{"id":30640,"date":"2013-03-10T10:12:43","date_gmt":"2013-03-10T08:12:43","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=30640"},"modified":"2013-03-10T10:12:43","modified_gmt":"2013-03-10T08:12:43","slug":"i-r-10-12-verzoegerungsgeld-ermessensausuebung-verhaeltnismaessigkeitsgrundsatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-10-12-verzoegerungsgeld-ermessensausuebung-verhaeltnismaessigkeitsgrundsatz\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;10\/12 &#8211; Verz&ouml;gerungsgeld: Ermessensaus&uuml;bung &#8211; Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 28.8.2012, I R 10\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Verz&ouml;gerungsgeld: Ermessensaus&uuml;bung &#8211; Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz ist auch bei der Entscheidung, ob gegen&uuml;ber dem Steuerpflichtigen ein Verz&ouml;gerungsgeld nach &sect; 146 Abs. 2b AO in H&ouml;he von mindestens 2.500 EUR festgesetzt wird, zu beachten. Hiernach ist es dem FA verwehrt, im Rahmen der Aus&uuml;bung seines sog. Entschlie&szlig;ungsermessens von einer Vorpr&auml;gung in dem Sinne auszugehen, dass jede Verletzung der Mitwirkungspflichten (&sect; 200 Abs. 1 AO) &#8211;unabh&auml;ngig davon, ob den Steuerpflichtigen ein Schuldvorwurf trifft&#8211; grunds&auml;tzlich zur Festsetzung eines Verz&ouml;gerungsgelds f&uuml;hrt.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz schlie&szlig;t es ferner aus, dass das FA der Aus&uuml;bung seines Entschlie&szlig;ungsermessens die Summe (B&uuml;ndel) der Pflichtverletzungen zugrunde legt, bei der anschlie&szlig;enden Ermessensentscheidung dazu, ob es &#8211;im n&auml;mlichen Fall&#8211; angemessen und zumutbar ist, den Mindestsatz zu &uuml;berschreiten (sog. Auswahlermessen), hingegen auf die einzelne Pflichtverletzung abstellt und diese jeweils &#8211;ohne weitere die Gesamtheit der Verst&ouml;&szlig;e betreffende Erw&auml;gungen&#8211; in H&ouml;he von 2.500 EUR (Mindestsatz) sanktioniert <\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Beteiligten streiten &uuml;ber die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Festsetzung eines Verz&ouml;gerungsgelds gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;2b der Abgabenordnung (AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) f&uuml;hrte ab November 2009 bei der Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagten (Kl&auml;gerin), einer GmbH, eine Betriebspr&uuml;fung (betreffend die Jahre 2005 bis 2007) durch. Am 24.\/25.&nbsp;November 2009 forderte die Pr&uuml;ferin die Kl&auml;gerin erstmals auf, Nachweise &uuml;ber die &quot;sonstigen R&uuml;ckstellungen (management creativ)&quot; sowie die Vertr&auml;ge zwischen der Kl&auml;gerin und der &quot;V-Ltd. (Darlehensvertrag, Managementvertrag o.&auml;.)&quot; vorzulegen und die &quot;Kosten f&uuml;r die Management Fee&quot; zu erl&auml;utern. Anl&auml;sslich einer Betriebsbesichtigung (1.&nbsp;Dezember 2009) wurde der Pr&uuml;ferin erl&auml;utert, dass die angeforderten Unterlagen einem Wirtschaftspr&uuml;fungsunternehmen &uuml;bersandt worden seien. Mit Schreiben vom 14.&nbsp;Dezember 2009 setzte die Pr&uuml;ferin eine Frist zur Vorlage der Unterlagen bis zum 22.&nbsp;Januar 2010; die Frist wurde mit weiterem Schreiben vom 3.&nbsp;Februar 2010 bis zum 25.&nbsp;Februar 2010 verl&auml;ngert. Nachdem die Kl&auml;gerin im Rahmen der Schlussbesprechung (23.&nbsp;M&auml;rz 2010) erneut auf die angeforderten Nachweise hingewiesen worden war, teilte der von der Kl&auml;gerin bevollm&auml;chtigte Steuerberater am 12.&nbsp;April 2010 der Pr&uuml;ferin telefonisch mit, dass die Unterlagen unterwegs seien; am 23.&nbsp;April 2010 gab er an, dass die Unterlagen noch nicht vollst&auml;ndig seien, er sie aber am selben Tage absenden w&uuml;rde. Mit Schreiben vom 12.&nbsp;Mai 2010 forderte das FA die Kl&auml;gerin erneut auf, die vorgenannten Nachweise und Unterlagen (betreffend R&uuml;ckstellung &quot;management creativ; Darlehens- und Managementvertr&auml;ge mit der V-Ltd.; Erl&auml;uterung der Kosten der Management Fee&quot;) bis 25.