Anspruch auf Tilgungsbestimmung nach &sect;&nbsp;225 Abs.&nbsp;1 AO zu. Jedenfalls greife Absatz&nbsp;2 dieser Vorschrift ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, das Urteil des FG und den Abrechnungsbescheid des FA in Gestalt der Einspruchsentscheidung aufzuheben und das FA zu verpflichten, ihr einen Abrechnungsbescheid zu erteilen, der unter Anrechnung eines K&ouml;rperschaftsteuerbetrages in H&ouml;he von 25.424,99&nbsp;EUR und eines Solidarit&auml;tszuschlages in H&ouml;he von 1.398,38&nbsp;EUR eine Steuerschuld in H&ouml;he von 0&nbsp;EUR K&ouml;rperschaftsteuer sowie eine Schuld von 0&nbsp;EUR Solidarit&auml;tszuschlag ausweist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision der Kl&auml;gerin zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es ist der Auffassung, das Bundesamt f&uuml;r Finanzen habe dar&uuml;ber zu entscheiden, ob einbehaltene, aber nicht abgef&uuml;hrte Steuer bei der ihm obliegenden Entscheidung zu ber&uuml;cksichtigen sei. Die von der Kl&auml;gerin angef&uuml;hrte Entscheidung des EuGH in Slg. 2006, I-9461 sei im &Uuml;brigen nicht einschl&auml;gig. Aus ihr ergebe sich, dass das Steuerabzugsverfahren zwar eine Beschr&auml;nkung der Dienstleistungsfreiheit bedeute, diese jedoch zur Gew&auml;hrung eines funktionierenden Besteuerungsverfahrens gerechtfertigt sei. Auch das von der Kl&auml;gerin angef&uuml;hrte Urteil des BFH vom 23.&nbsp;April 1996 VIII&nbsp;R&nbsp;30\/93 (BFHE 181, 7) sei nicht einschl&auml;gig; denn &sect;&nbsp;36 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 EStG verlange im Zusammenhang mit der Kapitalertragsteuer nur, dass diese durch Einbehalt erhoben wird, w&auml;hrend &sect;&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG fordere, dass die Steuer einbehalten und abgef&uuml;hrt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Dienstleistungsfreiheit fordere auch keine analoge Anwendung des &sect;&nbsp;224 Abs.&nbsp;1 AO, da sie ein Steuerabzugsverfahren zulasse, wie es in den einschl&auml;gigen Vorschriften vorgesehen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Entscheidung ergeht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126a der Finanzgerichtsordnung (FGO). Der Senat h&auml;lt einstimmig die Revision f&uuml;r unbegr&uuml;ndet (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO) und eine m&uuml;ndliche Verhandlung nicht f&uuml;r erforderlich. Die Beteiligten sind davon unterrichtet worden und hatten Gelegenheit zur Stellungnahme. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Urteil des FG entspricht Bundesrecht (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 FGO). Die Kl&auml;gerin kann nicht verlangen, dass in dem vom FA erlassenen Abrechnungsbescheid (&sect;&nbsp;218 Abs.&nbsp;2 AO) die von ihr gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;50a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;4 EStG geschuldete Steuer als getilgt ausgewiesen wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat ohne Rechtsirrtum erkannt, dass die Entrichtungspflicht eines Verg&uuml;tungsschuldners nach &sect;&nbsp;50a Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;5 S&auml;tze&nbsp;2 und 3 EStG a.F. nur dann erf&uuml;llt ist, wenn er nicht nur den vorgeschriebenen Steuerabzug vorgenommen hat, sondern den f&uuml;r die Steuer einbehaltenen Betrag auch an das Finanzamt abgef&uuml;hrt hat. Das ergibt sich klar und eindeutig aus dem Wortlaut und dem Zweck des Gesetzes und kann nicht mit Erfolg durch die allenfalls rechtspolitisch diskutable Erw&auml;gung der Revision in Frage gestellt werden, der Fiskus bed&uuml;rfe des von der gesetzlichen Regelung bezweckten Schutzes seines Steueraufkommens nicht. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dementsprechend hat der BFH inzwischen entschieden, der Anspruch des Verg&uuml;tungsgl&auml;ubigers auf Erstattung von Abzugsteuer (&sect;&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG) setze nach Wortlaut, Regelungszweck und Sachzusammenhang eine (vorhergehende) Abf&uuml;hrung der Abzugsteuer voraus (Urteil vom 24.