{"id":33640,"date":"1985-12-04T12:59:28","date_gmt":"1985-12-04T10:59:28","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=33640"},"modified":"2013-09-09T10:48:17","modified_gmt":"2013-09-09T08:48:17","slug":"bfh-urteil-vom-4-12-1985-ii-r-171_84-bstbl-1986-ii-s-271","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-4-12-1985-ii-r-171_84-bstbl-1986-ii-s-271\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 4.12.1985 (II R 171\/84) BStBl. 1986 II S. 271"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 4.12.1985 (II R 171\/84) BStBl. 1986 II S. 271<\/strong><\/p>\n<p>Stellt der Erwerber eines Grundst\u00fccks einen &#8222;Ersatzk\u00e4ufer&#8220;, um von dem Grundst\u00fcckskauf freizukommen, so hindert das allein nicht die Anwendung des \u00a7 34 GrEStG RP (= \u00a7 17 GrEStG 1940) bzw. \u00a7 16 GrEStG 1983, wenn daraufhin der urspr\u00fcngliche Kaufvertrag aufgehoben und das Grundst\u00fcck an den &#8222;Ersatzk\u00e4ufer&#8220; ver\u00e4u\u00dfert wird.<\/p>\n<p>GrEStG RP \u00a7 34 (= \u00a7 17 GrEStG 1940); GrEStG 1983 \u00a7 16.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Rheinland-Pfalz<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>I. 1. Die Kl\u00e4gerin &#8211; eine GmbH &#8211; erwarb durch f\u00fcnf notariell beurkundete Vertr\u00e4ge vom 3. November 1982 (vier Vertr\u00e4ge) und 5. November 1982 (ein Vertrag) von der X Gesellschaft f\u00fcr Ferien- und Freizeitanlagen mbH (X GmbH) f\u00fcnf Appartements in der Appartementanlage Y.<\/p>\n<p>Das beklagte Finanzamt (FA) setzte Grunderwerbsteuer fest.<\/p>\n<p>2. Am 25. Januar 1983 erkl\u00e4rten die X GmbH und die Kl\u00e4gerin in notariell beurkundeter Form, da\u00df sie die unter 1. genannten Kaufvertr\u00e4ge wieder aufheben; die Kaufpreise seien noch nicht gezahlt, das Eigentum im Grundbuch noch nicht umgeschrieben worden. Am selben Tag verkaufte die X GmbH durch notariell beurkundeten Vertrag die f\u00fcnf Appartements zum selben Preis an die allein vertretungsberechtigte Gesellschafter-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Kl\u00e4gerin.<\/p>\n<p>3. Den Antrag der Kl\u00e4gerin, die festgesetzte Grunderwerbsteuer nicht zu erheben bzw. zu erstatten, lehnte das FA ab. Den Einspruch wies es zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Durch notariell beurkundeten Kaufvertrag vom 29. Juli 1983 erwarb die Kl\u00e4gerin erneut von der X GmbH 30 Appartements in demselben Objekt.<\/p>\n<p>4. Mit ihrer Klage machte die Kl\u00e4gerin geltend, sie habe nicht die Verk\u00e4uferin an deren \u00dcbereignungsverpflichtung festhalten und die Appartements der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin zukommen lassen wollen. Vielmehr habe sie lediglich aus den Kaufvertr\u00e4gen vom 3. und 5. November 1982 freikommen wollen, weil nach dem Gesellschaftsvertrag intern die Zustimmung des zweiten Gesellschafters zu dem Kaufvertrag notwendig gewesen sei und diese Zustimmung wegen bestehender Streitigkeiten zwischen den Gesellschaftern mit Sicherheit nicht zu erreichen gewesen w\u00e4re. Das habe die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin bei Abschlu\u00df der Vertr\u00e4ge \u00fcbersehen, obwohl der Rechtsstreit mit dem anderen Gesellschafter beim Oberlandesgericht (OLG) anh\u00e4ngig war. Die Verk\u00e4uferin habe die Vertragsaufhebung von der Benennung eines &#8222;Ersatzk\u00e4ufers&#8220; abh\u00e4ngig gemacht. Insofern sei der vorliegende Sachverhalt anders als die bisher vom Bundesfinanzhof (BFH) zu \u00a7 17 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) 1940 entschiedenen F\u00e4lle, in denen jeweils der K\u00e4ufer das Grundst\u00fcck dem n\u00e4chsten K\u00e4ufer habe verschaffen wollen.