{"id":41274,"date":"2001-02-15T09:22:18","date_gmt":"2001-02-15T07:22:18","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=41274"},"modified":"2013-05-24T14:07:26","modified_gmt":"2013-05-24T12:07:26","slug":"bfh-urteil-vom-15-2-2001-iii-r-20_99-bstbl-2003-ii-s-635","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-15-2-2001-iii-r-20_99-bstbl-2003-ii-s-635\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 15.2.2001 (III R 20\/99)     BStBl. 2003 II S. 635"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 15.2.2001 (III R 20\/99) BStBl. 2003 II S. 635<\/strong><\/p>\n<p>Wird im Rahmen einer Betriebsaufgabe ein betrieblich genutzter Grundst\u00fccksteil in das Privatverm\u00f6gen \u00fcberf\u00fchrt, so ist zur Ermittlung des Aufgabegewinns der gemeine Wert des gesamten Grundst\u00fccks in aller Regel nach einem Gr\u00f6\u00dfenma\u00dfstab (Nutzfl\u00e4chenverh\u00e4ltnis) und nicht nach dem Verh\u00e4ltnis von Ertragswerten (erzielbare Rohmiete; Mietwerte) aufzuteilen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>EStG 1991 \u00a7 16 Abs. 3 Satz 3; BewG \u00a7 9 Abs. 2.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG K\u00f6ln (EFG 1999, 658)<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) ist die Ehefrau des im Laufe des Klageverfahrens verstorbenen Dr. V., dessen Rechtsstreit sie als Rechtsnachfolgerin &#8211; neben ihrem eigenen &#8211; weiterf\u00fchrt. Im Streitjahr (1991) wurden die Eheleute zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Dr. V. betrieb fr\u00fcher im gesamten Erdgeschoss des 4-geschossigen Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses in X eine Apotheke, die er nach Eintritt in den Ruhestand an seinen Sohn verpachtete. Dr. V. behandelte die aus der Verpachtung der gewerblich genutzten R\u00e4ume sowie der Betriebsausstattung erzielten Eink\u00fcnfte als solche aus Gewerbebetrieb. Am 31. Oktober 1991 stellte der Sohn den Betrieb der Apotheke ein. Die bis dahin hierf\u00fcr genutzten R\u00e4ume wurden ab dem 1. Dezember 1991 an einen branchenfremden Unternehmer (Buchh\u00e4ndler) vermietet.<\/p>\n<p>Die Beendigung der Verpachtung des gewerblich genutzten Geb\u00e4udeteils f\u00fchrte zu einer Betriebsaufgabe. Den Aufgabegewinn ermittelte Dr. V. wie folgt:<\/p>\n<table width=\"496\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"73%\">Verkehrswert des gesamten Anwesens per 31. Oktober<\/td>\n<td width=\"27%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"73%\">1991 1.050.000 DM; davon 27% gewerblicher Anteil<\/td>\n<td width=\"27%\">\n<p align=\"right\">284.000 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"73%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"27%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"73%\">Gemeiner Wert der Betriebsausstattung 20.000 DM<\/td>\n<td width=\"27%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"73%\">(einschl. USt) 20.000 DM : 1,14<\/td>\n<td width=\"27%\">\n<p align=\"right\">17.544 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table width=\"499\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"60%\">.\/. Buchwerte lt. Bilanz per 31. Oktober 1991:<\/td>\n<td width=\"19%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"22%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"60%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"19%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"22%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"60%\">Grund und Boden<\/td>\n<td width=\"19%\">\n<p align=\"right\">8.794 DM<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"22%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"60%\">Geb\u00e4ude<\/td>\n<td width=\"19%\">\n<p align=\"right\">20.952 