{"id":35185,"date":"2013-04-11T09:54:34","date_gmt":"2013-04-11T07:54:34","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=35185"},"modified":"2013-04-11T09:54:34","modified_gmt":"2013-04-11T07:54:34","slug":"vi-r-32-12-rueckwirkende-anwendung-des-par-46-abs-2-nr-1-estg-idf-des-jstg-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-32-12-rueckwirkende-anwendung-des-par-46-abs-2-nr-1-estg-idf-des-jstg-2007\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;32\/12 &#8211; R&uuml;ckwirkende Anwendung des &sect; 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG i.d.F. des JStG 2007"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.1.2013, VI R 32\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">R&uuml;ckwirkende Anwendung des &sect; 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG i.d.F. des JStG 2007<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. &sect; 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG i.d.F. des JStG 2007 ist auch auf Veranlagungszeitr&auml;ume vor 2006 anzuwenden.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Die in &sect; 52 Abs. 55j Satz 1 EStG i.d.F. des <noindex>StVereinfG<\/noindex> 2011 geregelte r&uuml;ckwirkende Geltungsanordnung der Vorschrift verst&ouml;&szlig;t nicht gegen das rechtsstaatliche R&uuml;ckwirkungsverbot.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob f&uuml;r die Veranlagungszeitr&auml;ume 2002 bis 2004 noch Einkommensteuerveranlagungen durchzuf&uuml;hren sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) erzielte in den Streitjahren Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit. Daneben erwirtschaftete er nach den Angaben in seinen Einkommensteuererkl&auml;rungen, die am 28.&nbsp;Dezember 2009 beim Beklagten und Revisionskl&auml;ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) eingingen, &Uuml;bersch&uuml;sse der Werbungskosten &uuml;ber die Mieteinnahmen aus der langfristigen Vermietung einer Doppelhaush&auml;lfte in H&ouml;he von 2.833&nbsp;EUR (2002), in H&ouml;he von 2.348&nbsp;EUR (2003) und in H&ouml;he von 2.030&nbsp;EUR (2004). Mit Bescheiden vom 18.&nbsp;Februar 2010 lehnte das FA die Durchf&uuml;hrung von Einkommensteuerveranlagungen ab, weil f&uuml;r die Streitjahre bereits Festsetzungsverj&auml;hrung eingetreten sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobenen Klage hat das Finanzgericht (FG) stattgegeben. Der Bundesfinanzhof (BFH) habe im Jahr 2006 entschieden, dass eine Veranlagung von Amts wegen auch dann durchzuf&uuml;hren sei, wenn die negative Summe der Nebeneink&uuml;nfte den Betrag von 410&nbsp;EUR &uuml;bersteige. Danach habe der Kl&auml;ger vorliegend einen Anspruch auf Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rungen innerhalb der Festsetzungsfrist und Durchf&uuml;hrung der Amtsveranlagungen erworben. Dieser Anspruch sei bereits mit Ablauf der jeweiligen Kalenderjahre und nicht erst mit Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rungen entstanden und nicht durch Festsetzungsverj&auml;hrung erloschen. Auch sei die Rechtslage f&uuml;r die Streitjahre nicht durch das Jahressteuergesetz (JStG) 2007 vom 13.&nbsp;Dezember 2006 (BGBl I 2006, 2878, BStBl I 2007, 28) wirksam ge&auml;ndert worden. Zwar habe der Gesetzgeber die Vorschrift des &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) inzwischen dahingehend ge&auml;ndert, dass nur weitere positive Eink&uuml;nfte von mehr als 410&nbsp;EUR zu einer Amtsveranlagung f&uuml;hren, diese &Auml;nderung des Einkommensteuergesetzes wirke jedoch nicht auf die Streitjahre zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung von &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;55j Satz&nbsp;1 EStG i.d.F. des JStG 2007. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es beantragt,<br \/><\/br>das angefochtene Urteil des Nieders&auml;chsischen FG vom 31.&nbsp;Januar 2012&nbsp;&nbsp;8&nbsp;K&nbsp;196\/10 aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/><\/br>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils und zur Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz 1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG i.d.F. des JStG 2007 ist die Amtsveranlagung nur durchzuf&uuml;hren, wenn, was hier nicht der Fall ist, die positive Summe der einkommensteuerpflichtigen Eink&uuml;nfte, die nicht dem Steuerabzug vom Arbeitslohn zu unterwerfen waren, vermindert um die darauf entfallenden Betr&auml;ge nach &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;3 und &sect;&nbsp;24a EStG, mehr als 410&nbsp;EUR betr&auml;gt (zur fr&uuml;heren Rechtslage s. BFH-Urteile vom 21.