{"id":37709,"date":"1989-12-19T11:56:46","date_gmt":"1989-12-19T09:56:46","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=37709"},"modified":"2013-05-07T15:38:26","modified_gmt":"2013-05-07T13:38:26","slug":"bfh-urteil-vom-19-12-1989-vii-r-76_87-bstbl-1990-ii-s-397","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-19-12-1989-vii-r-76_87-bstbl-1990-ii-s-397\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom    19.12.1989 (VII R 76\/87) BStBl. 1990 II S. 397"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 19.12.1989 (VII R 76\/87) BStBl. 1990 II S. 397<\/strong><\/p>\n<p>Die Kraftfahrzeugsteuerbefreiung f\u00fcr das Halten von Fahrzeugen zur Abfallbeseitigung\/Abfallentsorgung ist ausgeschlossen bei Fahrzeug-Verwendung zur Bef\u00f6rderung von Baustellenabf\u00e4llen (&#8222;Bauschutt&#8220;).<\/p>\n<p>KraftStG 1979 \u00a7 3 Nr. 4 Buchst. b; AbfG \u00a7 12.<\/p>\n<p>Vorinstanz: Nieders\u00e4chsisches FG (EFG 1987, 584)<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>Dem Kl\u00e4ger war f\u00fcr das Halten eines f\u00fcr ihn zum Verkehr zugelassenen, f\u00fcr Zwecke des Abfallbeseitigungsunternehmens des Kl\u00e4gers eingesetzten Lastkraftwagens von dem Finanzamt zun\u00e4chst Kraftfahrzeugsteuerbefreiung gew\u00e4hrt worden. Nachdem das FA festgestellt hatte, da\u00df das Fahrzeug seit M\u00e4rz 1980 regelm\u00e4\u00dfig zur Bef\u00f6rderung von Baustellenabf\u00e4llen verwendet worden war, setzte es gegen den Kl\u00e4ger Kraftfahrzeugsteuer fest.<\/p>\n<p>Die Klage, mit der der Kl\u00e4ger im wesentlichen ausf\u00fchrte, Baustellenabf\u00e4lle seien kein Bauschutt, ihre Bef\u00f6rderung daher nicht von der Steuerbefreiung nach \u00a7 3 Nr. 4 Buchst. b des Kraftfahrzeugsteuergesetzes (KraftStG) 1979 ausgeschlossen, wurde vom Finanzgericht (FG) abgewiesen (Urteil vom 19. M\u00e4rz 1987 III 502\/85, Entscheidungen der Finanzgerichte 1987, 584).<\/p>\n<p>Mit der Revision macht der Kl\u00e4ger geltend, die Ausnahme von Bauschutt usw. in der Befreiungsvorschrift habe lediglich erkl\u00e4rende und abgrenzende Bedeutung im Verh\u00e4ltnis zum Abfallbegriff, weil f\u00fcr die Abfallart &#8222;Bauschutt&#8220; &#8211; nur Steine, Betonreste, Putz und Dachpfannen &#8211; eine wirtschaftliche Verwertung m\u00f6glich sei. Hier wolle der Besitzer sich der Gegenst\u00e4nde entledigen; er erhalte f\u00fcr die \u00dcberlassung keinen materiellen Vorteil. Daraus ergebe sich, da\u00df Abfall (im Sinne des subjektiven Abfallbegriffs) vorliege, dessen Bef\u00f6rderung steuerbeg\u00fcnstigt sei.<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>Die Revision ist nicht begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Das FG hat zutreffend entschieden, da\u00df das Halten des f\u00fcr den Kl\u00e4ger zugelassenen Fahrzeugs nicht nach \u00a7 3 Nr. 4 Buchst. b KraftStG 1979 kraftfahrzeugsteuerfrei ist, weil das Fahrzeug regelm\u00e4\u00dfig zur Beseitigung von Bauabfall eingesetzt worden ist, der &#8222;Bauschutt&#8220; im Sinne des Gesetzes darstellt.<\/p>\n<p>Bauschutt kann zwar, wie sich bereits aus der bezeichneten Steuervorschrift ergibt, Abfall im Sinne des Abfallrechts sein (vgl. auch \u00a7 12 Abs. 1 Nr. 2 des Abfallgesetzes &#8211; AbfG &#8211; vom 27. August 1986, BGBl I 1986, 1410). Die Fahrzeugverwendung zur Beseitigung von Bauschutt ist jedoch von der Steuerbefreiung ausdr\u00fccklich ausgeschlossen. Der Ausschlu\u00dfregelung, die neben Bauschutt auch Bodenaushub und Abraum betrifft, liegt die Absicht zugrunde, die Kraftfahrzeugsteuerbefreiung (f\u00fcr den Fall der Abfallbeseitigung) &#8222;wie bisher&#8220; auf die Verwendung von Fahrzeugen im Dienst