{"id":36666,"date":"2013-04-19T18:23:14","date_gmt":"2013-04-19T16:23:14","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=36666"},"modified":"2013-04-19T18:23:14","modified_gmt":"2013-04-19T16:23:14","slug":"ix-r-34-12-abzuzinsende-buergschaftsverpflichtung-als-massstab-fuer-den-nachtraegliche-anschaffungskosten-bildenden-rueckgriffsanspruch-des-is-von-par-17-abs-1-estg-qualifiziert-beteiligten-nachtraegl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-34-12-abzuzinsende-buergschaftsverpflichtung-als-massstab-fuer-den-nachtraegliche-anschaffungskosten-bildenden-rueckgriffsanspruch-des-is-von-par-17-abs-1-estg-qualifiziert-beteiligten-nachtraegl\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;34\/12 &#8211; Abzuzinsende B&uuml;rgschaftsverpflichtung als Ma&szlig;stab f&uuml;r den nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten bildenden R&uuml;ckgriffsanspruch des i.S. von &sect; 17 Abs. 1 EStG qualifiziert Beteiligten; nachtr&auml;gliche Teilzahlungsvereinbarung als r&uuml;ckwirkendes Ereignis"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.11.2012, IX R 34\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Abzuzinsende B&uuml;rgschaftsverpflichtung als Ma&szlig;stab f&uuml;r den nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten bildenden R&uuml;ckgriffsanspruch des i.S. von &sect; 17 Abs. 1 EStG qualifiziert Beteiligten; nachtr&auml;gliche Teilzahlungsvereinbarung als r&uuml;ckwirkendes Ereignis<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Wird ein i.S. von &sect; 17 Abs. 1 EStG qualifiziert an einer Kapitalgesellschaft beteiligter Gesellschafter vom Gl&auml;ubiger der Kapitalgesellschaft aus einer eigenkapitalersetzenden B&uuml;rgschaft in Anspruch genommen und begleicht er seine Schuld vereinbarungsgem&auml;&szlig; ratierlich, entstehen nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten nur in H&ouml;he des Tilgungsanteils (Anschluss an BFH-Urteil vom 26. Januar 1999 VIII R 32\/96, BFH\/NV 1999, 922).&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Eine Teilzahlungsvereinbarung wirkt materiell-rechtlich und damit als r&uuml;ckwirkendes Ereignis i.S. von &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO auf den Zeitpunkt des Entstehens des Aufl&ouml;sungsverlusts zur&uuml;ck. <\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) war zu 50&nbsp;% Gesellschafter und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer einer GmbH. In den Jahren 1995 und 1997 verpflichtete er sich f&uuml;r die GmbH als B&uuml;rge. Nach seiner Inanspruchnahme aus der B&uuml;rgschaft im Jahr 1998 wurde ein Schuldanerkenntnis von 800.000&nbsp;DM zugunsten der Gl&auml;ubigerin beurkundet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitjahr (1999) wurde die GmbH aufgel&ouml;st. Am 12.&nbsp;September 2000 schloss der Kl&auml;ger mit der Gl&auml;ubigerin einen Erlassvertrag. Der Kl&auml;ger hatte danach 200.000&nbsp;DM zinslos in gleichbleibenden Jahresraten von 20.000&nbsp;DM zu zahlen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wie beantragt ber&uuml;cksichtigte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) bei der Ermittlung des Aufl&ouml;sungsverlusts (in einem vorl&auml;ufigen und unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung stehenden Feststellungsbescheid) die abgezinste B&uuml;rgschaftsverpflichtung von 154.900&nbsp;DM.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger zahlte bis Ende 2003 insgesamt 60.000&nbsp;DM an die Bank, dann aber nicht mehr. Aufgrund einer neuen Teilzahlungsvereinbarung vom Januar 2007 zahlte der Kl&auml;ger ab dem Jahr 2007 monatlich 700&nbsp;EUR auf die ausstehende Forderung. Das FA erlie&szlig; einen ge&auml;nderten Verlustfeststellungsbescheid, in dem es erneut abzinste und nunmehr eine (abgezinste) B&uuml;rgschaftsverpflichtung von 127.642&nbsp;DM zugrunde legte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen gerichtete Klage hatte Erfolg. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrt das Finanzgericht (FG) in seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2012, 2021 ver&ouml;ffentlichten Urteil aus, durch die Zahlungsvereinbarung mit der Gl&auml;ubigerin sei keine &Auml;nderung des Aufl&ouml;sungsverlusts eingetreten. Eine (weitere) Abzinsung komme nicht in Betracht, da es sich um Aufl&ouml;sungsverluste handele, die im Ergebnis nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten auf die Beteiligung darstellten. Dabei sei der Nennbetrag der Forderung auch dann als Anschaffungskosten anzusetzen, wenn die Forderung unverzinslich gestundet sei. Die Unverzinslichkeit oder niedrige Verzinslichkeit betr&auml;fen nicht die H&ouml;he der Anschaffungskosten, sondern den &#8211;wie sich aus dem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 30.