{"id":35725,"date":"1988-01-21T16:37:00","date_gmt":"1988-01-21T14:37:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=35725"},"modified":"2013-06-02T11:24:12","modified_gmt":"2013-06-02T09:24:12","slug":"bfh-urteil-vom-21-1-1988-iv-r-116_86-bstbl-1988-ii-s-628","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-21-1-1988-iv-r-116_86-bstbl-1988-ii-s-628\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 21.1.1988 (IV R 116\/86) BStBl. 1988 II S. 628"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 21.1.1988 (IV R 116\/86) BStBl. 1988 II S. 628<\/strong><\/p>\n<p>Gew\u00e4chsh\u00e4user eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes, die nach der Verkehrsauffassung die Begriffsmerkmale eines Geb\u00e4udes erf\u00fcllen, sind keine Betriebsvorrichtungen i. S. von \u00a7 76 Abs. 1 Nr. 1 Anlage 1 Nr. 25a EStDV 1979, sondern geh\u00f6ren zu den unbeweglichen Wirtschaftsg\u00fctern i. S. des \u00a7 76 Abs. 1 Nr. 2 Anlage 2 D Nr. 1b EStDV 1979 (Anschlu\u00df an BFH-Urteil vom 25. M\u00e4rz 1977 III R 5\/75, BFHE 122, 150, BStBl II 1977, 594).<\/p>\n<p>EStG 1979 \u00a7 7 Abs. 2 Satz 1; EStDV 1979 \u00a7 76 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2, Anlage 1 und 2 zu \u00a7\u00a7 76 bis 78; BewG \u00a7 34 Abs. 2 Nr. 1 Buchst. d, \u00a7\u00a7 59 bis 61, \u00a7 68 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 Nr. 2.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Hamburg<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) sind Eheleute; sie werden zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Die Kl\u00e4gerin ist Eigent\u00fcmerin eines Gartenbaubetriebs, den sie gemeinsam mit ihrem Ehemann bewirtschaftete. Der Gewinn wird nach \u00a7 4 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ermittelt. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) sah die Kl\u00e4gerin als Betriebsinhaberin an.<\/p>\n<p>Im Jahre 1980 wurde ein Gew\u00e4chshaus mit einem Kostenaufwand von 27.317,91 DM errichtet. Es schlie\u00dft sich an bereits bestehende Treibh\u00e4user an. Die Grundfl\u00e4che des Gew\u00e4chshauses betr\u00e4gt 15 m x 15,33 m. Die Seitenw\u00e4nde sind jeweils 2 m hoch; zur Mitte hin steigt das Gew\u00e4chshaus an. Es besteht aus einem verzinkten Stahl-Aluminium-Gerippe und ist kittlos verglast mit 3,8 mm dickem Gartenklarglas; die Konstruktion steht auf einem Streifenfundament. Die L\u00fcftung erfolgt \u00fcber 1,75 m breite Dachklappen. Beheizt wird das Gew\u00e4chshaus \u00fcber eine zentrale Heizungsanlage.<\/p>\n<p>In der Einkommensteuererkl\u00e4rung 1980 wurde der Gewinn aus Land- und Forstwirtschaft unter Ber\u00fccksichtigung einer Sonderabschreibung nach \u00a7 76 Abs. 1 Satz 1 der Einkommensteuer-Durchf\u00fchrungsverordnung (EStDV) 1979 i. V. m. Anlage 1 zu den \u00a7\u00a7 76 bis 78 EStDV in H\u00f6he von 50 v. H. der Baukosten des Gew\u00e4chshauses als einer Betriebsvorrichtung ermittelt. Das FA folgte dem und setzte die Einkommensteuer 1980 auf &#8230; DM fest.<\/p>\n<p>Im Rahmen einer im Jahre 1983 durchgef\u00fchrten Betriebspr\u00fcfung gelangte der Betriebspr\u00fcfer zu der Auffassung, das Gew\u00e4chshaus sei keine Betriebsvorrichtung, sondern ein Geb\u00e4ude und demgem\u00e4\u00df sei nur eine Sonderabschreibung (\u00a7 76 Abs. 1 Satz 1 EStDV 1979 i. V. m. Anlage 2 zu den \u00a7\u00a7 76 bis 78 EStDV Abschn. D Nr. 1 Buchst. b) in H\u00f6he von bis zu 30 v. H. der Baukosten des Gew\u00e4chshauses zul\u00e4ssig. Dementsprechend erh\u00f6hte das FA den Gewinn aus Land- und Forstwirtschaft um 5.464 DM, indem es unter Ber\u00fccksichtigung weiterer, hier nicht streitiger, Betriebspr\u00fcfungsergebnisse den urspr\u00fcnglichen Bescheid gem\u00e4\u00df \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO 1977) \u00e4nderte und setzte die Einkommensteuer 1980 auf &#8230; DM fest. Der Einspruch der Kl\u00e4ger hatte keinen Erfolg.