{"id":3366,"date":"2012-08-20T00:00:00","date_gmt":"2012-08-19T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=3366"},"modified":"2012-11-12T07:10:09","modified_gmt":"2012-11-12T05:10:09","slug":"i-r-3-12-beschraenkung-der-prozessvollmacht-im-fg-verfahren-zulaessig-verletzung-des-rechtlichen-gehoers-durch-fehlerhafte-ladung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-3-12-beschraenkung-der-prozessvollmacht-im-fg-verfahren-zulaessig-verletzung-des-rechtlichen-gehoers-durch-fehlerhafte-ladung\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;3\/12 &#8211; Beschr&auml;nkung der Prozessvollmacht im FG Verfahren zul&auml;ssig &#8211; Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs durch fehlerhafte Ladung"},"content":{"rendered":"<p class=\"ueberschrift\">BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 20.8.2012, I R 3\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Ordnungsgem\u00e4\u00dfe Revisionsbegr\u00fcndung<\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>I. Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) ist eine Kapitalgesellschaft niederl\u00e4ndischen Rechts mit Sitz und Gesch\u00e4ftsleitung in den Niederlanden. Sie f\u00fchrt ein Unternehmen, dessen Gegenstand der Abbau von Torf auf verschiedenen, von ihr jeweils zu diesem Zweck erworbenen Grundst\u00fccken ist; u.a. im Streitjahr 2008 war sie ausschlie\u00dflich in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) t\u00e4tig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Im Jahr 2006 erzielte die Kl\u00e4gerin aus der Ver\u00e4u\u00dferung eines in Deutschland gelegenen Grundst\u00fccks einen Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn in H\u00f6he von 3.643.373\u00a0EUR, den sie im Rahmen ihrer nach \u00a7\u00a049 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0a des Einkommensteuergesetzes (EStG 2002) i.V.m. \u00a7\u00a02 Satz\u00a01 Nr.\u00a01 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes (KStG 2002) beschr\u00e4nkt steuerpflichtigen Eink\u00fcnfte in der Bilanz zum 31.\u00a0Dezember 2006 in eine R\u00fccklage gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a06b Abs.\u00a03 Satz\u00a01 EStG 2002 (i.V.m. \u00a7\u00a08 Abs.\u00a01 KStG 2002) einstellte. Da sie mangels geeigneter Torfgrundst\u00fccke in Deutschland beabsichtigte, ihren Gesch\u00e4ftsbetrieb in der Zukunft wieder in die Niederlande zu verlegen, erwarb sie im Streitjahr ein in den Niederlanden gelegenes unbebautes Grundst\u00fcck zum Kaufpreis von 176.365\u00a0EUR, das in keinem betriebsfunktionalen Zusammenhang mit den Betriebsst\u00e4tten in Deutschland stand und an einen niederl\u00e4ndischen Landwirt verpachtet war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Im Jahresabschluss zum 31.\u00a0Dezember 2008 erfasste die Kl\u00e4gerin das Grundst\u00fcck in den Niederlanden als Zugang im Anlageverm\u00f6gen bei den Betriebsgrundst\u00fccken mit seinen Anschaffungskosten. Zugleich l\u00f6ste sie in selbiger H\u00f6he die nach \u00a7\u00a06b Abs.\u00a03 Satz\u00a01 EStG 2002 gebildete R\u00fccklage auf und zog von den Anschaffungskosten des niederl\u00e4ndischen Grundst\u00fccks einen entsprechenden Betrag nach \u00a7\u00a06b Abs.\u00a03 Satz\u00a02 i.V.m. Abs.\u00a01 Satz\u00a02 Nr.