der \u00f6ffentlichen Hygiene zu beschr\u00e4nken (BTDrucks 8\/1679, S. 17). Schon daraus ergibt sich, da\u00df der Begriff &#8222;Bauschutt&#8220; nicht einengend verstanden werden darf. Auch durch Schadstoffe verunreinigter Bauschutt f\u00e4llt unter die gesetzliche Ausnahme (M\u00f6llinger, Umsatzsteuer- und Verkehrsteuer-Recht &#8211; UVR &#8211; 1989, 42, 45); die Bef\u00f6rderung derartiger Stoffe bedarf der abfallrechtlichen Genehmigung (\u00a7 12 AbfG), die dem Kl\u00e4ger auch erteilt worden war. Im abfallrechtlichen Sinne sind gleichfalls s\u00e4mtliche einschl\u00e4gig anfallenden unbrauchbaren und zu entsorgenden Materialien unter &#8222;Bauschutt&#8220; zu verstehen, neben Putz, M\u00f6rtel, Steinen und Ziegeln auch Auslegware, Holzverschalungen, Tapetenreste usw. (Versteyl in Kunig\/Schwermer\/Versteyl, Abfallgesetz, 1988, \u00a7 12 Rdnote 11 a.E.; vgl. auch Schwermer, a.a.O., \u00a7 1 Rdnote 35). Nach der Vorentscheidung hat der Senat davon auszugehen (vgl. \u00a7 118 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung), da\u00df mit dem f\u00fcr den Kl\u00e4ger zugelassenen Fahrzeug &#8211; &#8222;gemischt&#8220; &#8211; Steine und dergleichen einerseits und Plastikgegenst\u00e4nde, Paletten, Dr\u00e4hte, Heizk\u00f6rper, Rohre und \u00e4hnliche Gegenst\u00e4nde andererseits bef\u00f6rdert worden sind. Darin liegt eine &#8211; nicht steuerbeg\u00fcnstigte &#8211; Verwendung zur Beseitigung von Bauschutt im dargelegten Sinne, wobei unerheblich ist, ob in diesem Schadstoffe oder nur Fremdstoffe enthalten waren. Beide Bestandteile sind gleicherma\u00dfen als zum Bauschutt geh\u00f6rend anzusehen. Die bef\u00f6rderten Stoffe sind insgesamt Bauschutt; eine &#8211; steuerbeg\u00fcnstigte &#8211; Bef\u00f6rderung von (sonstigem) Abfall mit noch ungetrennt darin enthaltenen industriellen Reststoffen (dazu Senat, Urteil vom 9. Mai 1989 VII R 74\/86, BFHE 157, 236, BStBl II 1989, 675) liegt nicht vor.<\/p>\n<p>Die Einwendungen der Revision greifen nicht durch. Der Begriff &#8222;Bauschutt&#8220; kann nicht auf wirtschaftlich verwertbare Materialien &#8211; Steinbaustoffe und dergleichen &#8211; beschr\u00e4nkt werden, denn gerade insoweit bedarf es der Ausnahmeregelung nicht. Diese Materialien sind, jedenfalls nach der hier ma\u00dfgebenden (fr\u00fcheren) Fassung des AbfG, ein Wirtschaftsgut, somit ohnehin kein Abfall (vgl. auch Senat, Beschlu\u00df vom 13. Juni 1989 VII S 32\/88, BFHE 157, 240, 243, BStBl II 1989, 743). Ob nach \u00a7 1 Abs. 1 AbfG (n.F.) unter den darin &#8211; Satz 2 &#8211; bezeichneten Voraussetzungen die Bef\u00f6rderung von Bauschutt-Recyclingstoffen als nicht unter die Ausnahmeregelung in \u00a7 3 Nr. 4 Buchst. b KraftStG 1979 fallende &#8211; steuerbeg\u00fcnstigte &#8211; Fahrzeugverwendung zur Abfallbeseitigung\/Abfallentsorgung anzusehen ist (so M\u00f6llinger, UVR 1989, 270), braucht der Senat nicht zu entscheiden. Unerheblich ist auch, ob der mit dem Fahrzeug bef\u00f6rderte Bauschutt Abfall im Sinne des subjektiven Abfallbegriffs ist. Auch soweit er danach Abfall ist, ist die Fahrzeugverwendung zu seiner Bef\u00f6rderung auf Grund der im Gesetz angeordneten Ausnahme von der Steuerbefreiung ausgeschlossen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 19.12.1989 (VII R 76\/87) BStBl. 1990 II S. 397 Die Kraftfahrzeugsteuerbefreiung f\u00fcr das Halten von Fahrzeugen zur Abfallbeseitigung\/Abfallentsorgung ist ausgeschlossen bei Fahrzeug-Verwendung zur Bef\u00f6rderung von Baustellenabf\u00e4llen (&#8222;Bauschutt&#8220;). KraftStG 1979 \u00a7 3 Nr. 4 Buchst. b; AbfG \u00a7 12. 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