&nbsp;September 2006 VI&nbsp;R&nbsp;47\/05, BFHE 215, 149, BStBl II 2007, 47; VI&nbsp;R&nbsp;52\/04, BFHE 215, 144, BStBl II 2007, 45). &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG i.d.F. des JStG 2007 ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;55j Satz&nbsp;1 EStG i.d.F. des Steuervereinfachungsgesetzes (StVereinfG) 2011 (fr&uuml;her &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;55j EStG i.d.F. des JStG 2007) auch auf Veranlagungszeitr&auml;ume vor 2006 und damit die Streitjahre anzuwenden. Wortlaut und Gesetzeszweck der Vorschriften sind insoweit eindeutig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Gesetzgeber wollte mit den Neuregelungen die bisherige Verwaltungspraxis, nach der eine Pflichtveranlagung zur Einkommensteuer bei Bezug von Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit nach &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG voraussetzt, dass der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin in dem jeweiligen Veranlagungszeitraum Eink&uuml;nfte aus anderen Einkunftsarten bezieht, deren positive Summe 410&nbsp;EUR bzw. 800&nbsp;DM &uuml;bersteigt, fortgesetzt wissen (Schmidt\/Kulosa, EStG, 31.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;46 Rz&nbsp;12). Dies folgt zum einen aus dem Umstand, dass der Gesetzgeber den Neuregelungen lediglich eine klarstellende Bedeutung beigemessen hat (BRDrucks 622\/1\/06, S.&nbsp;21&nbsp;f.; BTDrucks 16\/3036, S.&nbsp;22 &quot;Zu Nummer 17&quot;). Zum anderen macht die r&uuml;ck(be)wirkende Geltungsanordnung deutlich, dass der Gesetzgeber an seiner Lesart der bisherigen Fassung des &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG nicht nur zuk&uuml;nftig, sondern auch f&uuml;r die Vergangenheit festhalten wollte (vgl. Paetsch in Frotscher, EStG, Freiburg 2011, &sect;&nbsp;46 Rz&nbsp;26b). Nach der durch die allgemeinen Regeln der Mathematik unterst&uuml;tzten w&ouml;rtlichen Auslegung der Vorschrift sei eine negative Summe der Eink&uuml;nfte niedriger als 0 und k&ouml;nne damit nicht mehr als 410&nbsp;EUR bzw. 800&nbsp;DM betragen (BRDrucks 622\/1\/06, S.&nbsp;21&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Entgegen der Auffassung der Vorinstanz und des Kl&auml;gers verst&ouml;&szlig;t diese Auslegung des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;55j Satz 1 EStG i.d.F. des StVereinfG 2011 nicht gegen das grunds&auml;tzliche Verbot r&uuml;ckwirkender belastender Gesetze. Dabei kann der Senat offenlassen, ob der Gesetzgeber mit der r&uuml;ckwirkenden Geltungsanordnung des &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG i.d.F. des JStG 2007 tats&auml;chlich in einen abgeschlossenen steuerlichen Sachverhalt &auml;ndernd eingegriffen hat. Denn selbst wenn ein solches Verhalten des Gesetzgebers vorl&auml;ge, sind in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) jedoch &#8211;ohne dass dies abschlie&szlig;end w&auml;re&#8211; Fallgruppen anerkannt, in denen das rechtsstaatliche R&uuml;ckwirkungsverbot (Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 i.V.m. Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 des Grundgesetzes) durchbrochen ist (vgl. BVerfG-Beschl&uuml;sse vom 14.&nbsp;Mai 1986&nbsp;&nbsp;2&nbsp;Bvl&nbsp;2\/83, BVerfGE 72, 200 &lt;258&nbsp;ff.&gt;; vom 3.&nbsp;Dezember 1997&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvR&nbsp;882\/97, BVerfGE 97, 67 &lt;79&nbsp;f.&gt;; BVerfG-Urteil vom 23.&nbsp;November 1999&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvF&nbsp;1\/94, BVerfGE 101, 239 &lt;263&gt;). So tritt das R&uuml;ckwirkungsverbot, das seinen Grund im Vertrauensschutz hat, namentlich dann zur&uuml;ck, wenn sich kein sch&uuml;tzenswertes Vertrauen auf den Bestand des geltenden Rechts bilden konnte (vgl. BVerfG-Urteil in BVerfGE 101, 239 &lt;263&gt;), etwa weil die Rechtslage unklar und verworren war (vgl. BVerfG-Urteil vom 19.