{"id":35592,"date":"1987-08-12T16:44:02","date_gmt":"1987-08-12T14:44:02","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=35592"},"modified":"2013-06-01T04:42:44","modified_gmt":"2013-06-01T02:42:44","slug":"bfh-urteil-vom-12-8-1987-ii-r-202_84-bstbl-1988-ii-s-318","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-12-8-1987-ii-r-202_84-bstbl-1988-ii-s-318\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 12.8.1987 (II R 202\/84) BStBl. 1988 II S. 318"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 12.8.1987 (II R 202\/84) BStBl. 1988 II S. 318<\/strong><\/p>\n<p>Soweit und solange in offener Feststellungsfrist ein Feststellungsbescheid, der f\u00fcr die Festsetzung einer Steuer bindend ist, noch zul\u00e4ssig ergehen kann, ist der Ablauf der Festsetzungsfrist f\u00fcr die Folgesteuer im Ausma\u00df der Bindung dieses Grundlagenbescheids gehemmt und wird diese Hemmung durch \u00a7 171 Abs. 10 AO 1977 auf die Frist von einem Jahr nach Bekanntgabe des Grundlagenbescheids ausgedehnt.<\/p>\n<p>AO 1977 \u00a7 169 Abs. 1 Satz 1, \u00a7 171 Abs. 10, \u00a7\u00a7 181, 182 Abs. 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: Schleswig-Holsteinisches FG (EFG 1985, 7)<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Rahmen der Einheitsbewertung des Betriebsverm\u00f6gens erlie\u00df das Finanzamt (FA) am 25. Januar 1980 einen Wertfortschreibungsbescheid auf den 1. Januar 1978. Dabei setzte es die dem gewerblichen Betrieb dienenden Grundst\u00fccke entsprechend der von der Kl\u00e4gerin am 23. November 1979 eingereichten Verm\u00f6gensaufstellung auf den 1. Januar 1978 einschlie\u00dflich eines Zuschlags von 40 v.H. mit 655.480 DM an. Der Einheitswert des Betriebsverm\u00f6gens betrug danach 936.000 DM. Die Wertfortschreibung f\u00fchrte zu einer Neuveranlagung der Verm\u00f6gensteuer auf den 1. Januar 1978. Unter Zugrundelegung der Angaben der von der Kl\u00e4gerin ebenfalls am 23. November 1978 eingereichten Verm\u00f6gensteuererkl\u00e4rung auf den 1. Januar 1978 bei einem Ansatz des Betriebsverm\u00f6gens von 936.000 DM betrug die im Bescheid vom 1. Februar 1980 festgesetzte Jahressteuerschuld 6.552 DM.<\/p>\n<p>Am 17. Dezember 1982 ging beim FA eine Einheitswertmitteilung des FA Bad Segeberg \u00fcber ein der Kl\u00e4gerin geh\u00f6rendes Gesch\u00e4ftsgrundst\u00fcck ein, das bisher nicht bewertet worden war. Danach war der Einheitswert f\u00fcr dieses Betriebsgrundst\u00fcck durch Nachfeststellungsbescheid auf den 1. Januar 1978 auf 102.000 DM festgestellt worden. Da dieses Grundst\u00fcck in der Verm\u00f6gensaufstellung auf den 1. Januar 1978 nicht erkl\u00e4rt und bei der Einheitsbewertung des Betriebsverm\u00f6gens nicht erfa\u00dft worden war, \u00e4nderte das FA den Einheitswert des Betriebsverm\u00f6gens auf den 1. Januar 1978 gem\u00e4\u00df \u00a7 175 Abs. 1 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO 1977) und stellte den Einheitswert des Betriebsverm\u00f6gens unter Einbeziehung dieses Betriebsgrundst\u00fccks mit 140 v.H. des festgestellten Einheitswerts durch Bescheid vom 9. Mai 1983 auf 1.079.000 DM fest. Aufgrund dieses ge\u00e4nderten Bescheides erlie\u00df das beklagte FA am 3. August 1983 einen nach \u00a7 175 Abs. 1 Nr. 1 AO 1977 ge\u00e4nderten Verm\u00f6gensteuerbescheid auf den 1. Januar 1978 und setzte die Jahressteuerschuld auf 7.553 DM fest.<\/p>\n<p>Die nach erfolgloser Durchf\u00fchrung des Einspruchsverfahrens erhobene Klage, mit der die Aufhebung des ge\u00e4nderten Verm\u00f6gensteuerbescheids vom 3. August 1983 begehrt wird, hat das Finanzgericht (FG) abgewiesen.<\/p>\n<p>Mit der vom FG zugelassenen Revision verfolgt die Kl\u00e4gerin ihr Klagebegehren weiter. Sie r\u00fcgt Verletzung von \u00a7 169 Abs. 1 Satz 1, \u00a7 171 Abs. 10 AO 1977. Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrt sie aus, begrifflich k\u00f6nne eine Hemmung der Festsetzungsfrist nur eintreten, wenn die Festsetzungsfrist noch nicht abgelaufen w\u00e4re.