{"id":35651,"date":"1988-01-21T16:36:59","date_gmt":"1988-01-21T14:36:59","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=35651"},"modified":"2013-06-02T11:34:20","modified_gmt":"2013-06-02T09:34:20","slug":"bfh-urteil-vom-21-1-1988-iv-r-100_85-bstbl-1988-ii-s-456","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-21-1-1988-iv-r-100_85-bstbl-1988-ii-s-456\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 21.1.1988 (IV R 100\/85)     BStBl. 1988 II S. 456"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 21.1.1988 (IV R 100\/85) BStBl. 1988 II S. 456<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bei einer Betriebsaufspaltung f\u00fchrt der Umstand, da\u00df das Besitzunternehmen neben seiner Vermietung von Wirtschaftsg\u00fctern an das Betriebsunternehmen im Rahmen seiner verm\u00f6gensverwaltenden T\u00e4tigkeit auch Wohnungen an Dritte vermietet und teilweise ver\u00e4u\u00dfert, nicht zu einer gewerbesteuerrechtlichen Organschaft zwischen Besitzunternehmen und Betriebsunternehmen.<\/strong><\/p>\n<p>GewStG \u00a7 2 Abs. 2 Nr. 2 Satz 2; KStG 1977 \u00a7 14 Nr. 2.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG N\u00fcrnberg<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><strong><span>Sachverhalt<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) betrieb bis Ende 1964 die Herstellung und den Vertrieb von Motoren. Ab 1. Januar 1965 verpachtete sie an die neugegr\u00fcndete B-GmbH ihr gesamtes zum Fertigungsbetrieb geh\u00f6rendes bewegliches und unbewegliches Anlageverm\u00f6gen. F\u00fcr die Dauer des Pachtvertrages \u00fcbertrug sie ihren gesamten Betrieb auf die GmbH. Die Kl\u00e4gerin ist seitdem Besitzgesellschaft, die GmbH Betriebsgesellschaft. Zwischen den Beteiligten ist unstreitig, da\u00df eine Betriebsaufspaltung vorliegt und da\u00df die Anteile an der GmbH notwendiges Betriebsverm\u00f6gen (Sonderbetriebsverm\u00f6gen) der Kl\u00e4gerin sind.<\/span><\/p>\n<p><span>Nach einer Betriebspr\u00fcfung im Jahre 1982 ergaben sich folgende (unstreitige) Gewerbeertr\u00e4ge:<\/span><\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; margin-left: 5.65pt;\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 454.9pt; padding-left: 3.5pt; padding-right: 3.5pt; padding-top: 0cm; padding-bottom: 0cm;\" valign=\"top\" width=\"607\"><span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 KG\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 GmbH<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 454.9pt; padding-left: 3.5pt; padding-right: 3.5pt; padding-top: 0cm; padding-bottom: 0cm;\" valign=\"top\" width=\"607\"><span>1976\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 + 195.700 DM\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 + 152.300 DM<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 454.9pt; padding-left: 3.5pt; padding-right: 3.5pt; padding-top: 0cm; padding-bottom: 0cm;\" valign=\"top\" width=\"607\"><span>1977\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 + 187.000 DM\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 .\/. 193.631 DM<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 454.9pt; padding-left: 3.5pt; padding-right: 3.5pt; padding-top: 0cm; padding-bottom: 0cm;\" valign=\"top\" width=\"607\"><span>1978\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 +\u00a0\u00a0 90.500 DM\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 .\/. 379.384 DM<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 454.9pt; padding-left: 3.5pt; padding-right: 3.5pt; padding-top: 0cm; padding-bottom: 0cm;\" valign=\"top\" width=\"607\"><span>1979\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 +\u00a0\u00a0 86.200 DM\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 .\/. 