{"id":40100,"date":"2002-01-30T12:15:12","date_gmt":"2002-01-30T10:15:12","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=40100"},"modified":"2013-05-16T18:11:52","modified_gmt":"2013-05-16T16:11:52","slug":"bfh-urteil-vom-30-1-2002-i-r-73_01-bstbl-2003-ii-s-354","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-30-1-2002-i-r-73_01-bstbl-2003-ii-s-354\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 30.1.2002 (I R 73\/01)     BStBl. 2003 II S. 354"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 30.1.2002 (I R 73\/01) BStBl. 2003 II S. 354<\/strong><\/p>\n<p>Teilwertabschreibungen aufgrund von Gewinnaussch\u00fcttungen mindern dann den Gewerbeertrag des Organkreises, wenn es sich bei den ausgesch\u00fctteten Gewinnen um solche aus vororganschaftlicher Zeit handelt (Abgrenzung vom Senatsurteil vom 2. Februar 1994 I R 10\/93, BFHE 173, 426, BStBl II 1994, 768).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>GewStG 1984 \u00a7 2 Abs. 2 Satz 2, \u00a7 9 Nr. 2a; KStG 1984 \u00a7 14 Nrn. 1 und 2.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Berlin (EFG 2001, 1616)<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin), eine GmbH, erwarb am 20.\/24. August 1987 s\u00e4mtliche Anteile an zwei anderen GmbH und begr\u00fcndete mit diesen zum 1. Januar 1988 eine gewerbesteuerrechtliche Organschaft. Am 22. M\u00e4rz 1988 beschlossen die Gesellschafter die Aussch\u00fcttung von insgesamt 19.208.216 DM aus den vororganschaftlichen Ertr\u00e4gen der beiden Organgesellschaften. Wegen dieser Aussch\u00fcttungen nahm die Kl\u00e4gerin auf die Beteiligungen Teilwertabschreibungen gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) in H\u00f6he von 30.089.851,35 DM vor und k\u00fcrzte um diesen Betrag ihren Gewinn aus Gewerbebetrieb gem\u00e4\u00df \u00a7 9 Nr. 2a des Gewerbesteuergesetzes (GewStG 1984).<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) folgte dem &#8211; unter Hinweis auf Abschn. 42 Abs. 1 Satz 7 und 11 der Gewerbesteuer-Richtlinien (GewStR) 1984\/1990 und das Senatsurteil vom 2. Februar 1994 I R 10\/93 (BFHE 173, 426, BStBl II 1994, 768) &#8211; nicht.<\/p>\n<p>Die Klage gegen die hiernach f\u00fcr die Streitjahre 1988 bis 1990 ergangenen Festsetzungen der Gewerbsteuer-Messbetr\u00e4ge blieb ohne Erfolg. Das Urteil des Finanzgerichts (FG) ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2001, 1616 abgedruckt.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin st\u00fctzt ihre Revision auf Verletzung materiellen Rechts und beantragt, das FG-Urteil aufzuheben, die angefochtenen Bescheide zu \u00e4ndern und den einheitlichen Gewerbsteuer-Messbetrag f\u00fcr 1988 auf 35.194 DM; f\u00fcr 1989 auf 6.666 DM und f\u00fcr 1990 auf 10.642 DM herabzusetzen.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zu anderweitigen Steuerfestsetzungen.<\/p>\n<p>1. Nach \u00a7 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG 1984 gelten Kapitalgesellschaften, die derart in ein anderes inl\u00e4ndisches gewerbliches Unternehmen eingegliedert sind, dass die Voraussetzungen des \u00a7 14 Nrn. 1 und 2 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes (KStG 1984) erf\u00fcllt sind, als Betriebsst\u00e4tten des anderen Unternehmens (sog. gewerbesteuerrechtliche Organschaft). Trotz dieser Fiktion bilden die eingegliederten Kapitalgesellschaften (die Organgesellschaften) und das andere Unternehmen (der Organtr\u00e4ger) kein einheitliches Unternehmen. Sie bleiben vielmehr selbst\u00e4ndige Gewerbebetriebe, die einzeln f\u00fcr sich bilanzieren und deren Gewerbeertr\u00e4ge getrennt zu ermitteln sind (sog. gebrochene oder eingeschr\u00e4nkte Einheitstheorie; siehe zur insoweit st\u00e4ndigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; Urteile vom 17. Februar 1972 IV R 17\/68, BFHE 105, 383, BStBl II 1972, 582; vom 6. November 1985 I R 56\/82, BFHE 145, 78, BStBl II 1986, 73; vom 23. Januar 