{"id":35197,"date":"2013-04-11T09:51:37","date_gmt":"2013-04-11T07:51:37","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=35197"},"modified":"2013-04-11T09:51:37","modified_gmt":"2013-04-11T07:51:37","slug":"ii-b-83-12-fehlende-urteilsgruende-is-des-par-119-nr-6-fgo-kraftfahrzeugsteuerliche-einordnung-von-pickup-fahrzeugen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-b-83-12-fehlende-urteilsgruende-is-des-par-119-nr-6-fgo-kraftfahrzeugsteuerliche-einordnung-von-pickup-fahrzeugen\/","title":{"rendered":"II&nbsp;B&nbsp;83\/12 &#8211; Fehlende Urteilsgr&uuml;nde i.S. des &sect; 119 Nr. 6 FGO &#8211; kraftfahrzeugsteuerliche Einordnung von Pickup-Fahrzeugen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 1.3.2013, II B 83\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Fehlende Urteilsgr&uuml;nde i.S. des &sect; 119 Nr. 6 FGO &#8211; kraftfahrzeugsteuerliche Einordnung von Pickup-Fahrzeugen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Zwischen den Beteiligten ist die Einstufung des Fahrzeugs der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) f&uuml;r Zwecke der Kraftfahrzeugsteuer streitig. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) behandelte das Fahrzeug vom Typ Ford Ranger Pickup, Extrakabiner, als LKW. Der dagegen eingelegte Einspruch blieb erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen des Klageverfahrens waren die Abmessungen des Fahrzeugs streitig. In der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem Finanzgericht (FG) wurde das Fahrzeug durch das Gericht vermessen. Das FG wies daraufhin die Klage als unbegr&uuml;ndet ab und folgte im Ergebnis der Rechtsansicht des FA.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Beschwerde begehrt die Kl&auml;gerin die Zulassung der Revision wegen des Vorliegens von Verfahrensm&auml;ngeln (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Ihrer Ansicht nach habe das FG gegen seine Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO) versto&szlig;en. Zudem seien die Urteilsgr&uuml;nde nicht nachvollziehbar, weil das FG in den Entscheidungsgr&uuml;nden von anderen Daten als im Tatbestand ausgehe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Nichtzulassungsbeschwerde ist zul&auml;ssig und begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung des Rechtsstreits an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Es liegt ein in der erforderlichen Form (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO) dargelegter Verfahrensmangel vor, auf dem die Entscheidung des FG beruhen kann (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein Urteil ist i.S. des &sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;6 FGO nicht mit Gr&uuml;nden versehen und deshalb verfahrensfehlerhaft, wenn den Beteiligten die M&ouml;glichkeit entzogen ist, die getroffene Entscheidung auf ihre Rechtm&auml;&szlig;igkeit hin zu &uuml;berpr&uuml;fen. Dies ist der Fall, wenn die Begr&uuml;ndung des Urteilsspruchs fehlt oder wenn die Entscheidungsgr&uuml;nde nur aus inhaltsleeren Floskeln bestehen oder missverst&auml;ndlich und verworren sind (Beschl&uuml;sse des Bundes-finanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 15.&nbsp;Dezember 2005 IX&nbsp;B&nbsp;98\/05, BFH\/NV 2006, 768; vom 26.&nbsp;Februar 2010 VIII&nbsp;B&nbsp;17\/08, BFH\/NV 2010, 1083; vom 1.&nbsp;Februar 2012 VI&nbsp;B&nbsp;71\/11, BFH\/NV 2012, 767; vom 10.&nbsp;Mai 2012 X&nbsp;B&nbsp;71\/11, BFH\/NV 2012, 1461). Dasselbe gilt, wenn die Urteilsbegr&uuml;ndung widerspr&uuml;chlich und unverst&auml;ndlich ist, so dass f&uuml;r die Beteiligten nicht mehr erkennbar ist, welche &Uuml;berlegungen f&uuml;r die Entscheidung ma&szlig;gebend waren (Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;119 Rz&nbsp;23; Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;119 FGO Rz&nbsp;80).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall lassen sich aus den Entscheidungsgr&uuml;nden des angefochtenen Urteils die Gr&uuml;nde, die f&uuml;r die Entscheidung ma&szlig;gebend waren, nicht entnehmen. Dies folgt zum einen daraus, dass in den Urteilsgr&uuml;nden andere Abmessungen des Fahrzeugs zugrunde gelegt werden, als im Tatbestand festgestellt. Entscheidend ist jedoch, dass die Ausf&uuml;hrungen auf Seite 5 das Ergebnis der Subsumtion nicht tragen. Nach Ansicht des FG ist das Fahrzeug als PKW einzustufen. Zur Begr&uuml;ndung folgen zun&auml;chst Ausf&uuml;hrungen dazu, dass das Fahrzeug mit seinem zul&auml;ssigen Gesamtgewicht und seiner Nutzlast auch als LKW eingestuft werden k&ouml;nnte. Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung kommt das FG dann zu dem Schluss, das Fahrzeug sei als LKW einzuordnen und begr&uuml;ndet dies mit der wesentlich gr&ouml;&szlig;eren Ladefl&auml;che im Verh&auml;ltnis zur Fl&auml;che des Fahrgastraums, wobei andere Zahlen zugrunde gelegt werden als diejenigen, die im Tatbestand im Anschluss an die Feststellungen in der m&uuml;ndlichen Verhandlung im Protokoll festgehalten wurden. Das ist erkennbar widerspr&uuml;chlich, worauf die Kl&auml;gerin in der Beschwerde zutreffend hinweist. Die Urteilsgr&uuml;nde lassen nicht erkennen, worauf die Einstufung des Fahrzeugs als PKW durch das FG letztlich beruht. Die Widerspr&uuml;che in den Entscheidungsgr&uuml;nden wiegen umso mehr, als das Verh&auml;ltnis zwischen Ladefl&auml;che und f&uuml;r die Personenbef&ouml;rderung vorgesehener Fl&auml;che im Rahmen der Gesamtbetrachtung aller Umst&auml;nde, die zu einer Einstufung eines Fahrzeugs als PKW oder LKW f&uuml;hren, bei Pickup-Fahrzeugen von besonderer Bedeutung ist (vgl. BFH-Urteil vom 29.&nbsp;August 2012 II&nbsp;R&nbsp;7\/11, BStBl II 2013, 93).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im Interesse eines m&ouml;glichst raschen Abschlusses des Rechtsstreits weist der Senat &#8211;allerdings ohne Bindungswirkung f&uuml;r den zweiten Rechtsgang&#8211; auf Folgendes hin:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei Pickup-Fahrzeugen kommt nach st&auml;ndiger Rechtsprechung neben den anderen technischen Merkmalen der Gr&ouml;&szlig;e der Ladefl&auml;che eine besondere, wenn auch nicht allein ausschlaggebende Bedeutung zu. Die Gr&ouml;&szlig;e der Ladefl&auml;che l&auml;sst n&auml;mlich den Schluss zu, ob die M&ouml;glichkeit einer Nutzung des Fahrzeugs zur Lastenbef&ouml;rderung gegen&uuml;ber seiner Eignung zur Personenbef&ouml;rderung Vorrang hat. Im Interesse praktikabler Zuordnungsma&szlig;st&auml;be und der um der Rechtssicherheit willen geforderten Vorhersehbarkeit kraftfahrzeugsteuerrechtlicher Zuordnungen hat die Rechtsprechung es f&uuml;r gerechtfertigt erachtet, typisierend davon auszugehen, dass Fahrzeuge nicht vorwiegend der Lastenbef&ouml;rderung zu dienen geeignet und bestimmt sind, wenn ihre Ladefl&auml;che oder ihr Laderaum nicht mehr als die H&auml;lfte der gesamten Nutzfl&auml;che ausmacht (BFH-Urteil vom 1.&nbsp;August 2000 VII&nbsp;R&nbsp;26\/99, BFHE 194, 257, BStBl II 2001, 72; BFH-Beschl&uuml;sse vom 7.&nbsp;November 2006 VII&nbsp;B&nbsp;79\/06, BFH\/NV 2007, 778; vom 26.&nbsp;Oktober 2006 VII&nbsp;B&nbsp;125\/06, BFH\/NV 2007, 767; vom 10.&nbsp;Februar 2010 II&nbsp;B&nbsp;96\/09, BFH\/NV 2010, 952).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Rechtsprechung f&uuml;hrt jedoch nicht dazu, dass in den F&auml;llen, in denen die Ladefl&auml;che gr&ouml;&szlig;er als die f&uuml;r die Personenbef&ouml;rderung vorgesehene Fl&auml;che ist, umgekehrt typisierend von der Eigenschaft des Fahrzeugs als LKW auszugehen ist (BFH-Urteil in BStBl II 2013, 93). In diesen F&auml;llen erfolgt die Abgrenzung vielmehr nach den allgemeinen Kriterien. Dabei ist die Gr&ouml;&szlig;e der Ladefl&auml;che und ihr Verh&auml;ltnis zur Fl&auml;che f&uuml;r die Personenbef&ouml;rderung nur ein Gesichtspunkt im Rahmen der Gesamtabw&auml;gung, dem allerdings umso gr&ouml;&szlig;ere Bedeutung zukommt, je deutlicher die Ladefl&auml;che die Fl&auml;che f&uuml;r die Personenbef&ouml;rderung &uuml;berwiegt. &Uuml;berwiegt die Ladefl&auml;che die zur Personenbef&ouml;rderung indes nur unwesentlich, spricht dies eher daf&uuml;r, dass das Fahrzeug nicht vorwiegend der Lastenbef&ouml;rderung zu dienen geeignet und bestimmt ist. In die Berechnung der Ladefl&auml;che sind alle Fl&auml;chen einzubeziehen, die geeignet sind, eine Ladung zu transportieren. Dazu geh&ouml;ren regelm&auml;&szlig;ig auch Ausbeulungen in den Laderaum, z.B. f&uuml;r Radk&auml;sten, die aufgrund ihres Abstandes zum oberen Rand der Ladekante und bei gegebener Belastbarkeit noch als Ladefl&auml;che (z.B. f&uuml;r Sch&uuml;ttgut oder f&uuml;r flache Gegenst&auml;nde) genutzt werden k&ouml;nnen (BFH-Urteil in BStBl II 2013, 93).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 1.3.2013, II B 83\/12 Fehlende Urteilsgr&uuml;nde i.S. des &sect; 119 Nr. 6 FGO &#8211; kraftfahrzeugsteuerliche Einordnung von Pickup-Fahrzeugen Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Zwischen den Beteiligten ist die Einstufung des Fahrzeugs der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) f&uuml;r Zwecke der Kraftfahrzeugsteuer streitig. 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