<\/p>\n<p>Mit der Klage machten die Kl\u00e4ger im wesentlichen geltend: Das Gew\u00e4chshaus sei kein Geb\u00e4ude, sondern eine Betriebsvorrichtung. Es komme einer Maschine gleich. Es schaffe erst die M\u00f6glichkeit, den Pflanzen Wachstum und Reife zu geben. Das Gew\u00e4chshaus diene dazu, ein spezielles Treibhausklima zur Erzeugung von Pflanzen zu erhalten. Die Glasumh\u00fcllung des Gew\u00e4chshauses fange die Sonnenw\u00e4rme auf und halte die im Inneren erzeugte W\u00e4rme fest. Zur Regelung der Temperatur- und Luftverh\u00e4ltnisse sei ein Teil der Glasfl\u00e4che ausschwenkbar, um erforderlichenfalls W\u00e4rme entweichen oder Frischluft hereinzulassen.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr die Charakterisierung als Geb\u00e4ude notwendige &#8222;anderweitige Nutzung&#8220; sei durch die Glasbedachung und die Glasseitenw\u00e4nde ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Die Klage hatte keinen Erfolg.<\/p>\n<p>Auf die Beschwerde der Kl\u00e4ger hat das Finanzgericht (FG) nachtr\u00e4glich die Revision zugelassen.<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgen die Kl\u00e4ger die Verletzung des materiellen Rechts.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger beantragen, das angefochtene Urteil aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid 1980 vom 29. November 1983 dahin zu \u00e4ndern, da\u00df die Eink\u00fcnfte aus Land- und Forstwirtschaft um 5.464 DM gek\u00fcrzt werden.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision ist unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>1. F\u00fcr die Gew\u00e4hrung der begehrten Sonderabschreibung gem\u00e4\u00df \u00a7 76 Abs. 1 EStDV 1979 i. d. F. der Bekanntmachung vom 24. September 1980 (BGBl I, 1801, BStBl I 1980, 680) in H\u00f6he von 50 v. H. der Baukosten des Gew\u00e4chshauses kommt es darauf an, ob dieses &#8211; wie die Kl\u00e4ger meinen &#8211; ein bewegliches Wirtschaftsgut im Sinne der Nr. 1 dieser Vorschrift oder &#8211; wie das FA und das FG angenommen haben &#8211; ein unbewegliches Wirtschaftsgut im Sinne der Nr. 2 dieser Bestimmung ist. Nach den Anlagen 1 und Nr. 2 zu den \u00a7\u00a7 76 bis 78 EStDV k\u00f6nnen Gew\u00e4chsh\u00e4user nach den dort aufgef\u00fchrten Verzeichnissen zu den Wirtschaftsg\u00fctern des unbeweglichen Anlageverm\u00f6gens (Anlage 2, Verzeichnis der unbeweglichen Wirtschaftsg\u00fcter und Um- und Ausbauten an unbeweglichen Wirtschaftsg\u00fctern unter Abschn. D Nr. 1b) oder zu den Betriebsvorrichtungen im Sinne der Anlage 1 (Verzeichnis der Wirtschaftsg\u00fcter des beweglichen Anlageverm\u00f6gens Nr. 25a) geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Bei der Auslegung des einkommensteuerrechtlichen Begriffs &#8222;bewegliches Wirtschaftsgut&#8220; (\u00a7 7 Abs. 2 Satz 1 EStG) sind die allgemeinen Grunds\u00e4tze des Bewertungsrechts heranzuziehen (vgl. Beschlu\u00df des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 26. November 1973 GrS 5\/71, BFHE 111, 242, BStBl II 1974, 132, 135; BFH-Urteile vom 20. M\u00e4rz 1975 IV R 16\/72, BFHE 116, 112, BStBl II 1975, 689, und vom 8. Oktober 1978 IV R 56\/85, BFHE 151, 81). Betriebsvorrichtungen sind gem\u00e4\u00df \u00a7 68 Abs. 2 Nr. 2 des Bewertungsgesetzes (BewG) Maschinen und sonstige Vorrichtungen aller Art, die zu einer Betriebsanlage geh\u00f6ren, auch wenn sie wesentliche Bestandteile eines Grundst\u00fccks sind; sie geh\u00f6ren nicht zum Grundverm\u00f6gen. Dagegen geh\u00f6ren Geb\u00e4ude zum Grundverm\u00f6gen i. S. von \u00a7 68 Abs. 1 Nr. 1 BewG.