{"id":35610,"date":"1988-01-20T16:36:53","date_gmt":"1988-01-20T14:36:53","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=35610"},"modified":"2013-06-02T11:53:20","modified_gmt":"2013-06-02T09:53:20","slug":"bfh-urteil-vom-20-1-1988-i-r-146_85-bstbl-1988-ii-s-372","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-20-1-1988-i-r-146_85-bstbl-1988-ii-s-372\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 20.1.1988 (I R 146\/85) BStBl. 1988 II S. 372"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 20.1.1988 (I R 146\/85) BStBl. 1988 II S. 372<\/strong><\/p>\n<p>Langfristige Kapitalforderungen sind nur dann nach \u00a7 12 Abs. 1 2. Halbsatz BewG wegen Unverzinslichkeit unter dem Nennwert zu bewerten, wenn auch die Unverzinslichkeit langfristig besteht.<\/p>\n<p>KVStG \u00a7 8 Nr. 1a; BewG \u00a7 12 Abs. 1 2. Halbsatz.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Baden-W\u00fcrttemberg<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Im Rechtsstreit, der sich im zweiten Rechtsgang befindet, ist die Bewertung einer Darlehensforderung f\u00fcr Zwecke der Gesellschaftsteuer streitig.<\/p>\n<p>1. Das Stammkapital der Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) wurde durch Gesellschafterbeschlu\u00df vom 27. Juli 1972 um 120 Mio DM erh\u00f6ht. Die Kapitalerh\u00f6hung wurde am 22. September 1972 ins Handelsregister eingetragen. Die Stammeinlage wurde von der Hauptgesellschafterin, einer ausl\u00e4ndischen Kapitalgesellschaft (M), \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Diese leistete die Einlage wie folgt:<\/p>\n<p>a) Die M verzichtete auf einen Teilbetrag in H\u00f6he von 151.932.207 DM ihrer damals insgesamt rund 350 Mio DM betragenden Darlehensforderung gegen die Kl\u00e4gerin. &#8222;Dieser Forderungsverzicht (wurde) zum Geldwert von 100 Mio DM &#8230; angenommen.&#8220; Der \u00fcberschie\u00dfende Betrag von 51.932.207 DM wurde als Aufgeld in die freie R\u00fccklage der Kl\u00e4gerin eingestellt.<\/p>\n<p>b) Die M brachte die ihr geh\u00f6renden Gesch\u00e4ftsanteile an der T-GmbH im Nominalbetrag von 2 Mio DM in die Kl\u00e4gerin ein. Diese Anteile im Wert von 30 Mio DM wurden &#8222;zum Geldwert von 20 Mio DM &#8230; angenommen&#8220;. Die \u00fcberschie\u00dfenden 10 Mio DM wurden ebenfalls als Aufgeld in die freie R\u00fccklage der Kl\u00e4gerin eingestellt.<\/p>\n<p>2. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) setzte mit Steuerbescheid vom 2. Januar 1975 Gesellschaftsteuer in H\u00f6he von 2.578.644,10 DM fest und bezog sich dabei auf \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 1 des Kapitalverkehrsteuergesetzes (KVStG) 1972.<\/p>\n<p>Das FA errechnete die Steuer wie folgt:<\/p>\n<table width=\"454\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"55%\">Gegenleistung<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"45%\">\n<p align=\"right\">181.932.207,00 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"55%\">\u00a0<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"45%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"55%\">.\/. steuerfrei nach \u00a7 29<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"45%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"55%\">des Umwandlungs-<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"45%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"55%\">steuergesetzes (UmwStG)<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"45%\">\n<p align=\"right\">30.000.000,00 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"55%\">\u00a0<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"45%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"55%\">.