{"id":36733,"date":"1989-12-06T18:23:56","date_gmt":"1989-12-06T16:23:56","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=36733"},"modified":"2013-04-29T11:41:43","modified_gmt":"2013-04-29T09:41:43","slug":"bfh-urteil-vom-6-12-1989-ii-r-18_87-bstbl-1990-ii-s-221","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-6-12-1989-ii-r-18_87-bstbl-1990-ii-s-221\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 6.12.1989    (II R 18\/87) BStBl. 1990 II S. 221"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 6.12.1989 (II R 18\/87) BStBl. 1990 II S. 221<\/strong><\/p>\n<p>Art. 7 Satz 1 ErbStRG 1974 gilt nur f\u00fcr inl\u00e4ndische Familienstiftungen und -vereine.<\/p>\n<p>ErbStG 1974 \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 4, \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 2, \u00a7 7 Abs. 1 Nr. 9; ErbStRG 1974 Art. 7.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG M\u00fcnchen (EFG 1987, 256)<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin erhielt aus der zum 1. November 1983 vollzogenen Aufl\u00f6sung einer nach Schweizer Recht gegr\u00fcndeten Familienstiftung mit Sitz in Freiburg (Schweiz) eine Aussch\u00fcttung in H\u00f6he von umgerechnet 1.284.540 DM, die das beklagte Finanzamt (FA) nach \u00a7 7 Abs. 1 Nr. 9 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG 1974) durch Steuerbescheid unter Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung der Schenkungsteuer nach Steuerklasse I unterwarf. Durch \u00c4nderungsbescheid vom 30. Januar 1985 erh\u00f6hte das FA die Schenkungsteuer unter Anwendung der Steuerklasse II auf 271.590 DM. Dieses Vorgehen begr\u00fcndete das FA damit, da\u00df die Verg\u00fcnstigung des Art. 7 Satz 1 des Gesetzes zur Reform des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuerrechts (ErbStRG 1974) bei der Aufl\u00f6sung ausl\u00e4ndischer Familienstiftungen nicht Platz greife.<\/p>\n<p>Nach erfolglosem Einspruch hat die Kl\u00e4gerin Klage erhoben und die Aufhebung des angefochtenen \u00c4nderungsbescheids beantragt. Die Klage hatte Erfolg (vgl. Entscheidungen der Finanzgerichte 1987, 256).<\/p>\n<p>Mit der vom Finanzgericht (FG) zugelassenen Revision hat das FA beantragt, das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>Die Revision des FA ist begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Auf den Erwerb der Kl\u00e4gerin, der nach \u00a7 7 Abs. 1 Nr. 9 i.V.m. \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG 1974 der Schenkungsteuer unterliegt, findet die Sondervorschrift des Art. 7 Satz 1 ErbStRG 1974 entgegen der Auffassung des FG keine Anwendung. Sie gilt nicht f\u00fcr den Erwerb anl\u00e4\u00dflich der Aufl\u00f6sung einer ausl\u00e4ndischen Familienstiftung.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df Art. 7 Satz 1 ErbStRG 1974 wird der Besteuerung der zuletzt Berechtigten bei Aufl\u00f6sung einer Stiftung oder eines Vereins i.S. des \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG 1974 vor dem 1. Januar 1984 der Vomhundertsatz der Steuerklasse I zugrunde gelegt. In dem in Bezug genommenen \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG 1974 ist geregelt, da\u00df die dort n\u00e4her umschriebenen Stiftungen und Vereine (Familienstiftungen und -vereine) in Zeitabst\u00e4nden von je 30 Jahren einer besonderen Erbschaftsteuer (Erbersatzsteuer) unterliegen. Stiftungen und Vereine i.S. des \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG 1974, deren Aufl\u00f6sung \u00fcber Art. 7 Satz 1 ErbStRG 1974 zur Anwendung der Steuerklasse I auf den Erwerb der zuletzt Berechtigten f\u00fchrt, sind danach die der Erbersatzsteuer unterliegenden Familienstiftungen und -vereine.