{"id":36667,"date":"2013-04-19T18:23:15","date_gmt":"2013-04-19T16:23:15","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=36667"},"modified":"2013-04-19T18:23:15","modified_gmt":"2013-04-19T16:23:15","slug":"ix-r-30-12-teilverjaehrung-festzustellender-besteuerungsgrundlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-30-12-teilverjaehrung-festzustellender-besteuerungsgrundlagen\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;30\/12 &#8211; Teilverj&auml;hrung festzustellender Besteuerungsgrundlagen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.11.2012, IX R 30\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Teilverj&auml;hrung festzustellender Besteuerungsgrundlagen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Der Ablauf der Frist zur Feststellung von privaten Ver&auml;u&szlig;erungsverlusten wird nicht durch &sect; 10d Abs. 4 Satz 6, 1. Halbsatz i.V.m. &sect; 23 Abs. 3 Satz 8 EStG gehemmt, soweit die Festsetzungsfrist f&uuml;r den Veranlagungszeitraum zwar wegen Hinterziehung der auf Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen entfallenden Einkommensteuer verl&auml;ngert ist, die festzustellenden Besteuerungsgrundlagen (Verluste aus privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften) die Voraussetzungen einer Steuerhinterziehung aber nicht erf&uuml;llen (Prinzip der Teilverj&auml;hrung). <\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) sind Eheleute, die im Streitjahr (2002) auf der Grundlage ihrer im Mai 2003 eingereichten Einkommensteuererkl&auml;rung zuletzt mit Bescheid vom August 2006 zur Einkommensteuer zusammen veranlagt wurden. Im Rahmen einer strafbefreienden Selbstanzeige erkl&auml;rte der Kl&auml;ger im Jahr 2010 bislang nicht erkl&auml;rte Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen und privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften f&uuml;r die Jahre 1999 bis 2008 nach. Auf das Streitjahr entfielen Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen in H&ouml;he von 13.439&nbsp;EUR und negative Eink&uuml;nfte aus privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften von 29.978,44&nbsp;EUR. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr vom September 2010 ber&uuml;cksichtigte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen, die Verluste aus privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften mangels Verrechenbarkeit mit ebensolchen Gewinnen aber nicht. Mit Schreiben vom Oktober 2010 beantragten die Kl&auml;ger, auf den 31.&nbsp;Dezember 2002 einen verbleibenden Verlustvortrag hinsichtlich der Eink&uuml;nfte aus privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften von 29.978,44&nbsp;EUR festzustellen. Dies lehnte das FA mit Bescheid vom November 2010 wegen eingetretener Verj&auml;hrung ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage hatte Erfolg. In seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2012, 1638 ver&ouml;ffentlichten Urteil verpflichtete das Finanzgericht (FG) das FA, den verbleibenden Verlustvortrag antragsgem&auml;&szlig; festzustellen. Nach &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;9, 2.&nbsp;Halbsatz des Einkommensteuergesetzes i.d.F. des Jahressteuergesetzes 2007 vom 13.&nbsp;Dezember 2006 (BGBl I 2006, 2878) &#8211;EStG&#8211; gelte &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 EStG nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;39 Satz&nbsp;7 EStG auch im Streitjahr entsprechend, da am 1.&nbsp;Januar 2007 die Feststellungsfrist noch nicht abgelaufen gewesen sei. Die Feststellungsfrist sei auch im Jahr 2010 noch nicht abgelaufen gewesen, so dass dem Antrag auf Feststellung stattzugeben sei. Zwar h&auml;tte die regul&auml;re Feststellungsfrist mit Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 2009 geendet. Die verl&auml;ngerte Verj&auml;hrungsfrist des &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) greife nicht ein, weil hinsichtlich der Verluste aus privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften unstreitig keine Steuerhinterziehung vorliege. Indes ende die Feststellungsfrist nach &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 EStG nicht, bevor die Festsetzungsfrist f&uuml;r den Veranlagungszeitraum abgelaufen sei, auf dessen Schluss der verbleibende Verlustvortrag gesondert festzustellen sei. Diese Festsetzungsfrist des Streitjahres ende wegen der Steuerhinterziehung nach &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO aber erst mit Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 2013. Die Teilverj&auml;hrung auf der Ebene der Steuerfestsetzung hindere die Verlustfeststellung nicht. Eine entsprechende Einschr&auml;nkung k&ouml;nne man &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 EStG nicht entnehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision des FA, die es auf die Verletzung von Bundesrecht st&uuml;tzt. Die Auffassung des FG sei dem Gesetz nicht zu entnehmen. Dessen Ausf&uuml;hrungen zum Sinn und