{"id":3367,"date":"2012-08-14T00:00:00","date_gmt":"2012-08-13T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=3367"},"modified":"2012-11-12T10:32:02","modified_gmt":"2012-11-12T08:32:02","slug":"v-b-95-11-offenbare-unrichtigkeit-is-des-par-107-fgo-zum-einwand-der-weiterleitung-beim-berechtigtenwechsel-rechtliches-gehoer-keine-notwendige-beiladung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-95-11-offenbare-unrichtigkeit-is-des-par-107-fgo-zum-einwand-der-weiterleitung-beim-berechtigtenwechsel-rechtliches-gehoer-keine-notwendige-beiladung\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;95\/11 &#8211; Offenbare Unrichtigkeit i.S. des &sect; 107 FGO &#8211; Zum Einwand der Weiterleitung beim Berechtigtenwechsel &#8211; Rechtliches Geh&ouml;r &#8211; Keine notwendige Beiladung"},"content":{"rendered":"<p class=\"ueberschrift\">BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 14.8.2012, V B 95\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Beschr\u00e4nkung der Prozessvollmacht im FG Verfahren zul\u00e4ssig &#8211; Verletzung des rechtlichen Geh\u00f6rs durch fehlerhafte Ladung<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin) ist begr\u00fcndet. Das Urteil des Finanzgerichts (FG) ist aufzuheben und der Rechtsstreit zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das FG zur\u00fcckzuverweisen (\u00a7\u00a0116 Abs.\u00a06 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Voraussetzungen des \u00a7\u00a0115 Abs.\u00a02 Nr.\u00a03 FGO liegen vor, denn das FG hat wegen einer fehlerhaften Ladung den Anspruch der Kl\u00e4gerin auf Gew\u00e4hrung rechtlichen Geh\u00f6rs (Art.\u00a0103 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;) verletzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FG hat verfahrensfehlerhaft seine Pflicht zur Gew\u00e4hrung des rechtlichen Geh\u00f6rs (\u00a7\u00a096 Abs.\u00a02 FGO, Art.\u00a0103 GG) verletzt, weil es die Mutter des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers der Kl\u00e4gerin (Frau\u00a0H), deren Vollmacht nicht die Vertretung in der m\u00fcndlichen Verhandlung umfasste, zum Termin zur m\u00fcndlichen Verhandlung geladen hat und nicht den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Kl\u00e4gerin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a091 FGO sind grunds\u00e4tzlich &#8222;die Beteiligten&#8220; zum Termin zur m\u00fcndlichen Verhandlung zu laden, bei einer juristischen Person somit deren gesetzlichen Vertreter. Ist ein Bevollm\u00e4chtigter bestellt, will das Gesetz verhindern, dass dieser vom Gericht bei der Ladung \u00fcbergangen wird, sodass bei Bestellung eines Bevollm\u00e4chtigten die Zustellungen &#8222;an ihn zu richten&#8220; sind (\u00a7\u00a062 Abs.\u00a06 Satz\u00a05 FGO). Entbehrlich ist die pers\u00f6nliche Ladung eines Kl\u00e4gers jedoch nur dann, wenn der Bevollm\u00e4chtigte den Kl\u00e4ger im finanzgerichtlichen Verfahren auch wirksam vertreten konnte (Schallmoser in H\u00fcbschmann\/Hepp\/ Spitaler, \u00a7\u00a091 FGO Rz\u00a040, 45). Dies war vorliegend nicht der Fall, denn nach der vom Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Kl\u00e4gerin erteilten Prozessvollmacht vom 15.\u00a0Oktober 2008 war Frau H &#8222;nicht zur alleinigen Vertretung&#8220; in einer m\u00fcndlichen Verhandlung berechtigt. Eine alleinige Vertretung bedurfte vielmehr &#8222;einer zus\u00e4tzlichen Einzelvollmacht&#8220;, die nicht erteilt wurde. Daneben war Frau H lediglich eine Zustellungsvollmacht zum Empfang von Schriftst\u00fccken erteilt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Die Beschr\u00e4nkung der Vollmacht war zul\u00e4ssig und daher vom FG zu beachten. F\u00fcr den Umfang der Vollmacht gelten nach \u00a7\u00a0155 FGO die \u00a7\u00a7\u00a081 bis 84 der Zivilprozessordnung (ZPO) entsprechend (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 27.\u00a0Juli 1983 II\u00a0B\u00a068\/82, BFHE 138, 529, BStBl II 1983, 644). Nach \u00a7\u00a083 Abs.