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin ist unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Nach \u00a7 169 Abs. 1 Satz 1 AO 1977 ist u.a. die \u00c4nderung einer Steuerfestsetzung nicht mehr zul\u00e4ssig, wenn die Festsetzungsfrist abgelaufen ist. Zutreffend ist die Vorinstanz davon ausgegangen, da\u00df die Festsetzungsfrist f\u00fcr die Verm\u00f6gensteuer auf den 1. Januar 1978, weil die Verm\u00f6gensteuererkl\u00e4rung noch im Jahr 1978 abgegeben worden war, am 31. Dezember 1982 abgelaufen w\u00e4re (\u00a7 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 i.V.m. \u00a7 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO 1977). Sie ist weiter zutreffend davon ausgegangen, da\u00df die Festsetzungsfrist in bezug auf die vorgenommene \u00c4nderung in ihrem Ablauf nach \u00a7 171 Abs. 10 AO 1977 gehemmt und die Feststellungsfrist f\u00fcr die Feststellung des Einheitswerts des gewerblichen Betriebs beim Erla\u00df des \u00c4nderungsbescheids vom 9. Mai 1983 (wie unter den Beteiligten unstreitig) noch nicht abgelaufen war.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df \u00a7 171 Abs. 10 AO 1977 endet die Festsetzungsfrist, soweit f\u00fcr die Festsetzung einer Steuer ein Feststellungsbescheid als Grundlagenbescheid bindend ist, nicht vor Ablauf eines Jahres nach Bekanntgabe des Grundlagenbescheids. Zweck dieser Regelung ist es, den Finanzbeh\u00f6rden ausreichend Zeit f\u00fcr die Auswertung eines Grundlagenbescheids einzur\u00e4umen. \u00a7 171 Abs. 10 AO 1977 ist somit die verj\u00e4hrungsrechtliche Erg\u00e4nzung zu \u00a7 175 Abs. 1 Nr. 1 AO 1977, wonach ein Steuerbescheid zu erlassen, aufzuheben oder zu \u00e4ndern ist, soweit ein Grundlagenbescheid, dem Bindungswirkung f\u00fcr diesen Steuerbescheid zukommt, erlassen, aufgehoben oder ge\u00e4ndert wird.<\/p>\n<p>\u00a7 171 Abs. 10 AO 1977 bewirkt, da\u00df &#8211; unbeschadet des Ablaufs der Festsetzungsfrist f\u00fcr die Folgesteuer im \u00fcbrigen &#8211; der Ablauf der Festsetzungsfrist insoweit gehemmt ist, als die Folgesteuer auf einem Grundlagenbescheid beruht oder beruhen kann. Daraus folgt, da\u00df der Ablauf der Festsetzungsfrist f\u00fcr die Folgesteuer insoweit verkn\u00fcpft ist mit der Feststellungsfrist (vgl. \u00a7 181 Abs. 1 bis 3 AO 1977), die ihrerseits f\u00fcr die Zul\u00e4ssigkeit des Erlasses des Grundlagenbescheids (\u00a7 169 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. \u00a7 181 Abs. 1 AO 1977) ma\u00dfgeblich ist. \u00a7 171 Abs. 10 AO 1977 bewirkt folglich nicht, wie das FG meint, da\u00df eine zun\u00e4chst abgelaufene Festsetzungsfrist durch den Erla\u00df eines Grundlagenbescheids im Umfang der von diesem ausgehenden Bindungswirkung wieder erneut in Lauf gesetzt wird. Soweit und solange in offener Feststellungsfrist ein Feststellungsbescheid, der f\u00fcr die Festsetzung einer Steuer bindend ist, noch zul\u00e4ssig ergehen kann, ist der Ablauf der Festsetzungsfrist f\u00fcr die Folgesteuer im Ausma\u00df der Bindung dieses Grundlagenbescheids gehemmt und wird diese Hemmung durch \u00a7 171 Abs. 10 AO 1977 auf die Frist von einem Jahr nach Bekanntgabe des Grundlagenbescheids ausgedehnt.<\/p>\n<p>Die Ablaufhemmung bezieht sich dabei nur auf diejenige Steuer (denjenigen Steuerbetrag oder -teilbetrag), f\u00fcr die die Besteuerungsgrundlagen abweichend von \u00a7 157 Abs. 2 AO 1977 im Feststellungsbescheid verbindlich (\u00a7 182 Abs. 1 AO 1977) gesondert festgestellt sind. Die Begrenzung der Ablaufhemmung folgt aus der in \u00a7 171 Abs. 10 AO 1977 durch das Wort &#8222;soweit&#8220; enthaltenen Einschr\u00e4nkung. \u00a7 181 Abs. 5 AO 1977 hat dabei au\u00dfer Betracht zu bleiben (vgl. \u00a7 181 Abs. 5 Satz 1 letzter Halbsatz AO 1977).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 12.8.1987 (II R 202\/84) BStBl. 1988 II S. 318 Soweit und solange in offener Feststellungsfrist ein Feststellungsbescheid, der f\u00fcr die Festsetzung einer Steuer bindend ist, noch zul\u00e4ssig ergehen kann, ist der Ablauf der Festsetzungsfrist f\u00fcr die Folgesteuer im Ausma\u00df der Bindung dieses Grundlagenbescheids gehemmt und wird diese Hemmung durch \u00a7 171 Abs. 10 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-12-8-1987-ii-r-202_84-bstbl-1988-ii-s-318\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 12.8.1987 (II R 202\/84) BStBl. 1988 II S. 318<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-35592","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35592","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35592"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35592\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35592"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35592"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35592"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}