{"id":30641,"date":"2013-03-10T10:12:33","date_gmt":"2013-03-10T08:12:33","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=30641"},"modified":"2013-03-10T10:12:33","modified_gmt":"2013-03-10T08:12:33","slug":"vii-b-22-12-kein-vorlaeufiger-rechtsschutz-gegen-erhebung-der-kernbrennstoffsteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-22-12-kein-vorlaeufiger-rechtsschutz-gegen-erhebung-der-kernbrennstoffsteuer\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;22\/12 &#8211; Kein vorl&auml;ufiger Rechtsschutz gegen Erhebung der Kernbrennstoffsteuer"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.8.2012, VII B 22\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Kein vorl&auml;ufiger Rechtsschutz gegen Erhebung der Kernbrennstoffsteuer<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Antragstellerin und Beschwerdegegnerin (Antragstellerin) hat f&uuml;r den Monat Juni 2011 beim Antragsgegner und Beschwerdef&uuml;hrer (Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 des Kernbrennstoffsteuergesetzes (KernbrStG) eine Steueranmeldung &uuml;ber Kernbrennstoffsteuer abgegeben. Nach erfolglosem Einspruchsverfahren hat die Antragstellerin Klage erhoben, &uuml;ber die noch nicht entschieden worden ist. Den Antrag auf Aussetzung der Vollziehung (AdV) hat das HZA abgelehnt. Der Einspruch blieb erfolglos. Daraufhin hat die Antragstellerin die Kernbrennstoffsteuer entrichtet und beim Finanzgericht (FG) die Aufhebung der Vollziehung beantragt. Das FG hat die Vollziehung der angefochtenen Steueranmeldung ohne Sicherheitsleistung aufgehoben und die Aufhebung bis einen Monat nach Zustellung der Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) in den Verfahren VII&nbsp;B&nbsp;171\/11 und VII&nbsp;B&nbsp;185\/11 gegen&uuml;ber den Rechtsmittelf&uuml;hrern, l&auml;ngstens bis einen Monat nach Zustellung der Entscheidung &uuml;ber den erstinstanzlichen Abschluss des finanzgerichtlichen Klageverfahrens befristet. Gegen die Entscheidung des FG hat das HZA Beschwerde eingelegt. Inzwischen hat der BFH mit Beschl&uuml;ssen vom 9.&nbsp;M&auml;rz 2012 VII&nbsp;B&nbsp;171\/11 (BFHE 236, 206, BStBl II 2012, 418) und VII&nbsp;B&nbsp;185\/11 (BFH\/NV 2012, 999) die Entscheidungen des FG aufgehoben und die Antr&auml;ge auf Aufhebung der Vollziehung abgelehnt. Die Entscheidungen sind den Beteiligten am 14. bzw. 15. und 16.&nbsp;M&auml;rz 2012 zugestellt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schriftsatz vom 16.&nbsp;M&auml;rz 2012 teilte die Antragstellerin mit, dass sie die Kernbrennstoffsteuer f&uuml;r den Monat Juni 2011 in den n&auml;chsten Tagen zahlen werde. Eine Entscheidung in der Beschwerdesache sei deshalb nicht mehr erforderlich. Die Beschwerde des HZA sei von Anfang an unzul&auml;ssig gewesen, weil das HZA mit ihr seine Position nicht h&auml;tte verbessern k&ouml;nnen. Es handele sich daher um eine unzul&auml;ssige verdeckte Kostenbeschwerde. Unabh&auml;ngig von der Entscheidung des BFH habe schon bei Einlegung des Rechtsmittels festgestanden, dass die Antragstellerin die Steuer erneut h&auml;tte entrichten m&uuml;ssen. Hierf&uuml;r h&auml;tte das HZA eine neue Zahlungsfrist von einem Monat gew&auml;hren m&uuml;ssen. Dies ergebe sich aus Ziff.