{"id":32377,"date":"1985-02-12T18:13:59","date_gmt":"1985-02-12T16:13:59","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=32377"},"modified":"2013-03-18T13:49:23","modified_gmt":"2013-03-18T11:49:23","slug":"bfh-urteil-vom-12-2-1985-ix-r-114_83-bstbl-1985-ii-s-690","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-12-2-1985-ix-r-114_83-bstbl-1985-ii-s-690\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 12.2.1985 (IX R 114\/83) BStBl. 1985 II S. 690"},"content":{"rendered":"<p><b>BFH-Urteil vom 12.2.1985 (IX R 114\/83) BStBl. 1985 II S. 690<\/p>\n<p>1. Wird ein rund zwanzig Jahre altes Wohngeb\u00e4ude vom K\u00e4ufer vor dem Bezug mit einem umfassenden Renovierungsaufwand von 2\/5 des Kaufpreises nutzbar gemacht, so sind diese Aufwendungen keine sofort abziehbaren Werbungskosten bei den Eink\u00fcnften aus Vermietung und Verpachtung, sondern entweder Anschaffungskosten oder anschaffungsnaher Herstellungsaufwand.<\/p>\n<p>2. Hat das FA in einem unter Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung ergangenen Einkommensteuerbescheid anschaffungsnahen Aufwand nicht zum sofortigen Abzug als Werbungskosten zugelassen, so braucht das FG im Klageverfahren die Frage, ob erh\u00f6hte Absetzungen nach \u00a7 82a EStDV in Betracht kommen, nicht zu kl\u00e4ren, wenn der Kl\u00e4ger diese Absetzungen nicht geltend gemacht hat.<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p>AO 1977 \u00a7 164; FGO \u00a7 76 Abs. 2, \u00a7 96 Abs. 1 Satz 2; EStG 1975 \u00a7 9 Abs. 1 Satz 1, \u00a7 21 Abs. 2, \u00a7 51 Abs. 1 Satz 2 Buchst. q; EStDV 1975 \u00a7 82a.<\/p>\n<p>Vorinstanz: Hessisches FG<\/p>\n<p><b><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) sind Eheleute, die zur Einkommensteuer zusammenveranlagt werden. Sie erwarben am 4. April 1975 ein im Jahre 1956 erbautes Zweifamilienhaus f\u00fcr 158.000 DM; der Anteil f\u00fcr den Grund und Boden betr\u00e4gt &#8211; inzwischen unstreitig &#8211; 23.700 DM. Noch vor ihrem Einzug am 1. Juni 1975 lie\u00dfen die Kl\u00e4ger das Geb\u00e4ude mit einem Aufwand von insgesamt 57.497,15 DM renovieren. Dabei wurden folgende Arbeiten ausgef\u00fchrt:<\/p>\n<table BORDER=\"0\" CELLSPACING=\"0\" CELLPADDING=\"4\" WIDTH=\"468\">\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>Verlegung von Wandplatten und Fliesen<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>in K\u00fcche, Bad, WC und Waschk\u00fcche<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p ALIGN=\"RIGHT\">7.045,43 DM<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>Erneuerung der Sanit\u00e4r-Ausstattung<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>und Heizungsanlage<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p ALIGN=\"RIGHT\">19.772,52 DM<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>Rolladenaustausch<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p ALIGN=\"RIGHT\">1.036,12 DM<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>Liefern und Verlegen von <\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>105 qm Teppichboden<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p ALIGN=\"RIGHT\">3.575,97 DM<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>Wei\u00dfbinderarbeiten im ganzen Haus<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p ALIGN=\"RIGHT\">7.000,10 