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Abgrenzung ist vom Geb\u00e4udebegriff nach der Verkehrsauffassung auszugehen. Ein Bauwerk, das als Geb\u00e4ude anzusehen ist, kann keine Betriebsvorrichtung sein (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. z. B. BFH-Urteile vom 13. Juni 1969 III R 132\/67, BFHE 96, 365, BStBl II 1969, 612, und zuletzt vom 18. M\u00e4rz 1987 II R 222\/84, BFHE 150, 62, BStBl II 1987, 551). Ein Bauwerk ist nach der Verkehrsauffassung als Geb\u00e4ude anzusehen, wenn es nicht nur fest mit dem Grund und Boden verbunden, von einiger Best\u00e4ndigkeit und ausreichend standfest ist, sondern auch Menschen oder Sachen durch r\u00e4umliche Umschlie\u00dfung Schutz gegen Witterungseinfl\u00fcsse gew\u00e4hrt und den Aufenthalt von Menschen gestattet (vgl. BFH-Urteile vom 13. Juni 1969 III 17\/65, BFHE 96, 57, BStBl II 1969, 517, sowie in BFHE 150, 62, BStBl II 1987, 551). Dementsprechend hat der III. Senat des BFH im Urteil vom 25. M\u00e4rz 1977 III R 5\/75 (BFHE 122, 150, BStBl II 1977, 594) entschieden, da\u00df Gew\u00e4chsh\u00e4user eines Betriebsgrundst\u00fccks, das als Grundverm\u00f6gen zu bewerten ist, keine Betriebsvorrichtungen, sondern Geb\u00e4ude seien. Aus der Begr\u00fcndung ergibt sich, da\u00df &#8211; unabh\u00e4ngig von der Zugeh\u00f6rigkeit zum Grundverm\u00f6gen &#8211; alle Gew\u00e4chsh\u00e4user, auch solche eines Betriebes mit g\u00e4rtnerischer Nutzung (\u00a7 34 Abs. 2 Nr. 1 Buchst. d und \u00a7\u00a7 59 bis 61 BewG) als Geb\u00e4ude angesehen werden k\u00f6nnen. Ebenso wie Geb\u00e4ude im Grundverm\u00f6gen, sind auch Geb\u00e4ude eines land- und forstwirtschaftlichen Verm\u00f6gens bewertungsrechtlich erfa\u00dft, und zwar im Ertragswert (\u00a7 36 und \u00a7\u00a7 59 f. BewG). Der III. Senat des BFH hat weiter ausgesprochen, da\u00df die Urteile des II. Senats vom 9. Dezember 1964 II 11\/60 U (BFHE 81, 320, BStBl III 1965, 116) und des IV. Senats vom 29. April 1965 IV 386\/62 U (BFHE 83, 301, BStBl III 1965, 610), die zur Grunderwerbsteuer und zum Einkommensteuerrecht ergangen waren, durch die Entwicklung der Rechtsprechung \u00fcberholt seien. Da\u00df ein Gew\u00e4chshaus eine wesentliche Voraussetzung und ein Mittel des Produktionsvorganges und damit einer technischen Apparatur vergleichbar ist, ist nicht entscheidend. Selbst Autowaschhallen (BFH-Urteil vom 14. November 1975 III R 150\/74, BFHE 117, 492, BStBl II 1976, 198) und H\u00fchnerst\u00e4lle (BFH-Urteil vom 6. August 1976 III R 163\/73, BFHE 120, 103, BStBl II 1976, 772) sind trotz ihrer Zweckbestimmung keine Betriebsvorrichtungen, sondern Geb\u00e4ude. Der Senat schlie\u00dft sich dieser Auffassung an.<\/p>\n<p>2. Unter Beachtung der obigen Grunds\u00e4tze hat das FG zur Recht entschieden, da\u00df das im Streitfall zu beurteilende Gew\u00e4chshaus ein Geb\u00e4ude ist und da\u00df das FA zu Recht gem\u00e4\u00df \u00a7 76 Abs. 1 Nr. 2 i. V. m. Anlage 2 zu den \u00a7\u00a7 76 bis 78 EStDV (Verzeichnis unter D Nr. 1b) nur eine Sonderabschreibung in H\u00f6he von 30 v. H. zugelassen hat. Das FG hat, von den Kl\u00e4gern unwidersprochen, festgestellt, da\u00df das Gew\u00e4chshaus fest mit dem Grund und Boden verbunden, von einiger Best\u00e4ndigkeit und ausreichend standfest ist, Schutz gegen Witterungseinfl\u00fcsse gew\u00e4hrt und zum Aufenthalt von Menschen geeignet und sogar bestimmt ist. Auch hat es festgestellt, da\u00df die Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnisse es erm\u00f6glichen, l\u00e4ngerfristig in dem Gew\u00e4chshaus zu arbeiten; das geschieht auch tats\u00e4chlich. Insoweit unterscheidet sich der vorliegende Fall von einem Bauwerk, wie z. B. ein vollautomatisches Hochregallager, das nur bei Stillstand einen l\u00e4ngeren Aufenthalt von Menschen erlaubt und deshalb eine \u00e4hnliche Funktion wie eine Maschine erf\u00fcllt (vgl. Urteil in BFHE 150, 62, BStBl II 1987, 551, 553).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 21.1.1988 (IV R 116\/86) BStBl. 1988 II S. 628 Gew\u00e4chsh\u00e4user eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes, die nach der Verkehrsauffassung die Begriffsmerkmale eines Geb\u00e4udes erf\u00fcllen, sind keine Betriebsvorrichtungen i. S. von \u00a7 76 Abs. 1 Nr. 1 Anlage 1 Nr. 25a EStDV 1979, sondern geh\u00f6ren zu den unbeweglichen Wirtschaftsg\u00fctern i. 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