<\/p>\n<p>Die Klage wies das Finanzgericht (FG) ab. Die Kaufvertr\u00e4ge vom 3. und 5. November 1982 seien nicht i. S. des \u00a7 34 Abs. 1 GrEStG Rheinland-Pfalz (RP) r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht worden. Die Verk\u00e4uferin sei nicht in ihre urspr\u00fcngliche Rechtsstellung wieder einger\u00fcckt, weil die Kl\u00e4gerin durch die beiden Vertr\u00e4ge vom 25. Januar 1983 ihre Rechtsstellung auf die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin \u00fcbertragen habe.<\/p>\n<p>Mit der Revision verfolgt die Kl\u00e4gerin weiterhin ihr Klageziel.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II. Die Revision f\u00fchrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 2 FGO). Der bisher festgestellte Sachverhalt erlaubt keine abschlie\u00dfende Entscheidung der Sache.<\/p>\n<p>a) Der Senat l\u00e4\u00dft offen, ob hier \u00a7 34 Abs. 1 GrEStG RP (= \u00a7 17 Abs. 1 GrEStG 1940) oder \u00a7 16 GrEStG 1983 anwendbar ist. Beide Vorschriften verlangen \u00fcbereinstimmend, da\u00df der Erwerbsvorgang &#8222;r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht&#8220; wird. Hierzu m\u00fcssen die Vertragspartner derart aus ihren vertraglichen Bindungen entlassen werden, da\u00df die M\u00f6glichkeit der Verf\u00fcgung \u00fcber das Grundst\u00fcck nicht beim Erwerber verbleibt, sondern der Ver\u00e4u\u00dferer seine urspr\u00fcngliche Rechtsstellung wieder erlangt (BFH-Urteil vom 6. Oktober 1976 II R 131\/74, BFHE 120, 557, BStBl II 1977, 253, m. w. N.). Denn wenn der K\u00e4ufer das Grundst\u00fcck weiterhin in der Weise in der Hand beh\u00e4lt, da\u00df er &#8211; und nicht der Verk\u00e4ufer &#8211; \u00fcber den anschlie\u00dfenden Verkauf an einen Dritten bestimmt, dann kommt das ganze einem Weiterverkauf des Grundst\u00fccks durch den K\u00e4ufer an den Dritten gleich. Damit sind die Grenzen der genannten Vorschriften aufgezeigt: Ist dem K\u00e4ufer das weitere Schicksal des Grundst\u00fccks gleichg\u00fcltig, so hindert entgegen der Ansicht des FG eine &#8222;Auswechselung&#8220; des K\u00e4ufers gegen den Dritten nicht die Anwendung des \u00a7 34 GrEStG RP bzw. \u00a7 16 GrEStG 1983, mag sie auch einer Abtretung der Rechte des K\u00e4ufers an den Dritten gleichkommen; denn die Nrn. 6 und 7 des \u00a7 2 Abs. 1 GrEStG RP bzw. \u00a7 1 Abs. 1 GrEStG 1983 erfassen ihrerseits eine solche Abtretung erst dann, wenn sie einen Zwischenerwerb ersetzt oder eigenen wirtschaftlichen Interessen des Abtretenden dient, d. h. wenn der Abtretende Wert darauf legt, den Abtretungsempf\u00e4nger zu bestimmen (BFH-Urteil vom 16. April 1980 II R 141\/77, BFHE 130, 428, BStBl II 1980, 525). Nicht steuerbar ist dagegen die Abtretung, wenn der Eigent\u00fcmer des Grundst\u00fccks dieses auf jeden Fall verkaufen will und daher von dem K\u00e4ufer die Pr\u00e4sentierung eines Ersatzk\u00e4ufers (hier des Abtretungsempf\u00e4ngers) verlangt. Greifen aber in einem solchen Fall die Nrn. 6 und 7 des \u00a7 2 Abs. 1 GrEStG RP bzw. \u00a7 1 Abs. 1 GrEStG 1983 nicht ein, so kann hier auch die Anwendung des \u00a7 34 GrEStG RP bzw. \u00a7 16 GrEStG 1983 nicht verweigert werden. Die Systematik des Gesetzes duldet hier keine \u00dcberschneidung. Denn die letztgenannten Vorschriften verlangen die Beseitigung der Folgen eines Grundst\u00fcckskaufvertrages nur so weit, da\u00df Bindungen von grunderwerbsteuerrechtlicher Bedeutung nicht mehr bestehenbleiben.