{"id":33698,"date":"1985-12-12T12:58:15","date_gmt":"1985-12-12T10:58:15","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=33698"},"modified":"2013-09-09T10:54:59","modified_gmt":"2013-09-09T08:54:59","slug":"bfh-urteil-vom-12-12-1985-iv-r-330_84-bstbl-1986-ii-s-408","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-12-12-1985-iv-r-330_84-bstbl-1986-ii-s-408\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 12.12.1985 (IV R 330\/84) BStBl. 1986 II S. 408"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 12.12.1985 (IV R 330\/84) BStBl. 1986 II S. 408<\/strong><\/p>\n<p>Auch nach Er\u00f6ffnung des Konkursverfahrens \u00fcber das Verm\u00f6gen einer KG kann der Einheitswert ihres Betriebsverm\u00f6gens gesondert festgestellt werden. In diesem Verfahren ist auch der Konkursverwalter proze\u00dff\u00fchrungsbefugt. Im Klageverfahren m\u00fcssen die Liquidatoren f\u00fcr das konkursfreie Verm\u00f6gen der KG notwendig beigeladen werden.<\/p>\n<p>FGO \u00a7 48 Abs. 1 Nr. 3, \u00a7 60 Abs. 3.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG K\u00f6ln<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) ist Konkursverwalter \u00fcber das Verm\u00f6gen einer GmbH &amp; Co. KG, die in X einen Einzelhandel f\u00fcr Damen- und Herrenoberbekleidung betrieb. Das Konkursverfahren wurde am 30. April 1979 er\u00f6ffnet. Nach Konkurser\u00f6ffnung wurden die Einheitswerte des Betriebsverm\u00f6gens zum 1. Januar 1976 bis 1. Januar 1978 festgestellt. Die Feststellungen orientierten sich an den von der KG eingereichten Steuererkl\u00e4rungen und den von ihr vorgelegten Jahresabschlu\u00dfbilanzen; die Feststellung zum 1. Januar 1976 beruht auf den Ergebnissen einer Betriebspr\u00fcfung f\u00fcr die Jahre 1971 bis 1975. Gegen die Bescheide legte der Konkursverwalter Einspruch ein, der jedoch nicht begr\u00fcndet und deswegen zur\u00fcckgewiesen wurde. Im Klageverfahren legte der Kl\u00e4ger berichtigte Bilanzen der KG zum 31. Dezember 1975 bis 31. Dezember 1977 vor. Hierin wurde jeweils eine Teilwertabschreibung auf die Warenvorr\u00e4te vorgenommen.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab.<\/p>\n<p>Hiergegen richtet sich die Revision, mit der die Verletzung formellen und materiellen Rechts ger\u00fcgt wird.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision f\u00fchrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG.<\/p>\n<p>1. Der Kl\u00e4ger ist als Konkursverwalter f\u00fcr die angestrebte \u00c4nderung der Einheitswertbescheide proze\u00dff\u00fchrungsbefugt. Die Konkurser\u00f6ffnung hatte zur Folge, da\u00df der Gemeinschuldner die Befugnis verliert, sein zur Konkursmasse geh\u00f6riges Verm\u00f6gen zu verwalten und dar\u00fcber zu verf\u00fcgen; das Verwaltungs- und Verf\u00fcgungsrecht wird w\u00e4hrend der Dauer des Konkursverfahrens durch den Konkursverwalter ausge\u00fcbt (\u00a7 6 der Konkursordnung &#8211; KO -). Dies gilt auch f\u00fcr einen Feststellungsbescheid \u00fcber den Einheitswert eines gewerblichen Betriebs, wenn er zur Konkursmasse geh\u00f6riges Verm\u00f6gen betrifft. Zwar wird in der Rechtsprechung angenommen, da\u00df die Durchf\u00fchrung der einheitlichen Gewinnfeststellung zu den konkursfreien Angelegenheiten der Gesellschaft geh\u00f6re und die durch den Konkurs aufgel\u00f6ste Gesellschaft in diesem Verfahren durch ihre Liquidatoren vertreten werde (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 13. Juli 1967 IV 191\/63, BFHE 90, 87, BStBl III 1967, 790; vom 21. Juni 1979 IV R 131\/74, BFHE 128, 322, BStBl II 1979, 780). Die Feststellung des betrieblichen Einheitswerts bietet jedoch die Grundlage f\u00fcr die Festsetzung des Gewerbesteuerme\u00dfbetrags nach dem Gewerbekapital und damit auch f\u00fcr die sp\u00e4tere Festsetzung der Gewerbesteuer. Da die KG Schuldnerin der Gewerbesteuer ist (\u00a7 5 Abs. 1 Satz 2 des Gewerbesteuergesetzes &#8211; GewStG -), wird durch die Feststellung der Einheitswerte auch zur Konkursmasse geh\u00f6riges Verm\u00f6gen betroffen; dem Konkursverwalter mu\u00df daher ein Anfechtungs- und Klagerecht zustehen.