{"id":35649,"date":"1988-01-20T16:36:56","date_gmt":"1988-01-20T14:36:56","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=35649"},"modified":"2013-06-02T11:33:16","modified_gmt":"2013-06-02T09:33:16","slug":"bfh-urteil-vom-20-1-1988-i-r-395_83-bstbl-1988-ii-s-453","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-20-1-1988-i-r-395_83-bstbl-1988-ii-s-453\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 20.1.1988 (I R 395\/83) BStBl. 1988 II S. 453"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 20.1.1988 (I R 395\/83) BStBl. 1988 II S. 453<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcberl\u00e4\u00dft der Gesellschafter einer GmbH &amp; Co. KG der Gesellschaft eine Sache &#8222;quoad sortem&#8220;, so besteht die ggf. gesellschaftsteuerpflichtige Leistung nur in der (einmaligen) Einbringung der Sache dem Werte nach, nicht jedoch au\u00dferdem in deren dauernden Nutzungs\u00fcberlassung.<\/p>\n<p>KVStG 1972 \u00a7 2 Abs. 1 Nrn. 1 und 4 Buchst. b, c, \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3, \u00a7 8 Nr. 1 Buchst. b.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG D\u00fcsseldorf<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) ist eine GmbH &amp; Co. KG, an der eine GmbH als Komplement\u00e4rin und D als Kommanditist beteiligt sind. In \u00a7 7 des Gesellschaftsvertrages der Kl\u00e4gerin ist folgendes vereinbart:<\/p>\n<p>&#8222;Der in den Bilanzen der &#8230; (Kl\u00e4gerin) als notwendiges Betriebsverm\u00f6gen auf der Aktivseite ausgewiesene, dem Unternehmen gewidmete Grundbesitz steht im Bruchteilseigentum der Gesellschafter &#8230; Dieser Grundbesitz ist von jedem Gesellschafter zu seinem Bruchteil &#8217;nur zur Benutzung und dem Werte nach&#8216; eingebracht, bleibt indes Eigentum jedes Gesellschafters. Die \u00dcbertragung des Eigentums auf die Gesellschaft selbst als Gesamtheit der Gesellschafter kann weder w\u00e4hrend des Bestehens der Gesellschaft noch nach ihrer Aufl\u00f6sung zum Zwecke der Auseinandersetzung verlangt werden. Beim Ausscheiden eines Gesellschafters aus der Gesellschaft oder bei deren Aufl\u00f6sung ist daher der Betrag, der dem Wert des &#8211; dem betreffenden Gesellschafter verbleibenden &#8211; Miteigentums in dem f\u00fcr die Auseinandersetzung ma\u00dfgebenden Zeitpunkt entspricht, als bereits aus der Auseinandersetzungsmasse auf das betreffende Auseinandersetzungsguthaben gezahlt zu betrachten, oder, falls der Wert des Miteigentums am Grundbesitz h\u00f6her ist als das dem betreffenden Gesellschafter zukommende Auseinandersetzungsguthaben, der Unterschiedsbetrag zur Gesellschaftskasse beziehungsweise zur Aussch\u00fcttung an die anderen Gesellschafter zu erstatten.<\/p>\n<p>Dessen ungeachtet ist jeder Gesellschafter verpflichtet, w\u00e4hrend seiner Zugeh\u00f6rigkeit zur Gesellschaft seinen Miteigentumsanteil &#8222;zur Benutzung und dem Werte nach&#8220; der Gesellschaft ohne besonderes Entgelt zur Verf\u00fcgung zu stellen &#8230;&#8220;.<\/p>\n<p>Der Gesellschafter D war in den Streitjahren 1972 bis 1975 Eigent\u00fcmer des Grundbesitzes, den schon die Rechtsvorg\u00e4nger des D der Kl\u00e4gerin zur Nutzung gem\u00e4\u00df \u00a7 7 des Gesellschaftsvertrages \u00fcberlassen hatten. Die Nutzungsm\u00f6glichkeit bestand in den Streitjahren f\u00fcr die Kl\u00e4gerin fort.