&nbsp;Mai 2010 einzureichen; zugleich wies das FA darauf hin, dass ein Verz&ouml;gerungsgeld von mindestens 2.500&nbsp;EUR und maximal 250.000&nbsp;EUR festgesetzt werde, wenn die Kl&auml;gerin die Unterlagen nicht fristgerecht und vollst&auml;ndig einreiche. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da die Kl&auml;gerin auch dieser Aufforderung nicht nachkam, setzte das FA mit Bescheid vom 31.&nbsp;Mai 2010 ein Verz&ouml;gerungsgeld in H&ouml;he von 5.000&nbsp;EUR fest. Nach dem Begr&uuml;ndungsteil des Bescheids ergibt sich dieser Betrag aus der Dauer der Frist&uuml;berschreitung sowie daraus, dass die Beendigung der Betriebspr&uuml;fung beeintr&auml;chtigt worden sei. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In dem am 9.&nbsp;Juni 2010 erstellten Pr&uuml;fungsbericht wurden &#8211;jeweils wegen fehlender Nachweise&#8211; die R&uuml;ckstellungen f&uuml;r &quot;management creativ&quot; zum 31.&nbsp;Dezember 2006 sowie zum 31.&nbsp;Dezember 2007 in H&ouml;he von 20.000&nbsp;EUR aufgel&ouml;st und die nicht abziehbaren Aufwendungen um die Kosten f&uuml;r die Management Fee (2006: 47.095&nbsp;EUR; 2007: 39.038&nbsp;EUR) erh&ouml;ht. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung ihres Einspruchs gegen den Bescheid vom 31.&nbsp;Mai 2010 hat die Kl&auml;gerin mit Schreiben vom 30.&nbsp;Juni 2010 vorgetragen, dass &#8211;wie der Pr&uuml;ferin bekannt sei&#8211; bei der Gesellschaft im Hinblick auf den geplanten Verkauf der Unternehmensgruppe eine Due Diligence Pr&uuml;fung vorgenommen werde und deshalb die Erlangung der Unterlagen aus Gro&szlig;britannien &auml;u&szlig;erst schwierig gewesen sei. Die H&ouml;he des Verz&ouml;gerungsgelds sei &#8211;so die Kl&auml;gerin weiter&#8211; unangemessen, die Unterlagen w&uuml;rden sp&auml;testens Anfang n&auml;chster Woche eingereicht. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Einspruch wurde mit Bescheid vom 30.&nbsp;Juli 2010 zur&uuml;ckgewiesen. Der Tatbestand des &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;2b AO sei &#8211;so das FA&#8211; erf&uuml;llt. Umst&auml;nde, die es rechtfertigten, von der Festsetzung eines Verz&ouml;gerungsgelds abzusehen, l&auml;gen nicht vor. Da zwischen der ersten und der letzten Aufforderung ein Zeitraum von mehr als sechs Monaten gelegen habe, seien auch die geltend gemachten Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Unterlagen aus Gro&szlig;britannien sehr gro&szlig;z&uuml;gig beachtet worden; zudem habe die Kl&auml;gerin auf die letzte Fristsetzung (vom 12.&nbsp;Mai 2010) nicht reagiert. Im Hinblick auf die H&ouml;he des Verz&ouml;gerungsgelds wiederholt die Einspruchsentscheidung zum einen die Erl&auml;uterungen des Bescheids vom 31.&nbsp;Mai 2010 (Dauer der Frist&uuml;berschreitung; Beeintr&auml;chtigung des Pr&uuml;fungsabschlusses; s.o.); zum anderen f&uuml;hrt die Einspruchsentscheidung aus, dass das Verz&ouml;gerungsgeld f&uuml;r zwei Pflichtverletzungen (kein Nachweis der R&uuml;ckstellung &quot;management creativ&quot; sowie der Kosten f&uuml;r (die) &quot;Management Fee&quot;) jeweils in H&ouml;he des vorgeschriebenen Mindestbetrags (2.500&nbsp;EUR) festgesetzt worden sei. Schlie&szlig;lich sei auch der Vollzug des Festsetzungsbescheids nicht entsprechend der Regelung des &sect;&nbsp;335 AO einzustellen. Die Vorschrift sei auf das Verz&ouml;gerungsgeld, bei der es sich um eine eigenst&auml;ndige steuerliche Nebenleistung handle, nicht anwendbar. Im &Uuml;brigen seien die geforderten Nachweise auch im Verlauf des Einspruchsverfahrens nicht erbracht worden. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Klage wurde u.a. geltend gemacht, dass die Vertragsunterlagen in London bzw. Amerika zusammengetragen worden und die Unterlagen f&uuml;r die Management Fee nicht auffindbar gewesen seien. Zudem sei die beauftragte Buchhalterin aufgrund der Erkrankung ihres Ehemanns aus einem Urlaub &quot;&uuml;ber den Jahreswechsel&quot; nicht zur&uuml;ckgekehrt. Hinzu komme, dass das FA unmittelbar nach der Festsetzung des Verz&ouml;gerungsgelds den Pr&uuml;fungsbericht fertiggestellt und die nicht aufgekl&auml;rten Sachverhalte zu Lasten der Kl&auml;gerin gewertet habe. Insbesondere h&auml;lt die Kl&auml;gerin die Festsetzung des Verz&ouml;gerungsgelds f&uuml;r zwei Pflichtverletzungen f&uuml;r unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig. Auch sei die Anforderung &uuml;ber den Nachweis der Kosten f&uuml;r die Management Fee unangemessen gewesen, da sich die Gr&uuml;nde f&uuml;r dieses Entgelt aus der &#8211;der Pr&uuml;ferin bekannten&#8211; Gesamtkonstruktion (Gr&uuml;ndung einer deutschen Gesellschaft unter R&uuml;ckgriff auf Erfahrungen und Beratungsleistungen aus Gro&szlig;britannien) ergeben h&auml;tten. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Vorinstanz hat der Klage stattgeben (vgl. Finanzgericht &#8211;FG&#8211; Berlin-Brandenburg, Urteil vom 18.&nbsp;Januar&nbsp;2012&nbsp;&nbsp;12&nbsp;K&nbsp;12205\/10, Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2012, 898). Dabei hat das FG offengelassen, ob bereits deshalb von einem Ermessensfehlgebrauch ausgegangen werden m&uuml;sse, weil das FA auf die Gr&uuml;nde der S&auml;umnis und damit auf Verschuldensaspekte nicht eingegangen sei. Jedenfalls sei ein Ermessensfehler darin zu sehen, dass nicht f&uuml;r s&auml;mtliche Pflichtverst&ouml;&szlig;e ein einheitliches Verz&ouml;gerungsgeld festgesetzt worden sei. Gegen den vom FA beschrittenen Weg &#8211;Bemessung des Verz&ouml;gerungsgelds durch Multiplikation der Pflichtverst&ouml;&szlig;e mit dem Mindestbetrag (2.500&nbsp;EUR)&#8211; spreche nicht nur der Wortlaut des &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;2b AO, sondern auch, dass die Vorgehensweise des FA zu unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;igen und willk&uuml;rlichen Festsetzungen f&uuml;hren k&ouml;nne. Letzteres zeige sich auch im Streitfall, da die Kl&auml;gerin gegen drei Vorlage- und Auskunftspflichten versto&szlig;en, das FA der Bemessung des Verz&ouml;gerungsgelds aber nur zwei Pflichtverst&ouml;&szlig;e zugrunde gelegt habe; umgekehrt sei &#8211;wenn man zwischen den angeforderten Darlehens- und Managementvertr&auml;gen unterscheide&#8211; auch die Annahme von vier Verst&ouml;&szlig;en denkbar gewesen. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der vom FG zugelassenen Revision r&uuml;gt das FA, dass die Festsetzung von Verz&ouml;gerungsgeldern nach der Anzahl der Pflichtverst&ouml;&szlig;e mit dem Wortlaut des &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;2b AO vereinbar sei und der Ansicht der Finanzverwaltung entspreche. Auch liege hierin &#8211;entgegen der Auffassung der Vorinstanz&#8211; kein Versto&szlig; gegen den Grundsatz der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit, da die Festsetzung eines Verz&ouml;gerungsgelds auf &quot;wesentliche F&auml;lle&quot; zu beschr&auml;nken sei und im Hinblick auf die H&ouml;he des festzusetzenden Betrags nach dem Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 22.&nbsp;April 2010 (Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2011, 676) unter anderem die Dauer der Frist&uuml;berschreitung, die Gr&uuml;nde der Pflichtverletzung, die H&auml;ufigkeit der Verz&ouml;gerung oder Verweigerung sowie das Ausma&szlig; der Beeintr&auml;chtigung der Betriebspr&uuml;fung zu ber&uuml;cksichtigen seien. Im Streitfall habe das FA sein Entschlie&szlig;ungsermessen zutreffend ausge&uuml;bt; insbesondere habe es &#8211;abweichend von den Ausf&uuml;hrungen der Vorinstanz&#8211; erl&auml;utert, weshalb die geltend gemachten Schwierigkeiten bei der Beschaffung der angeforderten Unterlagen die Pflichtverletzungen der Kl&auml;gerin nicht entschuldigt h&auml;tten. Zudem habe die Kl&auml;gerin noch im April 2010 mitgeteilt, dass die Unterlagen nunmehr vorl&auml;gen und &uuml;bersandt w&uuml;rden. Auf den Ausfall der Buchhalterin habe das FA nicht eingehen k&ouml;nnen, da dieser Umstand erstmals im Klageverfahren vorgetragen worden sei; hiervon abgesehen k&ouml;nne er die Nichtvorlage der Unterlagen &uuml;ber Monate hinweg nicht rechtfertigen. Ebenso sei es nicht zu beanstanden, dass das FA beide Verz&ouml;gerungsgelder &#8211;ausgehend von den Erw&auml;gungen im Rahmen des Entschlie&szlig;ungsermessens&#8211; nach dem gesetzlichen Mindestbetrag bemessen habe. Es liege somit keine blo&szlig;e Vervielf&auml;ltigung dieses Betrags vor. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt sinngem&auml;&szlig;, das Urteil der Vorinstanz aufzuheben und die Klage abzuweisen. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin hat im Revisionsverfahren keine Stellungnahme abgegeben. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist nicht begr&uuml;ndet und deshalb zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtordnung &#8211;FGO&#8211;). <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;2b AO kann ein Verz&ouml;gerungsgeld von 2.500&nbsp;EUR bis 250.000&nbsp;EUR festgesetzt werden, wenn ein Steuerpflichtiger der Aufforderung zur R&uuml;ckverlagerung seiner elektronischen Buchf&uuml;hrung oder seinen Pflichten nach &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;4 AO, zur Einr&auml;umung des Datenzugriffs nach &sect;&nbsp;147 Abs.&nbsp;6 AO, zur Erteilung von Ausk&uuml;nften oder zur Vorlage angeforderter Unterlagen i.S. des &sect;&nbsp;200 Abs.&nbsp;1 AO im Rahmen einer Au&szlig;enpr&uuml;fung innerhalb einer ihm bestimmten angemessenen Frist nach Bekanntgabe durch die zust&auml;ndige Finanzbeh&ouml;rde nicht nachkommt. Die Vorschrift wurde durch Art.&nbsp;10 Nr.&nbsp;8 des Jahressteuergesetzes 2009 vom 19.&nbsp;Dezember 2008 (BGBl I 2008, 2794, BStBl I 2009, 74) &#8211;JStG 2009&#8211; mit Wirkung vom 25.&nbsp;Dezember 2008 (Art.&nbsp;39 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;8 JStG 2009) als neue steuerliche Nebenleistung (&sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;4 AO) eingef&uuml;hrt. Sie steht zwar im Zusammenhang mit der ebenfalls durch das JStG 2009 geschaffenen Regelung in &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;2a AO, nach welcher das FA dem Steuerpflichtigen unter bestimmten Voraussetzungen bewilligen kann, seine Buchf&uuml;hrung in das Ausland zu verlagern, und will f&uuml;r den Fall, dass die hierf&uuml;r erforderlichen Voraussetzungen nicht oder nicht mehr gegeben sind, die zeitnahe R&uuml;ckf&uuml;hrung der Buchf&uuml;hrung flankieren (vgl. &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;3 i.V.m. Abs.&nbsp;2b AO). Gleichwohl ist in der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) anerkannt, dass ein Verz&ouml;gerungsgeld im Einklang mit dem Wortlaut der Vorschrift sowie der Intention des Gesetzgebers (BTDrucks 16\/10189, S.&nbsp;81: &quot;Vermeidung von Ungleichbehandlungen&quot;) auch dann festgesetzt werden kann, wenn der Steuerpflichtige seine B&uuml;cher und Aufzeichnungen im Inland f&uuml;hrt und aufbewahrt, er jedoch der ihm im Rahmen einer Au&szlig;enpr&uuml;fung obliegenden Mitwirkungspflicht zur Erteilung von Ausk&uuml;nften oder zur Vorlage von Unterlagen (&sect;&nbsp;200 Abs.&nbsp;1 AO) innerhalb angemessener Frist nicht nachkommt (BFH-Beschl&uuml;sse vom 16.&nbsp;Juni 2011 IV&nbsp;B&nbsp;120\/10, BFHE 233, 317, BStBl II 2011, 855; vom 28.&nbsp;Juni 2011 X&nbsp;B&nbsp;37\/11, BFH\/NV 2011, 1833, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der BFH hat es zwar in dem Aussetzungsbeschluss in BFHE 233, 317, BStBl II 2011, 855 als i.S. von &sect;&nbsp;69 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 i.V.m. Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO ernstlich zweifelhaft angesehen, ob im Hinblick auf die fortdauernde Nichtvorlage derselben Unterlagen ein Verz&ouml;gerungsgeld mehrfach festgesetzt werden kann (vgl. nunmehr auch BMF-Schreiben vom 28.&nbsp;September 2011, Referat&nbsp;IV&nbsp;A&nbsp;4, zu Frage 18; abrufbar unter www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Downloads\/BMF_Schreiben\/Weitere_Steuerthemen\/Betriebspruefung\/001_a1.html, Suchwort: Verz&ouml;gerungsgeld; a.A. Hopp\/Bruns, DStR 2012, 1485). &Uuml;ber die hiervon zu unterscheidende und gleichfalls umstrittene Frage, ob im Falle der Verletzung mehrerer Mitwirkungspflichten f&uuml;r jeden Pflichtversto&szlig; jeweils ein gesondertes Verz&ouml;gerungsgeld &#8211;z.B. in H&ouml;he des Mindestbetrags von 2.500&nbsp;EUR&#8211; ausgesprochen werden kann, hat der BFH hingegen noch nicht entschieden. Die Ansichten hierzu sind geteilt. W&auml;hrend nach Auffassung der Finanzverwaltung jede Pflichtverletzung mit einem gesonderten (&quot;getrennten&quot;) Verz&ouml;gerungsgeld belegt werden kann (vgl. BMF-Schreiben vom 28.