{"id":33646,"date":"1985-12-18T12:57:21","date_gmt":"1985-12-18T10:57:21","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=33646"},"modified":"2013-09-09T11:08:00","modified_gmt":"2013-09-09T09:08:00","slug":"bfh-beschluss-vom-18-12-1985-ii-b-35_85-bstbl-1986-ii-s-282","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-18-12-1985-ii-b-35_85-bstbl-1986-ii-s-282\/","title":{"rendered":"BFH-Beschlu\u00df vom 18.12.1985 (II B 35\/85) BStBl. 1986 II S. 282"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Beschlu\u00df vom 18.12.1985 (II B 35\/85) BStBl. 1986 II S. 282<\/strong><\/p>\n<p>1. Landwirtschaftlich genutzte Fl\u00e4chen, die der privaten Tierhaltung (Liebhaberei) dienen, geh\u00f6ren bewertungsrechtlich unter den Voraussetzungen des \u00a7 33 BewG zum land- und forstwirtschaftlichen Verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>2. Ausschlie\u00dflich zu privater Freizeitgestaltung gehaltene Tiere sind unter den Voraussetzungen des \u00a7 110 Abs. 1 Nr. 8 BewG beim sonstigen Verm\u00f6gen zu erfassen.<\/p>\n<p>BewG \u00a7 33, \u00a7 110 Abs. 1 Nr. 8.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Rheinland-Pfalz<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Umstritten ist, ob bestimmte Fl\u00e4chen mit landwirtschaftlicher Nutzung im Einheitswert des Betriebs der Land- und Forstwirtschaft der Kl\u00e4ger zu erfassen oder &#8211; wie die Kl\u00e4ger meinen &#8211; als Grundverm\u00f6gen zu bewerten sind.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger sind Eigent\u00fcmer von mehreren Grundst\u00fccken in verschiedenen Gemarkungen. Diese sind, soweit es sich um land- und forstwirtschaftlich genutzte Grundst\u00fccke handelt, als Betrieb der Land- und Forstwirtschaft bewertet. Das Finanzamt (FA) f\u00fchrte auf den 1. Januar 1979 f\u00fcr den Betrieb der Land- und Forstwirtschaft der Kl\u00e4ger eine Wertfortschreibung durch; es stellte den Einheitswert auf X DM fest. In diesem Einheitswert sind einschlie\u00dflich anteiliger Hof- und Geb\u00e4udefl\u00e4chen 5,5580 ha landwirtschaftlich genutzte Fl\u00e4chen 0,2350 ha forstwirtschaftlich genutzte Fl\u00e4chen und 4,2057 ha weinbaulich genutzte Fl\u00e4chen enthalten. Das FA lehnte es ab, Acker-, Wiesen- und Gr\u00fcnland, das die Kl\u00e4ger &#8211; wie sie vortragen &#8211; f\u00fcr Liebhabereizwecke verwenden, als Grundverm\u00f6gen zu bewerten.<\/p>\n<p>Einspruch und Klage blieben ohne Erfolg.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) f\u00fchrte zur Begr\u00fcndung seiner Entscheidung im wesentlichen aus: Zum land- und forstwirtschaftlichen Verm\u00f6gen geh\u00f6rten gem\u00e4\u00df \u00a7 33 Abs. 1 des Bewertungsgesetzes (BewG) alle Wirtschaftsg\u00fcter, die einem Betrieb der Land- und Forstwirtschaft dauernd zu dienen bestimmt seien. Betrieb der Land- und Forstwirtschaft sei die wirtschaftliche Einheit des land- und forstwirtschaftlichen Verm\u00f6gens (\u00a7 2 Abs. 1 und 2, \u00a7 33 Abs. 1 Satz 2 BewG). Gem\u00e4\u00df \u00a7 34 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 Nr. 1c BewG h\u00e4tten die Kl\u00e4ger bereits wegen des von ihnen betriebenen Weinbaus einen Betrieb der Land- und Forstwirtschaft. Grund und Boden geh\u00f6re, soweit er nicht anders zu behandeln sei (vgl. \u00a7\u00a7 68, 69 BewG), auch dann zum land- und forstwirtschaftlichen Verm\u00f6gen, wenn ertragsteuerlich gesehen hierauf ein Liebhabereibetrieb unterhalten werde (vgl. G\u00fcrsching\/Stenger, Kommentar zum Bewertungsgesetz und Verm\u00f6gensteuergesetz, 8. Aufl., \u00a7 33 BewG Anm. 2; Ziegler, Kommentar zum Bewertungsgesetz, \u00a7 33 Anm. 1 Abs. 1; R\u00f6ssler\/Troll\/Langner, Bewertungsgesetz und Verm\u00f6gensteuergesetz, 13. Aufl., \u00a7 33 BewG Anm. 6). Die Kl\u00e4ger h\u00e4tten als Weinbauern einen Betrieb der Land- und Forstwirtschaft. Eine Abtrennung der reinen landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen w\u00e4re demnach nur unter den Voraussetzungen des \u00a7 69 BewG m\u00f6glich. Diese l\u00e4gen aber unstreitig nicht vor.<\/p>\n<p>Das FG hat die Revision nicht zugelassen.<\/p>\n<p>Mit der Nichtzulassungsbeschwerde, der das FG nicht abgeholfen hat, machen die Kl\u00e4ger grunds\u00e4tzliche Bedeutung geltend. Es sei zu kl\u00e4ren, ob Grundst\u00fccke, die einem Weinbauern geh\u00f6rten und ausschlie\u00dflich Zwecken der privaten Freizeitgestaltung (Pferdehaltung u. \u00e4.) dienten, also in keinerlei Zusammenhang mit dem Weinbaubetrieb st\u00fcnden, gem\u00e4\u00df \u00a7 33 BewG als Bestandteil eines Betriebs der Land- und Forstwirtschaft (wirtschaftliche Einheit) bewertet werden m\u00fc\u00dften.