{"id":38271,"date":"2002-02-26T10:47:33","date_gmt":"2002-02-26T08:47:33","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=38271"},"modified":"2013-05-16T11:22:45","modified_gmt":"2013-05-16T09:22:45","slug":"bfh-urteil-vom-26-2-2002-x-r-61_99-bstbl-2003-ii-s-31","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-26-2-2002-x-r-61_99-bstbl-2003-ii-s-31\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 26.2.2002 (X R 61\/99)     BStBl. 2003 II S. 31"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 26.2.2002 (X R 61\/99) BStBl. 2003 II S. 31<\/strong><\/p>\n<p>1. \u00a7 11 Abs. 3 Satz 1 GewStG verweist u.a. auf die durch \u00a7 2 Abs. 2 und 6 HAG legaldefinierten Begriffe des &#8222;Hausgewerbetreibenden&#8220; und der &#8222;fremden Hilfskr\u00e4fte&#8220;.<\/p>\n<p>2. &#8222;Fremde Hilfskr\u00e4fte&#8220; (\u00a7 2 Abs. 6 HAG) des Hausgewerbetreibenden sind alle aufgrund von Arbeitsvertr\u00e4gen &#8211; auch aushilfsweise &#8211; bei ihm besch\u00e4ftigten Arbeitnehmer einschlie\u00dflich solcher, die nahe Angeh\u00f6rige i.S. von \u00a7 2 Abs. 5 Buchst. a bis c HAG sind und mit ihm in h\u00e4uslicher Gemeinschaft leben (entgegen BFH-Urteil vom 4. Oktober 1956 V 96\/56 S, BFHE 63, 383, BStBl III 1956, 343).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>GewStG \u00a7 11 Abs. 2 und 3 Satz 1; HAG \u00a7 2 Abs. 2, 5 und 6.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Baden-W\u00fcrttemberg (EFG 1999, 1196)<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Streitig ist, ob der Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4ger) Hausgewerbetreibender i.S. von \u00a7 2 Abs. 2 des Heimarbeitsgesetzes (HAG) war und deshalb die Anwendung der in \u00a7 11 Abs. 3 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) vorgesehenen erm\u00e4\u00dfigten Steuermesszahl f\u00fcr den Gewerbeertrag beanspruchen konnte.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger betrieb in den Streitjahren (1992 und 1993) in eigener Werkstatt eine Poliererei. Er polierte im Auftrag von verschiedenen Unternehmen teilfertige chirurgische Instrumente. Die so veredelten Erzeugnisse lieferte er an seine Auftraggeber zur\u00fcck. Der Kl\u00e4ger arbeitete in seinem Betrieb &#8222;am St\u00fcck&#8220; (vgl. \u00a7 2 Abs. 2 HAG) mit und bediente sich bei der Erbringung seiner Leistungen verschiedener Hilfskr\u00e4fte. Dabei handelte es sich z.T. um Vollzeitbesch\u00e4ftigte, \u00fcberwiegend aber um Teilzeitkr\u00e4fte, deren Aushilfsl\u00f6hne nach \u00a7 40a Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) pauschal versteuert wurden. Zu den aufgrund von Arbeitsvertr\u00e4gen entlohnten Aushilfskr\u00e4ften geh\u00f6rten auch nahe Angeh\u00f6rige des Kl\u00e4gers, von denen seine Ehefrau, sein Sohn L sowie der ab August 1994 mitarbeitende Sohn C, nicht aber seine Schw\u00e4gerin S und sein Bruder B, mit ihm in h\u00e4uslicher Gemeinschaft lebten. Die Zahl der Besch\u00e4ftigten in den einzelnen Monaten der Jahre 1991 bis 1995 ergibt sich aus der nachstehenden \u00dcbersicht, in der die vollzeitbesch\u00e4ftigten Arbeitnehmer unter &#8222;AN&#8220;, die nicht im Haushalt des Kl\u00e4gers