\u00a01 EStG 2002 ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Nach Auffassung des Beklagten und Revisionskl\u00e4gers (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) kam ein Abzug des R\u00fccklagenbetrags von den Anschaffungskosten des Grundst\u00fccks nach \u00a7\u00a06b Abs.\u00a04 Satz\u00a01 Nr.\u00a03 EStG 2002 hingegen nicht in Betracht, da das Grundst\u00fcck nicht zum Anlageverm\u00f6gen einer inl\u00e4ndischen Betriebsst\u00e4tte geh\u00f6re. Das FA l\u00f6ste die R\u00fccklage dementsprechend auf und erh\u00f6hte den Gewinn \u00fcberdies um einen Zuschlag gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a06b Abs.\u00a07 EStG 2002. Die Sprungklage gegen die hiernach ge\u00e4nderten Steuerbescheide war erfolgreich; das &#8211;den Beteiligten ausweislich der Empfangsbekenntnisse vom 21.\/22.\u00a0Dezember 2011 zugestellte&#8211; Urteil des Nieders\u00e4chsischen Finanzgerichts (FG) vom 1.\u00a0Dezember 2011\u00a0\u00a06\u00a0K\u00a0435\/09 ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2012, 1031 abgedruckt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit seiner vom FG zugelassenen &#8211;am 11.\u00a0Januar 2012 eingelegten und mit beim Bundesfinanzhof (BFH) am 3.\u00a0Februar 2012 eingegangenen Schriftsatz vom 1.\u00a0Februar 2012 begr\u00fcndeten&#8211; Revision r\u00fcgt das FA Verletzung materiellen Rechts. Es beantragt, das FG-Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>6<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Kl\u00e4gerin beantragt in erster Linie sinngem\u00e4\u00df, die Revision als unzul\u00e4ssig zu verwerfen, hilfsweise, sie als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>7<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>II. Die Revision gen\u00fcgt nicht den Begr\u00fcndungserfordernissen des \u00a7\u00a0120 Abs.\u00a03 der Finanzgerichtsordnung (FGO); sie ist deswegen zu verwerfen (\u00a7\u00a0124 Abs.\u00a01 i.V.m. \u00a7\u00a0126 Abs.\u00a01 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>8<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Auch eine vom FG zugelassene Revision ist nach \u00a7\u00a0120 Abs.\u00a02 und 3 FGO innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung des vollst\u00e4ndigen Urteils zu begr\u00fcnden. Wendet sich der Revisionskl\u00e4ger gegen die materielle Sicht des FG, so hat er die Umst\u00e4nde zu bezeichnen, aus denen sich die Rechtsverletzung ergibt (\u00a7\u00a0120 Abs.\u00a03 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0a FGO). Das umfasst auch Angaben dazu, aus welchen Gr\u00fcnden der Revisionskl\u00e4ger das erstinstanzliche Urteil als unrichtig erachtet. Demgem\u00e4\u00df geh\u00f6rt nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des BFH zu einer ordnungsgem\u00e4\u00dfen Revisionsbegr\u00fcndung u.a. die Auseinandersetzung mit den Gr\u00fcnden des angefochtenen FG-Urteils. Der Revisionskl\u00e4ger muss neben der R\u00fcge eines konkreten Rechtsversto\u00dfes die Gr\u00fcnde tats\u00e4chlicher oder rechtlicher Art angeben, die nach seiner Auffassung das erstinstanzliche Urteil als unrichtig erscheinen lassen. Dies folgt aus dem Sinn und Zweck des \u00a7\u00a0120 Abs.\u00a02 und 3 FGO, das Revisionsgericht zu entlasten und den Revisionskl\u00e4ger zu zwingen, Inhalt, Umfang und Zweck des Revisionsangriffs von vornherein klarzustellen (vgl. hierzu Senatsurteil vom 8.