<\/p>\n<p>Entsprechend dem vorgenannten Grundsatz hat der Senat schon in dem Urteil vom 21. Dezember 1960 II 194\/57 U (BFHE 72, 444, BStBl III 1961, 163) im Rahmen des \u00a7 17 GrEStG 1940 die Interessen des Verk\u00e4ufers an dem Grundst\u00fccksverkauf f\u00fcr unerheblich gehalten. Es schade nicht, wenn der Verk\u00e4ufer vereinbarungsgem\u00e4\u00df einen Teil des Kaufpreises als Entgelt daf\u00fcr beh\u00e4lt, da\u00df er den K\u00e4ufer aus dem Kaufvertrag entl\u00e4\u00dft. Nichts anderes kann f\u00fcr den Fall gelten, da\u00df der Verk\u00e4ufer statt dieser &#8222;Entsch\u00e4digung&#8220; die Pr\u00e4sentierung eines anderen K\u00e4ufers verlangt.<\/p>\n<p>Der Senat verkennt nicht, da\u00df es schwierig sein kann, in F\u00e4llen der vorgenannten Art die Interessen der Vertragspartner an der Aufhebung oder dem Fortbestand des Vertrages zu ermitteln. Der vom FA in Anspruch genommene Steuerschuldner hat hier eine erh\u00f6hte Pflicht zur Mitwirkung an der Aufkl\u00e4rung des Sachverhalts; denn er kennt am ehesten diese Interessenlage. Dementsprechend tr\u00e4gt er auch die objektive Beweislast daf\u00fcr, da\u00df die tats\u00e4chlichen Voraussetzungen der von ihm begehrten Steuerbefreiung nach (jetzt) \u00a7 16 GrEStG 1983 vorliegen (vgl. die Entscheidungen vom 24. Juni 1976 IV R 101\/75, BFHE 119, 164, BStBl II 1976, 562, und vom 24. April 1985 II B 28\/84, BFHE 143, 499, BStBl II 1985, 521).<\/p>\n<p>b) Das FG hat &#8211; aus seiner Sicht zu Recht &#8211; keine Tatsachen festgestellt, welche Aufschlu\u00df \u00fcber die Interessenlage der Vertragspartner sowie die Gr\u00fcnde der gew\u00e4hlten Vertragsgestaltung geben und eine Entscheidung entsprechend den unter a) genannten Grunds\u00e4tzen erm\u00f6glichen. Die Sache mu\u00df daher an das FG zur\u00fcckverwiesen werden. Dieses wird auch zu pr\u00fcfen haben, ob die Voraussetzungen des \u00a7 42 der Abgabenordnung (AO 1977) vorliegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 4.12.1985 (II R 171\/84) BStBl. 1986 II S. 271 Stellt der Erwerber eines Grundst\u00fccks einen &#8222;Ersatzk\u00e4ufer&#8220;, um von dem Grundst\u00fcckskauf freizukommen, so hindert das allein nicht die Anwendung des \u00a7 34 GrEStG RP (= \u00a7 17 GrEStG 1940) bzw. \u00a7 16 GrEStG 1983, wenn daraufhin der urspr\u00fcngliche Kaufvertrag aufgehoben und das Grundst\u00fcck an &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-4-12-1985-ii-r-171_84-bstbl-1986-ii-s-271\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 4.12.1985 (II R 171\/84) BStBl. 1986 II S. 271<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-33640","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33640","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33640"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33640\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33640"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}