{"id":38472,"date":"2004-11-30T10:44:58","date_gmt":"2004-11-30T08:44:58","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=38472"},"modified":"2013-05-18T13:43:18","modified_gmt":"2013-05-18T11:43:18","slug":"bfh-beschluss-vom-30-11-2004-ix-b-120_04-bstbl-2005-ii-s-287","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-30-11-2004-ix-b-120_04-bstbl-2005-ii-s-287\/","title":{"rendered":"BFH-Beschluss vom 30.11.2004 (IX B     120\/04) BStBl. 2005 II S. 287"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Beschluss vom 30.11.2004 (IX B 120\/04) BStBl. 2005 II S. 287<\/strong><\/p>\n<p>Bei der im Verfahren der Aussetzung der Vollziehung nach \u00a7 69 Abs. 3 FGO gebotenen summarischen Pr\u00fcfung bestehen ernstliche Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit eines f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 1999 ergangenen Steuerbescheides, mit dem das Finanzamt einen Gewinn aus privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ften gem\u00e4\u00df \u00a7 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG der Besteuerung unterwirft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>EStG \u00a7 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2; FGO \u00a7 69 Abs. 3; GG Art. 3 Abs. 1, Art. 19 Abs. 4.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG D\u00fcsseldorf vom 27. Juli 2004 8 V 2806\/04 A (E) (EFG 2004, 1693)<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Der Antragsgegner und Beschwerdef\u00fchrer (das Finanzamt &#8211; FA -) stellte anl\u00e4sslich einer bei der Antragstellerin und Beschwerdegegnerin (Antragstellerin) durchgef\u00fchrten Au\u00dfenpr\u00fcfung fest, dass diese im Streitjahr (1999) durch den An- und Verkauf von Aktien (innerhalb eines Zeitraums von vier Tagen) einen Gewinn in H\u00f6he von 4.918 DM erzielt hatte und unterwarf diesen als Eink\u00fcnfte aus privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ften gem\u00e4\u00df \u00a7 22 Nr. 2, \u00a7 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) in der im Streitjahr geltenden Fassung der Besteuerung.<\/p>\n<p>Die Antragstellerin hat gegen den \u00c4nderungsbescheid vom 25. Februar 2004 Einspruch eingelegt, \u00fcber den noch nicht entschieden ist. Die Antragstellerin hat ferner &#8211; nachdem das FA einen entsprechenden Antrag abgelehnt hatte &#8211; beim Finanzgericht (FG) die Aussetzung der Vollziehung des zuvor genannten Bescheides beantragt. Das FG hat dem Antrag stattgegeben. Der Beschluss ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2004, 1693 ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Hiergegen wendet sich das FA mit seiner vom FG zugelassenen Beschwerde.<\/p>\n<p>Das FA beantragt sinngem\u00e4\u00df, unter Aufhebung des angefochtenen Beschlusses den Antrag auf Aufhebung der Vollziehung abzuweisen.<\/p>\n<p>Die Antragstellerin beantragt sinngem\u00e4\u00df, die Beschwerde zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Beschwerde ist unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7 69 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 Satz 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) kann das Gericht der Hauptsache die Vollziehung eines angefochtenen Verwaltungsakts wegen ernstlicher Zweifel an dessen Rechtm\u00e4\u00dfigkeit aussetzen. Ernstliche Zweifel liegen vor, wenn neben f\u00fcr die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit sprechenden Umst\u00e4nden gewichtige, gegen die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit sprechende Gr\u00fcnde zutage treten, die Unentschiedenheit oder Unsicherheit in der Beurteilung der Rechtsfragen oder Unklarheit in der Beurteilung der Tatfragen bewirken. Die Entscheidung hier\u00fcber ergeht bei der im Aussetzungsverfahren gebotenen summarischen Pr\u00fcfung aufgrund des Sachverhalts, der sich aus dem Vortrag der Beteiligten und der Aktenlage ergibt (vgl. dazu z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 4. August 2003 IX B 45\/03, BFH\/NV 2004, 37, m.w.N.; Gr\u00e4ber\/Koch, Finanzgerichtsordnung, 5. Aufl., \u00a7 69 Rz. 120 f.; Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, \u00a7 69 FGO Tz. 122).