\u00a0Mai 1985 I\u00a0R\u00a0108\/81, BFHE 144, 40, BStBl II 1985, 523). Zur ordnungsgem\u00e4\u00dfen Revisionsbegr\u00fcndung bedarf es einer zumindest kurzen Auseinandersetzung mit den Gr\u00fcnden des angefochtenen Urteils, aus der zu erkennen ist, dass der Revisionskl\u00e4ger die Begr\u00fcndung dieses Urteils und sein eigenes Vorbringen \u00fcberpr\u00fcft hat (st\u00e4ndige Rechtsprechung; s. die Nachweise Gr\u00e4ber\/ Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.\u00a0Aufl., \u00a7\u00a0120 Rz\u00a059; R\u00fcsken in Beermann\/Gosch, FGO, \u00a7\u00a0120 Rz\u00a0172\u00a0f.). Der Revisionskl\u00e4ger muss danach im Einzelnen und in Auseinandersetzung mit der Ar-gumentation des FG dartun, welche Ausf\u00fchrungen der Vorinstanz aus welchen Gr\u00fcnden unrichtig sein sollen (z.B. Senatsbe-schluss vom 7.\u00a0April 2010 I\u00a0R\u00a034\/06, BFH\/NV 2010, 1466; BFH-Beschluss vom 4.\u00a0April 1997 X\u00a0R\u00a0144\/94, BFH\/NV 1997, 690, mit weiteren Rechtsprechungshinweisen).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>9<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die vom FA in dessen urspr\u00fcnglicher Revisionsbegr\u00fcndungsschrift vom 1.\u00a0Februar 2012 innerhalb der beschriebenen Begr\u00fcndungsfrist vorgelegten Ausf\u00fchrungen entsprechen diesen Anforderungen nicht. Das FA referiert darin lediglich die Kernargumentation der Vorinstanz und bekundet sodann letztlich nur lapidar, dass es anderer Auffassung ist: Wenn das FG annehme, der in \u00a7\u00a06b EStG 2002 enthaltene Inlandsbezug beschr\u00e4nke die unionsrechtliche Niederlassungsfreiheit, dann seien hierf\u00fcr ausreichende Rechtfertigungsgr\u00fcnde vorhanden, n\u00e4mlich insbesondere zwingende Gr\u00fcnde des Allgemeinwohls. Andernfalls w\u00fcrde die Aufteilung der Besteuerungsgrundlagen, wie sie in einschl\u00e4gigen Doppelbesteuerungsabkommen erfolgt sei, nicht mehr gewahrt bleiben. Wenn das FG weiter ausf\u00fchre, das Besteuerungsrecht verbleibe bei Deutschland, so sehe das FA demgegen\u00fcber hier die Gefahr der Steuerflucht. Es erg\u00e4ben sich auch unter Beachtung der Mitwirkungspflichten des Steuerpflichtigen nach \u00a7\u00a090 Abs.\u00a02 der Abgabenordnung insoweit erhebliche Probleme, den Verbleib oder Verkauf des Reinvestitionsguts zu \u00fcberwachen, insbesondere dann, wenn zum Zeitpunkt der Ver\u00e4u\u00dferung des Reinvestitionsguts im \u00fcbrigen Gemeinschaftsgebiet keine feste Einrichtung mehr im Inland bestehe. Nach allem vertritt das FA lediglich seine schon im Klageverfahren bekundete Rechtsauffassung und st\u00fctzt diese wie schon zuvor mit der Behauptung angeblicher Gr\u00fcnde, die eine Verletzung der Niederlassungsfreiheit rechtfertigen k\u00f6nnten. Jegliche Auseinandersetzung mit der vielschichtigen und durch neuere einschl\u00e4gige h\u00f6chstrichterliche Rechtsprechung belegten Argumentation der Vorinstanz fehlt indessen. Eine solche Auseinandersetzung bringen erst die im weiteren Verfahrensverlauf &#8211;am 3.\u00a0Mai 2012 bzw. 26.\u00a0Juli 2012 und damit versp\u00e4tet&#8211; vorgelegten Schrifts\u00e4tze vom 30.\u00a0April 2012 und vom 25.\u00a0Juli 2012.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 20.8.2012, I R 3\/12 Ordnungsgem\u00e4\u00dfe Revisionsbegr\u00fcndung Tatbestand 1 I. Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) ist eine Kapitalgesellschaft niederl\u00e4ndischen Rechts mit Sitz und Gesch\u00e4ftsleitung in den Niederlanden. 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