\/. bereits versteuerte<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"45%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"55%\">Darlehen<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"45%\">\n<p align=\"right\">23.000.000,00 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"55%\">\u00a0<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"45%\">\n<p align=\"right\">&#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211;<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"55%\">Berechnungsgrundlage<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"45%\">\n<p align=\"right\">128.932.207,00 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"55%\">\u00a0<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"45%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"55%\">davon 2%<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"45%\">\n<p align=\"right\">2.578.644,10 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"55%\">\u00a0<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"45%\">\n<p align=\"right\">= = = = = = = = = = = =<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die nach erfolglosem Einspruchsverfahren von der Kl\u00e4gerin erhobene Klage blieb erfolglos.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) hielt eine Bewertung der eingebrachten Darlehensforderung unter dem Nennwert f\u00fcr nicht gerechtfertigt. Es sah die eingebrachte Darlehensforderung als kurzfristig an, da die M in einem Schreiben vom 20. September 1971 &#8211; ca. zehn Monate vor der Kapitalerh\u00f6hung &#8211; die Verwendung der Kapitalforderung zur Kapitalerh\u00f6hung angek\u00fcndigt hatte.<\/p>\n<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hob im ersten Rechtsgang das Urteil des FG auf und verwies die Sache an das FG zur\u00fcck, da der Wortlaut des Schreibens vom 20. September 1971 nicht festgestellt war.<\/p>\n<p>3. Im zweiten Rechtsgang traf das FG folgende Feststellungen zu den Darlehensbedingungen:<\/p>\n<p>Das eingebrachte Darlehen beruhte auf dem Darlehensvertrag vom 19. September 1968, in dem folgende Klausel enthalten ist:<\/p>\n<p>&#8222;3. Durch schriftliche K\u00fcndigung von nicht weniger als 6 Monaten kann die M jederzeit die R\u00fcckzahlung aller oder eines Teilbetrages der Darlehen fordern &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Der Darlehensstand betrug bei Inkrafttreten dieses Vertrages am 1. Oktober 1967 bereits 100.457.000 DM und am 30. September 1970 151.932.207 DM. Der Darlehensstand am 30. September 1970 entsprach somit dem Betrag, der f\u00fcr die im September 1972 im Handelsregister eingetragene Kapitalerh\u00f6hung verwendet wurde.<\/p>\n<p>Am 9. September 1971 trafen die Kl\u00e4gerin und M zu diesem Darlehensteil eine Vereinbarung, die durch Schreiben der M vom 20. September 1971 &#8211; \u00fcbersetzt &#8211; wie folgt best\u00e4tigt wurde:<\/p>\n<p>&#8222;&#8230;<\/p>\n<p>M wird das Stammkapital der Kl\u00e4gerin um 100 Mio DM erh\u00f6hen und gegen \u00dcbernahme der neuen Anteile die bis zum 30.9.1970 gew\u00e4hrten Darlehen von insgesamt 151.932.207, &#8211; DM einbringen. Die neuen Anteile werden somit mit einem Agio von 51.932.207, &#8211; DM ausgegeben werden. Au\u00dferdem verzichtet M auf die ihr f\u00fcr diese Darlehen zustehende Forderung auf Zinsen f\u00fcr die Zeit nach dem 1.10.1970.<\/p>\n<p>Die vorstehenden Transaktionen sollen als per 30. Sept. 1971 durchgef\u00fchrt behandelt werden &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Weitere vom FG festgestellte Schreiben der M an die Kl\u00e4gerin beziehen sich nach \u00fcbereinstimmenden Erkl\u00e4rungen der Beteiligten und nach Auffassung des FG nur auf Darlehensbetr\u00e4ge, die nach dem 30. September 1970 gew\u00e4hrt wurden, also nicht auf den zur Kapitalerh\u00f6hung verwendeten Darlehensbetrag.<\/p>\n<p>Das FG wies die Klage auch im zweiten Rechtsgang ab.<\/p>\n<p>Es f\u00fchrte aus:<\/p>\n<p>Die Darlehen seien zu Recht zum Nennbetrag bewertet worden, da sie nicht befristet und jederzeit k\u00fcndbar gewesen seien (\u00a7 12 des Bewertungsgesetzes &#8211; BewG -). Selbst wenn man nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten davon ausgehen m\u00fcsse, da\u00df die Kl\u00e4gerin wegen ihres Investitionsaufwandes zur jederzeitigen R\u00fcckzahlung gar nicht in der Lage war, sei u.a. aus dem Schreiben M vom 20. September 1971 zu entnehmen, da\u00df baldige R\u00fcckzahlung der Darlehen erwartet werde.