lebenden Aushilfen &#8211; auch soweit sie mit ihm verwandt oder verschw\u00e4gert sind &#8211; unter &#8222;AH&#8220; sowie die im Haushalt des Kl\u00e4gers lebenden Familienangeh\u00f6rigen unter &#8222;FA&#8220; aufgef\u00fchrt sind:<\/p>\n<table width=\"507\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"21%\"><\/td>\n<td width=\"16%\">1991<\/td>\n<td width=\"16%\">1992<\/td>\n<td width=\"16%\">1993<\/td>\n<td width=\"15%\">1994<\/td>\n<td width=\"16%\">1995<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\"><\/td>\n<td width=\"16%\"><\/td>\n<td width=\"16%\"><\/td>\n<td width=\"16%\"><\/td>\n<td width=\"15%\"><\/td>\n<td width=\"16%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\"><\/td>\n<td width=\"16%\">AN AH FA<\/td>\n<td width=\"16%\">AN AH FA<\/td>\n<td width=\"16%\">AN AH FA<\/td>\n<td width=\"15%\">AN AH FA<\/td>\n<td width=\"16%\">AN AH FA<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\"><\/td>\n<td width=\"16%\"><\/td>\n<td width=\"16%\"><\/td>\n<td width=\"16%\"><\/td>\n<td width=\"15%\"><\/td>\n<td width=\"16%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\">Januar<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; &#8211; 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 1 2<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 2 2<\/td>\n<td width=\"15%\">&#8211; 2 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 &#8211; 2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\">Februar<\/td>\n<td width=\"16%\">1 &#8211; 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 1 2<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; &#8211; 2<\/td>\n<td width=\"15%\">1 2 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 1 2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\">M\u00e4rz<\/td>\n<td width=\"16%\">1 &#8211; 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 2 2<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 1 2<\/td>\n<td width=\"15%\">1 1 1<\/td>\n<td width=\"16%\">1 &#8211; 3<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\">April<\/td>\n<td width=\"16%\">1 1 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 2 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 2 2<\/td>\n<td width=\"15%\">1 1 1<\/td>\n<td width=\"16%\">1 &#8211; 2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\">Mai<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 1 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 1 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 1 2<\/td>\n<td width=\"15%\">1 1 1<\/td>\n<td width=\"16%\">1 &#8211; 2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\">Juni<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 1 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 2 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 &#8211; 2<\/td>\n<td width=\"15%\">1 &#8211; 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 &#8211; 3<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\">Juli<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 2 &#8211;<\/td>\n<td width=\"16%\">1 &#8211; 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 1 2<\/td>\n<td width=\"15%\">1 &#8211; 