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) hat nach einer Au\u00dfenpr\u00fcfung in der unentgeltlichen Grundst\u00fccks\u00fcberlassung eine gem\u00e4\u00df \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. c des Kapitalverkehrsteuergesetzes (KVStG) 1972 gesellschaftsteuerpflichtige Leistung gesehen, deren Wert er auf j\u00e4hrlich 60.000 DM gesch\u00e4tzt hat. Im Bescheid vom 21. Juni 1977 setzte er davon Gesellschaftsteuer f\u00fcr 1972 in H\u00f6he von 2 v.H. von 60.000 DM und f\u00fcr 1973 bis 1975 in H\u00f6he von 1 v.H. von 60.000 DM j\u00e4hrlich fest. Der Einspruch blieb erfolglos.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage statt.<\/p>\n<p>Mit der vom FG zugelassenen Revision r\u00fcgt das FA die Verletzung des \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. c KVStG 1972.<\/p>\n<p>Das FA beantragt sinngem\u00e4\u00df, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist unbegr\u00fcndet. Sie war deshalb zur\u00fcckzuweisen (\u00a7 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<\/p>\n<p>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 1 KVStG 1972 unterliegt der Ersterwerb von Gesellschaftsrechten an einer inl\u00e4ndischen Kapitalgesellschaft der Gesellschaftsteuer. Gem\u00e4\u00df \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3 KVStG 1972 gilt als Kapitalgesellschaft i.S. des KVStG 1972 auch eine KG, zu deren pers\u00f6nlich haftenden Gesellschaftern eine der in \u00a7 5 Abs. 1 oder Abs. 2 Nrn. 1 und 2 KVStG 1972 bezeichneten Gesellschaften geh\u00f6rt. Deshalb l\u00f6st nach st\u00e4ndiger h\u00f6chstrichterlicher Rechtsprechung (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 6. M\u00e4rz 1986 I R 389\/83, BFHE 146, 531, BStBl II 1986, 758, m.w.N.) der Eintritt einer GmbH als pers\u00f6nlich haftende Gesellschafterin in eine inl\u00e4ndische KG bei den Kommanditisten den Ersterwerb von Gesellschaftsrechten an einer inl\u00e4ndischen Kapitalgesellschaft i.S. von \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 1 KVStG 1972 aus. Steuerma\u00dfstab ist der Wert der Gesellschaftsrechte im Zeitpunkt der Gr\u00fcndung der GmbH &amp; Co. KG (\u00a7 8 Nr. 1 Buchst. b KVStG 1972).<\/p>\n<p>2. Der erkennende Senat hat sich im Urteil vom 13. Mai 1987 I R 386\/83 (BFHE 150, 28, BStBl II 1987, 604) der st\u00e4ndigen Rechtsprechung des II. Senats des BFH angeschlossen, da\u00df \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 1 KVStG 1972 nur die gesellschaftsteuerpflichtigen Leistungen erfa\u00dft, die bis zur Gr\u00fcndung der Kapitalgesellschaft (im Streitfall: bis zur Gr\u00fcndung der Kl\u00e4gerin als GmbH &amp; Co. KG) geleistet sind. Sp\u00e4tere Leistungen sind &#8222;weitere Leistungen&#8220; i.S. des \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 2 KVStG 1972, wenn sie aufgrund einer im Gesellschaftsverh\u00e4ltnis begr\u00fcndeten Verpflichtung bewirkt werden. Zu diesen Voraussetzungen hat das FG in tats\u00e4chlicher Hinsicht festgestellt, da\u00df der Kommanditist D der Kl\u00e4gerin Grundbesitz nach Ma\u00dfgabe des \u00a7 7 des