&nbsp;September 2011, a.a.O., zu Frage&nbsp;17), wird in der Rechtsprechung der FG eine Vervielf&auml;ltigung des Mindestsatzes (2.500&nbsp;EUR) entsprechend der Anzahl der Pflichtverst&ouml;&szlig;e ohne deren eigenst&auml;ndige Gewichtung als ernstlich zweifelhaft angesehen (Beschluss des Hessischen FG vom 8.&nbsp;August 2011&nbsp;&nbsp;8&nbsp;V&nbsp;1281\/11, EFG 2011, 1949; Beschluss des FG Hamburg vom 16.&nbsp;November 2011&nbsp;&nbsp;2&nbsp;V&nbsp;173\/11, EFG 2012, 382). Dem wird im Schrifttum teilweise zugestimmt (z.B. Dr&uuml;en in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;146 AO Rz&nbsp;51b); andere vertreten hingegen die Ansicht, dass zwar das Verz&ouml;gerungsgeld f&uuml;r jede (einzelne) Verletzung der Mitwirkungspflicht ausgesprochen werden k&ouml;nne, jedoch die Aufforderung zur Vorlage mehrerer Urkunden in einem Schriftst&uuml;ck als nur ein Mitwirkungsverlangen zu werten sei und dessen Verletzung nur mit der Festsetzung eines Verz&ouml;gerungsgelds sanktioniert werden d&uuml;rfe (Klein\/R&auml;tke, AO, 11.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;146 Rz&nbsp;36). <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das anh&auml;ngige Verfahren gibt dem Senat keine Gelegenheit, zu diesem Meinungsstreit abschlie&szlig;end Stellung zu nehmen. Insbesondere hat der Senat nicht darauf einzugehen, ob dann, wenn beispielsweise im Rahmen einer Au&szlig;enpr&uuml;fung die Mitwirkungsverlangen zu verschiedenen Pr&uuml;fungsfeldern ergehen und der Steuerpflichtige diesen nicht entspricht, das FA befugt ist, f&uuml;r die die jeweiligen (einzelnen) Pr&uuml;fungsfelder betreffenden Verst&ouml;&szlig;e ein gesondertes Verz&ouml;gerungsgeld auszusprechen, oder ob es hierzu weiterer Voraussetzungen &#8211;wie z.B. der zeitlichen Staffelung der Mitwirkungsaufforderungen&#8211; bedarf. Im Streitfall kommt es hierauf nicht an, da selbst dann, wenn man im Falle des Versto&szlig;es gegen mehrere Mitwirkungspflichten die gleichzeitige Festsetzung je eines Verz&ouml;gerungsgelds f&uuml;r grunds&auml;tzlich zul&auml;ssig erachten w&uuml;rde, der angefochtene Bescheid &#8211;wie vom FG im Ergebnis zu Recht erkannt&#8211; aufzuheben w&auml;re. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Festsetzung des Verz&ouml;gerungsgelds erfordert nach &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;2b AO neben den zwingenden tatbestandlichen Voraussetzungen (z.B. Nichterf&uuml;llung der Mitwirkungspflicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;200 Abs.&nbsp;1 AO) eine zweifache Ermessensentscheidung der Beh&ouml;rde, n&auml;mlich erstens im Hinblick darauf, ob im jeweiligen Einzelfall ein Verz&ouml;gerungsgeld festgesetzt wird (sog. Entschlie&szlig;ungsermessen), sowie zweitens &#8211;falls das Entschlie&szlig;ungsermessen zu Lasten des Steuerpflichtigen ausge&uuml;bt wird&#8211; eine Entscheidung &uuml;ber die H&ouml;he der Sanktion innerhalb des gesetzlich vorgegebenen Rahmens von mindestens 2.500&nbsp;EUR bis h&ouml;chstens 250.000&nbsp;EUR (sog. Auswahlermessen; vgl. insgesamt BFH-Beschl&uuml;sse in BFHE 233, 317, BStBl II 2011, 855; in BFH\/NV 2011, 1833). Diese zweistufige Ermessenspr&uuml;fung entspricht auch dem Willen des Gesetzgebers: W&auml;hrend der Gesetzentwurf der Bundesregierung &#8211;zur Wahrung des Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatzes (vgl. dazu nachfolgend zu II.3.a bb) &#8211;einen beh&ouml;rdlichen Ermessensspielraum nur im Hinblick auf die H&ouml;he des Verz&ouml;gerungsgelds er&ouml;ffnen wollte (vgl. BTDrucks 16\/10189, S.&nbsp;26, 81), ist der letzte Halbsatz des &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;2b AO&#8211; auf Vorschlag des Finanzausschusses des Bundestags (BTDrucks 16\/11055, S.