\u00a02 ZPO kann eine Vollmacht f\u00fcr einzelne Prozesshandlungen erteilt werden, soweit eine Vertretung durch Anw\u00e4lte nicht geboten ist. Im Verfahren vor dem FG k\u00f6nnen die Beteiligten nach \u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 FGO den Rechtsstreit selbst f\u00fchren. F\u00fcr die Durchf\u00fchrung einer m\u00fcndlichen Verhandlung fehlte es daher an einer wirksamen Bevollm\u00e4chtigung der Frau\u00a0H, weshalb das FG den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Kl\u00e4gerin h\u00e4tte laden m\u00fcssen. Hat ein Beteiligter keinen Prozessbevollm\u00e4chtigten bestellt, war er im Verfahren nicht nach den Vorschriften des Gesetzes vertreten, wenn er &#8211;wie im Streitfall&#8211; zur m\u00fcndlichen Verhandlung, aufgrund derer das FG entschieden hat, nicht ordnungsgem\u00e4\u00df geladen worden ist (z.B. BFH-Urteil vom 14.\u00a0Juni 1994 VIII\u00a0R\u00a079\/93, BFH\/NV 1995, 225, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>c) Die fehlerhafte Ladung ist nicht nach \u00a7\u00a053 Abs.\u00a02 FGO i.V.m. \u00a7\u00a0189 ZPO geheilt. L\u00e4sst sich die formgerechte Zustellung eines Dokuments nicht nachweisen oder ist das Dokument unter Verletzung zwingender Zustellungsvorschriften zugegangen, so gilt es in dem Zeitpunkt als zugestellt, in dem das Dokument der Person, an die die Zustellung dem Gesetz gem\u00e4\u00df gerichtet war oder gerichtet werden konnte, tats\u00e4chlich zugegangen ist. Diese Regelung betrifft nur Fehler in der \u00dcbermittlung des Dokuments, das zugestellt werden soll, nicht dagegen inhaltliche M\u00e4ngel des zuzustellenden Schriftst\u00fccks; sie ist daher nicht anwendbar, wenn derjenige, an den sich die Ladung richtet, unzutreffend bezeichnet ist (vgl. BFH-Urteile vom 9.\u00a0April 1991 IX\u00a0R\u00a057\/90, BFH\/NV 1992, 51; vom 17.\u00a0M\u00e4rz 1970 II\u00a065\/63, BFHE 99, 96, BStBl II 1970, 598). Diese Voraussetzungen liegen im Streitfall vor, denn das FG hat nicht &#8211;wie erforderlich&#8211; den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Kl\u00e4gerin, sondern eine andere Person, Frau\u00a0H, zur m\u00fcndlichen Verhandlung geladen, an die die Ladung nicht gerichtet werden konnte. Ob die Kl\u00e4gerin aufgrund der Zustellung an die Zustellungsbevollm\u00e4chtigte, Frau\u00a0H, vom Termin der m\u00fcndlichen Verhandlung erfahren haben k\u00f6nnte, ist insoweit unerheblich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 14.8.2012, V B 95\/11 Beschr\u00e4nkung der Prozessvollmacht im FG Verfahren zul\u00e4ssig &#8211; Verletzung des rechtlichen Geh\u00f6rs durch fehlerhafte Ladung Gr\u00fcnde 1 Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin) ist begr\u00fcndet. Das Urteil des Finanzgerichts (FG) ist aufzuheben und der Rechtsstreit zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das FG zur\u00fcckzuverweisen (\u00a7\u00a0116 Abs.\u00a06 der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-95-11-offenbare-unrichtigkeit-is-des-par-107-fgo-zum-einwand-der-weiterleitung-beim-berechtigtenwechsel-rechtliches-gehoer-keine-notwendige-beiladung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;B&nbsp;95\/11 &#8211; Offenbare Unrichtigkeit i.S. des &sect; 107 FGO &#8211; Zum Einwand der Weiterleitung beim Berechtigtenwechsel &#8211; Rechtliches Geh&ouml;r &#8211; Keine notwendige Beiladung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[1217],"class_list":["post-3367","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online","tag-prozessvollmacht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3367","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3367"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3367\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3367"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3367"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}