1992 XI R 47\/89, BFHE 167, 158, BStBl II 1992, 630; in BFHE 173, 426, BStBl II 1994, 768; vom 25. Juli 1995 VIII R 54\/93, BFHE 178, 448, BStBl II 1995, 794; vom 25. Oktober 1995 I R 76\/93, BFH\/NV 1996, 504; vom 18. September 1996 I R 44\/95, BFHE 181, 504, BStBl II 1997, 181; vom 22. April 1998 I R 109\/97, BFHE 186, 443, BStBl II 1998, 748). Die Organschaft f\u00fchrt jedoch dazu, dass die pers\u00f6nliche Gewerbesteuerpflicht der Organgesellschaften f\u00fcr die Dauer der Organschaft dem Organtr\u00e4ger zugerechnet wird (s. Senatsurteil vom 27. Juni 1990 I R 183\/85, BFHE 161, 157, 160, BStBl II 1990, 916, 918). Deshalb ist der einheitliche Gewerbesteuermessbetrag f\u00fcr die zum Organkreis geh\u00f6renden Gewerbebetriebe &#8211; das sind die Gewerbebetriebe des Organtr\u00e4gers und der Organgesellschaft(en) &#8211; allein gegen\u00fcber dem Organtr\u00e4ger festzusetzen.<\/p>\n<p>Um den f\u00fcr die Festsetzung des Steuermessbetrages nach dem Gewerbeertrag ma\u00dfgebenden Gewerbeertrag des Organkreises zu ermitteln, sind die getrennt ermittelten Gewerbeertr\u00e4ge des Organtr\u00e4gers und der Organgesellschaft(en) zusammenzurechnen und die Summe um die sich aufgrund der Zusammenrechnung etwa ergebenden steuerlichen Doppelbelastungen oder ungerechtfertigten steuerlichen Entlastungen zu korrigieren. Je nachdem, um welchen Rechenposten es sich handelt, sind die Korrekturen entweder bereits bei den selbst\u00e4ndig ermittelten Gewerbeertr\u00e4gen der zum Organkreis geh\u00f6renden Betriebe oder nachfolgend durch Hinzurechnungen zu bzw. Abz\u00fcgen von der Summe der getrennt ermittelten Gewerbeertr\u00e4ge vorzunehmen. Rechtsgrundlage der Korrekturen ist \u00a7 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG 1984 (siehe BFH-Urteile in BFHE 145, 78, BStBl II 1986, 73, m.w.N.; BFHE 173, 426, BStBl II 1994, 768; BFHE 178, 448, BStBl II 1995, 794; BFHE 181, 504, BStBl II 1997, 181; BFHE 186, 443, BStBl II 1998, 748; vom 28. Oktober 1999 I R 111\/97, BFH\/NV 2000, 896, und I R 79\/98, BFH\/NV 2000, 745).<\/p>\n<p>2. a) Auf die vorgenannte Weise hat der erkennende Senat auch Gewinnminderungen infolge gewinnabf\u00fchrungsbedingter Teilwertabschreibungen auf Beteiligungen an Organgesellschaften bei der Ermittlung des Gewerbeertrages des Organkreises durch entsprechende Hinzurechnungen korrigiert (neutralisiert). Wie er in seinem Urteil in BFHE 173, 426, BStBl II 1994, 768, entschieden hat, mindern Teilwertabschreibungen aufgrund einer Gewinnabf\u00fchrung den Gewerbeertrag des Organkreises nicht. Zugleich wurde in dem Urteil zum Ausdruck gebracht, dass bei Teilwertabschreibungen, denen (auch) eine k\u00f6rperschaftsteuerliche Organschaft mit Ergebnisabf\u00fchrungsvertrag und damit eine Gewinnaussch\u00fcttung zugrunde liegt, nicht anders zu verfahren sei als bei einer Teilwertabschreibung aufgrund einer nur gewerbesteuerlichen Organschaft ohne Ergebnisabf\u00fchrungsvertrag, bei der der Gewinn abgef\u00fchrt und nicht ausgesch\u00fcttet wird. Daran ist nach wie vor festzuhalten (vgl. zuletzt die best\u00e4tigenden Senatsurteile in BFH\/NV 2000, 896 und in BFH\/NV 2000, 745).<\/p>\n<p>b) Die Vorinstanz ist diesen Rechtsprechungsgrunds\u00e4tzen gefolgt und hat sie auch f\u00fcr den Streitfall angewendet, obwohl es sich bei den von den nunmehrigen Organgesellschaften ausgesch\u00fctteten Gewinnen, die bei der Kl\u00e4gerin zu den Teilwertabschreibungen gef\u00fchrt haben, um solche aus vororganschaftlicher Zeit gehandelt hat. Dem ist nicht beizupflichten. Anders als organschaftliche Gewinne bleiben derartige vororganschaftliche Gewinne nicht nach \u00a7 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG 1984, sondern gem\u00e4\u00df \u00a7 9 Nr. 2 a GewStG 1984 au\u00dfer Ansatz. Grund hierf\u00fcr ist der Umstand, dass diese Gewinne noch von den Organgesellschaften versteuert worden sind und eine Doppelerfassung sonach