{"id":36178,"date":"1990-08-24T19:06:40","date_gmt":"1990-08-24T17:06:40","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=36178"},"modified":"2013-05-16T09:46:33","modified_gmt":"2013-05-16T07:46:33","slug":"urteil-vom-24-8-1990-x-r-45-46_90-bstbl-1990-ii-s-1032auf-die-befolgung-der-vorschriften-uber-die-offentlichkeit-des-finanzgerichtlichen-verfahrens-kann-ein-beteiligter-wirksam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/urteil-vom-24-8-1990-x-r-45-46_90-bstbl-1990-ii-s-1032auf-die-befolgung-der-vorschriften-uber-die-offentlichkeit-des-finanzgerichtlichen-verfahrens-kann-ein-beteiligter-wirksam\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 24.8.1990    (X R 45-46\/90) BStBl. 1990 II S. 1032"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 24.8.1990 (X R 45-46\/90) BStBl. 1990 II S. 1032<\/strong><\/p>\n<p>Auf die Befolgung der Vorschriften \u00fcber die \u00d6ffentlichkeit des finanzgerichtlichen Verfahrens kann ein Beteiligter wirksam verzichten (Anschlu\u00df an BVerwG-Beschlu\u00df vom 4. November 1977 IV C 71\/77, HFR 1978, 174).<\/p>\n<p>FGO \u00a7 52; GVG \u00a7 169; ZPO \u00a7 295 Abs. 2.<\/p>\n<p>Vorinstanz: Schleswig-Holsteinisches FG<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) hat die Klagen abgewiesen, ohne jeweils die Revision zuzulassen. Die Revisionen werden miteinander verbunden. Sie sind unzul\u00e4ssig.<\/p>\n<p>1. Gem\u00e4\u00df Art. 1 Nr. 5 des Gesetzes zur Entlastung des Bundesfinanzhofs (BFHEntlG) findet abweichend von \u00a7 115 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) die Revision nur statt, wenn sie das FG oder auf die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Bundesfinanzhof (BFH) zugelassen hat oder wenn ein Fall der zulassungsfreien Revision gem\u00e4\u00df \u00a7 116 FGO gegeben ist. Hierauf wurden die Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) durch die den angefochtenen Vorentscheidungen beigef\u00fcgten Rechtsmittelbelehrungen ausdr\u00fccklich hingewiesen.<\/p>\n<p>Die Beschwerden wegen Nichtzulassung der Revisionen hat der erkennende Senat durch Beschl\u00fcsse vom heutigen Tage X B 87\/90 und X B 88\/90 als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n<p>2. Zwar kann mit der zulassungsfreien Revision ger\u00fcgt werden, da\u00df das Urteil auf eine m\u00fcndliche Verhandlung ergangen ist, bei der die Vorschriften \u00fcber die \u00d6ffentlichkeit des Verfahrens verletzt worden sind (\u00a7 116 Abs. 1 Nr. 4 FGO). Ein solcher Verfahrensmangel ist hier nicht schl\u00fcssig ger\u00fcgt. Dies w\u00e4re nur dann der Fall, wenn die zur Begr\u00fcndung des Verfahrensmangels vorgetragenen Tatsachen &#8211; ihre Richtigkeit unterstellt &#8211; einen Mangel im Sinne von \u00a7 116 Abs. 1 FGO ergeben w\u00fcrden (\u00a7 120 Abs. 2 Satz 2 FGO; vgl. BFH-Beschlu\u00df vom 21. April 1986 IV R 190\/85, BFHE 146, 357, BStBl II 1986, 568). Wird der Versto\u00df gegen Vorschriften des Proze\u00dfrechts ger\u00fcgt, auf deren Beachtung die Beteiligten verzichten k\u00f6nnen (\u00a7 155 FGO i.V.m. \u00a7 295 Abs. 1 der Zivilproze\u00dfordnung &#8211; ZPO -), mu\u00df au\u00dferdem vorgetragen werden, da\u00df der Versto\u00df in der Vorinstanz ger\u00fcgt wurde (BFH-Urteile vom 26. Februar 1985 VII R 143\/81, BFH\/NV 1986, 100; vom 29. September 1988 V R 53\/83, BFHE 154, 395, BStBl II 1988, 1022).