1<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; &#8211; 3<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\">August<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; &#8211; 2<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 4 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 &#8211; 2<\/td>\n<td width=\"15%\">1 &#8211; 3<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; &#8211; 1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\">September<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; &#8211; 2<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 4 2<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 1 2<\/td>\n<td width=\"15%\">1 1 3<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 2 2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\">Oktober<\/td>\n<td width=\"16%\">1 1 2<\/td>\n<td width=\"16%\">1 2 2<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 2 2<\/td>\n<td width=\"15%\">1 &#8211; 2<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 2 2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\">November<\/td>\n<td width=\"16%\">1 &#8211; 2<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 2 2<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 1 2<\/td>\n<td width=\"15%\">1 &#8211; 3<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 1 2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\">Dezember<\/td>\n<td width=\"16%\">1 2 2<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 2 2<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 1 2<\/td>\n<td width=\"15%\">1 &#8211; 3<\/td>\n<td width=\"16%\">&#8211; 1 1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"21%\"><\/td>\n<td width=\"16%\"><\/td>\n<td width=\"16%\"><\/td>\n<td width=\"16%\"><\/td>\n<td width=\"15%\"><\/td>\n<td width=\"16%\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) stufte den Kl\u00e4ger entgegen dessen Begehren nicht als Hausgewerbetreibenden i.S. von \u00a7 11 Abs. 3 GewStG i.V.m. \u00a7 2 Abs. 2 HAG ein, weil die in der letztgenannten Vorschrift vorgesehene H\u00f6chstzahl von zwei &#8222;fremden Hilfskr\u00e4ften&#8220; in den Streitjahren durchgehend \u00fcberschritten worden sei. Als &#8222;fremde Hilfskr\u00e4fte&#8220; i.S. des \u00a7 2 Abs. 2 i.V.m. \u00a7 2 Abs. 6 HAG seien auch die gegen Entgelt besch\u00e4ftigten Familienangeh\u00f6rigen anzusehen, sofern die geleistete Arbeit \u00fcber die familienrechtliche Mitarbeitspflicht (vgl. \u00a7\u00a7 1356, 1619 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuchs &#8211; BGB -) hinausgehe. B und S h\u00e4tten \u00fcberdies nicht in h\u00e4uslicher Gemeinschaft mit dem Kl\u00e4ger gelebt und schon deswegen nicht die Voraussetzungen von Familienangeh\u00f6rigen i.S. von \u00a7 2 Abs. 5 HAG erf\u00fcllt. Das FA setzte daher in den angefochtenen Bescheiden die einheitlichen Gewerbesteuermessbetr\u00e4ge f\u00fcr 1992 und 1993 unter Anwendung der Regelsteuermesszahl (\u00a7 11 Abs. 2 GewStG) fest.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) hat der dagegen nach erfolglosen Einspr\u00fcchen gerichteten Klage stattgegeben (vgl. Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211; EFG &#8211; 1999, 1196).