<\/p>\n<p>Obwohl nach Konkurser\u00f6ffnung Steuerforderungen zur Konkurstabelle angemeldet werden und im Falle des Bestreitens des Konkursverwalters ein Feststellungsbescheid gem\u00e4\u00df \u00a7 251 Abs. 3 der Abgabenordnung (AO 1977) ergeht, ist doch nicht ausgeschlossen, da\u00df einzelne Besteuerungsgrundlagen weiterhin in einem gesonderten Verfahren festgestellt werden (vgl. BFH-Urteile vom 3. Mai 1978 II R 148\/75, BFHE 125, 202, BStBl II 1978, 472; vom 17. Juli 1985 I R 117\/84, BFHE 144, 198, BStBl II 1985, 650, f\u00fcr Gewerbesteuerme\u00dfbescheide; s. auch Tipke\/Kruse, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, 11. Aufl., \u00a7 251 AO 1977 Anm. 16; H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, Kommentar zur Abgabenordnung und Finanzgerichtsordnung, 8. Aufl., \u00a7 251 AO 1977 Anm. 56). Deshalb kann auch das Verfahren zur Feststellung des betrieblichen Einheitswerts fortgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>2. Das FG hat jedoch die Beiladungserfordernisse nicht beachtet.<\/p>\n<p>Von den angefochtenen Einheitswertfeststellungen sind auch die Gesellschafter der KG betroffen, weil die Einheitswerte Bedeutung f\u00fcr die von ihnen geschuldete Verm\u00f6gensteuer haben. Da insoweit konkursfreies Verm\u00f6gen betroffen ist, besteht kein Proze\u00dff\u00fchrungsrecht des Konkursverwalters. Insoweit gilt die Regelung des \u00a7 48 Abs. 1 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO), da\u00df das Klagerecht durch die Gesellschaft wahrgenommen und diese durch den oder die vertretungsberechtigten Gesellschafter vertreten wird. Nachdem die Gesellschaft durch die Konkurser\u00f6ffnung aufgel\u00f6st worden ist (\u00a7 161 Abs. 2 i. V. m. \u00a7 131 Nr. 3 des Handelsgesetzbuches &#8211; HGB -), werden f\u00fcr sie ihre Liquidatoren, d. h. s\u00e4mtliche Gesellschafter t\u00e4tig, sofern sich nicht aus dem Gesellschaftsvertrag oder aus einem Beschlu\u00df der Gesellschafter etwas anderes ergibt (\u00a7 146 Abs. 1 HGB). \u00a7 48 Abs. 1 Nr. 3 FGO ist unbedenklich auch f\u00fcr eine in Liquidation befindliche Personenhandelsgesellschaft anwendbar (BFH-Urteil vom 21. Januar 1982 IV R 146\/78, BFHE 135, 386, BStBl II 1982, 506).<\/p>\n<p>Da die Einheitswerte einheitlich mit Wirkung f\u00fcr das konkursbefangene und das konkursfreie Verm\u00f6gen festgestellt werden, ist die Beiladung der Gesellschafter gem\u00e4\u00df \u00a7 60 Abs. 3 FGO erforderlich. Im Hinblick auf \u00a7 48 Abs. 1 Nr. 3 FGO beschr\u00e4nkt sich die Beiladung jedoch auf den oder die Liquidatoren der Gesellschaft, da keine Fragen streitig sind, die einzelne Gesellschafter allein angehen.<\/p>\n<p>Die Unterlassung der Beiladung ist als Versto\u00df gegen die Grundordnung des Verfahrens von Gerichts wegen zu ber\u00fccksichtigen, so da\u00df das angefochtene Urteil aufgehoben werden mu\u00dfte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 12.12.1985 (IV R 330\/84) BStBl. 1986 II S. 408 Auch nach Er\u00f6ffnung des Konkursverfahrens \u00fcber das Verm\u00f6gen einer KG kann der Einheitswert ihres Betriebsverm\u00f6gens gesondert festgestellt werden. 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