&nbsp;81) mit dem ausdr&uuml;cklichen Ziel ge&auml;ndert worden (&quot;kann &#8230; festgesetzt werden&quot;), ein &quot;Entschlie&szlig;ungsermessen einzuf&uuml;gen&quot; (BTDrucks 16\/11108, S.&nbsp;47). <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der Ermessenscharakter des &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;2b AO hat allgemein zur Folge, dass die Finanzgerichte die Festsetzung des Verz&ouml;gerungsgelds nur eingeschr&auml;nkt &uuml;berpr&uuml;fen k&ouml;nnen. Sind die tatbestandlichen Voraussetzungen der Bestimmung gegeben und hat das FA den f&uuml;r die Ermessensaus&uuml;bung ma&szlig;geblichen Sachverhalt vollst&auml;ndig ermittelt sowie seine Entscheidung hinreichend begr&uuml;ndet (&sect;&nbsp;121 AO, ggf. i.V.m. &sect;&nbsp;126 AO; vgl. auch &sect;&nbsp;102 Satz&nbsp;2 FGO), ist der gerichtlichen Kontrolle die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt der letzten Verwaltungsentscheidung (Einspruchsentscheidung) zugrunde zu legen. Des Weiteren ist die Pr&uuml;fung nach &sect;&nbsp;102 Satz&nbsp;1 FGO darauf beschr&auml;nkt, ob die gesetzlichen Grenzen des Ermessens &uuml;berschritten worden sind (sog. Ermessens&uuml;berschreitung), ob das FA von seinem Ermessen in einer dem Zweck der (Ermessens-)Erm&auml;chtigung nicht entsprechenden Weise Gebrauch gemacht (sog. Ermessensfehlgebrauch) oder ein ihm zustehendes Ermessen nicht ausge&uuml;bt hat (sog. Ermessensunterschreitung) oder ob die Beh&ouml;rde die verfassungsrechtlichen Schranken der Ermessensbet&auml;tigung, insbesondere also den Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz missachtet hat (vgl. zu allem Lange in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;102 FGO Rz&nbsp;61&nbsp;ff., Rz&nbsp;86&nbsp;ff., Rz&nbsp;94&nbsp;ff., jeweils mit umfangreichen Nachweisen). <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Der Grundsatz der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit, nach dem das eingesetzte Mittel zur Erreichung des angestrebten Zwecks nicht nur erforderlich und geeignet, sondern hierzu auch in einem angemessenen, d.h. f&uuml;r den Betroffenen zumutbaren Verh&auml;ltnis stehen muss (vgl. Wernsmann in HHSp, &sect;&nbsp;5 AO Rz&nbsp;169), genie&szlig;t Verfassungsrang und ist deshalb stets auch bei der Auslegung und Anwendung von Normen des einfachen Rechts &#8211;mithin auch bei der Ermessensaus&uuml;bung durch die Finanz&auml;mter&#8211; zu beachten (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 9.&nbsp;November 1976&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvL&nbsp;1\/76, BVerfGE 43, 101, 106). Hiermit &uuml;bereinstimmend hat auch der Gesetzgeber durch die Ausgestaltung des &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;2b AO als Ermessensvorschrift eine dem Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz entsprechende Handhabung der Vorschrift durch die Finanzbeh&ouml;rden &quot;gew&auml;hrleisten&quot; wollen (BTDrucks 16\/10189, S.&nbsp;81). <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aaa) Danach kann nicht zweifelhaft sein, dass das FA die H&ouml;he des Verz&ouml;gerungsgelds, dessen Zweck nach herrschender Meinung nicht nur darin zu sehen ist, den Steuerpflichtigen zur zeitnahen Erf&uuml;llung seiner Mitwirkungspflichten anzuhalten (BTDrucks 16\/10189, S.&nbsp;81), sondern auch die Verletzung der Mitwirkungspflichten zu sanktionieren (vgl. z.B. Klein\/R&auml;tke, a.a.O., &sect;&nbsp;146 Rz&nbsp;25, m.w.N.; kritisch Dr&uuml;en in Tipke\/Kruse, &sect;&nbsp;146 AO Rz&nbsp;48), insbesondere an der Dauer der Frist&uuml;berschreitung, den Gr&uuml;nden und dem Ausma&szlig; der Pflichtverletzung\/en sowie der Beeintr&auml;chtigung der Au&szlig;enpr&uuml;fung auszurichten hat (vgl. auch BMF-Schreiben vom 28.