<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgt das FA die Verletzung materiellen Rechts (\u00a7 11 Abs. 3 GewStG i.V.m. \u00a7 2 Abs. 2 HAG). Es beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage als unbegr\u00fcndet abzuweisen.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision des FA ist begr\u00fcndet. Die Vorentscheidung wird aufgehoben und die Klage abgewiesen (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -). Die Voraussetzungen des \u00a7 11 Abs. 3 Satz 1 GewStG 1991 f\u00fcr eine Erm\u00e4\u00dfigung der Steuermesszahl lagen in den Streitjahren entgegen der Ansicht des FG nicht vor.<\/p>\n<p>1. Nach \u00a7 11 Abs. 3 Satz 1 GewStG 1991 erm\u00e4\u00dfigen sich bei Hausgewerbetreibenden und ihnen nach \u00a7 1 Abs. 2 Buchst. b und d HAG gleichgestellten Personen die in \u00a7 11 Abs. 2 GewStG 1991 festgelegten Steuermesszahlen f\u00fcr den Gewerbeertrag auf die H\u00e4lfte. Mit dieser Regelung kn\u00fcpft das GewStG unmittelbar an das HAG an. Bei der Normierung der tatbestandlichen Voraussetzungen f\u00fcr diese Steuererm\u00e4\u00dfigung bedient sich \u00a7 11 Abs. 3 Satz 1 GewStG 1991 einer Verweisung auf arbeitsrechtliche Tatbest\u00e4nde und Begriffe. Ob jemand die Steuererm\u00e4\u00dfigung des \u00a7 11 Abs. 3 Satz 1 GewStG 1991 beanspruchen kann, richtet sich infolgedessen allein danach, ob er Hausgewerbetreibender i.S. des \u00a7 2 Abs. 2 HAG oder einem solchen Unternehmer nach \u00a7 1 Abs. 2 Buchst. b oder d HAG gleichgestellt ist (vgl. z.B. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 26. Juni 1987 III R 223\/83, BFHE 150, 361, BStBl II 1987, 719, unter 1. der Gr\u00fcnde, und vom 8. M\u00e4rz 1984 I R 67\/80, BFHE 141, 58, BStBl II 1984, 534, unter II. vor a der Gr\u00fcnde; vgl. ferner auch Bl\u00fcmich\/Gosch, Einkommensteuergesetz, K\u00f6rperschaftsteuergesetz, Gewerbesteuergesetz, \u00a7 11 GewStG Rz. 20; Oberm\u00fcller, Gewerbesteuergesetz, Kommentar, \u00a7 11, unter 7.).<\/p>\n<p>2. Der Kl\u00e4ger war in den streitigen Erhebungszeitr\u00e4umen kein Hausgewerbetreibender i.S. von \u00a7 2 Abs. 2 HAG.<\/p>\n<p>a) Hausgewerbetreibender ist nach dieser Vorschrift, &#8222;wer in eigener Arbeitsst\u00e4tte (eigener Wohnung oder Betriebst\u00e4tte) mit nicht mehr als zwei fremden Hilfskr\u00e4ften (Abs. 6) oder Heimarbeitern (Abs. 1) im Auftrag von Gewerbetreibenden oder Zwischenmeistern Waren herstellt, bearbeitet oder verpackt, wobei er selbst wesentlich am St\u00fcck mitarbeitet, jedoch die Verwertung der Arbeitsergebnisse dem unmittelbar oder mittelbar auftraggebenden Gewerbetreibenden \u00fcberl\u00e4sst&#8220;.<\/p>\n<p>Als &#8222;fremde Hilfskraft&#8220; bezeichnet \u00a7 2 Abs. 6 HAG denjenigen, der &#8222;als Arbeitnehmer eines Hausgewerbetreibenden oder nach \u00a7 1 Abs. 2 Buchst. b und c Gleichgestellten in deren Arbeitsst\u00e4tte besch\u00e4ftigt ist&#8220;.