<\/p>\n<p>2. Ernstliche Zweifel an der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der f\u00fcr die Besteuerung des hier streitigen Gewinns aus privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ften ma\u00dfgeblichen Vorschrift des \u00a7 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG ergeben sich aus dem Beschluss vom 16. Juli 2002 IX R 62\/99 (BFHE 199, 451, BStBl II 2003, 74), mit dem der Senat eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) dar\u00fcber eingeholt hat, ob \u00a7 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. b EStG in der f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 1997 ma\u00dfgeblichen Fassung mit dem Grundgesetz (GG) insoweit unvereinbar ist, als die Durchsetzung des Steueranspruchs wegen struktureller Vollzugshindernisse weitgehend vereitelt wird. Um weitere Wiederholungen zu vermeiden, verweist der Senat im Einzelnen auf seine Ausf\u00fchrungen in diesem Beschluss. Er hat dort auch zur Rechtslage der Veranlagungszeitr\u00e4ume ab 1999 Stellung genommen und insoweit ausgef\u00fchrt, dass der gleichm\u00e4\u00dfige Belastungserfolg auch nicht durch \u00a7 45d EStG sowie durch organisatorische Ma\u00dfnahmen hergestellt werden kann (BFH in BFHE 199, 451, BStBl II 2003, 74, unter B. III. 4. b und c der Gr\u00fcnde).<\/p>\n<p>3. Entgegen der Auffassung des FA sind diese ernstlichen Zweifel durch die Entscheidung des BVerfG vom 9. M\u00e4rz 2004 2 BvL 17\/02 (BGBl I 2004, 591) nicht beseitigt worden. Das BVerfG hat es im genannten Urteil &#8211; was die Jahre ab 1999 angeht &#8211; lediglich abgelehnt, die f\u00fcr die Veranlagungszeitr\u00e4ume 1997 und 1998 ausgesprochene Nichtigkeitserkl\u00e4rung des \u00a7 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. b EStG a.F. ohne weiteres auch auf die Regelungen der Folgejahre zu erstrecken. Daraus ergibt sich nicht, dass \u00a7 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG verfassungsgem\u00e4\u00df ist. Hierzu bedarf es vielmehr weiterer Ermittlungen zu Umfang und Auswirkungen eines im Streitjahr gegebenen strukturellen Vollzugsdefizits (vgl. Urteil des BVerfG in BGBl I 2004, 591, unter D. III. 2. der Gr\u00fcnde); f\u00fcr diese ist bei der im vorliegenden Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes gebotenen summarischen Pr\u00fcfung kein Raum.<\/p>\n<p>4. Der Senat kann offen lassen, ob sich &#8211; wie das FA pauschal geltend macht &#8211; durch den am 1. April 2003 in Kraft getretenen \u00a7 24c des Gesetzes \u00fcber das Kreditwesen (vgl. Art. 6 Nr. 23 u. 42 des Vierten Finanzmarktf\u00f6rderungsgesetzes vom 21. Juni 2002, BGBl I 2002, 2010) r\u00fcckwirkend f\u00fcr das Streitjahr bessere Ermittlungsm\u00f6glichkeiten der Finanzbeh\u00f6rden ergeben haben, die geeignet waren, in verfassungsrechtlich relevanter Weise einem strukturellen Vollzugsdefizit entgegen zu wirken. Auch die daf\u00fcr notwendigen Feststellungen sind im vorliegenden Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes nicht zu treffen.<\/p>\n<p>5. Die Antragstellerin kann verlangen, dass der hier streitige Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn im Wege der Aussetzung der Vollziehung des angefochtenen Einkommensteuerbescheides zun\u00e4chst unber\u00fccksichtigt bleibt. Ihr verfassungsrechtlicher Anspruch auf effektiven Rechtsschutz (Art. 19 Abs. 4 GG) tritt nicht hinter das \u00f6ffentliche Interesse an einer geordneten \u00f6ffentlichen Haushaltswirtschaft zur\u00fcck. Der Senat verweist insoweit zur Vermeidung von Wiederholungen auf seinen Beschluss vom 11. Juni 2003 IX B 16\/03 (BFHE 202, 53, BStBl II 2003, 663).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Beschluss vom 30.11.2004 (IX B 120\/04) BStBl. 2005 II S. 287 Bei der im Verfahren der Aussetzung der Vollziehung nach \u00a7 69 Abs. 3 FGO gebotenen summarischen Pr\u00fcfung bestehen ernstliche Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit eines f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 1999 ergangenen Steuerbescheides, mit dem das Finanzamt einen Gewinn aus privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ften gem\u00e4\u00df \u00a7 23 Abs. 1 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-30-11-2004-ix-b-120_04-bstbl-2005-ii-s-287\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Beschluss vom 30.11.2004 (IX B     120\/04) BStBl. 2005 II S. 287<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-38472","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38472","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=38472"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38472\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=38472"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=38472"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=38472"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}