DM<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"22%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"60%\">Betriebsausstattung<\/td>\n<td width=\"19%\">\n<p align=\"right\">7.395 DM<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"22%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"60%\">Firmenwert<\/td>\n<td width=\"19%\">\n<p align=\"right\">44.540 DM<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"22%\">\n<p align=\"right\">81.681 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"60%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"19%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"22%\">\n<p align=\"right\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"60%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"19%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"22%\">\n<p align=\"right\">219.863 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"60%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"19%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"22%\">\n<p align=\"right\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Mit Bescheid vom 5. August 1992 setzte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) die Einkommensteuer f\u00fcr das Streitjahr antragsgem\u00e4\u00df fest. Der Bescheid erging unter Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung. In dem nach \u00a7 164 Abs. 2 der Abgabenordnung (AO 1977) ge\u00e4nderten Bescheid vom 30. September 1993 ermittelte das FA dem Betriebsaufgabegewinn nunmehr wie folgt:<\/p>\n<table width=\"496\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"73%\">Verkehrswert per 31. Oktober 1991 1.050.000 DM<\/td>\n<td width=\"27%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"73%\">davon 55,96% gewerblicher Anteil<\/td>\n<td width=\"27%\">\n<p align=\"right\">587.580 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"73%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"27%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"73%\">Gemeiner Wert der Betriebsausstattung wie bisher<\/td>\n<td width=\"27%\">\n<p align=\"right\">17.544 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"73%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"27%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"73%\">.\/. Buchwert lt. Bilanz wie bisher<\/td>\n<td width=\"27%\">\n<p align=\"right\">81.681 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"73%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"27%\">\n<p align=\"right\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"73%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"27%\">\n<p align=\"right\">523.443 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"73%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"27%\">\n<p align=\"right\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Das FA war der Auffassung, der Verkehrswert von 1.050.000 DM f\u00fcr das gesamte Grundst\u00fcck sei nicht &#8211; wie urspr\u00fcnglich &#8211; entsprechend dem Nutzfl\u00e4chenverh\u00e4ltnis, sondern entsprechend dem Verh\u00e4ltnis der Ertragswerte der f\u00fcr Wohn- und Gewerbezwecke genutzten Geb\u00e4udeteile aufzuteilen. Der gewerblich genutzte Fl\u00e4chenanteil belaufe sich auf 27 %, der gewerbliche Mietertragsanteil sei jedoch unter Zugrundelegung der Zahlen des eingeschalteten (hausinternen) Bausachverst\u00e4ndigen in dem Wertgutachten vom 31. M\u00e4rz 1993 mit 55,96 % anzusetzen. Das Einspruchsverfahren hatte keinen Erfolg.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) hat durch Einholung eines Sachverst\u00e4ndigengutachtens Beweis erhoben. Der Sachverst\u00e4ndige, der sich gem\u00e4\u00df dem ihm erteilten Auftrag sowohl mit dem von der Kl\u00e4gerin vorgelegten Privatgutachten als auch mit der Wertermittlung des Bausachverst\u00e4ndigen des FA auseinander zu setzen hatte, sch\u00e4tzte in seinem Gutachten vom 10. September 1998 den Verkehrswert des Grundst\u00fccks zum 31. Oktober 1991 auf 965.000 DM und teilte diesen Betrag nach den Ertragswerten so auf, dass auf den betrieblich genutzten Grundst\u00fccksteil 535.600 DM (= 55,5 %) und auf den zu Wohnzwecken genutzten Teil 429.400 DM (= 44,5 %) entfielen.