{"id":30604,"date":"2013-03-10T10:12:24","date_gmt":"2013-03-10T08:12:24","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=30604"},"modified":"2013-03-10T10:12:24","modified_gmt":"2013-03-10T08:12:24","slug":"vi-r-65-11-kindergeld-regelmaessige-arbeitsstaette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-65-11-kindergeld-regelmaessige-arbeitsstaette\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;65\/11 &#8211; Kindergeld; regelm&auml;&szlig;ige Arbeitsst&auml;tte"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 18.9.2012, VI R 65\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeld; regelm&auml;&szlig;ige Arbeitsst&auml;tte<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der am 7.&nbsp;April 1987 geborene Sohn der Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) C schloss am 27.&nbsp;April 2007 mit der S-GmbH in &#8230; einen Berufsausbildungsvertrag ab. Die Ausbildung sollte am 1.&nbsp;September 2007 beginnen und 42 Monate dauern. Ausbildungsma&szlig;nahmen au&szlig;erhalb der Ausbildungsst&auml;tte sollten im Berufsfortbildungswerk (Bfw) X stattfinden. Im Jahr 2009 befand sich C an 42 Tagen im Ausbildungsbetrieb, an 120 Tagen im Bfw, an 60 Tagen in der Berufsschule und an einem Tag in der IHK.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 4.&nbsp;Juni 2010 hob die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) die Kindergeldfestsetzung f&uuml;r den Zeitraum Januar bis Dezember 2009 auf, weil der Jahresgrenzbetrag (&sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;) &uuml;berschritten sei. Im Rahmen der Berechnung der Werbungskosten setzte die Familienkasse die Fahrtkosten f&uuml;r Fahrten zum Bfw mit der einfachen Entfernung von 14&nbsp;km x 0,30&nbsp;EUR an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhob die Kl&auml;gerin Klage, die das Finanzgericht (FG) mit in Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 1635 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden als unbegr&uuml;ndet abwies. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es u.a. aus, die Fahrten zum &uuml;berbetrieblichen Bfw stellten Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte dar und k&ouml;nnten daher nur mit 120&nbsp;x 14&nbsp;km x 0,30&nbsp;EUR = 504&nbsp;EUR ber&uuml;cksichtigt werden. Ebenso wie der Betrieb des Arbeitgebers stelle das Bfw eine Ausbildungsst&auml;tte dar, auf deren regelm&auml;&szlig;igen Besuch sich C habe einrichten k&ouml;nnen und die er fortdauernd aufgesucht habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/><\/br>das Urteil des Th&uuml;ringer FG vom 22.&nbsp;M&auml;rz 2011 &nbsp;4&nbsp;K&nbsp;820\/10, den Aufhebungsbescheid vom 4.&nbsp;Juni 2010 und die Einspruchsentscheidung vom 26.&nbsp;August 2010 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt,<br \/><\/br>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat das Bfw zu Unrecht als regelm&auml;&szlig;ige Arbeitsst&auml;tte des C angesehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. F&uuml;r ein Kind, das das 18., aber noch nicht das 25. Lebensjahr vollendet hat und sich in Ausbildung befindet, besteht nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 i.V.m. &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 EStG ein Anspruch auf Kindergeld nur, wenn das Kind Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge, die zur Bestreitung des Unterhalts oder der Berufsausbildung bestimmt oder geeignet sind, von nicht mehr als 7.680&nbsp;EUR im Kalenderjahr hat. Der Begriff der Eink&uuml;nfte entspricht dem in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 EStG gesetzlich definierten Begriff und ist je nach Einkunftsart als Gewinn oder als &Uuml;berschuss der Einnahmen &uuml;ber die Werbungskosten zu verstehen. Erzielt das Kind Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit, sind daher von den Bruttoeinnahmen die Werbungskosten abzuziehen (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 22.