{"id":38443,"date":"2004-11-25T10:44:08","date_gmt":"2004-11-25T08:44:08","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=38443"},"modified":"2013-05-18T14:04:07","modified_gmt":"2013-05-18T12:04:07","slug":"bfh-urteil-vom-25-11-2004-v-r-44_02-bstbl-2005-ii-s-190","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-25-11-2004-v-r-44_02-bstbl-2005-ii-s-190\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 25.11.2004 (V R 44\/02)     BStBl. 2005 II S. 190"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 25.11.2004 (V R 44\/02) BStBl. 2005 II S. 190<\/strong><\/p>\n<p>1. Die Steuerbefreiung nach \u00a7 4 Nr. 14 UStG 1993 setzt nicht voraus, dass der Unternehmer Ums\u00e4tze gegen\u00fcber einem Patienten als Leistungsempf\u00e4nger erbringt und mit ihm oder seiner Krankenkasse hier\u00fcber abrechnet.<\/p>\n<p>2. Nach \u00a7 4 Nr. 14 UStG 1993 steuerfreie Leistungen kommen auch dann in Betracht, wenn eine Rehabilitationseinrichtung auf Grund eines Versorgungsvertrags gem\u00e4\u00df \u00a7 11 Abs. 2, \u00a7\u00a7 40, 111 SGB V mit Hilfe von Fachkr\u00e4ften Leistungen zur medizinischen Rehabilitation erbringt. In diesem Fall sind regelm\u00e4\u00dfig sowohl die Leistungen der Rehabilitationseinrichtung als auch die Leistungen der Fachkr\u00e4fte an die Rehabilitationseinrichtung steuerfrei, soweit sie die in dem Versorgungsvertrag benannte Qualifikation haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>UStG 1993 \u00a7 4 Nr. 14; Richtlinie 77\/388\/EWG Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. c.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG N\u00fcrnberg vom 19. Februar 2002 II 448\/2001 (DStRE 2003, 487)<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) ist Diplom-Sportlehrer. Er war in den Streitjahren 1996 bis 1998 als Sporttherapeut beim ambulanten Rehazentrum S (Rehazentrum) als freier Mitarbeiter t\u00e4tig. Vertraglich war er bei der &#8222;Erweiterten Ambulanten Physiotherapie&#8220; f\u00fcr die Trainingsplanung, -durchf\u00fchrung, -steuerung und -kontrolle sowie f\u00fcr das F\u00fchren der Nachweise messbarer quantitativer und qualitativer Fortschritte f\u00fcr die Belastbarkeit zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Neben steuerpflichtigen Einzelhandelsums\u00e4tzen (1996) meldete er in den Streitjahren 1996 bis 1998 gem\u00e4\u00df \u00a7 4 Nr. 14 des Umsatzsteuergesetzes 1993 (UStG 1993) steuerfreie Ums\u00e4tze aus der T\u00e4tigkeit als freier Mitarbeiter bei einem Rehazentrum an. Das Rehazentrum erbrachte u.a. mit Hilfe des Kl\u00e4gers Leistungen an Patienten und rechnete dar\u00fcber mit Krankenkassen ab.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) sah die Ums\u00e4tze des Kl\u00e4gers aus der T\u00e4tigkeit als freier Mitarbeiter bei dem Rehazentrum als umsatzsteuerpflichtig an und unterwarf sie der Besteuerung.<\/p>\n<p>Die nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) als unbegr\u00fcndet ab. Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrte das FG u.a. aus, der Kl\u00e4ger habe steuerpflichtige Ums\u00e4tze ausgef\u00fchrt, weil er seine Leistungen nicht gegen\u00fcber der Krankenkasse abgerechnet, sondern dem Rehazentrum in Rechnung gestellt habe. Im \u00dcbrigen habe er keine heilberufliche T\u00e4tigkeit ausge\u00fcbt, weil Leistungen der von ihm erbrachten Art auch in jedem allgemeinen Sport- und Fitnessstudio angeboten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf die Ver\u00f6ffentlichung des Urteils in Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst (DStRE) 2003, 487 Bezug genommen.