&nbsp;Dezember 1961&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvL&nbsp;6\/59, BVerfGE 13, 261 &lt;272&gt;) oder eine gefestigte Rechtsanwendungspraxis zu einer bestimmten Steuerrechtsfrage nach &Auml;nderung der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung r&uuml;ckwirkend gesetzlich festgeschrieben wird (BVerfG-Beschl&uuml;sse vom 23.&nbsp;Januar 1990&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvL&nbsp;4\/87, 1&nbsp;BvL&nbsp;5\/87, 1&nbsp;BvL&nbsp;6\/87, 1&nbsp;BvL&nbsp;7\/87, BVerfGE 81, 228; vom 15.&nbsp;Oktober 2008&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;1138\/06, Kammerentscheidungen des Bundesverfassungsgerichts 14, 338, und vom 21.&nbsp;Juli 2010&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvL&nbsp;11\/06, 1&nbsp;BvL&nbsp;12\/06, 1&nbsp;BvL&nbsp;13\/06, 1&nbsp;BvR&nbsp;2530\/05, BVerfGE 126, 369, 393&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gemessen hieran durfte der Gesetzgeber f&uuml;r eine Pflichtveranlagung nach &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG (weiterhin) positive Nebeneink&uuml;nfte voraussetzen. Denn mit der Neuregelung hat er lediglich die Rechtslage wiederhergestellt, die bis zu den Entscheidungen des BFH vom 21.&nbsp;September 2006 (in BFHE 215, 149, BStBl II 2007, 47, und in BFHE 215, 144, BStBl II 2007, 45) der jahrzehntelangen Besteuerungspraxis (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 22.&nbsp;Mai 2006 VI&nbsp;R&nbsp;50\/04, BFHE 214, 141, BStBl II 2006, 801; FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 5.&nbsp;April 2006&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;1076\/04, Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2006, 1523; FG K&ouml;ln, Urteil vom 10.&nbsp;Februar 2006&nbsp;&nbsp;12&nbsp;K&nbsp;4601\/05, EFG 2007, 593; FG Hamburg, Urteil vom 2.&nbsp;Juni 2005 VI&nbsp;260\/03, juris; Hessisches FG, Urteil vom 13.&nbsp;November 2003&nbsp;&nbsp;5&nbsp;K&nbsp;2804\/03, juris) und der nahezu einhelligen Meinung im Fachschrifttum (z.B. Schmidt\/Glanegger, EStG, 24.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;46 Rz&nbsp;50&nbsp;f.; Haase, Steuern und Bilanzen 2005, 157) entsprochen hat. Ein berechtigtes Vertrauen auf den Fortbestand der hiervon abweichenden Rechtslage und damit der Rechtsprechung des BFH vom 21.&nbsp;September 2006 konnte in der Zeit bis zum Erlass der Neuregelungen nicht entstehen (vgl. Nieders&auml;chsisches FG, Urteil vom 28.&nbsp;September 2010&nbsp;&nbsp;12&nbsp;K&nbsp;478\/08, 12&nbsp;K&nbsp;479\/08, EFG 2011, 533). Denn der Gesetzgeber hat bereits am 29.&nbsp;September 2006 angek&uuml;ndigt, dass er zur bisherigen Rechtslage zur&uuml;ckkehren werde, nach der eine Pflichtveranlagung zur Einkommensteuer bei Bezug von Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit nach &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG voraussetzt, dass der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin in dem jeweiligen Veranlagungszeitraum Eink&uuml;nfte aus anderen Einkunftsarten bezieht, deren positive Summe 410&nbsp;EUR bzw. 800&nbsp;DM &uuml;bersteigt (BRDrucks 622\/1\/06, S.&nbsp;21&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ob und inwieweit anderes f&uuml;r die Zeit nach dem Ergehen der Urteile des BFH in BFHE 215, 149, BStBl II 2007, 47 und in BFHE 215, 144, BStBl II 2007, 45 bis zum endg&uuml;ltigen Gesetzesbeschluss am 13.&nbsp;Dezember 2006 bzw. der Verk&uuml;ndung des JStG 2007 am 18.&nbsp;Dezember 2006 (BGBl I 2006, 2878) oder jedenfalls bis zur entsprechenden Gesetzesinitiative (BVerfG-Beschluss vom 10.&nbsp;Oktober 2012&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvL&nbsp;6\/07, Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2012, 2322, m.w.N.) &#8211;hier der Ver&ouml;ffentlichung der BRDrucks 622\/1\/06&#8211; gilt, kann vorliegend ebenfalls dahinstehen. Denn der Kl&auml;ger hat seine Einkommensteuererkl&auml;rungen f&uuml;r die Streitjahre erst am 28.&nbsp;Dezember 2009 abgegeben; etwaige im Vertrauen auf die erfolgte Rechtsprechungs&auml;nderung get&auml;tigte Dispositionen in der Zeit bis zum Erlass der Neuregelung stehen damit nicht zur Entscheidung. Im &Uuml;brigen genie&szlig;t die blo&szlig; allgemeine Erwartung, das geltende Recht werde zuk&uuml;nftig unver&auml;ndert fortbestehen, wenn &#8211;wie hier&#8211; keine besonderen Momente der Schutzw&uuml;rdigkeit hinzutreten, keinen besonderen verfassungsrechtlichen Schutz (vgl. BVerfG-Beschluss in DStR 2012, 2322, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Damit kommt vorliegend allein eine Veranlagung des Kl&auml;gers nach &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;8 EStG i.d.F. des JStG 2008 (EStG n.F.) vom 20.