Gesellschaftsvertrages in den Streitjahren 1972 bis 1975 \u00fcberlie\u00df. Aus dieser tats\u00e4chlichen Feststellung, an die der erkennende Senat gebunden ist (\u00a7 118 Abs. 2 FGO), folgt, da\u00df der Grundbesitz aufgrund einer im Gesellschaftsverh\u00e4ltnis begr\u00fcndeten Verpflichtung \u00fcberlassen wurde. Entsprechend kommt im Streitfall nur eine gesellschaftsteuerpflichtige Leistung i.S. des \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 2 KVStG 1972 in Betracht. Eine solche setzt allerdings voraus, da\u00df die \u00dcberlassung des Grundbesitzes nicht schon bei Gr\u00fcndung der Kl\u00e4gerin als GmbH &amp; Co. KG bewirkt war. Sollte dies der Fall gewesen sein, so w\u00e4re die \u00dcberlassung des Grundbesitzes bereits im Wert der Gesellschaftsrechte (\u00a7 8 Nr. 1 Buchst. b KVStG 1972) erfa\u00dft gewesen, der beim Ersterwerb der Gesellschaftsrechte gem\u00e4\u00df \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 1 KVStG 1972 den Steuerma\u00dfstab bildete. Soweit das FG nur eine gem\u00e4\u00df \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. b oder c KVStG 1972 gesellschaftsteuerpflichtige Leistung in Erw\u00e4gung gezogen hat, ist seine Auffassung fehlerhaft.<\/p>\n<p>3. Das FG hat in tats\u00e4chlicher Hinsicht ohne Versto\u00df gegen die Denkgesetze oder gegen Erfahrungss\u00e4tze dem \u00a7 7 des Gesellschaftsvertrages der Kl\u00e4gerin entnommen, da\u00df der im zivilrechtlichen Eigentum des D stehende Grundbesitz der Kl\u00e4gerin als Gesellschafterbeitrag &#8222;quoad sortem&#8220; zugef\u00fchrt war. Durch einen Gesellschafterbeitrag &#8222;quoad sortem&#8220; \u00fcberl\u00e4\u00dft der Gesellschafter der Gesellschaft Sachen oder Rechte in der Weise, da\u00df zwar nicht das zivilrechtliche Eigentum auf die Gesellschaft \u00fcbergeht, da\u00df aber die Sache (das Recht) so behandelt wird, als ob das Eigentum auf die Gesellschaft \u00fcbertragen w\u00e4re. Ist die Einlage &#8222;quoad sortem&#8220; vollzogen, so kann die Gesellschaft \u00fcber die Sache (das Recht) durch ihre Organe verf\u00fcgen. Die mit der Sache (dem Recht) verbundenen Lasten, die Gefahr und der Nutzen gehen dann die Gesamtheit der Gesellschafter an (vgl. Urteile des Reichsgerichts vom 24. Februar 1893 III 292\/92, RGZ 31, 28, 29; vom 14. April 1903 VII 458\/02, RGZ 54, 278, 280; vom 2. Januar 1925 II 701\/23, RGZ 109, 380; Urteil des Bundesgerichtshofs vom 25. M\u00e4rz 1965 II ZR 148\/62, Wertpapier-Mitteilungen 1965, 746; D\u00fcringer\/Hachenburg, Handelsgesetzbuch, II. Bd., 1. H\u00e4lfte, Anm. 62 a; Ulmer in M\u00fcnchener Kommentar zum B\u00fcrgerlichen Gesetzbuch, \u00a7 706 Anm. 11; A. Hueck, Das Recht der offenen Handelsgesellschaft, 4. Aufl., \u00a7 6, S. 59, 60, FN 30; Huber, Verm\u00f6gensanteil, Kapitalanteil und Gesellschaftsanteil an Personengesellschaften des Handelsrechts, Heidelberg 1970, \u00a7 9, S. 196, 197; Fischer, Handelsgesetzbuch, Gro\u00dfkommentar, von Staub begr\u00fcndet, neu bearbeitet von Br\u00fcggemann u.a., \u00a7 105 Anm. 56).