<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgt die Kl\u00e4gerin Verletzung des \u00a7 12 BewG.<\/p>\n<p>Die zur Kapitalerh\u00f6hung verwendete Darlehensforderung sei ab 1. Oktober 1970 unverzinslich gewesen. Diese Zinslosigkeit habe auch zur Zeit des Kapitalerh\u00f6hungsbeschlusses vom 27. Juli 1972 bestanden. Die Forderung sei auch langfristig gewesen. Das Darlehen habe der Finanzierung umfangreicher Investitionen im Werk X gedient. Aus der Zweckbestimmung ergebe sich bei wirtschaftlicher Betrachtung die Langfristigkeit der Darlehensgew\u00e4hrung. Daf\u00fcr spreche auch die sp\u00e4tere Umwandlung ins Stammkapital. Auch das FA habe den Darlehensbetrag urspr\u00fcnglich als verdecktes Stammkapital angesehen.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin beantragt, das Urteil des FG aufzuheben und die Gesellschaftsteuer auf der Grundlage einer um 24.849.105 DM erm\u00e4\u00dfigten Bemessungsgrundlage neu festzusetzen.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen, hilfsweise bei der Kostenentscheidung zu ber\u00fccksichtigen, da\u00df die Kl\u00e4gerin in der m\u00fcndlichen Verhandlung vor dem FG ihren Klageantrag beschr\u00e4nkt habe.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und war deshalb zur\u00fcckzuweisen (\u00a7 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<\/p>\n<p>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 1 KVStG 1972 unterliegt der Ersterwerb von Gesellschaftsrechten an einer inl\u00e4ndischen Kapitalgesellschaft der Gesellschaftsteuer.<\/p>\n<p>Der Ersterwerb der Gesellschaftsrechte aus der am 22. September 1972 im Handelsregister eingetragenen Kapitalerh\u00f6hung um 120 Mio DM unterlag der Gesellschaftsteuer nach \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 1 KVStG 1972. Die neuen Gesellschaftsrechte sind mit der Eintragung der Kapitalerh\u00f6hung im Handelsregister entstanden. Damit war der Tatbestand des Ersterwerbs von Gesellschaftsrechten verwirklicht.<\/p>\n<p>Der Tatbestand des \u00a7 2 Abs. 2 Nr. 2 KVStG 1972 war nicht erf\u00fcllt. \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 2 KVStG 1972 erfa\u00dft als Besteuerungstatbest\u00e4nde Leistungen, die erst nach Entstehung neuer Gesellschaftsrechte von einem Gesellschafter erbracht werden und im gesellschaftsteuerrechtlichen Sinn nicht mehr Gegenleistung f\u00fcr den Ersterwerb der Gesellschaftsrechte sind (vgl. Urteile des BFH vom 2. Februar 1972 II R 10\/67, BFHE 105, 290, BStBl II 1972, 578; vom 24. Juli 1972 II R 69\/71, BFHE 107, 58, BStBl II 1972, 907, und vom 22. Juli 1987 I R 74\/85, BFHE 150, 447, BStBl II 1987, 823). Der Verzicht der Gesellschafterin auf ihre Darlehensforderung als Gegenleistung f\u00fcr den Ersterwerb der Gesellschaftsrechte war jedoch bis zur Eintragung im Handelsregister bereits erbracht worden.<\/p>\n<p>2. Die Gesellschaftsteuer war vom Nennwert der als Gegenleistung eingebrachten Darlehensforderungen zu berechnen.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df \u00a7 8 Nr. 1 a KVStG 1972 ist die Steuer vom Wert der Gegenleistung zu berechnen. F\u00fcr die Bewertung sind die Vorschriften des BewG 1965 ma\u00dfgebend (\u00a7 1 Abs. 1 und Abs. 2 BewG). Gem\u00e4\u00df \u00a7 12 Abs. 1 BewG sind Kapitalforderungen grunds\u00e4tzlich mit dem Nennwert anzusetzen.<\/p>\n<p>Das FG hat zu Recht die Voraussetzungen der von diesem Grundsatz bestehenden Ausnahmen verneint.<\/p>\n<p>a) Die Voraussetzungen einer Bewertung unter dem Nennwert nach \u00a7 12 Abs. 3 BewG 1965 waren nicht gegeben. Nach \u00a7 12 Abs. 3 BewG 1965 sind unverzinsliche Forderungen oder Schulden, deren Laufzeit mehr als ein Jahr betr\u00e4gt und die zu einem bestimmten Zeitpunkt f\u00e4llig sind, mit einem abgezinsten Wert anzusetzen. Die Darlehensforderung der M war weder nach dem Darlehensvertrag vom 19. September 1968 noch nach der Zusatzvereinbarung vom 20. September 1971 zu einem bestimmten Zeitpunkt f\u00e4llig. Die im Schreiben in Aussicht genommene Verwendung der Darlehensforderung f\u00fcr eine &#8211; zeitlich nicht feststehende &#8211; Kapitalerh\u00f6hung ist keine Befristung.