<\/p>\n<p>b) Von den in \u00a7 2 Abs. 2 HAG statuierten tatbestandlichen Voraussetzungen ist im vorliegenden Fall allein fraglich, ob der Kl\u00e4ger &#8222;mit nicht mehr als zwei fremden Hilfskr\u00e4ften&#8220; gearbeitet hat. &#8222;Hilfskr\u00e4fte&#8220; in diesem Sinne sind nicht nur vollzeitbesch\u00e4ftigte, sondern auch aushilfsweise besch\u00e4ftigte Arbeitnehmer. Auch bei der Bemessung der Zahl der vom Hausgewerbetreibenden besch\u00e4ftigten &#8222;fremden Hilfskr\u00e4fte&#8220; i.S. von \u00a7 2 Abs. 6 HAG werden die teilzeitbesch\u00e4ftigten Arbeitnehmer in vollem Umfang einbezogen (n\u00e4her dazu BFH-Urteil in BFHE 150, 361, BStBl II 1987, 719).<\/p>\n<p>Ob der Kl\u00e4ger &#8222;nicht mehr als zwei fremde Hilfskr\u00e4fte&#8220; eingesetzt hat, h\u00e4ngt auf der Grundlage der zwischen den Beteiligten nicht umstrittenen tats\u00e4chlichen und den Senat gem\u00e4\u00df \u00a7 118 Abs. 2 FGO bindenden Feststellungen des FG entscheidend von der Beantwortung der Frage ab, ob die vom Kl\u00e4ger aufgrund von Arbeitsvertr\u00e4gen besch\u00e4ftigten, mit ihm in h\u00e4uslicher Gemeinschaft lebenden nahen Angeh\u00f6rigen (Ehefrau und S\u00f6hne) als &#8222;fremde Hilfskr\u00e4fte&#8220; i.S. von \u00a7 2 Abs. 2 i.V.m. \u00a7 2 Abs. 6 HAG zu qualifizieren sind. Dies ist entgegen der Auffassung des FG zu bejahen (so zutreffend Brecht, Heimarbeitsgesetz, Kommentar, \u00a7 2 Rz. 50 und 8 sowie \u00a7 1 Rz. 11; vgl. auch Schaub, Arbeitsrechts-Handbuch, 9. Aufl., \u00a7 163 Rz. 5; Otten, Heim- und Telearbeit, Kommentar zum Heimarbeitsgesetz, \u00a7 2 Rz. 18, 20, 100; a.A. BFH-Urteil vom 4. Oktober 1956 V 96\/56 S, BFHE 63, 383, BStBl III 1956, 343, re.Sp., betreffend \u00a7 4 Nr. 18 des Umsatzsteuergesetzes &#8211; UStG &#8211; 1951 und \u00a7 44 der Durchf\u00fchrungsbestimmungen zum Umsatzsteuergesetz &#8211; UStDB &#8211; 1951; Lenski\/ Steinberg, Kommentar zum Gewerbesteuergesetz, \u00a7 11 Rz. 23; ebenso &#8211; aus der \u00e4lteren arbeitsrechtlichen Literatur &#8211; Fitting\/Karpf, Heimarbeitsgesetz, Kommentar, 1953, \u00a7 2 Anm. 21; Hueck\/Nipperdey, Lehrbuch des Arbeitsrechts, 7. Aufl., Bd. I, \u00a7 89 I 1, S. 860 f. Fn. 5; so evtl. auch Bauer in K\u00fcttner, Personalbuch 2000, 7. Aufl., Heimarbeit, Rz. 2).<\/p>\n<p>aa) Dieses Ergebnis findet eine St\u00fctze bereits im Wortlaut des \u00a7 2 Abs. 6 HAG. Danach werden als &#8222;fremde Hilfskr\u00e4fte&#8220; ohne Ausnahme &#8211; also unter Einschluss auch naher Angeh\u00f6riger &#8211; alle diejenigen Personen bezeichnet, die von dem Hausgewerbetreibenden als Arbeitnehmer besch\u00e4ftigt werden.<\/p>\n<p>bb) Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus dem systematischen Aufbau des \u00a7 2 HAG, insbesondere aus der Stellung der Abs. 5 und 6 dieser Vorschrift zueinander (so aber BFH-Urteil in BFHE 63, 383, BStBl III 1956, 343, re.Sp.). Richtig ist zwar, dass \u00a7 2 Abs. 6 HAG bei seiner Auslegung nicht isoliert betrachtet werden darf. Vielmehr muss er &#8211; in einer Gesamtschau &#8211; unter Beachtung seiner systematischen Stellung innerhalb des gesamten Regelungsgef\u00fcges des \u00a7 2 HAG und damit insbesondere auch &#8222;im Lichte&#8220; der ihm unmittelbar vorangestellten Regelung des \u00a7 2 Abs. 5 HAG interpretiert werden. Aus \u00a7 2 Abs. 5 HAG l\u00e4sst sich indessen nicht herleiten, dass die dort im Einzelnen aufgef\u00fchrten nahen Angeh\u00f6rigen, wenn diese &#8211; wie hier die Ehefrau und die S\u00f6hne des Kl\u00e4gers &#8211; in einem Arbeitsverh\u00e4ltnis zum Steuerpflichtigen stehen, vom Anwendungsbereich des \u00a7 2 Abs. 6 HAG ausgenommen sind.