Zweck der Verj&auml;hrungsregelungen &uuml;berzeugten nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/><\/br>das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<br \/><\/br>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Erg&auml;nzend zur Argumentation des FG verweisen die Kl&auml;ger auch auf die Systematik des Gesetzes. Sofern der Gesetzgeber beabsichtigt h&auml;tte, nicht auf die gesamte in &sect;&nbsp;169 AO geregelte Festsetzungsfrist zu verweisen, habe er dies stets ausdr&uuml;cklich klargestellt, so z.B. in &sect;&nbsp;147 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 AO oder in &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 AO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung zur Entscheidung in der Sache selbst, n&auml;mlich zur Abweisung der Klage. Das FG hat das FA unzutreffend dazu verpflichtet, verbleibende Verluste aus privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften des Kl&auml;gers in H&ouml;he von 29.978,44&nbsp;EUR festzustellen. Ein derartiger Anspruch aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis (&sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;9 EStG) ist durch Verj&auml;hrung (&sect;&sect;&nbsp;169 bis 171 AO) erloschen, &sect;&nbsp;47 AO. Es ist dem FG wie auch den Beteiligten beizupflichten, dass die Feststellungsfrist ohne Ber&uuml;cksichtigung des &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6, 1.&nbsp;Halbsatz EStG am 31.&nbsp;Dezember 2009 abgelaufen w&auml;re. Die Beteiligten streiten nur dar&uuml;ber, ob die besondere Ablaufhemmung des &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6, 1.&nbsp;Halbsatz EStG eingreift. Indes ist auch die Festsetzungsfrist f&uuml;r den Veranlagungszeitraum des Streitjahres abgelaufen, so dass die Voraussetzungen der besonderen Ablaufhemmung nicht vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6, 1.&nbsp;Halbsatz i.V.m. &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;9, 2.&nbsp;Halbsatz EStG endet die Feststellungsfrist &#8211;auch f&uuml;r das Streitjahr (&sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;39 Satz&nbsp;7 EStG)&#8211; nicht, bevor die Festsetzungsfrist f&uuml;r den Veranlagungszeitraum abgelaufen ist, auf dessen Schluss der verbleibende Verlustvortrag gesondert festzustellen ist (zum Hintergrund dieser Regelung s. BTDrucks 16\/3368, S. 17; Heuermann in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/ Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;10d Rz&nbsp;D&nbsp;114). Festsetzungsfrist ist die Festsetzungsfrist f&uuml;r die Einkommensteuer des Streitjahres. Diese Festsetzungsfrist begann &#8211;da die Kl&auml;ger ihre Einkommensteuererkl&auml;rung im Mai 2003 abgegeben hatten&#8211; mit Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 2003 (&sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO) und endete nach &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO mit Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 2007.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Festsetzungsfrist verl&auml;ngert sich nicht auf zehn Jahre. &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO ist nicht anwendbar. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach dieser Vorschrift betr&auml;gt die Festsetzungsfrist zehn Jahre,&nbsp;&nbsp;&nbsp;soweit&nbsp;&nbsp;&nbsp;eine Steuer hinterzogen worden ist. Hinterzogen wurde im Streitfall nur die Einkommensteuer, die auf Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen entf&auml;llt. Aus dem Gesetz folgt umgekehrt: Soweit die Steuer nicht hinterzogen ist, bleibt es bei der regul&auml;ren Festsetzungsfrist. Damit kommt in Bezug auf die Eink&uuml;nfte aus privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften die nicht durch &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO verl&auml;ngerte vierj&auml;hrige Festsetzungsfrist des &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO zum Zuge. Dieser aus dem Gesetz abgeleitete Grundsatz der Teilverj&auml;hrung ergibt sich schon aus dem Wortlaut des &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO und der dort verwendeten restriktiven Konjunktion &quot;soweit&quot;. Eine unterschiedliche Verj&auml;hrung einzelner Teilbetr&auml;ge desselben Steueranspruchs ist danach m&ouml;glich (einhellige Auffassung, vgl. Bundesfinanzhof &#8211;BFH&#8211;, Urteil vom 26.&nbsp;Februar 2008 VIII&nbsp;R&nbsp;1\/07, BFHE 220, 229, BStBl II 2008, 659; Banniza in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;169 AO Rz&nbsp;66; Kruse in Tipke\/ Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;169 AO Rz&nbsp;14; Pahlke\/Koenig\/C&ouml;ster, Abgabenordnung, 2.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;169 Rz&nbsp;22; Klein\/R&uuml;sken, AO, 11.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;169 Rz&nbsp;25).