nicht droht (vgl. \u00e4hnlich BFH-Urteil in BFHE 167, 158, BStBl II 1992, 630, 632, dort auch im Hinblick auf die Abzugsf\u00e4higkeit vororganschaftlicher Verluste). Zugleich wirken sich Teilwertabschreibungen, die bei der Obergesellschaft in Einklang mit den ertragsteuerrechtlichen Vorschriften (\u00a7 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG) infolge der Gewinnaussch\u00fcttungen erforderlich wurden, mindernd auf deren Gewerbeertrag aus. Dass die Obergesellschaft zwischenzeitlich Organtr\u00e4gerin geworden ist, \u00e4ndert daran nichts. Durch die Hinzurechnung der Abschreibungsbetr\u00e4ge im Organkreis soll zwar die Erfolgsneutralit\u00e4t sowohl der Gewinnabf\u00fchrungen als auch der Gewinnaussch\u00fcttungen sichergestellt werden. Im Hinblick auf vororganschaftliche Gewinne besteht hierf\u00fcr jedoch keine Veranlassung. Die Rechtslage unterscheidet sich insoweit vielmehr in nichts von derjenigen bei anderen Schachtelbeteiligungen (vgl. insoweit zur Abgrenzung auch Senatsurteil in BFHE 186, 443, BStBl II 1998, 748). Folglich kann eine Doppelbeg\u00fcnstigung, die sich bei der Obergesellschaft einerseits durch die Gew\u00e4hrung des gewerbesteuerlichen Schachtelprivilegs in \u00a7 9 Nr. 2 a GewStG 1984 und andererseits durch die Teilwertabschreibung ergibt, nicht \u00fcber \u00a7 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG 1984 ausgeschlossen werden. In Betracht k\u00e4me allenfalls eine Hinzurechnung des Abschreibungsbetrages gem\u00e4\u00df \u00a7 8 Nr. 10 GewStG 1984 i.d.F. des Steuerreformgesetzes 1990 (StRefG 1990) vom 25. Juli 1988 (BGBl I 1988, 1093, BStBl I 1988, 224), der jedoch erst f\u00fcr Gewinnminderungen anwendbar ist, die auf Gewinnaussch\u00fcttungen nach dem 23. Juni 1988 zur\u00fcckzuf\u00fchren sind (\u00a7 36 Abs. 4 GewStG 1984 i.d.F. des StRefG 1990). Im Streitfall wurde die Aussch\u00fcttung der in Rede stehenden Gewinne der Beteiligungsgesellschaften bereits am 22. M\u00e4rz 1988 beschlossen. Eine vorgreifliche Anwendung von \u00a7 8 Nr. 10 GewStG 1984 scheidet indes aus (Senatsurteil in BFHE 173, 426, BStBl II 1994, 768).<\/p>\n<p>Die Rechtsauffassung des Senats wird im Schrifttum weitgehend geteilt (vgl. G\u00fcroff in Glanegger\/G\u00fcroff, Gewerbesteuergesetz, 4. Aufl., \u00a7 8 Nr. 10 Rz. 7, \u00a7 9 Nr. 2 a Rz. 2; Hofmeister in Bl\u00fcmich, Einkommensteuergesetz, K\u00f6rperschaftsteuergesetz, Gewerbesteuergesetz, 16. Aufl., \u00a7 8 GewStG Rz. 226; Pauka, Der Betrieb 1988, 2224, 2227; Schn\u00e4dter, Finanz-Rundschau 1989, 576, 578; anders Herlinghaus, EFG 2001, 1617). Auch die Finanzverwaltung hat sich ihr im Grundsatz angeschlossen, indem sie die Rechtsgrundlage f\u00fcr die gewerbesteuerliche Hinzurechnung der aussch\u00fcttungsbedingten Teilwertabschreibungen im Organkreis bei Aussch\u00fcttung von Gewinnen aus der Zeit vor Begr\u00fcndung der Organschaft in \u00a7 8 Nr. 10, nicht aber in \u00a7 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG 1984 erkennt (vgl. koordinierter L\u00e4ndererlass, z.B. Finanzministerium Nordrhein-Westfalen, Erlass vom 14. M\u00e4rz 1989, Deutsches Steuerrecht 1989, 293).<\/p>\n<p>3. Da die Vorinstanz eine abweichende Ansicht vertreten hat, war ihr Urteil aufzuheben. Die angefochtenen Steuerbescheide sind antragsgem\u00e4\u00df zu \u00e4ndern. Die Ermittlung und Berechnung der festzusetzenden einheitlichen Gewerbesteuermessbetr\u00e4ge wird dem FA nach Ma\u00dfgabe der Gr\u00fcnde dieser Entscheidung \u00fcberlassen (\u00a7 100 Abs. 2 Satz 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 30.1.2002 (I R 73\/01) BStBl. 2003 II S. 354 Teilwertabschreibungen aufgrund von Gewinnaussch\u00fcttungen mindern dann den Gewerbeertrag des Organkreises, wenn es sich bei den ausgesch\u00fctteten Gewinnen um solche aus vororganschaftlicher Zeit handelt (Abgrenzung vom Senatsurteil vom 2. 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