776.115 DM<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 454.9pt; padding-left: 3.5pt; padding-right: 3.5pt; padding-top: 0cm; padding-bottom: 0cm;\" valign=\"top\" width=\"607\"><span>1980\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 + 112.200 DM\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0.\/. 519.965 DM<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span>Diese Betr\u00e4ge legte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) den angefochtenen ge\u00e4nderten Gewerbesteuerme\u00dfbescheiden, in denen die Nachpr\u00fcfungsvorbehalte (\u00a7 164 Abs. 1 der Abgabenordnung &#8211; AO 1977 -) aufgehoben wurden, f\u00fcr die Streitjahre zugrunde. Im Einspruchsverfahren beantragte die Kl\u00e4gerin, sie als Organtr\u00e4ger der GmbH zu behandeln. Die Einspr\u00fcche hatten keinen Erfolg. Die Klage wurde als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/span><\/p>\n<p><span>Mit der Revision der Kl\u00e4gerin wird Verletzung des \u00a7 2 Abs. 2 Satz 2 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) i.V. m. \u00a7 14 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes 1977 (KStG) ger\u00fcgt.<\/span><\/p>\n<p><span>Die Kl\u00e4gerin beantragt, das Urteil des Finanzgerichts (FG), die Einspruchsentscheidung des FA vom 29. September 1983 und die Gewerbesteuerme\u00dfbescheide 1976 bis 1980 dahingehend zu \u00e4ndern, da\u00df die Gewerbeertr\u00e4ge f\u00fcr die Jahre 1977 bis 1980 auf jeweils null DM festgesetzt werden, der Gewerbeertrag 1976 um Dauerschuldzinsen in H\u00f6he von 15.991,18 DM gek\u00fcrzt und das Gewerbekapital 1976 und 1980 bei der GmbH um die Dauerschulden gek\u00fcrzt wird, die die Verbindlichkeiten an die Kl\u00e4gerin betreffen.<\/span><\/p>\n<p><span>Das FA beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen. Das FA schlie\u00dft sich den Ausf\u00fchrungen im FG-Urteil an und ist der Auffassung, die f\u00fcr eine Organschaft erforderliche wirtschaftliche Eingliederung der B-GmbH in das Unternehmen der Kl\u00e4gerin liege deshalb nicht vor.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><strong><span>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Die Revision ist unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>1.a) Ist eine Kapitalgesellschaft in ein anderes inl\u00e4ndisches gewerbliches Unternehmen in der Weise eingegliedert, da\u00df die Voraussetzungen des \u00a7 14 Nrn. 1 und 2 KStG erf\u00fcllt sind, so gilt sie als Betriebsst\u00e4tte des anderen Unternehmens (\u00a7 2 Abs. 2 Nr. 2 Satz 2 GewStG). Nach \u00a7 14 Nr. 2 KStG mu\u00df die Kapitalgesellschaft nach dem Gesamtbild der tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse wirtschaftlich und organisatorisch in das Unternehmen des Organtr\u00e4gers eingegliedert sein. Nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ist die blo\u00dfe &#8211; wenngleich gewerbliche &#8211; Verpachtungst\u00e4tigkeit des Besitzunternehmens im Rahmen einer Betriebsaufspaltung nicht geeignet, zwischen Besitzunternehmen und Betriebsunternehmen eine gewerbesteuerrechtliche Organschaft zu begr\u00fcnden (Urteile vom 25. Juni 1957 I 119\/56 U, BFHE 65, 181, BStBl III 1957, 303; vom 7. M\u00e4rz 1961 I 251\/60 S, BFHE 72, 578, BStBl III 1961, 211; vom 25. Juli 1963 IV 417\/60 S, BFHE 77, 504, BStBl III 1963, 505; vom 26. April 1966 I 102\/63, BFHE 85, 472, BStBl III 1966, 426, und vom 18. <span>April 1973 I R 120\/70, BFHE 110, 17, BStBl II 1973, 740). <\/span>&lt;span &gt; Vielmehr mu\u00df eine gewerbliche T\u00e4tigkeit des Besitzunternehmens hinzukommen, die mit der T\u00e4tigkeit des Betriebsunternehmens in einem wirtschaftlichen Zusammenhang derart steht, da\u00df sich beide Unternehmen als Teile einer wirtschaftlichen Einheit darstellen (Urteil in BFHE 110, 17, BStBl II 1973, 740). An diesen Grunds\u00e4tzen