&nbsp;November 1988 I&nbsp;R&nbsp;114\/84 (BFHE 155, 337, BStBl II 1990, 117) ergebe&#8211; den Teilwert der Forderung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision des FA. Anschaffungskosten entst&uuml;nden nur in H&ouml;he des Tilgungsanteils, so dass die Schuld abzuzinsen sei. Eine ge&auml;nderte Teilzahlungsverpflichtung f&uuml;hre zu ge&auml;nderten Anschaffungskosten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/><\/br>das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage in vollem Umfang abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/><\/br>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der auf den Nennwert abstellende Ansatz des FG sei zutreffend. Die Ber&uuml;cksichtigung der Ratenzahlungsvereinbarung stehe im Widerspruch zur Ratio der Stichtagsbewertung. Die Modifizierung der Ratenzahlungsvereinbarung stelle kein im Rahmen von &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) bedeutsames Ereignis dar. Ma&szlig;geblich f&uuml;r die Bewertung sei die Inanspruchnahme und nicht die Leistung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung zur Entscheidung in der Sache selbst, n&auml;mlich zur Abweisung der Klage. Unzutreffend hat das FG die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO verneint und damit diese Norm verletzt. Das FA war vielmehr berechtigt und auch verpflichtet, im angefochtenen &Auml;nderungsbescheid die Teilzahlungsvereinbarung vom Januar 2007 im Wege der Abzinsung zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 i.V.m. &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO ist ein Feststellungsbescheid zu &auml;ndern, soweit ein Ereignis eintritt, das steuerliche Wirkung f&uuml;r die Vergangenheit hat (r&uuml;ckwirkendes Ereignis). Muss dieses Ereignis nachtr&auml;glich eintreten (BFH-Urteil vom 22.&nbsp;Juli 2008 IX&nbsp;R&nbsp;79\/06, BFHE 222, 464, BStBl II 2009, 227), so bestimmt sich nach dem einschl&auml;gigen materiellen Recht, ob ihm eine r&uuml;ckwirkende steuerliche Bedeutung zukommt (Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 19.&nbsp;Juli 1993 GrS&nbsp;2\/92, BFHE 172, 66, BStBl II 1993, 897).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 und 4 des Einkommensteuergesetzes i.d.F. des Streitjahres (EStG) geh&ouml;rt zu den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb auch der &#8211;regelm&auml;&szlig;ig bei Abschluss der Liquidation entstehende&#8211; Verlust aus der Aufl&ouml;sung von Kapitalgesellschaften, wenn der Gesellschafter innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre am Kapital der Gesellschaft qualifiziert beteiligt war und er die Beteiligung in seinem Privatverm&ouml;gen hielt (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteil vom 14.&nbsp;M&auml;rz 2012 IX&nbsp;R&nbsp;37\/11, BFHE 236, 522, BStBl II 2012, 487; zur Entstehung vgl. auch BFH-Urteil vom 28.&nbsp;Oktober 2008 IX&nbsp;R&nbsp;100\/07, BFH\/NV 2009, 561, m.w.N.). Als in diesen Verlust einzubeziehende nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten der Beteiligung kommen &#8211;bezogen auf den Streitfall&#8211; Leistungen des GmbH-Gesellschafters aus einer f&uuml;r Verbindlichkeiten der Kapitalgesellschaft eingegangenen B&uuml;rgschaftsverpflichtung in Betracht, wenn die &Uuml;bernahme der B&uuml;rgschaft durch das Gesellschaftsverh&auml;ltnis veranlasst und die R&uuml;ckgriffsforderung gegen die Gesellschaft wertlos ist (zu den Voraussetzungen im Einzelnen vgl. die st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Urteil vom 4.&nbsp;M&auml;rz 2008 IX&nbsp;R&nbsp;80\/06, BFHE 220, 451, BStBl II 2008, 577). Die Anschaffungskosten erh&ouml;hen sich um den Nennwert der wertlos gewordenen R&uuml;ckgriffsforderung, wenn die Gesellschaft im Zeitpunkt der B&uuml;rgschafts&uuml;bernahme bereits in der Krise war (vgl. u.a. BFH-Urteil vom 26.&nbsp;Januar 1999 VIII&nbsp;R&nbsp;32\/96, BFH\/NV 1999, 922).