{"id":38477,"date":"2004-11-23T10:30:33","date_gmt":"2004-11-23T08:30:33","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=38477"},"modified":"2013-05-18T14:18:09","modified_gmt":"2013-05-18T12:18:09","slug":"bfh-beschluss-vom-23-11-2004-ix-b-88_04-bstbl-2005-ii-s-297","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-23-11-2004-ix-b-88_04-bstbl-2005-ii-s-297\/","title":{"rendered":"BFH-Beschluss vom 23.11.2004 (IX B     88\/04) BStBl. 2005 II S. 297"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Beschluss vom 23.11.2004 (IX B 88\/04) BStBl. 2005 II S. 297<\/strong><\/p>\n<p>Die Entscheidung des FG \u00fcber einen Antrag auf \u00c4nderung oder Aufhebung nach \u00a7 69 Abs. 6 Satz 2 FGO wirkt grunds\u00e4tzlich ab ihrer Bekanntgabe, d.h. nur f\u00fcr die Zukunft; f\u00fcr die Vergangenheit bleiben die Wirkungen des ver\u00e4nderten oder aufgehobenen Beschlusses erhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>FGO \u00a7 69 Abs. 6.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG des Landes Brandenburg vom 24. Mai 2004 3 V 974\/04<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Antragsteller und Beschwerdegegner (Antragsteller), zur Einkommensteuer zusammen veranlagte Eheleute, erkl\u00e4rten f\u00fcr das Streitjahr (1999) Eink\u00fcnfte aus privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ften (Spekulationsgewinne) in H\u00f6he von 7.055.938 DM, die der Antragsgegner und Beschwerdef\u00fchrer (das Finanzamt &#8211; FA -) im ge\u00e4nderten Einkommensteuerbescheid 1999 vom 22. November 2001 der Besteuerung unterwarf. Im Verlaufe des hiergegen gerichteten Einspruchsverfahrens und nach Ergehen weiterer \u00c4nderungsbescheide zur Einkommensteuer 1999 verf\u00fcgte das FA im September 2002 das Ruhen des Einspruchsverfahrens.<\/p>\n<p>Im August 2003 beantragten die Antragsteller &#8211; unter Bezugnahme auf fr\u00fchere Antr\u00e4ge &#8211; die Aufhebung der Vollziehung s\u00e4mtlicher an sie ergangenen Steuerbescheide f\u00fcr 1999, soweit wegen der Versteuerung der Spekulationsgewinne Einspruch erhoben worden sei.<\/p>\n<p>Das FA hob daraufhin Anfang Oktober 2003 die Vollziehung des Einkommensteuerbescheides 1999 (vom 22. November 2001 in Gestalt des \u00c4nderungsbescheides vom 22. Juli 2003) ab dem 11. Juni 2003 in H\u00f6he von 1.353.246,46 \u0080 Einkommensteuer 1999, 74.428,55 \u0080 Solidarit\u00e4tszuschlag 1999 und 66.000 \u0080 Zinsen zur Einkommensteuer auf.<\/p>\n<p>Das von den Antragstellern gem\u00e4\u00df \u00a7 69 Abs. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) angerufene Finanzgericht (FG) hob durch Beschluss vom 29. Dezember 2003 3 V 2238\/03 die Vollziehung auch f\u00fcr die Zeit vom 28. Dezember 2001 bis zum 10. Juni 2003 auf (Einkommensteuerbescheid 1999 vom 22. November 2001 in Gestalt des \u00c4nderungsbescheides vom 2. Oktober 2003).<\/p>\n<p>Im April 2004 beantragte das FA gem\u00e4\u00df \u00a7 69 Abs. 6 Satz 2 FGO die Aufhebung des zuvor genannten FG-Beschlusses und machte unter Hinweis auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 9. M\u00e4rz 2004 2 BvL 17\/02 (BGBl I 2004, 591) und das Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 19. M\u00e4rz 2004 IV D 2 -S 0338- 11\/04 (BStBl I 2004, 361) geltend, es bestehe keine Veranlassung mehr, diesbez\u00fcgliche Einspruchsverfahren ruhen zu lassen; auch eine Aussetzung der Vollziehung komme insoweit nicht mehr in Betracht. Das FG verwarf den Antrag des FA durch Beschluss vom 24. Mai 2004 3 V 974\/04 als unzul\u00e4ssig. Der Beschluss ist in Deutsches Steuerrecht Entscheidungsdienst 2004, 956 ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Hiergegen wendet sich das FA mit seiner vom FG zugelassenen Beschwerde.