hat der BFH entgegen der Auffassung der Revision auch im Urteil vom 21. Januar 1976 I R 21\/74 (BFHE 118, 169, BStBl II 1976, 389) festgehalten. Das Urteil bezog sich auf einen Fall, in dem das als Organtr\u00e4ger in Betracht kommende Unternehmen eine T\u00e4tigkeit aus\u00fcbte, die unabh\u00e4ngig von den Beziehungen zu der als Organgesellschaft in Betracht kommenden Kapitalgesellschaft alle Merkmale einer gewerblichen T\u00e4tigkeit erf\u00fcllte. Nur f\u00fcr F\u00e4lle dieser Art wird in dem Urteil in BFHE 118, 169, BStBl II 1976, 389 klargestellt, da\u00df die F\u00fchrung beider Unternehmen nach einer einheitlichen Gesamtkonzeption gen\u00fcgt, um die wirtschaftliche Eingliederung des einen Unternehmens in das andere zu begr\u00fcnden. Da\u00df sich an der bisherigen Rechtsprechung zur Frage, ob die Betriebsaufspaltung eine gewerbesteuerrechtliche Organschaft begr\u00fcndet, nichts \u00e4ndern sollte, ergibt sich auch aus der vorbehaltlosen Bezugnahme im Urteil in BFHE 118, 169, BStBl II 1976, 389 auf das Urteil in BFHE 110, 17, BStBl II 1973, 740.<\/p>\n<p>b) Das FG hat, von diesen Grunds\u00e4tzen ausgehend, rechtsfehlerfrei das Vorliegen einer gewerbesteuerrechtlichen Organschaft im Streitfall abgelehnt. Zutreffend hat das FG auch entschieden, da\u00df die sonstigen T\u00e4tigkeiten, die \u00fcber die Vermietung von Wirtschaftsg\u00fctern an das Betriebsunternehmen hinausgehend der Kl\u00e4gerin zugerechnet werden, n\u00e4mlich die Vermietung von Wohnungen an Dritte und die Ver\u00e4u\u00dferung eines Teils dieser Wohnungen als Eigentumswohnungen im Streitjahr 1980, keine gewerbesteuerrechtliche Organschaft begr\u00fcnden. Nach den tats\u00e4chlichen Feststellungen des FG, die f\u00fcr den Senat bindend sind (\u00a7 118 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -), handelte es sich bei diesen T\u00e4tigkeiten um reine Verm\u00f6gensverwaltung bzw. &#8211; soweit es um die Ver\u00e4u\u00dferungsvorg\u00e4nge geht &#8211; um nach den Grunds\u00e4tzen der Rechtsprechung des BFH (Urteil vom 10. August 1983 I R 120\/80, BFHE 139, 386, BStBl II 1984, 137) noch der Verm\u00f6gensverwaltung zuzuordnende Vorg\u00e4nge, die nur mit R\u00fccksicht auf das Betriebsaufspaltungsverh\u00e4ltnis als gewerbliche T\u00e4tigkeit behandelt wurden. Eine gewerbliche T\u00e4tigkeit, in die man die T\u00e4tigkeit der GmbH als in eine wirtschaftliche Einheit mit der T\u00e4tigkeit der Kl\u00e4gerin eingebettet ansehen k\u00f6nnte, wird dadurch, wie das FG zutreffend entschieden hat, nicht begr\u00fcndet.<\/p>\n<p><span>2. Der Steuerme\u00dfbescheid ist, wie das FG unter Hinweis auf \u00a7 184 Abs. 1 Satz 4, \u00a7 185 und \u00a7 188 Abs. 2 AO 1977 zutreffend ausgef\u00fchrt hat, Grundlagenbescheid im Verh\u00e4ltnis zum Zerlegungsbescheid. Das hat zur Folge, da\u00df gegen den Zerlegungsbescheid nicht mit Erfolg eingewandt werden kann, es sei eine gewerbesteuerrechtliche Organschaft unbeachtet geblieben (\u00a7 182 Abs. 1, \u00a7 351 Abs. 2 AO 1977) und da\u00df somit die Klage auch insoweit als unbegr\u00fcndet (vgl. BFH-Beschlu\u00df vom 27. September 1972 I B 27\/72, BFHE 107, 8, BStBl II 1973, 24) abgewiesen werden mu\u00dfte. Die Revision war daher auch insoweit als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 21.1.1988 (IV R 100\/85) BStBl. 1988 II S. 456 Bei einer Betriebsaufspaltung f\u00fchrt der Umstand, da\u00df das Besitzunternehmen neben seiner Vermietung von Wirtschaftsg\u00fctern an das Betriebsunternehmen im Rahmen seiner verm\u00f6gensverwaltenden T\u00e4tigkeit auch Wohnungen an Dritte vermietet und teilweise ver\u00e4u\u00dfert, nicht zu einer gewerbesteuerrechtlichen Organschaft zwischen Besitzunternehmen und Betriebsunternehmen. 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