<\/p>\n<p>Die dem Gericht wegen Kenntnis oder verschuldeter Unkenntnis zurechenbare Verletzung der Vorschriften \u00fcber die \u00d6ffentlichkeit der m\u00fcndlichen Verhandlung (\u00a7 169 des Gerichtsverfassungsgesetzes &#8211; GVG -, \u00a7 52 FGO) ist ein absoluter Revisionsgrund (Urteil des Senats vom 14. Dezember 1988 X R 34\/82, BFH\/NV 1989, 541, m.w.N.). Indes k\u00f6nnen die Proze\u00dfbeteiligten auf die Beachtung der Vorschriften \u00fcber die \u00d6ffentlichkeit des Verfahrens verzichten (Beschl\u00fcsse des Bundesverwaltungsgerichts &#8211; BVerwG &#8211; vom 4. November 1977 IV C 71\/77, H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung &#8211; HFR &#8211; 1978, 174; vom 26. November 1985 4 CB 46.85, nicht ver\u00f6ffentlicht &#8211; NV -; Z\u00f6ller\/Stephan, Zivilproze\u00dfordnung, Kommentar, 15. Aufl. 1987, \u00a7 295 Anm. 5; Gr\u00e4ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 2. Aufl. 1987, \u00a7 115 Anm. 37). Soweit zu anderen Gerichtsverfahrensordnungen eine strengere Auffassung vertreten wird (z.B. Hanack in L\u00f6we\/Rosenberg, Die Strafproze\u00dfordnung und das Gerichtsverfassungsgesetz, Gro\u00dfkommentar, 24. Aufl. 1986, \u00a7 337 StPO Rdnr. 271), ist darauf hinzuweisen, da\u00df das Prinzip der \u00d6ffentlichkeit in der FGO abgeschw\u00e4cht ist: Nach \u00a7 90 Abs. 2 FGO kann das Gericht mit Einverst\u00e4ndnis der Beteiligten ohne m\u00fcndliche Verhandlung entscheiden; die \u00d6ffentlichkeit ist auszuschlie\u00dfen, wenn ein Beteiligter, der nicht Finanzbeh\u00f6rde ist, es beantragt (\u00a7 52 Abs. 2 FGO).<\/p>\n<p>Dem Protokoll \u00fcber die m\u00fcndliche Verhandlung vom 23. November 1989 ist nur zu entnehmen, da\u00df der Proze\u00dfbevollm\u00e4chtigte der Kl\u00e4ger zur Sache verhandelt hat; eine Verletzung des Grundsatzes der \u00d6ffentlichkeit der m\u00fcndlichen Verhandlung ist nicht ger\u00fcgt worden. Im Protokollberichtigungsantrag vom 2. Februar 1990 haben die Kl\u00e4ger vorgetragen, bereits zu Sitzungsbeginn sei durch die Leuchtanzeige neben der Eingangst\u00fcr des Sitzungssaals angezeigt worden, da\u00df die \u00d6ffentlichkeit ausgeschlossen war. Entsprach dies den Tatsachen, h\u00e4tten die Kl\u00e4ger den Mangel r\u00fcgen k\u00f6nnen und r\u00fcgen m\u00fcssen. Mit der Revisionsbegr\u00fcndung haben sie nicht vorgetragen, da\u00df sie dies getan h\u00e4tten. Damit entspricht die Revisionsr\u00fcge nicht den Anforderungen des \u00a7 120 Abs. 2 Satz 2 FGO.<\/p>\n<p>3. In den F\u00e4llen der zulassungsfreien Verfahrensrevision ist das Revisionsgericht auf eine Pr\u00fcfung der Verfahrensm\u00e4ngel im Sinne des \u00a7 116 Abs. 1 FGO beschr\u00e4nkt (vgl. Tipke\/Kruse, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, \u00a7 116 FGO Rz. 9). Die R\u00fcge, das Protokoll \u00fcber die m\u00fcndliche Verhandlung sei unvollst\u00e4ndig, ist unzul\u00e4ssig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 24.8.1990 (X R 45-46\/90) BStBl. 1990 II S. 1032 Auf die Befolgung der Vorschriften \u00fcber die \u00d6ffentlichkeit des finanzgerichtlichen Verfahrens kann ein Beteiligter wirksam verzichten (Anschlu\u00df an BVerwG-Beschlu\u00df vom 4. November 1977 IV C 71\/77, HFR 1978, 174). FGO \u00a7 52; GVG \u00a7 169; ZPO \u00a7 295 Abs. 2. 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