&nbsp;8.2 des Anwendungserlasses zur Abgabenordnung (AEAO) zu &sect;&nbsp;361 der Abgabenordnung (AO). Infolgedessen h&auml;tte das HZA die Zahlung der Steuer nicht beschleunigen k&ouml;nnen. Auch sei zu ber&uuml;cksichtigen, dass sich die Entscheidung des FG mit Ablauf der darin festgelegten Frist von selbst erledigt habe. Somit sei das Rechtsschutzinteresse des HZA an einer Aufhebung des Beschlusses entfallen. Im &Uuml;brigen w&auml;re in Kenntnis der Rechtsauffassung des BFH kein Antrag auf Aufhebung der Vollziehung gestellt worden, so dass selbst bei Annahme der Zul&auml;ssigkeit der Beschwerde die Kostenentscheidung des FG Bestand haben sollte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r den Fall, dass &uuml;ber die Beschwerde erst nach Ablauf des Aussetzungszeitraums entschieden werde, hat das HZA die Beschwerde f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt und beantragt, der Antragstellerin die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. Der Beschluss des FG habe sich nicht bereits durch die freiwillige R&uuml;ckzahlung der Kernbrennstoffsteuer erledigt. Entgegen der Auffassung der Antragstellerin sei die Beschwerde zul&auml;ssig gewesen. Denn bei einer Aufhebung des FG-Beschlusses w&auml;re die geschuldete Steuer sofort f&auml;llig gewesen. Auf den Streitfall sei Ziff.&nbsp;8.2 AEAO zu &sect;&nbsp;361 AO nicht anwendbar. Somit h&auml;tte das HZA seine Rechtsposition durch das eingelegte Rechtsmittel verbessern k&ouml;nnen. Da in den Parallelverfahren VII&nbsp;B&nbsp;171\/11 und VII&nbsp;B&nbsp;185\/11 die Antr&auml;ge auf Aufhebung der Vollziehung abgelehnt worden seien, w&auml;re die Antragstellerin auch in diesem Verfahren unterlegen. Daher seien ihr nach billigem Ermessen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) die Kosten aufzuerlegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Schlie&szlig;lich hat sich die Antragstellerin mit Schriftsatz vom 18.&nbsp;Juni 2012 der Erledigungserkl&auml;rung des HZA angeschlossen und das Beschwerdeverfahren ebenfalls f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde des HZA ist zul&auml;ssig und begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Beschlusses und zur Ablehnung des Antrags auf Aufhebung der Vollziehung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Entgegen der Auffassung der Beteiligten hat sich durch die Zustellung der BFH-Beschl&uuml;sse vom 9.&nbsp;M&auml;rz 2012 VII&nbsp;B&nbsp;171\/11 und VII&nbsp;B&nbsp;185\/11 die Hauptsache nicht erledigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wird ein gerichtlicher Beschluss &uuml;ber die Aussetzung oder Aufhebung der Vollziehung vom Rechtsmittelgericht aufgehoben, so wirkt diese Entscheidung nicht nur f&uuml;r die Zukunft, sondern beseitigt die Rechtswirkung des Beschlusses von Anfang an. Trotz des (aufgehobenen) Beschlusses verwirkt der Steuerpflichtige also f&uuml;r den Zeitraum, in dem er festgesetzte Steuer nicht gezahlt hat oder ihm diese aufgrund der Instanzentscheidung zur&uuml;ckgew&auml;hrt worden ist, S&auml;umniszuschl&auml;ge gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;240 Abs.&nbsp;1 AO; das gilt unabh&auml;ngig davon, ob, was streitig ist, die Gew&auml;hrung der Aussetzung oder Aufhebung der Vollziehung die F&auml;lligkeit der festgesetzten Steuer beseitigt oder lediglich ein ungeschriebenes negatives Tatbestandsmerkmal jener Vorschrift ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hat im Streitfall die Entscheidung des FG keinen Bestand, sind mithin S&auml;umniszuschl&auml;ge verwirkt. Ob ihre Erhebung unterbleibt, weil sie mit R&uuml;cksicht auf sch&uuml;tzenswertes Vertrauen der Antragstellerin auf den