{"id":33713,"date":"1985-12-13T12:59:10","date_gmt":"1985-12-13T10:59:10","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=33713"},"modified":"2013-09-09T10:57:51","modified_gmt":"2013-09-09T08:57:51","slug":"bfh-urteil-vom-13-12-1985-iii-r-183_81-bstbl-1986-ii-s-441","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-13-12-1985-iii-r-183_81-bstbl-1986-ii-s-441\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 13.12.1985 (III R 183\/81) BStBl. 1986 II S. 441"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 13.12.1985 (III R 183\/81) BStBl. 1986 II S. 441<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4ndert das FA einen bestandskr\u00e4ftigen Investitionszulagebescheid gem\u00e4\u00df \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 AO 1977 i. V. m. \u00a7 5 Abs. 5 InvZulG 1979, so tr\u00e4gt es grunds\u00e4tzlich die objektive Beweislast (Feststellungslast) daf\u00fcr, da\u00df die Voraussetzungen f\u00fcr die Gew\u00e4hrung der Investitionszulage nicht vorgelegen haben.<\/p>\n<p>InvZulG 1979 \u00a7 4b, \u00a7 5 Abs. 5; AO 1977 \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Rheinland-Pfalz<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) betreibt ein Omnibusunternehmen. Antragsgem\u00e4\u00df gew\u00e4hrte ihr der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) im April 1977 f\u00fcr die Anschaffung eines Omnibusses eine Investitionszulage gem\u00e4\u00df \u00a7 4b des Investitionszulagengesetzes (InvZulG). In ihrem Zulageantrag hatte die Kl\u00e4gerin als Tag der Bestellung den 27. Juni 1975 angegeben.<\/p>\n<p>Im Anschlu\u00df an eine Steuerfahndungspr\u00fcfung vertrat das FA die Auffassung, die Kl\u00e4gerin habe das Fahrzeug erst am 4. Juli 1975 und damit nach Ablauf des ma\u00dfgeblichen Beg\u00fcnstigungszeitraums bestellt. Es \u00e4nderte deshalb im Oktober 1979 den urspr\u00fcnglichen Zulagebescheid und setzte die Investitionszulage auf 0 DM fest.<\/p>\n<p>Einspruch und Klage blieben ohne Erfolg. Das Finanzgericht (FG) kam nach Durchf\u00fchrung einer Beweisaufnahme zu dem Ergebnis, da\u00df nicht mit Sicherheit festgestellt werden k\u00f6nne, ob das Fahrzeug am 27. Juni oder am 4. Juli 1975 bestellt worden ist. Diese Unaufkl\u00e4rbarkeit geht nach Auffassung des FG zu Lasten der Kl\u00e4gerin.<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgt die Kl\u00e4gerin Verletzung der \u00a7 4b InvZulG und \u00a7 173 der Abgabenordnung (AO 1977).<\/p>\n<p>Sie beantragt, die Vorentscheidung, den \u00c4nderungsbescheid sowie die Einspruchsentscheidung aufzuheben.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung.<\/p>\n<p>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 AO 1977 i. V. m. \u00a7 5 Abs. 5 InvZulG i. d. F. vom 2. Januar 1979 (BGBl I 1979, 24, BStBl I 1979, 29) sind Investitionszulagebescheide zu \u00e4ndern, soweit Tatsachen nachtr\u00e4glich bekanntwerden, die zu einer niedrigeren Investitionszulage f\u00fchren. Den Nachweis daf\u00fcr, da\u00df die f\u00fcr eine \u00c4nderung eines Bescheids erforderlichen tats\u00e4chlichen Voraussetzungen vorliegen, hat das FA zu f\u00fchren (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 26. M\u00e4rz 1980 VII R 97\/76, BFHE 130, 209, 212; Tipke\/Kruse, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, 11. Aufl., Rdnr. 18 zu \u00a7 96 FGO). Es hat &#8211; bezogen auf den Streitfall &#8211; nachzuweisen, da\u00df der Steuerpflichtige entgegen der Annahme im urspr\u00fcnglichen Bescheid das Wirtschaftsgut tats\u00e4chlich nach dem 30. Juni 1975 bestellt hat. Dem FA obliegt insoweit die objektive Beweislast (Feststellungslast). Die Unerweislichkeit der entscheidungserheblichen Tatsachen geht aber nicht nur dann zu seinen Lasten, wenn feststeht, da\u00df der Steuerpflichtige das Wirtschaftsgut innerhalb des ma\u00dfgeblichen Beg\u00fcnstigungszeitraums bestellt hat, sondern auch dann, wenn unaufkl\u00e4rbar bleibt, ob die Bestellung tats\u00e4chlich rechtzeitig erfolgt ist. Der