&nbsp;August 2011 I&nbsp;R&nbsp;85\/10, BFH\/NV 2012, 559). Hierauf kann der erkennende Senat Bezug nehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch das DBA AUT, das hier noch in der eingangs bezeichneten Fassung anzuwenden ist, verschafft der Kl&auml;gerin keinen Anspruch darauf, dass trotz unterbliebener Abf&uuml;hrung der von ihr geschuldeten Steuer diese vom FA als getilgt ausgewiesen wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Art.&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 DBA AUT weist zwar Deutschland das Besteuerungsrecht f&uuml;r Eink&uuml;nfte eines Unternehmens mit Sitz in &Ouml;sterreich nur insoweit zu, als dieses in Deutschland Eink&uuml;nfte aus einem gewerblichen Unternehmen, dessen Wirkung sich auf das Gebiet Deutschlands erstreckt, bezieht und diese auf eine hier befindliche Betriebst&auml;tte des Unternehmens entfallen. Es verh&auml;lt sich aber nicht zu der Frage, wie diese Regelung im Besteuerungsverfahren umzusetzen, insbesondere die Steuerfreiheit von Unternehmen ohne hiesige Betriebsst&auml;tte sicherzustellen ist. Es gebietet jedenfalls nicht, diesen im Abrechnungsverfahren nach &sect;&nbsp;218 Abs.&nbsp;2 AO zu bescheinigen, dass eine Steuerschuld getilgt worden sei, auf die tats&auml;chlich nichts geleistet worden ist. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Damit er&uuml;brigen sich alle von der Revision angestellten &Uuml;berlegungen, ob es Ziel eines Folgenbeseitigungsanspruches sein kann, dass der Kl&auml;gerin vom deutschen Fiskus Steuern erstattet werden, die der vorgenannte Vertragspartner der Kl&auml;gerin an jenen abzuf&uuml;hren vertrags- und rechtswidrig unterlassen hat und die nach dem eigenen Vorbringen der Kl&auml;gerin bei ihm infolge Insolvenz auch nicht mehr beigetrieben werden k&ouml;nnen. Ebenso wenig bedarf der Er&ouml;rterung, ob der Senat der Rechtsansicht des BFH-Beschlusses in BFHE 236, 304 folgen k&ouml;nnte (vgl. dazu u.a. Heger, jurisPR-SteuerR 25\/2012 Anm.&nbsp;4), dass die Kompetenzen des einfachen Gesetzgebers infolge entgegenstehender Vereinbarungen in einem Doppelbesteuerungsabkommen eingeschr&auml;nkt sein k&ouml;nnen.&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im &Uuml;brigen hat der BFH bereits entschieden, dass &sect;&nbsp;50d EStG die sich aus dem DBA AUT ergebende Steuerfreistellung nicht einschr&auml;nkt, sondern lediglich das innerstaatliche Verfahren zur Durchsetzung der Steuerbefreiung regelt (Entscheidungen vom 1.&nbsp;Dezember 1993 I&nbsp;R&nbsp;48\/93, BFH\/NV 1994, 549, und vom 21.&nbsp;Mai 1997 I&nbsp;R&nbsp;79\/96, BFHE 184, 281, BStBl II 1998, 113). Dass dieses Verfahren in einer mit dem Ziel der Steuerfreistellung unvereinbaren Weise ausgestaltet ist, vermag der Senat nicht zu erkennen. Es ist f&uuml;r ein &ouml;sterreichisches Unternehmen weder unm&ouml;glich noch unzumutbar, Vorkehrungen daf&uuml;r zu treffen, dass es im Erstattungsverfahren seinen Steuerfreistellungsanspruch realisieren kann, zumal es sich seinen deutschen Vertragspartner, von dessen steuerlicher Zuverl&auml;ssigkeit dies nicht unwesentlich abh&auml;ngt, selbst aussucht. Ob unbeschadet dessen geboten, insbesondere etwa aus der neueren Rechtsprechung des EuGH zu folgern ist, dass entgegen den vorgenannten Entscheidungen das in &sect;&nbsp;50a EStG geregelte Besteuerungsverfahren jedenfalls unter den Umst&auml;nden des Streitfalls nicht angewandt, sondern der Kl&auml;gerin trotz unterbliebener Abf&uuml;hrung der zu ihren Lasten einbehaltenen Steuer dieselbe zu erstatten ist, kann jedenfalls nicht vom FA im Abrechnungsverfahren, sondern allenfalls im Erstattungsverfahren von dem daf&uuml;r zust&auml;ndigen Bundesamt entschieden werden. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Konnte folglich in dem der Kl&auml;gerin erteilten Abrechnungsbescheid der gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin vorgenommene Steuereinbehalt aufgrund der vorgenannten Vorschriften nicht als getilgte Abzugsteuer ausgewiesen werden, so kam, wie das FG ebenfalls richtig erkannt hat, ein solcher Ausweis auch nicht deshalb in Betracht, weil von der Entrichtungspflichtigen zu Lasten anderer Verg&uuml;tungsgl&auml;ubiger einbehaltene Steuerbetr&auml;ge an das Finanzamt abgef&uuml;hrt worden sind. Der Kl&auml;gerin steht insoweit nicht die Befugnis zu, hinsichtlich dieser Zahlungen eine Tilgungsbestimmung (und erst recht nicht eine nachtr&auml;gliche Tilgungsbestimmung) vorzunehmen. Dieses Recht steht nur dem Steuerpflichtigen zu, was nach &sect;&nbsp;225 Abs.&nbsp;1 AO ebenso mehr als eindeutig ist, wie dass die Kl&auml;gerin hinsichtlich der Abf&uuml;hrung der einbehaltenen Steuer nicht Steuerpflichtige i.S. dieser Vorschrift ist. Sie w&auml;re es selbst dann nicht, wenn anders als es nach der Rechtsprechung des BFH der Fall ist, die Festsetzung der Abzugsteuer zugleich eine Festsetzung der Steuerschuld der Kl&auml;gerin w&auml;re. Inwiefern an diesem Ergebnis die von der Revision vorgeschlagene &quot;analoge Anwendung des &sect;&nbsp;224 Abs.&nbsp;1 AO&quot; etwas &auml;ndern k&ouml;nnte, erschlie&szlig;t sich nicht, zumal schwerlich in Betracht kommen kann, hinsichtlich ein und derselben Zahlung mehreren Steuerpflichtigen die Befugnis zu einer Tilgungsbestimmung einzur&auml;umen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da die Entrichtungspflichtige nach den Feststellungen des FG keine &#8211;auch keine konkludente (vgl. dazu Alber in H&uuml;bschmann\/ Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;225 AO Rz&nbsp;19)&#8211; Tilgungsbestimmung getroffen hat, hatte das Finanzamt die Zahlungen nach Ma&szlig;gabe des &sect;&nbsp;225 Abs.&nbsp;2 AO zu verbuchen. Dass dies nicht geschehen ist, hat das FG nicht festgestellt. Auch die Revision hat insofern keine Rechtsfehler erkannt und ger&uuml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Ob ungeachtet der unterbliebenen Abf&uuml;hrung der Abzugsteuer das Unionsrecht, insbesondere etwa Art.&nbsp;49 EG, gebietet, der Kl&auml;gerin gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;50d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG Steuer zu erstatten, w&auml;re im &Uuml;brigen nicht in diesem Verfahren, sondern in dem nach jener Vorschrift anzustrengenden Antragsverfahren zu entscheiden, worauf das FG ebenfalls bereits mit Recht hingewiesen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 23.10.2012, VII R 18\/11 Kein Abrechnungsbescheid &uuml;ber einbehaltene, aber nicht abgef&uuml;hrte Steuer f&uuml;r im Inland ausge&uuml;bte k&uuml;nstlerische Darbietungen Tatbestand 1&nbsp; I. Die in &Ouml;sterreich ans&auml;ssige Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) erzielte im Jahr 2002 aufgrund eines Vertrages mit der Firma A &uuml;ber sechs von der Kl&auml;gerin ausgerichtete Auff&uuml;hrungen in B-Stadt (Deutschland) Eink&uuml;nfte von &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-18-11-kein-abrechnungsbescheid-ueber-einbehaltene-aber-nicht-abgefuehrte-steuer-fuer-im-inland-ausgeuebte-kuenstlerische-darbietungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;18\/11 &#8211; Kein Abrechnungsbescheid &uuml;ber einbehaltene, aber nicht abgef&uuml;hrte Steuer f&uuml;r im Inland ausge&uuml;bte k&uuml;nstlerische Darbietungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-30582","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30582","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30582"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30582\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30582"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30582"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30582"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}