DM<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>Erneuerung der Elektroinstallationen<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>und Lampen<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p ALIGN=\"RIGHT\">7.908,49 DM<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>Schreinerarbeiten (Einschubtreppe<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>zum Dachboden, Einziehen einer<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>neuen Treppenhausdecke,<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>Deckenverkleidung am Speicher<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>mit Isolierung etc.)<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p ALIGN=\"RIGHT\">9.169,03 DM<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>Erneuerung der Antenne<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p ALIGN=\"RIGHT\">698,80 DM<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>Anlegen des Gartens inklusive<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>Lieferung von Pflanzen<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p ALIGN=\"RIGHT\">1.241,00 DM<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"64%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p>Nachbesserung Heizungsarbeiten<\/td>\n<td WIDTH=\"36%\" VALIGN=\"TOP\">\n<p ALIGN=\"RIGHT\">46,69 DM<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>In ihrer Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr 1975, das Streitjahr, machten die Kl\u00e4ger diese Kosten als sofort abziehbaren Erhaltungsaufwand geltend. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) rechnete mit dem unter Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung erlassenen Einkommensteuerbescheid die Renovierungsaufwendungen den &#8211; nachtr\u00e4glichen &#8211; Herstellungskosten des Geb\u00e4udes zu. Die nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage wurde &#8211; nach teilweiser \u00c4nderung des Bescheids durch das FA unter Beibehaltung des Nachpr\u00fcfungsvorbehalts &#8211; von dem Finanzgericht (FG) als unbegr\u00fcndet abgewiesen. Das FG st\u00fctzte sich unter Hinweis auf das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 8. Juli 1980 VIII R 189\/78 (BFHE 131, 312, BStBl II 1980, 744) entscheidend auf die Erw\u00e4gung, da\u00df mit den Modernisierungskosten in H\u00f6he von rd. 2\/5 des Kaufpreises der Wert des Geb\u00e4udes erheblich erh\u00f6ht worden sei.<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgen die Kl\u00e4ger Verletzung materiellen und formellen Rechts. Das FG habe rechtsirrt\u00fcmlich, n\u00e4mlich entgegen dem Beschlu\u00df des Gro\u00dfen Senats des BFH vom 22. August 1966 GrS 2\/66 (BFHE 86, 792, BStBl III 1966, 672), den im Verh\u00e4ltnis zum Kaufpreis hohen Aufwendungen die Eigenschaft als Erhaltungsaufwand abgesprochen. Durch die Modernisierungsarbeiten sei n\u00e4mlich weder das Wesen des Geb\u00e4udes ver\u00e4ndert, noch der Nutzungswert erheblich erh\u00f6ht, noch seine Nutzungsdauer erheblich verl\u00e4ngert worden. Beim Erwerb des Hauses seien die sanit\u00e4re Einrichtung und die Heizungsanlage bereits vorhanden gewesen. Die H\u00f6he der Aufwendungen der Kl\u00e4ger bilde keinen geeigneten Ma\u00dfstab, um anschaffungsnahen Aufwand im Sinne der BFH-Rechtsprechung annehmen zu k\u00f6nnen. Im \u00fcbrigen h\u00e4tte das FG den Wert des Hauses zum Zeitpunkt des Erwerbs auf den Neuwert hochrechnen und sodann nach Abzug des Werts der erneuerten Teile den Wert der neuen Bestandteile hinzuf\u00fcgen m\u00fcssen, um den Wert vor den Bauma\u00dfnahmen mit dem Wert nach den Bauma\u00dfnahmen vergleichen zu k\u00f6nnen. Die Heranziehung eines Sachverst\u00e4ndigen h\u00e4tte sich angeboten.