<\/p>\n<p>Das FG wies die Klage mit dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 1999, 568 ver\u00f6ffentlichten Urteil teilweise ab. Es war der Ansicht, das FA habe zwar den Verkehrswert des bis zur Betriebsaufgabe gewerblich genutzten Grundst\u00fccksteils methodisch zutreffend ermittelt, doch habe es als Ausgangswert einen zu hohen Verkehrswert f\u00fcr das gesamte Grundst\u00fcck angenommen. Der vom Gericht bestellte Sachverst\u00e4ndige habe ein in jeder Hinsicht \u00fcberzeugendes Gutachten erstellt, das bei der vorzunehmenden Sch\u00e4tzung zugrunde zu legen sei. Die Einwendungen der Kl\u00e4gerin g\u00e4ben keinen Anlass, von dem gesch\u00e4tzten Verkehrswert von 965.000 DM abzuweichen, zumal der gewerblich genutzte Teil ab Dezember 1991 nach dem unwidersprochenen Vortrag des FA f\u00fcr monatlich 5.000 DM verpachtet worden sei, der Sachverst\u00e4ndige dagegen nur von einer bis dahin gezahlten Pacht von monatlich 3.500 DM ausgegangen sei.<\/p>\n<p>Dieser Verkehrswert des gesamten Grundst\u00fccks sei zur Ermittlung des gemeinen Wertes des im Rahmen der Betriebsaufgabe in das Privatverm\u00f6gen \u00fcberf\u00fchrten gewerblich genutzten Grundst\u00fccksteils im Verh\u00e4ltnis der Ertragswerte der Grundst\u00fccksteile zueinander aufzuteilen. Der gemeine Wert sei nach \u00a7 9 Abs. 2 des Bewertungsgesetzes (BewG) zu ermitteln, d.h. durch den Preis zu bestimmen, der im gew\u00f6hnlichen Gesch\u00e4ftsverkehr nach der Beschaffenheit des Wirtschaftsguts bei einer Ver\u00e4u\u00dferung zu erzielen w\u00e4re, wobei alle Umst\u00e4nde, die den Preis beeinflussten, zu ber\u00fccksichtigen seien. Der so definierte gemeine Wert entspreche in der Regel dem Verkehrswert, welcher nach st\u00e4ndiger h\u00f6chstrichterlicher Rechtsprechung unter Ber\u00fccksichtigung des in der Wertermittlungsverordnung geregelten Ertragswertverfahrens gesch\u00e4tzt werden k\u00f6nne. Da nach dem Wortlaut des \u00a7 16 Abs. 3 Satz 3 des Einkommensteuergesetzes in der f\u00fcr das Streitjahr geltenden Fassung (EStG 1991) die Ermittlung des gemeinen Wertes der &#8211; nicht ver\u00e4u\u00dferten &#8211; einzelnen Wirtschaftsg\u00fcter verlangt werde, habe dies auch f\u00fcr betrieblich genutzte Grundst\u00fccksteile zu gelten, die als selbst\u00e4ndig bewertbare Wirtschaftsg\u00fcter zu behandeln seien. Die Aufteilung des Verkehrswertes eines gemischt genutzten Grundst\u00fccks nach dem Verh\u00e4ltnis der Ertragswerte f\u00fcr die unterschiedlich genutzten Grundst\u00fccksteile entspreche der bisherigen Rechtsprechung des FG-Senats, an der festgehalten werde.<\/p>\n<p>Dagegen richtet sich die vom FG zugelassene Revision der Kl\u00e4gerin. Sie ist der Auffassung, f\u00fcr die Aufteilung des Verkehrswerts sei das Verh\u00e4ltnis der Nutzfl\u00e4chen ma\u00dfgebend. Wie der IV. Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) in seinem Beschluss vom 22. April 1998 IV B 42\/97 (BFH\/NV 1998, 1214) ausgef\u00fchrt habe, sei die Ableitung des Wertes eines Grundst\u00fccksteils vom Gesamtwert nur im Wege der Sch\u00e4tzung m\u00f6glich. Unter Berufung auf zahlreiche fr\u00fchere Entscheidungen des BFH habe der IV. Senat die Aufteilung entsprechend dem Verh\u00e4ltnis der Wohn- bzw. Nutzfl\u00e4chen regelm\u00e4\u00dfig als geeigneten Sch\u00e4tzungsma\u00dfstab bezeichnet. Lediglich im Einzelfall vorliegende besondere Umst\u00e4nde k\u00f6nnten einen anderen Aufteilungsma\u00dfstab nahe legen. Es