<\/p>\n<p>cc) Dies gilt zun\u00e4chst zweifellos in Bezug auf diejenigen nahen Angeh\u00f6rigen mit Arbeitnehmerstatus, die nicht mit dem Hausgewerbetreibenden in h\u00e4uslicher Gemeinschaft leben. Solche nahen Angeh\u00f6rigen sind nach einhelliger Auffassung als &#8222;fremde Hilfskr\u00e4fte&#8220; i.S. von \u00a7 2 Abs. 6 HAG anzusehen, schon weil sie nach dem eindeutigen Wortlaut des \u00a7 2 Abs. 5 HAG von dessen Regelungsbereich nicht erfasst werden (vgl. z.B. Bauer in K\u00fcttner, a.a.O., Heimarbeit, Rz. 2; Schmidt\/Koberski\/Tiemann\/Wascher, Heimarbeitsgesetz, 4. Aufl., \u00a7 2 Rz. 49; Otten, a.a.O., \u00a7 2 HAG Rz. 18; Brecht, a.a.O., \u00a7 2 Rz. 44; Fitting\/Karpf, a.a.O., \u00a7 2 Anm. 20; vgl. auch FG Baden-W\u00fcrttemberg, Urteil vom 5. Februar 1975 V 253\/74, EFG 1975, 330).<\/p>\n<p>dd) Nichts anderes gilt aber auch in Hinsicht auf solche &#8211; in einem Arbeitsverh\u00e4ltnis zu dem Steuerpflichtigen stehenden &#8211; nahen Angeh\u00f6rigen, die &#8211; wie hier die Ehefrau und die S\u00f6hne des Kl\u00e4gers &#8211; mit dem Steuerpflichtigen eine h\u00e4usliche Gemeinschaft bilden.<\/p>\n<p>Dies folgt aus dem Sinn und Zweck sowohl der den Hausgewerbetreibenden betreffenden Grundnorm des \u00a7 2 Abs. 2 HAG als auch der sie erg\u00e4nzenden Vorschriften in \u00a7 2 Abs. 5 und 6 HAG. \u00a7 2 Abs. 2 HAG bezweckt, den dort normierten Personenkreis von Klein- und Kleinsthausgewerbetreibenden &#8222;mit nicht mehr als zwei fremden Hilfskr\u00e4ften&#8220; infolge seiner (vom Gesetz unwiderleglich vermuteten) erh\u00f6hten Schutzbed\u00fcrftigkeit den besonderen Regeln des HAG zu unterstellen (vgl. auch FG Baden-W\u00fcrttemberg, Urteil vom 30. Mai 1990 II K 86\/86, EFG 1991, 38, re.Sp., m.w.N.; ferner Bittner, Gewerbesteuer, Kommentar, Bd. 2, \u00a7 11 GewStG Rz. 39; zur Zahl der besch\u00e4ftigten &#8222;fremden Hilfskr\u00e4fte&#8220; als mitbestimmender Faktor f\u00fcr das Ausma\u00df der wirtschaftlichen Abh\u00e4ngigkeit und damit f\u00fcr die erh\u00f6hte Schutzbed\u00fcrftigkeit vgl. z.B. Brecht, a.a.O., \u00a7 1 Anm. 11; Otten, a.a.O., \u00a7 1 Rz. 14; Bl\u00fcmich\/Gosch, a.a.O., \u00a7 11 GewStG Rz. 26; vgl. ferner auch BFH-Urteil in BFHE 141, 58, BStBl II 1984, 534, unter II. a der Gr\u00fcnde). Besch\u00e4ftigt ein Hausgewerbetreibender hingegen dauerhaft mehr als zwei fremde Hilfskr\u00e4fte und \u00fcberschreitet sein Unternehmen daher eine gewisse Gr\u00f6\u00dfenordnung, sieht ihn das Gesetz nicht mehr per se als (erh\u00f6ht) schutzbed\u00fcrftig an und macht daher die Anwendung des HAG von einer von den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden und Gremien zu treffenden besonderen Feststellung der Schutzbed\u00fcrftigkeit abh\u00e4ngig (vgl. \u00a7 1 Abs. 2 HAG; n\u00e4her zu diesem &#8222;Gleichstellungsverfahren&#8220; s. z.B. Schmidt\/Koberski\/ Tiemann\/Wascher, a.a.O., \u00a7 1 Rz. 6 ff.).