&nbsp;September 2011, a.a.O.). <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bbb) Da aber das Verz&ouml;gerungsgeld in H&ouml;he von mindestens 2.500&nbsp;EUR festzusetzen ist und es sich hierbei nicht um einen Bagatellbetrag handelt, m&uuml;ssen die n&auml;mlichen Merkmale auch bei der Aus&uuml;bung des sog. Entschlie&szlig;ungsermessens, d.h. bei der Entscheidung der Finanzbeh&ouml;rden dar&uuml;ber zum Tragen kommen, ob gegen&uuml;ber dem Steuerpflichtigen ein Verz&ouml;gerungsgeld festgesetzt wird. Ma&szlig;stab auch dieser Ermessensentscheidung des FA sowie nachvollziehbarer Gegenstand ihrer Begr&uuml;ndung (&sect;&nbsp;121 AO) muss deshalb sein, ob die Festsetzung eines Verz&ouml;gerungsgelds in H&ouml;he der Sanktionsmindestgrenze (2.500&nbsp;EUR) mit R&uuml;cksicht auf die Umst&auml;nde der zu beurteilenden Pflichtverletzung\/en sowie das Ausma&szlig; der Beeintr&auml;chtigung der Pr&uuml;fung angemessen ist. Demnach ist es ausgeschlossen, im Rahmen des Entschlie&szlig;ungsermessens von einer Vorpr&auml;gung auszugehen, wonach jede Verletzung der Mitwirkungspflichten (&sect;&nbsp;200 Abs.&nbsp;1 AO) &#8211;unabh&auml;ngig davon, ob den Steuerpflichtigen ein Schuldvorwurf trifft&#8211; grunds&auml;tzlich zur Festsetzung eines Verz&ouml;gerungsgelds f&uuml;hrt; erforderlich ist vielmehr auch insoweit eine an der Sanktionsuntergrenze (2.500&nbsp;EUR) auszurichtende W&uuml;rdigung des Einzelfalls. Nur diese Beurteilung stellt sicher, dass die Festsetzung des Verz&ouml;gerungsgelds durchg&auml;ngig den verfassungsrechtlichen Vorgaben des Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatzes entspricht (&uuml;berwiegende Meinung; z.B. Klein\/R&auml;tke, a.a.O., &sect;&nbsp;146 Rz&nbsp;30; Kuhfus in: K&uuml;hn\/v.Wedelst&auml;dt, 20.&nbsp;Aufl., AO, &sect;&nbsp;146 AO Rz&nbsp;14g; Di&szlig;ars in Schwarz, AO, &sect;&nbsp;146 Rz&nbsp;49; G&ouml;ttker in juris Lexikon Steuerrecht, Verz&ouml;gerungsgeld nach &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;2b AO, Rz&nbsp;16&nbsp;ff.; Dr&uuml;en, Die Unternehmensbesteuerung 2011, 83, 87&nbsp;f.; Hopp\/Bruns, DStR 2012, 1485, 1487; FG Schleswig-Holstein, Beschluss vom 3.&nbsp;Februar 2010&nbsp;&nbsp;3&nbsp;V&nbsp;243\/09, EFG 2010, 686; FG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 23.&nbsp;Februar 2012&nbsp;&nbsp;3&nbsp;V&nbsp;3006\/12, EFG 2012, 1225; a.A. insoweit BMF-Schreiben vom 28.&nbsp;September 2011, a.a.O., zu Frage&nbsp;6; Gebbers, Die steuerliche Betriebspr&uuml;fung &#8211;StBp&#8211; 2009, 162, 167; derselbe, StBp 2009, 196; Gei&szlig;ler, Neue Wirtschafts-Briefe 2009, 4076, 4080). <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>ccc) Der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz erfordert damit zugleich, dass der Gegenstand des Entschlie&szlig;ungsermessens mit demjenigen des Auswahlermessens &uuml;bereinstimmt. Er ist demnach verletzt, wenn die Entscheidung, ob es &uuml;berhaupt angemessen ist, ein Verz&ouml;gerungsgeld in H&ouml;he von mindestens 2.500&nbsp;EUR auszusprechen (Entschlie&szlig;ungsermessen), aus der Summe (d.h. dem B&uuml;ndel) der Pflichtverletzungen abgeleitet wird, bei der hieran anschlie&szlig;enden Ermessenentscheidung dazu, ob es &#8211;im n&auml;mlichen Fall&#8211; angemessen und zumutbar ist, den Mindestsatz zu &uuml;berschreiten (Auswahlermessen), das FA hingegen auf die einzelne Pflichtverletzung abstellt und diese jeweils &#8211;ohne weitere die Gesamtheit der Verst&ouml;&szlig;e betreffende Erw&auml;gungen&#8211; in H&ouml;he von 2.500&nbsp;EUR (Mindestsatz) sanktioniert. Letzteres kann zur Wahrung des verfassungsrechtlichen Gebots der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit nur dann in Betracht kommen, wenn das FA im Rahmen der Aus&uuml;bung seines Entschlie&szlig;ungsermessens zu dem nachvollziehbaren und begr&uuml;ndeten Ergebnis gekommen ist, dass jede einzelne der in Frage stehenden Mitwirkungspflichten &#8211;f&uuml;r sich genommen&#8211; die Belastung des Steuerpflichtigen mit einem Verz&ouml;gerungsgeld in H&ouml;he von mindestens 2.500&nbsp;EUR rechtfertigt. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Demnach kann im Streitfall die Festsetzung des Verz&ouml;gerungsgelds gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin keinen Bestand haben. Dabei kann unentschieden bleiben, ob &#8211;was dem Senat naheliegend erscheint&#8211; der Bescheid vom 31.