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger beantragen, unter Aufhebung des FG-Urteils und der Einspruchsentscheidung den Einkommensteuerbescheid 1975 in der Fassung vom 1. November 1978 dahingehend zu \u00e4ndern, da\u00df bei den Eink\u00fcnften aus Vermietung und Verpachtung ein zus\u00e4tzlicher Werbungskosten\u00fcberschu\u00df in H\u00f6he von 56.653,15 DM ber\u00fccksichtigt wird.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p><b><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p>Die Revision ist nicht begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>1. Die von den Kl\u00e4gern geltend gemachten Aufwendungen bilden keine sofort abziehbaren Werbungskosten bei den Eink\u00fcnften aus Vermietung und Verpachtung. Es handelt sich vielmehr um Anschaffungskosten oder Herstellungskosten des Geb\u00e4udes.<\/p>\n<p>Der Senat l\u00e4\u00dft insoweit die Streitfrage uner\u00f6rtert, in welchem Umfang die Rechtslage bei einem gem\u00e4\u00df \u00a7 164 der Abgabenordnung (AO 1977) unter Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung erlassenen Steuerbescheid durch die FG nachzupr\u00fcfen ist (vgl. einerseits H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, Kommentar zur Abgabenordnung und Finanzgerichtsordnung, \u00a7 164 AO Anm. 37, und K\u00fchn\/Kutter\/Hofmann, Abgabenordnung (AO 1977)\/Finanzgerichtsordnung, 14. Aufl., \u00a7 164 AO Anm. 6; andererseits Jessen, Finanz-Rundschau &#8211; FR &#8211; 1980, 508, m. w. N.). Denn der angegriffene Einkommensteuerbescheid 1975 stellt sich auf jeden Fall als Rechtens dar.<\/p>\n<p>a) Der erkennende Senat neigt zu der Auffassung, da\u00df die strittigen Renovierungsaufwendungen Anschaffungskosten des Geb\u00e4udes bilden. Denn Anschaffungskosten sind nach der \u00fcberwiegenden neueren Rechtsprechung des BFH nicht nur die eigentlichen Erwerbskosten, sondern auch &#8211; meist als Anschaffungsnebenkosten bezeichnet &#8211; die Aufwendungen, die geleistet werden, um das Wirtschaftsgut erstmals in einen dem angestrebten Zweck entsprechenden (betriebsbereiten) Zustand zu versetzen (vgl. insbesondere den Beschlu\u00df des Gro\u00dfen Senats vom 12. Juni 1978 GrS 1\/77, BFHE 125, 516, 525 f., BStBl II 1978, 620, 625, und das Urteil vom 13. Oktober 1983 IV R 160\/78, BFHE 139, 273, 275, BStBl II 1984, 101, 102). Anschaffung ist danach der Inbegriff der Ma\u00dfnahmen, die dazu bestimmt sind, die wirtschaftliche Verf\u00fcgungsmacht \u00fcber ein Wirtschaftsgut zu erlangen und es f\u00fcr die Erzielung von Eink\u00fcnften nutzen zu k\u00f6nnen (Herrmann\/Heuer\/Raupach, Einkommensteuer- und K\u00f6rperschaftsteuergesetz mit Nebengesetzen, Kommentar, 19. Aufl., \u00a7 6 EStG Anm. 274, 282). Der Begriff der Anschaffungskosten ist im Einkommensteuerrecht bei den Gewinneink\u00fcnften und \u00dcberschu\u00dfeink\u00fcnften gleich. Anschaffungskosten sind z. B. auch die Aufwendungen, die ein erworbenes Mietwohngrundst\u00fcck vermietbar machen (Mathiak