<\/p>\n<p>Angesichts dieser vom Gesetz pauschal unter Heranziehung der Anzahl der besch\u00e4ftigten &#8222;fremden Hilfskr\u00e4fte&#8220; i.S. von \u00a7 2 Abs. 6 HAG getroffenen Unterscheidung zwischen den von \u00a7 2 Abs. 2 HAG erfassten Klein- und Kleinsthausgewerbetreibenden und den gr\u00f6\u00dferen, nur \u00fcber ein besonderes Gleichstellungsverfahren dem Regime des HAG unterstellten Hausgewerbetreibenden fehlt indessen ein sachlicher Grund daf\u00fcr, als &#8222;fremde Hilfskraft&#8220; i.S. von \u00a7 2 Abs. 6 HAG nur solche Arbeitnehmer anzusehen, die entweder nicht zu dem in \u00a7 2 Abs. 5 Buchst. a bis c HAG im Einzelnen festgelegten Personenkreis geh\u00f6ren, oder zwar zu diesem Kreis z\u00e4hlen, jedoch nicht mit dem Steuerpflichtigen in h\u00e4uslicher Gemeinschaft leben. Denn (wirksame) Arbeitsverh\u00e4ltnisse zwischen dem Steuerpflichtigen und seinen nahen, mit ihm in h\u00e4uslicher Gemeinschaft lebenden Angeh\u00f6rigen begr\u00fcnden zwischen den Beteiligten im Wesentlichen dieselben Rechte und Pflichten und unterstehen denselben arbeitsrechtlichen Regeln wie diejenigen Arbeitsverh\u00e4ltnisse, die der Steuerpflichtige mit nicht nahe stehenden Personen oder solchen nahen Angeh\u00f6rigen eingeht, die ihren eigenen Haushalt f\u00fchren (vgl. z.B. Fitting\/Karpf, a.a.O., \u00a7 2 Anm. 22; vgl. auch Urteil des Bundesverfassungsgerichts &#8211; BVerfG &#8211; vom 24. Januar 1962 1 BvL 32\/57, BStBl I 1962, 492, 495, mit zahlreichen Nachweisen aus der \u00e4lteren Zivilrechtsprechung und Literatur und 498, re.Sp.). Es kommt hinzu, dass es f\u00fcr den objektiven Erfolg des Unternehmens keine Rolle spielt, welcher Arbeitnehmer die ihm zugute kommende Arbeitsleistung erbringt, ob er nun der Ehegatte, ein Verwandter oder ein Fremder ist (BVerfG-Urteil in BStBl I 1962, 492, 495, re.Sp.). Schlie\u00dflich widerspr\u00e4che es auch dem Gebot der Wettbewerbsgleichheit und damit Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG), Hausgewerbetreibende, die dauerhaft mehr als zwei Arbeitnehmer besch\u00e4ftigen, einer unterschiedlichen Gewerbesteuerbelastung zu unterwerfen, je nachdem, ob es sich bei den im Betrieb des Steuerpflichtigen eingesetzten Arbeitnehmern um nahe, mit ihm in h\u00e4uslicher Gemeinschaft lebende Angeh\u00f6rige oder um andere Personen handelt.<\/p>\n<p>ee) Vor diesem Hintergrund sind die in \u00a7 2 Abs. 5 Buchst. a bis c HAG aufgef\u00fchrten, mit dem Hausgewerbetreibenden in h\u00e4uslicher Gemeinschaft lebenden nahen Angeh\u00f6rigen nur dann keine &#8222;fremden Hilfskr\u00e4fte&#8220; i.S. des \u00a7 2 Abs. 6 HAG, wenn sie ihre Mitarbeit im Betrieb des Steuerpflichtigen nicht aufgrund eines Arbeitsvertrags, sondern auf familienrechtlicher Grundlage (betreffend Kinder vgl. \u00a7 1619 BGB; betreffend Ehegatten vgl. \u00a7 1356 BGB; s. dazu z.B. Schaub, a.a.O., \u00a7 36 Rz. 35, m.w.N.) leisten. Nur solche familienrechtlichen Dienstleistungen sind in \u00a7 2 Abs. 5 HAG gemeint.