Zulagebescheid f\u00fchrte zu einer Beg\u00fcnstigung und damit zu einer schutzw\u00fcrdigen Rechtsposition des Steuerpflichtigen. Dies rechtfertigt es, den Nachteil der Ungewi\u00dfheit der entscheidungserheblichen Tatsachen der Beh\u00f6rde aufzuerlegen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts &#8211; BVerwG &#8211; vom 25. M\u00e4rz 1964 VI C 150.62, BVerwGE 18, 168). Dabei ist auch zu ber\u00fccksichtigen, da\u00df das FA die M\u00f6glichkeit hatte, die Zulage gem\u00e4\u00df \u00a7 164 Abs. 1 AO 1977 i. V. m. \u00a7 5 Abs. 5 InvZulG 1977 unter dem Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung festzusetzen.<\/p>\n<p>Anders ist es jedoch, wenn der Beg\u00fcnstigte den Zulagebescheid durch schuldhaft und vorwerfbar unrichtige oder unvollst\u00e4ndige Angaben erwirkt hat, oder wenn er ohne R\u00fccksicht auf Verschulden dem geltend gemachten Anspruch entgegenstehende Tatsachen verschwiegen hat, die anzugeben im wesentlichen nur er in der Lage war, so da\u00df das FA sich auf deren Nichtvorhandensein verlassen durfte (vgl. Urteil in BFHE 130, 209, m. w. N.; BVerwG-Urteile vom 7. Juli 1966 III C 219.64, BVerwGE 24, 294, 299; vom 26. November 1969 VI C 121.65, BVerwGE 34, 225; Tipke\/Kruse, a. a. O.). Durch diese Ausnahmen wird in ausreichendem Umfang dem Umstand Rechnung getragen, da\u00df die Zulage vielfach ohne eingehende \u00dcberpr\u00fcfung des vom Antragsteller vorgetragenen Sachverhalts ausgezahlt wird, um den mit der Zulage bezweckten Erfolg zu erreichen (zur Ber\u00fccksichtigung der Zweckbestimmung einer Norm vgl. BFH-Urteil vom 5. November 1970 V R 71\/67, BFHE 101, 156, 165, BStBl II 1971, 220, 224).<\/p>\n<p>2. Danach war das FA nicht berechtigt, den Investitionszulagebescheid vom April 1977 zu Lasten der Kl\u00e4gerin zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>a) Das FG hat aus den von ihm getroffenen Feststellungen die Schlu\u00dffolgerung gezogen, es habe sich nicht feststellen lassen, zu welchem Zeitpunkt die Kl\u00e4gerin den Kaufvertrag \u00fcber den Omnibus abgeschlossen hat. Hierbei handelt es sich um einen Schlu\u00df tats\u00e4chlicher Art, den das FG aufgrund des festgestellten Sachverhalts im Rahmen der Tatsachenw\u00fcrdigung (Beweisw\u00fcrdigung) gezogen hat. Diese kann vom Senat nicht in Frage gestellt werden, da sie weder unter Verletzung verfahrensrechtlicher Vorschriften zustande gekommen ist noch gegen Denkgesetze oder Regeln der allgemeinen Lebenserfahrung verst\u00f6\u00dft. Als Revisionsgericht hat der BFH nur zu pr\u00fcfen, ob das FG aufgrund seiner tats\u00e4chlichen Feststellungen zu den gezogenen Schlu\u00dffolgerungen kommen konnte; da\u00df es dazu kommen mu\u00dfte, ist nicht erforderlich. Zu der Annahme der Unentschiedenheit konnte das FG aufgrund der Abw\u00e4gung der Eintragungen in der Kundenkartei einerseits und den Aussagen der Zeugen andererseits kommen.<\/p>\n<p>b) Der Umstand, da\u00df nicht mit Sicherheit festzustellen ist, wann die Kl\u00e4gerin den Omnibus tats\u00e4chlich bestellt hat, geht nach den unter 1. dargelegten Grunds\u00e4tzen zu Lasten des FA. Daf\u00fcr, da\u00df die Voraussetzungen vorliegen, unter denen ausnahmsweise der Steuerpflichtige die Feststellungslast tr\u00e4gt, liegen keine Anhaltspunkte vor.<\/p>\n<p>3. Das FG ist von einer anderen Rechtsauffassung ausgegangen. Die Vorentscheidung ist daher aufzuheben. Die Sache ist spruchreif. Da das FA nicht den Nachweis erbracht hat, da\u00df die Voraussetzungen f\u00fcr eine \u00c4nderung des urspr\u00fcnglichen Zulagebescheids vorliegen, waren der \u00c4nderungsbescheid und die dazu ergangene Einspruchsentscheidung ersatzlos aufzuheben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 13.12.1985 (III R 183\/81) BStBl. 1986 II S. 441 \u00c4ndert das FA einen bestandskr\u00e4ftigen Investitionszulagebescheid gem\u00e4\u00df \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 AO 1977 i. 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