&nbsp;Oktober 2009 III&nbsp;R&nbsp;101\/07, BFH\/NV 2010, 200).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Werbungskosten i.S. des &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG sind Aufwendungen, die objektiv durch die berufliche T&auml;tigkeit veranlasst sind und die subjektiv zur F&ouml;rderung des Berufs get&auml;tigt werden. Hierzu k&ouml;nnen auch Fahrtkosten geh&ouml;ren. Sie sind grunds&auml;tzlich in tats&auml;chlicher H&ouml;he zu ber&uuml;cksichtigen. Fahrtkosten sind jedoch nach &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;4 EStG nur nach den Regeln &uuml;ber die Entfernungspauschale zu ber&uuml;cksichtigen, soweit es sich um Fahrten zwischen Wohnung und regelm&auml;&szlig;iger Arbeitsst&auml;tte handelt. In diesem Fall sind pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und regelm&auml;&szlig;iger Arbeitsst&auml;tte grunds&auml;tzlich 0,30&nbsp;EUR anzusetzen (z.B. BFH-Urteil vom 9.&nbsp;Februar 2012 VI&nbsp;R&nbsp;44\/10, BFHE 236, 431).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine regelm&auml;&szlig;ige Arbeitsst&auml;tte kann nur eine dauerhafte betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers sein, der der Arbeitnehmer zugeordnet ist und die er nicht nur gelegentlich, sondern mit einer gewissen Nachhaltigkeit, d.h. fortdauernd und immer wieder aufsucht. Regelm&auml;&szlig;ig handelt es sich dabei um den Betrieb des Arbeitgebers oder einen Zweigbetrieb (z.B. BFH-Urteile vom 10.&nbsp;Juli 2008 VI&nbsp;R&nbsp;21\/07, BFHE 222, 391, BStBl II 2009, 818; vom 9.&nbsp;Juli 2009 VI&nbsp;R&nbsp;21\/08, BFHE 225, 449, BStBl II 2009, 822; VI&nbsp;R&nbsp;42\/08, BFH\/NV 2009, 1806; vom 17.&nbsp;Juni 2010 VI&nbsp;R&nbsp;35\/08, BFHE 230, 147, BStBl II 2010, 852; vom 19.&nbsp;Januar 2012 VI&nbsp;R&nbsp;23\/11, BFHE 236, 351, BStBl II 2012, 472, und in BFHE 236, 431).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das Bfw erf&uuml;llt nach den angef&uuml;hrten Rechtsgrunds&auml;tzen schon deshalb nicht die Voraussetzungen f&uuml;r das Vorliegen einer regelm&auml;&szlig;igen Arbeitsst&auml;tte, weil es sich nicht um eine betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers handelt. Unerheblich ist aus diesem Grund u.a., ob C im Bfw berufspraktische oder theoretische Teile seiner Ausbildung absolvierte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FG ist von anderen Rechtsgrunds&auml;tzen ausgegangen. Die Vorentscheidung war deshalb aufzuheben. Die Sache ist nicht spruchreif. Das FG hat keine Feststellungen zur H&ouml;he der tats&auml;chlichen Aufwendungen f&uuml;r die Fahrten des C zum Bfw getroffen. Die diesbez&uuml;glichen Feststellungen wird es im zweiten Rechtsgang ebenso nachzuholen haben wie Feststellungen zur H&ouml;he der &uuml;brigen geltend gemachten Werbungskosten einschlie&szlig;lich ggf. angefallener Verpflegungsmehraufwendungen, soweit die gesetzlichen Voraussetzungen insoweit vorliegen (&sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;5 EStG i.V.m. &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;5 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 18.9.2012, VI R 65\/11 Kindergeld; regelm&auml;&szlig;ige Arbeitsst&auml;tte Tatbestand 1&nbsp; I. Der am 7.&nbsp;April 1987 geborene Sohn der Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) C schloss am 27.&nbsp;April 2007 mit der S-GmbH in &#8230; einen Berufsausbildungsvertrag ab. 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