<\/p>\n<p>b) Auch die Voraussetzungen einer Bewertung unter dem Nennwert gem\u00e4\u00df \u00a7 12 Abs. 1 2. Halbsatz BewG 1965 liegen nicht vor.<\/p>\n<p>Nach dieser Vorschrift k\u00f6nnen besondere Umst\u00e4nde einen unter dem Nennwert liegenden Wert begr\u00fcnden. Derartige Umst\u00e4nde k\u00f6nnen in einer niedrigen Verzinsung oder Zinslosigkeit in Verbindung mit l\u00e4ngerer Unk\u00fcndbarkeit liegen (vgl. BFH-Urteile vom 22. Februar 1974 III R 5\/73, BFHE 111, 534, BStBl II 1974, 330; vom 17. Oktober 1980 III R 52\/79, BFHE 132, 298, BStBl II 1981, 247; vom 9. Juli 1982 III R 15\/79, BFHE 136, 299, BStBl II 1982, 639).<\/p>\n<p>Eine l\u00e4ngere Unk\u00fcndbarkeit liegt nicht vor, da das Darlehen nach dem Darlehensvertrag vom 19. September 1968 innerhalb von sechs Monaten schriftlich gek\u00fcndigt werden konnte. Diese K\u00fcndigungsklausel ist durch das Schreiben vom 20. September 1971 nicht ge\u00e4ndert worden, da es lediglich die geplante Verwendung des Darlehens zur Kapitalerh\u00f6hung und die Zinslosigkeit ab 1. Oktober 1970 best\u00e4tigte. Zwar kann trotz formell kurzfristiger K\u00fcndigungsm\u00f6glichkeit eine langfristige Forderung vorliegen, wenn sich aus den tats\u00e4chlichen Umst\u00e4nden eine lange Laufzeit ergibt (vgl. BFH-Urteil vom 10. Februar 1982 II R 3\/80, BFHE 135, 214, BStBl II 1982, 351). Im Streitfall kann jedoch dahingestellt bleiben, ob die Darlehensforderung nach den Gesamtumst\u00e4nden als langfristige Forderung anzusehen war. Selbst bei Bejahung der Langfristigkeit m\u00fc\u00dfte die Bewertung zum Nennwert erfolgen, da die Zinslosigkeit nur kurzfristig bestand. Eine Bewertung unter dem Nennwert ist nur dann gerechtfertigt, wenn nicht nur die Forderung, sondern auch der besondere Umstand der Zinslosigkeit langfristig bestehen (vgl. Urteil in BFHE 135, 214, BStBl II 1982, 351). Die Forderung mu\u00df f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit Bedingungen aufweisen, die vom Normalfall abweichen. Dabei ist nicht die Langfristigkeit einer Forderung als solche ein derartiger, Sonderbewertungen rechtfertigender Umstand, sondern eine langfristige Zinslosigkeit oder eine langfristige niedrige Verzinsung.<\/p>\n<p>Der Begriff der Langfristigkeit ist von der h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung, der sich der erkennende Senat anschlie\u00dft, als ein mindestens vierj\u00e4hriger Zeitraum ausgelegt worden (vgl. BFH-Urteile vom 7. Mai 1971 III R 7\/69, BFHE 102, 407, BStBl II 1971, 642, und in BFHE 135, 214, BStBl II 1982, 351).<\/p>\n<p>Im Streitfall ist durch die mit Schreiben vom 20. September 1971 best\u00e4tigte Vereinbarung vom 9. September 1971 Zinslosigkeit erst ab 1. Oktober 1970 gew\u00e4hrt worden. Diese Zinslosigkeit bestand m\u00f6glicherweise nur bis zum 30. September 1971, da an diesem Tage die &#8222;Transaktionen&#8220; nach der Vereinbarung vom 9. September 1971 &#8222;als durchgef\u00fchrt behandelt werden sollten&#8220;. Es ist m\u00f6glich, da\u00df das Darlehen nach dieser Vereinbarung schon am 30. September 1971 erl\u00f6schen sollte. L\u00e4ngstens bestand die Darlehensforderung und damit die Zinslosigkeit jedoch vom 1. Oktober 1970 bis zur Eintragung der Kapitalerh\u00f6hung am 22. September 1972, denn sp\u00e4testens an diesem Tage ist die Darlehensforderung erloschen. Insgesamt war die Darlehensforderung somit nur 12 Monate bis l\u00e4ngstens knapp 24 Monate zinslos. Dieser Zeitraum ist noch als kurzfristig anzusehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 20.1.1988 (I R 146\/85) BStBl. 1988 II S. 372 Langfristige Kapitalforderungen sind nur dann nach \u00a7 12 Abs. 1 2. Halbsatz BewG wegen Unverzinslichkeit unter dem Nennwert zu bewerten, wenn auch die Unverzinslichkeit langfristig besteht. KVStG \u00a7 8 Nr. 1a; BewG \u00a7 12 Abs. 1 2. Halbsatz. 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