in Raupach &#8211; Herausgeber -, Werte und Wertermittlung im Steuerrecht &#8211; Steuerbilanz, Einheitsbewertung, Einzelsteuern und Unternehmensbewertung 1984, 97, 117). Dasselbe gilt bei der Anschaffung eines Wohngeb\u00e4udes zur Eigennutzung f\u00fcr die Kosten, die der Erwerber zum Zwecke der erstmaligen Nutzbarkeit des Hauses aufwendet; dabei z\u00e4hlt zur Nutzbarkeit des Hauses auch dessen Anpassung an zeitgem\u00e4\u00dfe Wohnbed\u00fcrfnisse. F\u00fcr einen solchen Fall hat der BFH bereits im Urteil vom 25. Oktober 1955 I 176\/54 U (BFHE 61, 489, BStBl III 1955, 388) ausgesprochen, da\u00df die Renovierungsaufwendungen wirtschaftlich zu den Anschaffungskosten geh\u00f6ren. Allerdings hat der Gro\u00dfe Senat im Beschlu\u00df in BFHE 86, 792, BStBl III 1966, 672 hiervon abweichend entschieden, da\u00df anschaffungsnahe Aufwendungen keine Anschaffungskosten, sondern nur Herstellungs- oder Erhaltungsaufwand bilden k\u00f6nnten. Jedoch ist die dortige, allein auf den \u00dcbergang der wirtschaftlichen Verf\u00fcgungsmacht abstellende Bestimmung des Anschaffungskostenbegriffs durch die neuere Rechtsprechung \u00fcberholt (so auch BFHE 125, 516, 525 ff., BStBl II 1978, 620, 625, und Mathiak in Raupach, a. a. O.). Au\u00dferdem betrifft diese Entscheidung des Gro\u00dfen Senats Aufwendungen des Erwerbers in sp\u00e4teren auf den Erwerb folgenden Jahren, die nicht mehr den Erwerbsvorgang selbst betrafen (BFHE 125, 516, 526, BStBl II 1978, 620, 625, unter Abschn. D II 2 b-bb). Dasselbe gilt f\u00fcr den Beschlu\u00df des Gro\u00dfen Senats vom 2. M\u00e4rz 1970 GrS 1\/69 (BFHE 98, 360, BStBl II 1970, 382), der eine wesentlich andere Fallgestaltung, n\u00e4mlich die Abfindung eines P\u00e4chters durch den Erwerber, betraf.<\/p>\n<p>Geht man mit dem erkennenden Senat von dem umfassenden Verst\u00e4ndnis des Begriffs der Anschaffungskosten aus, sind solche auch im Streitfall gegeben. Denn die Kl\u00e4ger haben das erworbene Geb\u00e4ude in unmittelbarem zeitlichen und wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem Erwerb, und zwar noch vor dem Einzug, umfassend renovieren lassen und damit den ver\u00e4nderten Wohnbed\u00fcrfnissen angepa\u00dft. Der Einwand der Kl\u00e4ger, das Haus sei beim Erwerb objektiv nutzbar gewesen, greift deshalb nicht durch.<\/p>\n<p>Aus der Art der von den Kl\u00e4gern vorgenommenen Bauma\u00dfnahmen und der H\u00f6he des Aufwands ergibt sich, da\u00df eine intensive Modernisierung des Hauses stattgefunden hat. Da unterlassene Reparaturen oder Modernisierungen anerkannterma\u00dfen einen wertmindernden Faktor bilden, erscheint auch der Schlu\u00df gerechtfertigt, da\u00df die H\u00f6he des verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geringen Kaufpreises vom Erfordernis umfassender Modernisierung beeinflu\u00dft worden ist. Die Kl\u00e4ger haben das Gegenteil nicht einmal behauptet, sondern nur als m\u00f6glich dargestellt.<\/p>\n<p>b) Auch wenn man abweichend von den vorstehenden Ausf\u00fchrungen in allen F\u00e4llen anschaffungsnahen Aufwands mit dem Gro\u00dfen Senat im Beschlu\u00df in BFHE 86, 792, BStBl III 1966, 672 und nach dem BFH- Urteil vom 1. April 1981 I R 27\/79 (BFHE 133, 386, BStBl II 1981, 660) allein darauf abstellt, ob Herstellungsaufwand oder Erhaltungsaufwand gegeben ist, kann die Revision keinen Erfolg haben. Denn das Urteil des FG h\u00e4lt sich rechtsfehlerfrei im Rahmen der h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung.<\/p>\n<p>Danach liegt Herstellungsaufwand u. a. dann vor, wenn das Geb\u00e4ude durch die ausgef\u00fchrten Arbeiten &#8211; von der \u00fcblichen Modernisierung abgesehen &#8211; \u00fcber seinen bisherigen Zustand hinaus erheblich verbessert wird (vgl. BFHE 86, 792, 795, BStBl III 1966, 672, 674). Das ist insbesondere der Fall, wenn nach dem Erwerb des Geb\u00e4udes im Verh\u00e4ltnis zum Kaufpreis hohe Aufwendungen auf das Geb\u00e4ude gemacht werden, durch die das Wesen des Geb\u00e4udes ver\u00e4ndert, der Nutzungswert erheblich erh\u00f6ht oder die Nutzungsdauer erheblich verl\u00e4ngert wird. Herstellungsaufwand ist regelm\u00e4\u00dfig anzunehmen, wenn der Steuerpflichtige ein Geb\u00e4ude, das im Zeitpunkt des Erwerbs stark heruntergewirtschaftet ist und f\u00fcr das er einen entsprechend niedrigen Kaufpreis gezahlt hat, durch hohe Aufwendungen wieder vollkommen instandsetzt. Dem steht nicht entgegen, da\u00df der Ver\u00e4u\u00dferer diese Aufwendungen m\u00f6glicherweise als Erhaltungsaufwand sofort h\u00e4tte abziehen k\u00f6nnen. Hieraus hat der BFH gefolgert, da\u00df die aufwendige Umstellung der Heizung von Kohle\u00f6fen auf Gas-Etagenheizung bereits im zweiten Jahr nach dem Geb\u00e4udeerwerb Herstellungsaufwand bildet (vgl. BFHE 131, 312, BStBl II 1980, 744). Denn es handelt sich dann um den Ausgleich einer Wertminderung des Geb\u00e4udes.<\/p>\n<p>Der erkennende Senat schlie\u00dft sich dieser Rechtsprechung jedenfalls im Ergebnis an. Die im Schrifttum anhaltende Kritik (vgl. z. B. Herrmann\/Heuer\/Raupach, a. a. O., \u00a7 6 EStG Anm. 512; Littmann, Das Einkommensteuerrecht, 13. Aufl., \u00a7 21 Rdnr. 119, und Schmidt, Einkommensteuergesetz, 3. Aufl., \u00a7 6 Anm. 20), wonach die Abgrenzung zwischen Herstellungs- und Erhaltungsaufwand auch beim Erwerber genauso vorzunehmen sein soll, wie wenn der Ver\u00e4u\u00dferer die Instandsetzung vorgenommen h\u00e4tte, \u00fcberzeugt nicht. Ihr ist entgegenzuhalten, da\u00df ein nicht gegebener Sachverhalt unterstellt wird und der enge zeitliche und wirtschaftliche Zusammenhang einer aufwendigen Modernisierung mit dem verbilligten Geb\u00e4udeerwerb unber\u00fccksichtigt bliebe.<\/p>\n<p>Die tats\u00e4chliche Feststellung des FG, da\u00df das Geb\u00e4ude durch die vorgenommenen Renovierungsarbeiten an Wert erheblich gewonnen hat, ist rechtsfehlerfrei zustande gekommen und damit f\u00fcr den erkennenden Senat bindend (\u00a7 118 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -). Der BFH hat es bereits im Urteil vom 22. Februar 1973 VIII R 72\/68 (BFHE 109, 36, BStBl II 1973, 483) zutreffend abgelehnt, die Abgrenzung zwischen Herstellungs- und Erhaltungsaufwand danach vorzunehmen, inwieweit der Kaufpreis f\u00fcr das instandsetzungsbed\u00fcrftige Geb\u00e4ude tats\u00e4chlich unter dem Kaufpreis f\u00fcr ein vergleichbares, jedoch durchschnittlich gut erhaltenes Geb\u00e4ude lag. Schon deshalb geht die R\u00fcge der Kl\u00e4ger, das FG habe es zu Unrecht unterlassen, ein Sachverst\u00e4ndigengutachten einzuholen, fehl. Im \u00fcbrigen bedarf es keiner Begr\u00fcndung, da\u00df der Senat diese Verfahrensr\u00fcge f\u00fcr nicht durchgreifend erachtet (Art. 1 Nr. 8 des Gesetzes zur Entlastung des Bundesfinanzhofs).