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, den Beschluss des FG vom 24. Mai 2004 aufzuheben und seinem Antrag vom 1. April 2004 auf Aufhebung des Vollziehungsaussetzungsbeschlusses des FG vom 29. Dezember 2003 3 V 2238\/03 stattzugeben.<\/p>\n<p>Die Antragsteller beantragen, die Beschwerde zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Beschwerde ist unbegr\u00fcndet. Das FG hat den Antrag des FA zu Recht als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n<p>1. Nach \u00a7 69 Abs. 6 Satz 1 FGO kann das Gericht der Hauptsache Beschl\u00fcsse \u00fcber Antr\u00e4ge nach \u00a7 69 Abs. 3 und 5 Satz 3 FGO jederzeit \u00e4ndern oder aufheben. Ein Beteiligter kann die \u00c4nderung oder Aufhebung unter den Voraussetzungen des \u00a7 69 Abs. 6 Satz 2 FGO, d.h. wegen ver\u00e4nderter oder im urspr\u00fcnglichen Verfahren ohne Verschulden nicht geltend gemachter Umst\u00e4nde beantragen. Macht er keine solchen Gr\u00fcnde schl\u00fcssig geltend, ist der Antrag unzul\u00e4ssig (Birkenfeld in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211; HHSp -, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, \u00a7 69 FGO Rz. 1228). Die Entscheidung des FG \u00fcber den Antrag wirkt grunds\u00e4tzlich ab ihrer Bekanntgabe, d.h. nur f\u00fcr die Zukunft; f\u00fcr die Vergangenheit bleiben die Wirkungen des ver\u00e4nderten oder aufgehobenen Beschlusses erhalten (vgl. Birkenfeld in HHSp, \u00a7 69 FGO Rz. 1252; Gosch in Beermann, Steuerliches Verfahrensrecht, \u00a7 69 FGO Rz. 338).<\/p>\n<p>2. Nach diesen Grunds\u00e4tzen ist der Anfang April 2004 gestellte Antrag des FA auf Aufhebung des im Dezember 2003 ergangenen Vollziehungsaussetzungsbeschlusses des FG unzul\u00e4ssig, weil f\u00fcr ihn kein Rechtsschutzbed\u00fcrfnis besteht. Das FG hat im genannten Beschluss die Aufhebung der Vollziehung f\u00fcr die Zeit vom 28. Dezember 2001 bis zum 10. Juni 2003 ausgesprochen. Die sich daraus ergebenden Wirkungen w\u00fcrden &#8211; wie oben dargelegt &#8211; durch den Aufhebungsantrag des FA nicht ber\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Beschluss vom 23.11.2004 (IX B 88\/04) BStBl. 2005 II S. 297 Die Entscheidung des FG \u00fcber einen Antrag auf \u00c4nderung oder Aufhebung nach \u00a7 69 Abs. 6 Satz 2 FGO wirkt grunds\u00e4tzlich ab ihrer Bekanntgabe, d.h. nur f\u00fcr die Zukunft; f\u00fcr die Vergangenheit bleiben die Wirkungen des ver\u00e4nderten oder aufgehobenen Beschlusses erhalten. &nbsp; FGO \u00a7 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-23-11-2004-ix-b-88_04-bstbl-2005-ii-s-297\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Beschluss vom 23.11.2004 (IX B     88\/04) BStBl. 2005 II S. 297<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-38477","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38477","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=38477"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38477\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=38477"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=38477"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=38477"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}