{"id":31123,"date":"2013-03-12T09:51:21","date_gmt":"2013-03-12T07:51:21","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=31123"},"modified":"2013-03-12T09:51:21","modified_gmt":"2013-03-12T07:51:21","slug":"bfh-urteil-vom-3-11-1983-vii-r-38_83-bstbl-1984-ii-s-185","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-3-11-1983-vii-r-38_83-bstbl-1984-ii-s-185\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 3.11.1983 (VII R 38\/83) BStBl. 1984 II S. 185"},"content":{"rendered":"<p><b>BFH-Urteil vom 3.11.1983 (VII R 38\/83) BStBl. 1984 II S. 185<\/p>\n<p>Das FA kann gegen einen Lohnsteuererstattungsanspruch auch dann nicht mit einer Forderung einer anderen K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts aufrechnen, wenn es von der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde dieser K\u00f6rperschaft (hier Landesarbeitsamt) um die Vollstreckung der Forderung ersucht worden ist.<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p>AO 1977 \u00a7 226, \u00a7 250, \u00a7 252.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Berlin<\/p>\n<p><b><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p>Der Senat teilt die Auffassung des FG, da\u00df sich aus \u00a7 252 AO 1977 die f\u00fcr die Aufrechnung notwendige Identit\u00e4t von Gl\u00e4ubiger und Schuldner nicht herleiten l\u00e4\u00dft. Nach dieser Vorschrift gilt zwar im Vollstreckungsverfahren die K\u00f6rperschaft als Gl\u00e4ubigerin der zu vollstreckenden Anspr\u00fcche, der die Vollstreckungsbeh\u00f6rde angeh\u00f6rt. Daraus folgt aber nicht, da\u00df sie auch zur Aufrechnung befugt ist.<\/p>\n<p>\u00a7 252 AO 1977 enth\u00e4lt lediglich eine Regelung dar\u00fcber, wer als Gl\u00e4ubiger im Vollstreckungsverfahren gilt. Der Begriff des Gl\u00e4ubigers im Sinne dieser Vorschrift ist danach ein verfahrensrechtlicher Begriff, der nur f\u00fcr die Zwangsvollstreckung Bedeutung hat und der nicht mit der Bezeichnung desjenigen verwechselt werden darf, dem der zu vollstreckende Anspruch materiell-rechtlich zusteht, so da\u00df dieser Gl\u00e4ubiger dem Gl\u00e4ubiger im Zwangsvollstreckungsverfahren gegen\u00fcbergestellt ist (vgl. Schwarz in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, Kommentar zur Abgabenordnung und Finanzgerichtsordnung, 8. Aufl., \u00a7 252 AO 1977 Anm. 2). Die Bestimmung des Gl\u00e4ubigers f\u00fcr das Zwangsvollstreckungsverfahren in \u00a7 252 AO 1977 ist als Sonderregelung anzusehen, deren Sinn und Zweck u. a. darin zu erblicken ist, f\u00fcr die Zwangsvollstreckung die Schwierigkeiten zu beseitigen, die sich ohne diese Regelung daraus ergeben w\u00fcrden, da\u00df eine Vollstreckungsbeh\u00f6rde (FA, Hauptzollamt) i. S. des \u00a7 249 AO 1977 f\u00fcr eine andere K\u00f6rperschaft als materiell-berechtigte Gl\u00e4ubigerin eines Anspruchs Vollstreckungsma\u00dfnahmen auf deren Ersuchen (\u00a7 250 AO 1977) ausf\u00fchrt (vgl. Schwarz in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, a. a. O., Anm. 1).<\/p>\n<p>Als Gl\u00e4ubigerin im Vollstreckungsverfahren kann die K\u00f6rperschaft, zu der die Vollstreckungsbeh\u00f6rde geh\u00f6rt, nur Rechte zur Durchsetzung von Vollstreckungsma\u00dfnahmen geltend machen und auch nur aus Vollstreckungsma\u00dfnahmen Rechte erwerben. Die Vollstreckungsma\u00dfnahmen sind im Sechsten Teil der AO 1977 abschlie\u00dfend geregelt (vgl. Schwarz in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, a. a. O., Anm. 4). Die Aufrechnung geh\u00f6rt nicht dazu. Sie geh\u00f6rt in den Bereich des Erhebungsverfahrens (vgl. Beschl\u00fcsse des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 30. Juni 1971 II B 8\/68, BFHE 102, 232, BStBl II 1971, 603, und vom 18. M\u00e4rz 1976 V R 127\/71, BFHE 118, 163, BStBl II 1976, 438) und ist nicht eine Ma\u00dfnahme der Vollstreckung (Beschlu\u00df des erkennenden Senats vom 7. M\u00e4rz 1967 VII 164\/62, BFHE 88, 311, 313, BStBl III 1967, 381). Im Ergebnis entspricht diese Auffassung auch der weit \u00fcberwiegend im Zivilrecht vertretenen Meinung, da\u00df die Aufrechnung nicht als Ma\u00dfnahme der Zwangsvollstreckung anzusehen ist (vgl. u. a. das Urteil des Bundesgerichtshofs &#8211; BGH &#8211; vom 26. Mai 1971 VIII ZR 137\/70, Neue Juristische Wochenschrift &#8211; NJW &#8211; 1971, 1563, m. w. N.; s. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts &#8211; BVerwG &#8211; vom 13. Oktober 1971 VI C 137.67, Die \u00d6ffentliche Verwaltung &#8211; D\u00d6V &#8211; 1972, 573). Die Finanzbeh\u00f6rde kann deshalb gegen einen Lohnsteuererstattungsanspruch selbst dann nicht mit der Forderung einer anderen K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts aufrechnen, wenn sie von der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde dieser K\u00f6rperschaft gem\u00e4\u00df \u00a7 250 AO 1977 um die Vollstreckung der Forderung ersucht worden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 3.11.1983 (VII R 38\/83) BStBl. 1984 II S. 185 Das FA kann gegen einen Lohnsteuererstattungsanspruch auch dann nicht mit einer Forderung einer anderen K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts aufrechnen, wenn es von der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde dieser K\u00f6rperschaft (hier Landesarbeitsamt) um die Vollstreckung der Forderung ersucht worden ist. 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