&nbsp;Mai 2010 (in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 30.&nbsp;Juli 2010) auf die Festsetzung nur eines Verz&ouml;gerungsgelds gerichtet ist, dessen H&ouml;he (5.000&nbsp;EUR) aus der Verdoppelung des Mindestsatzes abgeleitet wurde (Variante&nbsp;1), oder ob die Einspruchsentscheidung dahin zu verstehen sein k&ouml;nnte, dass gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin in zusammengefasster Form sowohl f&uuml;r die Nichtvorlage der Nachweise zur R&uuml;ckstellung &quot;management creativ&quot; als auch angesichts der fehlenden Erl&auml;uterungen und Nachweise bez&uuml;glich der &quot;Management Fee&quot; jeweils ein Verz&ouml;gerungsgeld in H&ouml;he von 2.500&nbsp;EUR ausgesprochen worden ist (Variante&nbsp;2). <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der von der Kl&auml;gerin angefochtene Bescheid ist ungeachtet dieses Auslegungsspielraums zum einen bereits deshalb ermessensfehlerhaft, weil das FA der Aus&uuml;bung seines Entschlie&szlig;ungsermessens (Entscheidung &uuml;ber die Festsetzung eines Verz&ouml;gerungsgelds) die Nichtvorlage der angeforderten pr&uuml;fungsrelevanten Unterlagen und Erl&auml;uterungen und damit eine zusammenfassende W&uuml;rdigung aller Pflichtverletzungen der Kl&auml;gerin zugrunde gelegt hat, und es hiernach gem&auml;&szlig; den vorstehenden Erl&auml;uterungen ausgeschlossen ist, diesen Beurteilungsgegenstand im Rahmen des Auswahlermessens aufzul&ouml;sen, d.h. f&uuml;r jede einzelne Verletzung der Mitwirkungspflichten ein Verz&ouml;gerungsgeld in H&ouml;he von 2.500&nbsp;EUR anzusetzen (Auslegungsvariante&nbsp;1) oder festzusetzen (Auslegungsvariante&nbsp;2). Zum anderen kann der Bescheid auch deshalb keinen Bestand haben, weil auch Ermessensentscheidungen zu begr&uuml;nden sind (&sect;&nbsp;121 AO; Lange in HHSp, &sect;&nbsp;102 FGO Rz&nbsp;89) und sich weder der Einspruchsentscheidung noch dem Bescheid vom 31.&nbsp;Mai 2010 mit der gebotenen Sicherheit entnehmen l&auml;sst, dass das FA sein Entschlie&szlig;ungsermessen &uuml;ber die Festsetzung des Verz&ouml;gerungsgelds mit R&uuml;cksicht auf die Sanktionsuntergrenze von 2.500&nbsp;EUR ausge&uuml;bt hat. Vielmehr legt die Einspruchsentscheidung die Vermutung nahe, dass die Beh&ouml;rde &#8211;im Einklang mit der Verwaltungspraxis (vgl. BMF-Schreiben vom 28.&nbsp;September 2011, a.a.O., dort zu Frage&nbsp;6)&#8211; von einer verschuldensunabh&auml;ngigen Vorpr&auml;gung ihrer Ermessensbefugnis in dem Sinne ausgegangen ist, dass die Verletzung der Mitwirkungsverpflichtungen grunds&auml;tzlich die Sanktion des Verz&ouml;gerungsgelds trage. Ein solches Verst&auml;ndnis ist jedoch mit dem Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz nicht vereinbar. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Da die gerichtliche Kontrolle darauf beschr&auml;nkt ist, die Ermessensentscheidung des FA in den aufgezeigten Grenzen zu &uuml;berpr&uuml;fen und dem Senat hiernach auch nicht die Befugnis zusteht, sein eigenes Ermessen an die Stelle der Verwaltungsbeh&ouml;rde zu setzen (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 13.&nbsp;Januar 2005 V&nbsp;R&nbsp;35\/03, BFHE 208, 398, BStBl II 2005, 460; vom 14.&nbsp;M&auml;rz 2012 XI&nbsp;R&nbsp;28\/09, BFH\/NV 2012, 1493, jeweils m.w.N.), war der angefochtene Bescheid ungeachtet dessen aufzuheben, ob im Rahmen einer fehlerfreien Ermessensaus&uuml;bung die Festsetzung eines Verz&ouml;gerungsgelds &#8211;sei es in H&ouml;he von 5.000&nbsp;EUR, sei es mit einem geringeren Betrag&#8211; h&auml;tte gerechtfertigt sein k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 28.8.2012, I R 10\/12 Verz&ouml;gerungsgeld: Ermessensaus&uuml;bung &#8211; Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz Leits&auml;tze 1. Der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz ist auch bei der Entscheidung, ob gegen&uuml;ber dem Steuerpflichtigen ein Verz&ouml;gerungsgeld nach &sect; 146 Abs. 2b AO in H&ouml;he von mindestens 2.500 EUR festgesetzt wird, zu beachten. Hiernach ist es dem FA verwehrt, im Rahmen der Aus&uuml;bung seines sog. 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