<\/p>\n<p>Mit Recht hat die Revision in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass ein (Haus-)Gewerbetreibender, welcher die Hilfe von Angeh\u00f6rigen auf rein familienrechtlicher Grundlage in Anspruch nimmt, damit ungleich geringeren Bindungen und Verpflichtungen unterworfen ist denn als Arbeitgeber. Insbesondere braucht er diese Personen &#8211; etwa bei mangelnder Auslastung seines Betriebes &#8211; nicht zu besch\u00e4ftigen und damit auch nicht zu entlohnen (zur grunds\u00e4tzlichen Nichtanwendbarkeit des Arbeits- und Sozialversicherungsrechts auf F\u00e4lle der familienrechtlichen Besch\u00e4ftigung vgl. z.B. Schaub, a.a.O., \u00a7 36 Rz. 35). Grundlegend anders stellt sich hingegen die (Zivil-) Rechtslage dar, wenn der (Haus-)Gewerbetreibende Familienangeh\u00f6rige auf der Basis von Arbeitsvertr\u00e4gen besch\u00e4ftigt. Wie bereits dargelegt, treffen den Unternehmer in diesem Fall im Wesentlichen dieselben Pflichten wie gegen\u00fcber jedem anderen Arbeitnehmer.<\/p>\n<p>Unter diesen Umst\u00e4nden erscheint es daher sinnvoll und geboten, sowohl im Bereich des \u00a7 2 Abs. 1 HAG (&#8222;Heimarbeiter&#8220;) als auch bei der Ermittlung der f\u00fcr die Anwendung des \u00a7 2 Abs. 2 HAG (&#8222;Hausgewerbetreibende&#8220;) ma\u00dfgebenden Zahl der (dauerhaft) eingesetzten &#8222;fremden Hilfskr\u00e4fte&#8220; solche &#8211; aber auch nur solche &#8211; im Betrieb mithelfenden und in h\u00e4uslicher Gemeinschaft mit dem Steuerpflichtigen lebenden Angeh\u00f6rigen au\u00dfer Betracht zu lassen, welche ihre Dienste auf familienrechtlicher Grundlage und nicht aufgrund eines Arbeitsvertrages leisten.<\/p>\n<p>3. Mit dieser Entscheidung weicht der erkennende Senat von dem Urteil des V. Senats in BFHE 63, 383, BStBl III 1956, 343 ab. Gleichwohl ist eine Anfrage an den V. Senat nach \u00a7 11 Abs. 3 FGO entbehrlich, weil dieser Senat mit der streitigen Rechtsfrage in Zukunft nicht mehr befasst werden kann (arg. \u00a7 11 Abs. 3 Satz 2 FGO). Die \u00a7\u00a7 4 Nr. 18 UStG 1951 und 44 UStDB 1951, bei deren Anwendung die n\u00e4mliche Rechtsfrage eine Rolle spielte, sind im Zuge der Umsatzsteuerreform 1967 in das neue, ab 1. Januar 1968 anzuwendende Recht (vgl. UStG vom 29. Mai 1967, BGBl I 1967, 545, BStBl I 1967, 224) nicht \u00fcbernommen worden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 26.2.2002 (X R 61\/99) BStBl. 2003 II S. 31 1. \u00a7 11 Abs. 3 Satz 1 GewStG verweist u.a. auf die durch \u00a7 2 Abs. 2 und 6 HAG legaldefinierten Begriffe des &#8222;Hausgewerbetreibenden&#8220; und der &#8222;fremden Hilfskr\u00e4fte&#8220;. 2. &#8222;Fremde Hilfskr\u00e4fte&#8220; (\u00a7 2 Abs. 6 HAG) des Hausgewerbetreibenden sind alle aufgrund von Arbeitsvertr\u00e4gen &#8211; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-26-2-2002-x-r-61_99-bstbl-2003-ii-s-31\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 26.2.2002 (X R 61\/99)     BStBl. 2003 II S. 31<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-38271","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38271","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=38271"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38271\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=38271"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=38271"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=38271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}