Bestand der Entscheidung des FG aus Gr&uuml;nden der Billigkeit ganz oder zumindest insoweit erlassen werden, als nicht auch bei Best&auml;tigung dieser Entscheidung durch das Rechtsmittelgericht Aussetzungszinsen angefallen w&auml;ren, ist in diesem Verfahren nicht zu entscheiden. Die blo&szlig;e Aussicht auf einen solchen (Teil-)Erlass von S&auml;umniszuschl&auml;gen f&uuml;hrt nicht zur Erledigung des Antrags auf Aufhebung der Vollziehung oder des diesbez&uuml;glichen Rechtsmittelverfahrens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Es liegt auch keine wirksame &uuml;bereinstimmende Erledigungserkl&auml;rung der Beteiligten hinsichtlich des Beschwerdeverfahrens mit der Folge vor, dass der Beschluss des FG in Rechtskraft erwachsen w&auml;re und von dem beschlie&szlig;enden Senat nur noch &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu entscheiden w&auml;re. Das HZA hat sich zwar dahin erkl&auml;rt, es erkl&auml;re seine Beschwerde f&uuml;r erledigt, und die Antragstellerin hat sich dem ausdr&uuml;cklich angeschlossen. Aus dem Sinnzusammenhang des diesbez&uuml;glichen Schriftsatzes des HZA ergibt sich allerdings klar und eindeutig, dass es damit nicht die eben bezeichneten Rechtsfolgen herbeif&uuml;hren, sondern lediglich seine Auffassung zum Ausdruck bringen wollte, dass f&uuml;r die Zukunft von dem Beschluss &uuml;ber die Aufhebung der Vollziehung des FG keine Rechtswirkungen mehr ausgingen, zumal die Antragstellerin die festgesetzte Steuer inzwischen bezahlt habe. Da auch Erkl&auml;rungen eines prozessual sachkundigen Vertreters eines Beteiligten der Auslegung zug&auml;nglich sind und bei dieser Auslegung nicht am buchst&auml;blichen Wortsinn zu haften, sondern das wirklich Gemeinte zu erforschen ist (Schwarz in H&uuml;bschmann\/Hepp\/ Spitaler, &sect;&nbsp;138 FGO Rz&nbsp;51, m.w.N.), kann der Erkl&auml;rung des HZA mithin nicht entnommen werden, dass dieses seine Beschwerde f&uuml;r erledigt erkl&auml;ren wollte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat muss folglich nach wie vor &uuml;ber die Beschwerde des HZA, deren Zul&auml;ssigkeit angesichts der eingangs dargestellten Rechtsfolge eines in Rechtskraft erwachsenen Beschlusses &uuml;ber die Aussetzung oder Aufhebung der Vollziehung nicht zweifelhaft ist, zur Sache entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Dem &ouml;ffentlichen Interesse am Vollzug des KernbrStG kommt nach den Umst&auml;nden des Streitfalls der Vorrang gegen&uuml;ber dem Interesse der Antragstellerin an der Gew&auml;hrung vorl&auml;ufigen Rechtsschutzes zu, so dass eine Aufhebung der Vollziehung der angefochtenen Steueranmeldung nicht in Betracht kommt. Aus diesem Grund kann die Entscheidung des FG keinen Bestand haben. Zur Vermeidung von Wiederholungen verweist der beschlie&szlig;ende Senat zur n&auml;heren Begr&uuml;ndung auf seinen Beschluss in BFHE 236, 206, BStBl II 2012, 418.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.8.2012, VII B 22\/12 Kein vorl&auml;ufiger Rechtsschutz gegen Erhebung der Kernbrennstoffsteuer Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Antragstellerin und Beschwerdegegnerin (Antragstellerin) hat f&uuml;r den Monat Juni 2011 beim Antragsgegner und Beschwerdef&uuml;hrer (Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 des Kernbrennstoffsteuergesetzes (KernbrStG) eine Steueranmeldung &uuml;ber Kernbrennstoffsteuer abgegeben. 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