<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgt der Kl\u00e4ger u.a. Verletzung von \u00a7 4 Nr. 14 UStG 1993. Er vertritt die Auffassung, seine Ums\u00e4tze seien nach \u00a7 4 Nr. 14 UStG 1993 steuerfrei, weil er heilberufliche Leistungen an das Rehazentrum erbracht habe und die Kosten f\u00fcr seine Leistungen von den Krankenkassen der behandelten Patienten an das Rehazentrum bezahlt worden seien. Er sei als Sporttherapeut auch bef\u00e4higt, die erw\u00e4hnten steuerfreien Leistungen zu erbringen, weil er die daf\u00fcr erforderliche Ausbildung als Diplom-Sportlehrer und eine \u00fcber zweij\u00e4hrige Berufspraxis in einem anerkannten Rehazentrum habe.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger beantragt sinngem\u00e4\u00df, das FG-Urteil aufzuheben und die Umsatzsteuer mit der Ma\u00dfgabe der Steuerbefreiung der streitigen Ums\u00e4tze festzusetzen.<\/p>\n<p>Das FA ist der Revision entgegengetreten.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet; sie f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -). Das FG hat die Anwendung des \u00a7 4 Nr. 14 UStG 1993 zu Unrecht mit der Begr\u00fcndung abgelehnt, der Kl\u00e4ger habe seine Leistungen nicht gegen\u00fcber einer Krankenkasse abgerechnet. Die Feststellungen in der Vorentscheidung reichen nicht aus, um abschlie\u00dfend zu beurteilen, ob die Voraussetzungen der Steuerbefreiungsvorschrift vorliegen.<\/p>\n<p>1. Steuerfrei sind nach \u00a7 4 Abs. 14 Satz 1 UStG 1993 &#8222;die Ums\u00e4tze aus der T\u00e4tigkeit als Arzt, Zahnarzt, Heilpraktiker, Krankengymnast, Hebamme oder aus einer \u00e4hnlichen heilberuflichen T\u00e4tigkeit im Sinne des \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes&#8220; (EStG).<\/p>\n<p>Die Vorentscheidung geht unzutreffend davon aus, dass die bezeichneten Ums\u00e4tze nur steuerfrei sind, wenn sie der Unternehmer gegen\u00fcber einem Patienten als Leistungsempf\u00e4nger erbringt und er sie mit ihm oder seiner Krankenkasse abrechnet.<\/p>\n<p>Wie der Senat bereits entschieden hat (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 12. Oktober 2004 V R 54\/03, zur Ver\u00f6ffentlichung in BFHE vorgesehen), werden die befreiten Ums\u00e4tze weder nach \u00a7 4 Nr. 14 UStG 1993 noch nach der gemeinschaftsrechtlichen Vorgabe des Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. c der Sechsten Richtlinie des Rates vom 17. Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten \u00fcber die Umsatzsteuer 77\/388\/EWG &#8211; Gemeinsames Mehrwertsteuersystem: einheitliche steuerpflichtige Bemessungsgrundlage (Richtlinie 77\/388\/EWG) durch die Person des Leistungsempf\u00e4ngers definiert; vielmehr beschr\u00e4nkt sich das personenbezogene Befreiungselement auf den Leistenden, der Tr\u00e4ger eines \u00e4rztlichen bzw. arzt\u00e4hnlichen Berufs sein muss (vgl. BFH-Beschluss vom 12. Oktober 2004 V R 54\/03). Daher steht der Steuerbefreiung f\u00fcr die Ums\u00e4tze des Kl\u00e4gers nicht entgegen, dass er sie als Subunternehmer eines Rehazentrums ausgef\u00fchrt und nicht selbst mit Patienten oder deren Krankenkasse abgerechnet hat.<\/p>\n<p>2. Die vorhandenen Feststellungen reichen nicht aus, um abschlie\u00dfend zu entscheiden.<\/p>\n<p>a) Die Steuerbefreiung nach \u00a7 4 Abs. 14 UStG 1993 setzt voraus, dass der Unternehmer eine Heilbehandlung im Bereich der Humanmedizin durch \u00e4rztliche oder arzt\u00e4hnliche Leistungen erbringt und dass er daf\u00fcr die erforderlichen Bef\u00e4higungsnachweise besitzt (vgl. Urteile des Gerichtshofes der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften &#8211; EuGH &#8211; vom 10. September 2002 Rs. C-141\/00, Ambulanter Pflegedienst K\u00fcgler GmbH, Slg. 2002, I-6833, Umsatzsteuer-Rundschau &#8211; UR &#8211; 2002, 513, RandNr. 26 ff.; vom 6. November 2003 Rs. C-45\/01, Christoph-Dornier-Stiftung, RandNr. 50, UR 2003, 585; BFH-Urteile vom 19. Dezember 2002 V R 28\/00, BFHE 201, 330, BStBl II 2003, 532; vom 1. April 2004 V R 54\/98, BFHE 205, 505, BStBl II 2004, 681).