&nbsp;Dezember 2007 (BGBl I 2007, 3150, BStBl I 2008, 218) in Betracht. Danach wird eine Einkommensteuerveranlagung durchgef&uuml;hrt, wenn sie beantragt wird. Die &#8211;fr&uuml;here zus&auml;tzliche&#8211; Voraussetzung, dass der Antrag bis zum Ablauf des auf den Veranlagungszeitraum folgenden zweiten Kalenderjahres zu stellen war, ist entfallen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;8 EStG n.F. ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;55j Satz&nbsp;4 EStG i.d.F. des StVereinfG 2011 (fr&uuml;her &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;55j Satz&nbsp;2 EStG n.F.) erstmals f&uuml;r den Veranlagungszeitraum 2005 anzuwenden und in F&auml;llen, in denen am 28.&nbsp;Dezember 2007 &uuml;ber einen Antrag auf Veranlagung zur Einkommensteuer noch nicht bestandskr&auml;ftig entschieden ist. Letzteres trifft zu. Eine bestandskr&auml;ftige Ablehnung des Antrags des Kl&auml;gers auf Durchf&uuml;hrung der Einkommensteuerveranlagungen f&uuml;r die Streitjahre liegt nicht vor. Nach der Rechtsprechung des Senats ist es nicht erforderlich, dass der Antrag auf Veranlagung f&uuml;r Veranlagungszeitr&auml;ume vor 2005 bereits vor dem 28.&nbsp;Dezember 2007 bei den Finanzbeh&ouml;rden eingegangen ist (Senatsentscheidung vom 12.&nbsp;November 2009 VI&nbsp;R&nbsp;1\/09, BFHE 227, 97, BStBl II 2010, 406).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall steht der Veranlagung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;8 EStG n.F. i.V.m. &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;55j Satz&nbsp;4 EStG i.d.F. des StVereinfG 2011 jedoch der Eintritt der Festsetzungsverj&auml;hrung entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Festsetzungsfrist f&uuml;r die Einkommensteuer betr&auml;gt nach &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) vier Jahre. Sie beginnt mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist (&sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;1 AO). Die Einkommensteuer f&uuml;r 2002, 2003 und 2004 verj&auml;hrte demnach mit Ablauf der Jahre 2006, 2007 und 2008. Nach den Feststellungen des FG hat der Kl&auml;ger den erforderlichen Antrag durch Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rungen f&uuml;r die Streitjahre (erst) im Jahre 2009 beim FA gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Ablauf der Festsetzungsfrist war nach der neuen Rechtsprechung des BFH nicht nach &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO gehemmt. Zur Vermeidung von Wiederholungen wird zur Begr&uuml;ndung auf die Senatsentscheidung vom 14.&nbsp;April 2011 VI&nbsp;R&nbsp;53\/10 (BFHE 233, 311, BStBl II 2011, 746) verwiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach alldem war die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.1.2013, VI R 32\/12 R&uuml;ckwirkende Anwendung des &sect; 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG i.d.F. des JStG 2007 Leits&auml;tze 1. &sect; 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG i.d.F. des JStG 2007 ist auch auf Veranlagungszeitr&auml;ume vor 2006 anzuwenden.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 2. Die in &sect; 52 Abs. 55j Satz 1 EStG i.d.F. des StVereinfG 2011 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-32-12-rueckwirkende-anwendung-des-par-46-abs-2-nr-1-estg-idf-des-jstg-2007\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;32\/12 &#8211; R&uuml;ckwirkende Anwendung des &sect; 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG i.d.F. des JStG 2007<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-35185","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35185","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35185"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35185\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35185"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35185"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35185"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}