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Voraussetzungen sind im Streitfall erf&uuml;llt. Die Beteiligten stellen sie mit dem FG nicht in Zweifel. Sie streiten lediglich &uuml;ber die Fragen, welche Auswirkungen eine nachtr&auml;glich getroffene Teilzahlungsvereinbarung des als B&uuml;rge in Anspruch genommenen GmbH-Gesellschafters mit der ihn in Anspruch nehmenden Bank auf seine nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten hat (3.) und ob sie auf den Aufl&ouml;sungszeitpunkt zur&uuml;ckzubeziehen ist (4.). Beide Fragen sind so zu beantworten, wie es das FA im Vorverfahren getan hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Eine Teilzahlungsvereinbarung des als B&uuml;rge in die Pflicht genommenen Gesellschafters mit der ihn f&uuml;r Verbindlichkeiten der GmbH in Anspruch nehmenden Bank f&uuml;hrt zu einer Reduzierung der nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten in H&ouml;he der Differenz zwischen Nennwert und abgezinsten Betrag.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Aufl&ouml;sungsverlust ist nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2, Abs.&nbsp;4 EStG aufgrund einer Stichtagsbewertung der in diesen Vorschriften genannten Faktoren auf den Zeitpunkt der Aufl&ouml;sung zu ermitteln (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 1999, 922). Erh&ouml;ht der Nennwert der (ausgefallenen) R&uuml;ckgriffsforderung gegen&uuml;ber der GmbH die nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten (s. zu 2.), richtet sich dieser Wert danach, inwieweit der GmbH-Gesellschafter aus der B&uuml;rgschaft in Anspruch genommen wurde. Denn insoweit kann er vom Hauptschuldner &#8211;der GmbH&#8211; Aufwendungsersatz gem&auml;&szlig; &sect;&sect;&nbsp;675, 670 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) verlangen. Auch die Forderung der Gl&auml;ubiger-Bank gegen die GmbH geht nach &sect;&nbsp;774 Abs.&nbsp;1 BGB auf den B&uuml;rgen (den Gesellschafter) &uuml;ber, soweit er die Gl&auml;ubiger-Bank befriedigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Wert der B&uuml;rgschaftsverbindlichkeit gegen&uuml;ber der Bank bestimmt also &#8211;bezogen auf den Stichtag der Aufl&ouml;sung (Liquidation)&#8211; den Nennwert der R&uuml;ckgriffsforderung als Bemessungsgrundlage f&uuml;r die nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten. Die Verbindlichkeit aus der B&uuml;rgschaft ist im Rahmen der an den &sect;&sect;&nbsp;4, 5 EStG orientierten Gewinnermittlungsvorschrift des &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 EStG nach &sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG abgezinst zu bewerten (zur Anwendbarkeit des &sect;&nbsp;6 EStG s. BFH-Urteil vom 13.&nbsp;April 2010 IX&nbsp;R&nbsp;22\/09, BFHE 229, 189, BStBl II 2010, 790, und BFH-Beschluss vom 6.&nbsp;April 2009 IX&nbsp;B&nbsp;204\/08, BFH\/NV 2009, 1262). Auch jenseits dessen w&auml;re sie als betagte Verbindlichkeit des Privatverm&ouml;gens f&uuml;r die Zwecke der Einkommensbesteuerung nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;3 des Bewertungsgesetzes (BewG) in n&auml;mlicher Weise abgezinst zu bewerten, &sect;&nbsp;1 BewG (so der Ansatz im BFH-Urteil in BFH\/NV 1999, 922).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Damit entstehen dem qualifiziert an einer Kapitalgesellschaft beteiligten Gesellschafter, der vom Gl&auml;ubiger der Kapitalgesellschaft aus einer eigenkapitalersetzenden B&uuml;rgschaft in Anspruch genommen wird und der seine Schuld vereinbarungsgem&auml;&szlig; ratierlich begleicht, nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten nur in H&ouml;he des Tilgungsanteils (so bereits BFH-Urteil in BFH\/NV 1999, 922; dem folgend das einhellige Schrifttum, vgl. Bl&uuml;mich\/Ebling, &sect;&nbsp;17 EStG Rz&nbsp;692; Gosch in Kirchhof, EStG, 11.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;17 Rz&nbsp;100; Schmidt\/Weber-Grellet, EStG, 31.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;17 Rz&nbsp;178). Der Zinsanteil ist Ausgleich f&uuml;r den Vorteil, die B&uuml;rgschaftsverbindlichkeit in Raten begleichen zu d&uuml;rfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach diesen Grunds&auml;tzen hat das FA zutreffend den am Ma&szlig;stab der abgezinsten B&uuml;rgschaftsverpflichtung bewerteten Nennbetrag der R&uuml;ckgriffsforderung des Kl&auml;gers als nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten ber&uuml;cksichtigt. Die Gl&auml;ubiger-Bank und der Kl&auml;ger haben eine Teilzahlungsvereinbarung getroffen. Aufgrund dessen f&uuml;hrt nur der Tilgungsanteil, nicht aber der Zinsanteil zu nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das BFH-Urteil in BFHE 155, 337, BStBl II 1990, 117, auf das sich das