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Entgegen dem FG l&auml;sst sich damit eine entsprechende Einschr&auml;nkung aus &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 EStG entnehmen, indem diese Vorschrift mit der &quot;Festsetzungsfrist f&uuml;r den Veranlagungszeitraum&quot; auf die &sect;&sect;&nbsp;169 ff. AO verweist, an die dort geregelten Tatbest&auml;nde ankn&uuml;pft und insbesondere die Teilverj&auml;hrung des &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO in sich aufnimmt. Verl&auml;ngert sich die Festsetzungsfrist nur f&uuml;r Steuern, soweit sie hinterzogen wurden, wird auch der Ablauf der Feststellungsfrist dann nicht gehemmt, soweit es um die Feststellung von Besteuerungsgrundlagen geht, welche die Voraussetzungen einer Steuerhinterziehung nicht erf&uuml;llen (zu den Folgen bei gesonderter Feststellung vgl. auch Banniza in HHSp, &sect;&nbsp;169 AO Rz&nbsp;66, m.w.N.). Damit erledigt sich auch die systematische Argumentation des Kl&auml;gers: Wenn das Gesetz auf die gesamten in &sect;&nbsp;169 AO enthaltenen Regelungen verweist, so auch auf die in &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO enthaltenen Restriktionen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Das bedeutet bezogen auf den Streitfall: Die Festsetzungsfrist ist nach &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO lediglich in Bezug auf die Einkommensteuer noch nicht abgelaufen, die auf die Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen entf&auml;llt. Infolgedessen ist im &Uuml;brigen Festsetzungsverj&auml;hrung eingetreten (n&auml;mlich schon mit Ablauf des Jahres 2007), mit der weiteren Folge, dass die besondere Ablaufhemmung f&uuml;r die Feststellungsfrist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;9 i.V.m. &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 EStG nicht eingreift und die Feststellungsfrist am 31.&nbsp;Dezember 2009 abgelaufen war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Dieses am Wortlaut der Vorschriften ausgerichtete Ergebnis entspricht dem Zweck des Gesetzes:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Wenn es &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO mit der auf zehn Jahre verl&auml;ngerten Festsetzungsfrist dem durch die Steuerstraftat gesch&auml;digten Steuergl&auml;ubiger erm&ouml;glichen soll, die ihm vorenthaltenen Steuerbetr&auml;ge auch nach Ablauf von vier Jahren zur&uuml;ckzufordern, so darf diese Grundentscheidung &#8211;z.B. in Erstattungsf&auml;llen&#8211; nicht in ihr Gegenteil verkehrt werden (eingehend zum Zweck BFH-Urteil in BFHE 220, 229, BStBl II 2008, 659). Genau dies w&auml;re aber der Fall, wollte man den Ablauf der Feststellungsfrist durch die wegen Steuerhinterziehung verl&auml;ngerte Festsetzungsfrist hemmen. Denn dann w&uuml;rde der Steuerpflichtige, der seine Verluste aus privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften nicht vorschriftsgem&auml;&szlig; erkl&auml;rt hat, nur deshalb beg&uuml;nstigt, weil er dar&uuml;ber hinaus Steuern hinterzogen hat. Er k&ouml;nnte nun noch innerhalb der gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;9, &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 EStG, &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO (verl&auml;ngerten) Feststellungsfrist Verluste aus privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften geltend machen, w&auml;hrend derjenige, der keine Steuerhinterziehung begangen hat, diese M&ouml;glichkeit nicht h&auml;tte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Auch der Zweck des &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 i.V.m. &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;9 EStG fordert keine vom Wortlaut des Gesetzes abweichende Auslegung: Wenn es Sinn der dienenden Funktion des Feststellungsverfahrens f&uuml;r das Festsetzungsverfahren ist, sicherzustellen, dass sich Ver&auml;nderungen der f&uuml;r den Verlustvortrag ma&szlig;gebenden Bezugsgr&ouml;&szlig;en im Verlustfeststellungsverfahren auswirken k&ouml;nnen (BTDrucks 16\/3368, S.&nbsp;17), so gilt dies jedenfalls in der Konstellation des Streitfalls nicht: Die hinterzogenen Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen haben keinerlei Auswirkungen auf die vorzutragenden und gesondert festzustellenden verbleibenden Verluste aus privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Da die Vorentscheidung diesen Ma&szlig;st&auml;ben nicht entspricht, ist sie aufzuheben. Die Sache ist spruchreif. Die Klage ist abzuweisen. Da die regul&auml;re Feststellungsfrist unstreitig Ende 2009 ablief, war Feststellungsverj&auml;hrung eingetreten und eine gesonderte Feststellung der Verluste aus privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften des Streitjahres darf nicht mehr ergehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.11.2012, IX R 30\/12 Teilverj&auml;hrung festzustellender Besteuerungsgrundlagen Leits&auml;tze Der Ablauf der Frist zur Feststellung von privaten Ver&auml;u&szlig;erungsverlusten wird nicht durch &sect; 10d Abs. 4 Satz 6, 1. 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