<\/p>\n<p>Diese Frage sei bisher vom Bundesfinanzhof (BFH) noch nicht entschieden worden. Der Reichsfinanzhof (RFH) habe in seinem Urteil vom 5. Mai 1944 III 85\/43 (RStBl 1944, 547) ausgef\u00fchrt, da\u00df Grundst\u00fccke, die der Liebhaberei dienten, als Grundverm\u00f6gen bewertet werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger beantragen, die Revision zuzulassen.<\/p>\n<p>Das FA tritt diesem Antrag entgegen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Nichtzulassungsbeschwerde hat keinen Erfolg.<\/p>\n<p>1. Eine Sache ist nur dann von grunds\u00e4tzlicher Bedeutung, wenn die f\u00fcr die Beurteilung des Streitfalls ma\u00dfgebende Rechtsfrage das Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Fortentwicklung und Handhabung des Rechts ber\u00fchrt. Das ist in der Regel nicht der Fall, wenn es um die Anwendung fester Rechtsgrunds\u00e4tze auf einen bestimmten Sachverhalt geht und deswegen von einer erneuten Entscheidung eine weitere Kl\u00e4rung nicht zu erwarten ist (BFH-Beschlu\u00df vom 15. Juli 1966 VI B 2\/66, BFHE 86, 708, BStBl III 1966, 628). So liegt es im Streitfall.<\/p>\n<p>2. Das BewG 1965 verwendet den Begriff des land- und forstwirtschaftlichen Verm\u00f6gens als Sammelnamen. Es fa\u00dft unter diese Bezeichnung neben der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft auch den Weinbau, den Gartenbau und die sonstigen Betriebszweige der Land- und Forstwirtschaft zusammen. Nach neuem Recht gibt es demgem\u00e4\u00df beim land- und forstwirtschaftlichen Verm\u00f6gen als wirtschaftliche Einheit nur den Betrieb der Land- und Forstwirtschaft, der allerdings verschiedene Nutzungen umfassen kann (vgl. \u00a7\u00a7 33, 34 BewG). So sind das FA und FG bei der Abgrenzung der wirtschaftlichen Einheit vorgegangen. Sie haben sich dabei an die Grunds\u00e4tze gehalten, die der BFH im Urteil vom 5. Dezember 1980 III R 56\/77 (BFHE 133, 212, BStBl II 1981, 498) herausgearbeitet hat.<\/p>\n<p>3. Seit der Entscheidung des RFH vom 17. Dezember 1931 III A 825\/31 (RStBl 1932, 329), die auch f\u00fcr das geltende Recht uneingeschr\u00e4nkte Bedeutung besitzt, ist gekl\u00e4rt, da\u00df der bewertungsrechtliche Begriff der Land- und Forstwirtschaft eine Erzeugung des Erwerbs wegen nicht voraussetzt. Deshalb sind auch Betriebe, die ohne Gewinnabsicht betrieben werden (Liebhabereibetriebe) land- und forstwirtschaftliche Betriebe im Sinne des Bewertungsrechts. Hier besteht zwischen dem Ertragsteuerrecht und dem Bewertungsrecht ein erheblicher Unterschied. Nach der ausdr\u00fccklichen gesetzlichen Regelung in \u00a7 33 Abs. 3 Nr. 4 Satz 2 BewG wird die Zugeh\u00f6rigkeit der landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen (im Streitfall handelt es sich um die Erzeugung der Futtermittel f\u00fcr die zu privaten Hobbyzwecken gehaltenen Pferde) zum land- und forstwirtschaftlichen Verm\u00f6gen durch die Tierhaltung als Liebhaberei nicht ber\u00fchrt. In F\u00e4llen dieser Art ist jedoch zu beachten, da\u00df die ausschlie\u00dflich zur privaten Freizeitgestaltung gehaltenen Pferde unter den Voraussetzungen des \u00a7 110 Abs. 1 Nr. 8 BewG zum sonstigen Verm\u00f6gen geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Der Hinweis der Vorinstanz auf die rechtskr\u00e4ftige Entscheidung des FG M\u00fcnchen vom 19. Juli 1984 IV 148\/81 EW, abgedruckt in den Entscheidungen der Finanzgerichte 1985, 11, vermag nach den obigen Ausf\u00fchrungen des erkennenden Senats unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt zu einer anderen Entscheidung f\u00fchren.<\/p>\n<p>Der Hinweis der Kl\u00e4ger auf das Urteil in RStBl 1944, 547 liegt neben der Sache. Der RFH hatte sich dort mit der Frage zu befassen, ob zum Grundverm\u00f6gen landwirtschaftlich genutzte Grundst\u00fccke geh\u00f6ren k\u00f6nnen, f\u00fcr die Liebhaberpreise gezahlt werden. Er st\u00fctzte seine Ausf\u00fchrungen im wesentlichen auf \u00a7 51 Abs. 2 des Reichsbewertungsgesetzes 1934. Diese Bestimmung entspricht in den Grundlagen dem jetzigen \u00a7 69 BewG. Von Liebhaberei ist in dieser Entscheidung nicht die Rede.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Beschlu\u00df vom 18.12.1985 (II B 35\/85) BStBl. 1986 II S. 282 1. Landwirtschaftlich genutzte Fl\u00e4chen, die der privaten Tierhaltung (Liebhaberei) dienen, geh\u00f6ren bewertungsrechtlich unter den Voraussetzungen des \u00a7 33 BewG zum land- und forstwirtschaftlichen Verm\u00f6gen. 2. 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