<\/p>\n<p>Das Versprechen der Einlage einer Sache (eines Rechts) &#8222;quoad sortem&#8220; begr\u00fcndet den Anspruch der Gesellschaft, da\u00df ihr die Sache (das Recht) &#8222;quoad sortem&#8220; zur Verf\u00fcgung gestellt wird und zur Verf\u00fcgung steht. Die Einlage ist bewirkt, sobald die Sache (das Recht) der Gesellschaft dem Werte nach \u00fcberlassen ist. Eine R\u00fcckgabe der Sache (des Rechts) im Zuge der Liquidation der Gesellschaft oder beim Ausscheiden des einbringenden Gesellschafters ist im Unterschied zum Fall der Gebrauchs\u00fcberlassung (\u00a7 732 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuches &#8211; BGB -) gesetzlich nicht vorgesehen. An ihre Stelle tritt die Verwertung der Sache (des Rechts) durch die Liquidatoren oder die Teilung in Natur (vgl. Ulmer, a.a.O., \u00a7 733 Anm. 11 und 15). Deshalb stellt sich die Einlage &#8222;quoad sortem&#8220; als eine einmalige Handlung und nicht als Dauertatbestand dar. Das Nutzungsrecht, das die Gesellschaft an der Sache (dem Recht) erh\u00e4lt, ist Folge der Einlage &#8222;quoad sortem&#8220; und nicht die Folge einer als selbst\u00e4ndige Leistung erbrachten dauernden Nutzungs\u00fcberlassung. Das Nutzungsrecht der Gesellschaft entsteht mit der Einbringung der Sache (des Rechts) &#8222;quoad sortem&#8220;. Deshalb ist auch mit der Einlage dem Werte nach der Tatbestand verwirklicht, an den \u00a7 2 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 KVStG 1972 die gesellschaftsteuerpflichtigen Leistungen kn\u00fcpft. Darauf, ob die Kl\u00e4gerin wirtschaftliche Eigent\u00fcmerin der &#8222;quoad sortem&#8220; eingelegten Sache (des Rechts) geworden ist, kommt es nicht an. Ebenso ist die Frage der Bilanzierung der &#8222;quoad sortem&#8220; eingelegten Sache (des Rechts) entscheidungsunerheblich.<\/p>\n<p>4. Nach den tats\u00e4chlichen Feststellungen des FG, an die der Senat in Ermangelung entsprechender Revisionsr\u00fcgen gebunden ist (\u00a7 118 Abs. 2 FGO), wurde die Einlage des Grundbesitzes &#8222;quoad sortem&#8220; bereits aufgrund des Gesellschaftsvertrages vom 18. Dezember 1967 erbracht. Sie war am 4. Februar 1972 l\u00e4ngst vollzogen. An diesem Tag wurde die Kl\u00e4gerin erstmalig Kapitalgesellschaft i.S. des \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3 KVStG 1972. Die damals schon erbrachte Einlage &#8222;quoad sortem&#8220; wirkte sich deshalb werterh\u00f6hend auf die Gesellschaftsrechte aus, die die Kommanditisten der Kl\u00e4gerin am 4. Februar 1972 erstmalig erwarben. Damit ging der Wert der Einlage &#8222;quoad sortem&#8220; in die Bemessungsgrundlage f\u00fcr den Ersterwerb von Gesellschaftsrechten i.S. des \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3 und \u00a7 8 Nr. 1 Buchst. b KVStG 1972 ein. Die Nutzung des &#8222;quoad sortem&#8220; eingelegten Grundbesitzes durch die Kl\u00e4gerin in der Zeit nach dem 4. Februar 1972 geht nicht auf eine weitere gesellschaftsteuerbare Leistung des D zur\u00fcck. Das FG ist deshalb im Ergebnis zutreffend davon ausgegangen, da\u00df nach dem 4. Februar 1972 kein Sachverhalt mehr verwirklicht wurde, der eine Gesellschaftsteuer nach \u00a7 2 KVStG 1972 ausl\u00f6st.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 20.1.1988 (I R 395\/83) BStBl. 1988 II S. 453 \u00dcberl\u00e4\u00dft der Gesellschafter einer GmbH &amp; Co. 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