<\/p>\n<p>2. Der erkennende Senat l\u00e4\u00dft wie das FG die Frage uner\u00f6rtert, ob die Kl\u00e4ger auf einen Teil ihrer anschaffungsnahen Aufwendungen erh\u00f6hte Absetzungen gem\u00e4\u00df \u00a7 51 Abs. 1 Satz 2 Buchst. g des Einkommensteuergesetzes i. V. m. \u00a7 82a der Einkommensteuer- Durchf\u00fchrungsverordnung geltend machen k\u00f6nnten, wie dies der BFH in st\u00e4ndiger Rechtsprechung f\u00fcr statthaft erachtet (vgl. die Urteile vom 10. Juni 1975 VIII R 114\/71, BFHE 116, 469, BStBl II 1975, 878, und vom 2. August 1983 VIII R 104\/79, BFHE 139, 175, BStBl II 1983, 728). Denn die Kl\u00e4ger haben bislang weder ausdr\u00fccklich noch stillschweigend hilfsweise solche erh\u00f6hten Absetzungen geltend gemacht. Das FG war auch nicht gem\u00e4\u00df \u00a7 76 Abs. 2 i. V. m. \u00a7 96 Abs. 1 Satz 2 FGO von Amts wegen gehalten, die Kl\u00e4ger auf diese M\u00f6glichkeit hinzuweisen, weil es lediglich einen unter Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung (\u00a7 164 Abs. 1 AO 1977) ergangenen Einkommensteuerbescheid zu \u00fcberpr\u00fcfen hatte. Der Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung i. S. des \u00a7 164 Abs. 1 AO 1977 erfa\u00dft die gesamte Steuerfestsetzung einschlie\u00dflich der Entscheidung \u00fcber antragsgebundene oder &#8211; wie hier &#8211; von der Geltendmachung abh\u00e4ngige Steuerverg\u00fcnstigungen. Hiervon hat das FA rechtsfehlerfrei und von den Kl\u00e4gern nicht beanstandet Gebrauch gemacht. Die Kl\u00e4ger haben gem\u00e4\u00df \u00a7 164 Abs. 2 Satz 2 AO 1977 das Recht, jederzeit die \u00c4nderung der Steuerfestsetzung unter Nachpr\u00fcfungsvorbehalt zu beantragen; im Rahmen dieses Antrags bleibt es ihnen unbenommen darzulegen, f\u00fcr welche Modernisierungsma\u00dfnahmen sie die erh\u00f6hten Absetzungen in Anspruch nehmen wollen. Es kann nicht Aufgabe des FG sein, Fragen nachzugehen, deren abschlie\u00dfende Pr\u00fcfung sich das FA vorbehalten durfte, und damit dem Veranlagungsverfahren vorzugreifen. Auch den Kl\u00e4gern w\u00fcrde andernfalls die M\u00f6glichkeit abgeschnitten, ihren Fall insoweit im au\u00dfergerichtlichen Vorverfahren kostenfrei zu kl\u00e4ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 12.2.1985 (IX R 114\/83) BStBl. 1985 II S. 690 1. Wird ein rund zwanzig Jahre altes Wohngeb\u00e4ude vom K\u00e4ufer vor dem Bezug mit einem umfassenden Renovierungsaufwand von 2\/5 des Kaufpreises nutzbar gemacht, so sind diese Aufwendungen keine sofort abziehbaren Werbungskosten bei den Eink\u00fcnften aus Vermietung und Verpachtung, sondern entweder Anschaffungskosten oder anschaffungsnaher Herstellungsaufwand. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-12-2-1985-ix-r-114_83-bstbl-1985-ii-s-690\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 12.2.1985 (IX R 114\/83) BStBl. 1985 II S. 690<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-32377","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32377","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32377"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32377\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32377"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32377"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32377"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}