FG zur Begr&uuml;ndung seiner abweichenden Auffassung st&uuml;tzt, ist hier nicht einschl&auml;gig; denn es geht in jener Entscheidung nicht um die Bilanzierung einer unverzinslichen Darlehensforderung mit ihrem Nennbetrag als Anschaffungskosten, sondern um die vorgelagerte Fragestellung, in welcher Weise der Nennbetrag zu ermitteln ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die weitere im Jahr 2007 getroffene Teilzahlungsvereinbarung f&uuml;hrt zu einer erneuten Reduzierung der nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten mit Wirkung zur&uuml;ck auf den Zeitpunkt des Entstehens des Aufl&ouml;sungsverlusts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus dem punktuellen Erfassen des Aufl&ouml;sungsverlusts folgt, sp&auml;ter eintretende Ver&auml;nderungen der in die Ermittlung des Aufl&ouml;sungsverlusts einflie&szlig;enden Faktoren grunds&auml;tzlich auf den Zeitpunkt des Entstehens des Aufl&ouml;sungsverlusts zur&uuml;ckzubeziehen. Eine materiell-rechtliche und deshalb nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO auch verfahrensrechtliche R&uuml;ckwirkung liegt bezogen auf den Streitfall vor, wenn der Rechtsgrund f&uuml;r die sp&auml;ter geleistete Zahlung im urspr&uuml;nglichen Rechtsgesch&auml;ft angelegt ist (BFH-Urteil vom 23.&nbsp;Mai 2012 IX&nbsp;R&nbsp;32\/11, BFHE 237, 234, BStBl II 2012, 675; in diesem Sinne Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH in BFHE 172, 66, BStBl II 1993, 897).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben wirkt die weitere Ratenzahlungsvereinbarung aus dem Jahr 2007 materiell-rechtlich wie auch verfahrensrechtlich auf den Zeitpunkt des Entstehens des Aufl&ouml;sungsverlusts zur&uuml;ck. Denn sie beeinflusst mit der B&uuml;rgschaftsinanspruchnahme die nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten der Beteiligung, die sich (nur) bei der Ermittlung des Aufl&ouml;sungsverlusts auswirken (vgl. dazu BFH-Urteil in BFH\/NV 1999, 922; s. auch Schneider, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;17 Rz&nbsp;C&nbsp;291, C&nbsp;20; Eilers\/R.&nbsp;Schmidt in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;17 EStG Rz&nbsp;202). Der Rechtsgrund f&uuml;r die Ratenzahlung ist ersichtlich allein in der B&uuml;rgschaftsverpflichtung angelegt. Der aufgrund der B&uuml;rgschaft vom Kl&auml;ger geschuldete Betrag, den die Parteien des B&uuml;rgschaftsvertrags auf 200.000&nbsp;DM festgelegt haben, hat sich durch die weitere Ratenvereinbarung nicht ge&auml;ndert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Da das Urteil der Vorinstanz diesen Ma&szlig;st&auml;ben nicht entspricht, ist es aufzuheben. Die Sache ist spruchreif. Die Klage ist abzuweisen. Das FA hat die Abzinsung der B&uuml;rgschaftsverpflichtung nach den obigen Ma&szlig;st&auml;ben zutreffend berechnet. Das wird von den Beteiligten auch nicht angegriffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.11.2012, IX R 34\/12 Abzuzinsende B&uuml;rgschaftsverpflichtung als Ma&szlig;stab f&uuml;r den nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten bildenden R&uuml;ckgriffsanspruch des i.S. von &sect; 17 Abs. 1 EStG qualifiziert Beteiligten; nachtr&auml;gliche Teilzahlungsvereinbarung als r&uuml;ckwirkendes Ereignis Leits&auml;tze 1. Wird ein i.S. von &sect; 17 Abs. 1 EStG qualifiziert an einer Kapitalgesellschaft beteiligter Gesellschafter vom Gl&auml;ubiger der Kapitalgesellschaft aus einer &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-34-12-abzuzinsende-buergschaftsverpflichtung-als-massstab-fuer-den-nachtraegliche-anschaffungskosten-bildenden-rueckgriffsanspruch-des-is-von-par-17-abs-1-estg-qualifiziert-beteiligten-nachtraegl\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;34\/12 &#8211; Abzuzinsende B&uuml;rgschaftsverpflichtung als Ma&szlig;stab f&uuml;r den nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten bildenden R&uuml;ckgriffsanspruch des i.S. von &sect; 17 Abs. 1 EStG qualifiziert Beteiligten; nachtr&auml;gliche Teilzahlungsvereinbarung als r&uuml;ckwirkendes Ereignis<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-36666","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36666","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36666"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36666\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36666"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36666"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}