<\/p>\n<p>Der Erbersatzsteuer unterliegen aufgrund des \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG 1974 nur inl\u00e4ndische Familienstiftungen und -vereine. Auch wenn die n\u00e4here Regelung der pers\u00f6nlichen Steuerpflicht hinsichtlich der Erbersatzsteuer nicht bereits in \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG 1974 geregelt ist, meint Art. 7 Satz 1 ErbStRG 1974 nur die Familienstiftungen und -vereine, die der Erbersatzsteuer unterliegen. Deren Aufl\u00f6sung soll durch Art. 7 Satz 1 ErbStRG 1974 erleichtert werden. Da ausl\u00e4ndische Familienstiftungen und -vereine &#8211; wie bisher &#8211; keiner Erbersatzsteuer unterliegen, bestand und besteht keine Notwendigkeit, auch die Aufl\u00f6sung dieser Stiftungen und Vereine steuerlich besonders zu erleichtern.<\/p>\n<p>Die genannte Zielsetzung des Art. 7 Satz 1 ErbStRG 1974 l\u00e4\u00dft sich auch der Entstehungsgeschichte der Vorschrift entnehmen. W\u00e4hrend der zweiten Lesung des ErbStRG 1974 wurde im Bundestag die Verbindung hergestellt zwischen der erstmaligen Erhebung der Erbersatzsteuer und der erm\u00e4\u00dfigten Besteuerung der Bezugsberechtigten bei vorheriger Aufl\u00f6sung der betroffenen Stiftungen und Vereine (vgl. die Verhandlung des Deutschen Bundestages, 69. Sitzung vom 6. Dezember 1973, S. 4128 linke Spalte, vorletzter Absatz).<\/p>\n<p>Aus Art. 7 Satz 2 ErbStRG 1974 ist nicht auf eine weite Auslegung des Satzes 1 zu schlie\u00dfen, wie dies das FG meint. Satz 2 gilt erkennbar nur in den F\u00e4llen des Satzes 1. Es sollte vermieden werden, da\u00df bei der beg\u00fcnstigten Aufl\u00f6sung einer inl\u00e4ndischen Familienstiftung bis zum 31. Dezember 1983 trotz der Sondervorschrift gegen\u00fcber dem fr\u00fcheren Recht eine Verschlechterung eintrat. Eine Verschlechterung kann zwar auch bei der Aufl\u00f6sung einer ausl\u00e4ndischen Familienstiftung eintreten, f\u00fcr die Art. 7 Satz 1 ErbStRG 1974 nicht gilt. Das bedeutet aber nicht, da\u00df der Gesetzgeber auch in diesen F\u00e4llen das Wahlrecht des Satzes 2 einr\u00e4umen wollte. Erst recht ergeben sich daraus keine durchschlagenden Argumente f\u00fcr eine Anwendung des Art. 7 Satz 1 ErbStRG 1974 auf die Aufl\u00f6sung ausl\u00e4ndischer Familienstiftungen.<\/p>\n<p>Auch der Gleichheitssatz gebietet es nicht, Art. 7 Satz 1 ErbStRG 1974 verfassungskonform dahin auszulegen, da\u00df diese Vorschrift auch auf ausl\u00e4ndische Familienstiftungen und -vereine anwendbar ist. Die inl\u00e4ndischen Bezugsberechtigten von Familienstiftungen zahlen zwar bei Aufl\u00f6sung einer ausl\u00e4ndischen Familienstiftung eine h\u00f6here Steuer als bei Aufl\u00f6sung einer inl\u00e4ndischen Familienstiftung. Gleichwohl rechtfertigt es der Zweck des Art. 7 Satz 1 ErbStRG 1974, nur die Aufl\u00f6sung sonst der Erbersatzsteuer unterliegender inl\u00e4ndischer Familienstiftungen steuerlich zu beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<p>Es ist auch ein im Rahmen des Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes zu beachtender Unterschied, ob eine inl\u00e4ndische Familienstiftung aufgel\u00f6st wird, um der Erbersatzsteuer zu entgehen, oder ob eine ausl\u00e4ndische Familienstiftung, der die Erbersatzsteuer nicht droht, aufgel\u00f6st wird. Entgegen der Auffassung des FG ist es deshalb verfassungsrechtlich nicht entscheidend, da\u00df auch eine inl\u00e4ndische Familienstiftung, die innerhalb der gesetzlichen Frist aufgel\u00f6st wird, wie eine ausl\u00e4ndische Familienstiftung nicht mehr der Erbersatzsteuer unterliegt.<\/p>\n<p>Der Senat entscheidet selbst in der Sache (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -). Das angefochtene Urteil ist aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 6.12.1989 (II R 18\/87) BStBl. 1990 II S. 221 Art. 7 Satz 1 ErbStRG 1974 gilt nur f\u00fcr inl\u00e4ndische Familienstiftungen und -vereine. ErbStG 1974 \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 4, \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 2, \u00a7 7 Abs. 1 Nr. 9; ErbStRG 1974 Art. 7. 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