<\/p>\n<p>b) Eine Heilbehandlung im Bereich der Humanmedizin i.S. des Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. c der Richtlinie 77\/388\/EWG umfasst T\u00e4tigkeiten, die zum Zweck der Diagnose, der Behandlung und, soweit m\u00f6glich, der Heilung von Krankheiten oder Gesundheitsst\u00f6rungen f\u00fcr bestimmte Patienten ausgef\u00fchrt werden (EuGH-Urteile in UR 2003, 585, RandNr. 48; vom 20. November 2003 Rs. C-212\/01, Margarete Unterpertinger, UR 2004, 70, RandNr. 39, und Rs. C-307\/01, Peter d&#8216; Ambrumenil, UR 2004, 75, RandNr. 57).<\/p>\n<p>Ob und in welchem Umfang der Kl\u00e4ger arzt\u00e4hnliche Leistungen in diesem Sinne erbracht hat, ist nicht festgestellt worden. Dies muss das FG nachholen.<\/p>\n<p>c) Die Feststellungen in der Vorentscheidung reichen nicht aus, um zu beurteilen, ob der Kl\u00e4ger die erforderlichen beruflichen Bef\u00e4higungsnachweise besa\u00df.<\/p>\n<p>Entsprechend dem Sinn und Zweck der Regelung, die Sozialversicherungstr\u00e4ger von der Umsatzsteuer zu entlasten, kann grunds\u00e4tzlich vom Vorliegen des Bef\u00e4higungsnachweises ausgegangen werden, wenn die Leistungen des Unternehmers durch heilberufliche T\u00e4tigkeit in der Regel von den Sozialversicherungstr\u00e4gern finanziert werden (Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 29. Oktober 1999 2 BvR 1264\/90, BStBl II 2000, 155, unter B. II. 2.; BFH-Urteile in BFHE 201, 330, BStBl II 2003, 532; vom 13. April 2000 V R 78\/99, BFHE 191, 441, BFH\/NV 2000, 1431; Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 28. Februar 2000, BStBl I 2000, 433).<\/p>\n<p>Demnach ist &#8211; wie der Senat zuletzt mit Urteil vom 12. August 2004 V R 18\/02 (DStRE 2005, 101) entschieden hat &#8211; vom Vorliegen eines beruflichen Bef\u00e4higungsnachweises f\u00fcr eine \u00e4rztliche oder arzt\u00e4hnliche Leistung grunds\u00e4tzlich auszugehen bei Zulassung des jeweiligen Unternehmers bzw. der regelm\u00e4\u00dfigen Zulassung seiner Berufsgruppe gem\u00e4\u00df \u00a7 124 Abs. 2 des F\u00fcnften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) durch die zust\u00e4ndigen Stellen der gesetzlichen Krankenkassen.<\/p>\n<p>Indiz f\u00fcr das Vorliegen eines entsprechenden beruflichen Bef\u00e4higungsnachweises ist nach diesem Urteil ferner die Aufnahme von Leistungen der betreffenden Art in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen (\u00a7 92 SGB V).<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus kommen nach \u00a7 4 Nr. 14 UStG 1993 steuerfreie Leistungen auch dann in Betracht, wenn eine Rehabilitationseinrichtung auf Grund eines Versorgungsvertrags gem\u00e4\u00df \u00a7 11 Abs. 2, \u00a7\u00a7 40, 111 SGB V mit Hilfe von Fachkr\u00e4ften Leistungen zur medizinischen Rehabilitation erbringt. In diesem Fall sind regelm\u00e4\u00dfig sowohl die Leistungen der Rehabilitationseinrichtung als auch die Leistungen der Fachkr\u00e4fte an die Rehabilitationseinrichtung steuerfrei, soweit sie die in dem Versorgungsvertrag benannte Qualifikation haben.<\/p>\n<p>Demnach kommen auch im Streitfall steuerfreie Leistungen des Kl\u00e4gers an das Rehazentrum in Betracht. Nach den Feststellungen des FG wurden die Leistungen des Rehazentrums, die dieses mit Hilfe des Kl\u00e4gers erbrachte, von den Krankenkassen erstattet. Das FG wird im zweiten Rechtsgang feststellen m\u00fcssen, ob dem ein Versorgungsvertrag gem\u00e4\u00df \u00a7 11 Abs. 2, \u00a7\u00a7 40, 111 SGB V zugrunde lag und der Kl\u00e4ger die dort genannten Qualifikationen hatte.<\/p>\n<p>3. Der Senat erkennt gem\u00e4\u00df \u00a7 121 Satz 1 i.V.m. \u00a7 90 Abs. 2 FGO mit Einverst\u00e4ndnis der Beteiligten durch Urteil ohne m\u00fcndliche Verhandlung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 25.11.2004 (V R 44\/02) BStBl. 2005 II S. 190 1. Die Steuerbefreiung nach \u00a7 4 Nr. 14 UStG 1993 setzt nicht voraus, dass der Unternehmer Ums\u00e4tze gegen\u00fcber einem Patienten als Leistungsempf\u00e4nger erbringt und mit ihm oder seiner Krankenkasse hier\u00fcber abrechnet. 2. 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