entspreche mithin st\u00e4ndiger h\u00f6chstrichterlicher Rechtsprechung, dass im Regelfall das Verh\u00e4ltnis der Nutzfl\u00e4chen als Aufteilungsma\u00dfstab zugrunde zu legen sei. Im Streitfall liege kein Sonderfall vor, denn regelm\u00e4\u00dfig werde bei Geb\u00e4uden, die teils betrieblich und teils zu Wohnzwecken genutzt werden, f\u00fcr die im Erdgeschoss liegenden betrieblich genutzten R\u00e4ume ein h\u00f6herer Mietertrag erzielt, als f\u00fcr die dar\u00fcber gelegenen Wohnr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid 1991 in Form der Einspruchsentscheidung vom 13. September 1994 dahin gehend zu \u00e4ndern, dass bei der Ermittlung des Aufgabegewinns ein Verkehrswert f\u00fcr den betrieblich genutzten Geb\u00e4udeteil in H\u00f6he von 260.550 DM zugrunde gelegt wird.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -). Das FG hat im Zusammenhang mit der Ermittlung des Aufgabegewinns zu Unrecht f\u00fcr den gewerblich genutzten Grundst\u00fccksteil den Verkehrswert f\u00fcr das gesamte Grundst\u00fcck nach dem Verh\u00e4ltnis der Ertragswerte aufgeteilt.<\/p>\n<p>1. Im Streitfall liegt eine Betriebsaufgabe i.S. des \u00a7 16 Abs. 3 EStG 1991 vor, in deren Rahmen der gewerblich genutzte Grundst\u00fccksteil des 4-geschossigen Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses in das Privatverm\u00f6gen \u00fcberf\u00fchrt wurde. Der Grundst\u00fccksteil war deshalb bei der Ermittlung des Aufgabegewinns mit dem gemeinen Wert anzusetzen.<\/p>\n<p>Der gemeine Wert der im Rahmen der Betriebsaufgabe in das Privatverm\u00f6gen \u00fcberf\u00fchrten Wirtschaftsg\u00fcter ist nach \u00a7 9 Abs. 2 BewG zu ermitteln (BFH-Urteil vom 27. Februar 1985 I R 235\/80, BFHE 143, 436, BStBl II 1985, 456; Schmidt\/Wacker, Einkommensteuergesetz, 19. Aufl., \u00a7 16 Rz. 294). Danach wird der gemeine Wert durch den Preis bestimmt, der im gew\u00f6hnlichen Gesch\u00e4ftsverkehr nach der Beschaffenheit der einzelnen Wirtschaftsg\u00fcter bei einer Ver\u00e4u\u00dferung zu erzielen w\u00e4re. Der gemeine Wert bei Grundst\u00fccken und Geb\u00e4uden entspricht in der Regel dem Verkehrswert (BFH-Urteile vom 13. Oktober 1983 I R 76\/79, BFHE 140, 182, BStBl II 1984, 294; vom 2. Februar 1990 III R 173\/86, BFHE 159, 505, BStBl II 1990, 497).<\/p>\n<p>Der Verkehrswert eines Grundst\u00fccks l\u00e4sst sich vielfach &#8211; wie auch im Streitfall &#8211; nur durch Sch\u00e4tzung ermitteln. Sch\u00e4tzungen geh\u00f6ren zu den tats\u00e4chlichen Feststellungen des FG, an die der BFH als Revisionsinstanz gem\u00e4\u00df \u00a7 118 Abs. 2 FGO gebunden ist, wenn sie keinen Rechtsirrtum enthalten, nicht gegen anerkannte Sch\u00e4tzungsgrunds\u00e4tze, Denkgesetze oder allgemeine Erfahrungss\u00e4tze versto\u00dfen und nicht auf Verfahrensm\u00e4ngeln beruhen (BFH-Urteile vom 15. Januar 1985 IX R 81\/83, BFHE 143, 61, BStBl II 1985, 252; vom 29. August 1996 VIII R 15\/93, BFHE 182, 21, BStBl II 1997, 317).<\/p>\n<p>Das FG ist dem Ergebnis und im Wesentlichen auch der Begr\u00fcndung des von ihm eingeholten Sachverst\u00e4ndigengutachtens gefolgt. Dieses Gutachten geht von den Sch\u00e4tzungsgrunds\u00e4tzen aus, die nach der Verordnung \u00fcber Grunds\u00e4tze f\u00fcr die Ermittlung des Verkehrswertes von Grundst\u00fccken &#8211; Wertermittlungsverordnung (WertV) &#8211; in der Fassung vom 6. Dezember 1988 (BGBl I 1988, 2209) zur Ermittlung von Grundst\u00fcckswerten nach dem Bundesbaugesetz (BBauG) und dem St\u00e4dtebauf\u00f6rderungsgesetz (StBauFG) anzuwenden ist und die nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des BFH auch f\u00fcr die Verkehrswertermittlung im Besteuerungsverfahren herangezogen werden kann (BFH-Beschluss vom 17. August 1999 IV B 116\/98, BFH\/NV 2000, 184). Die unter Zugrundelegung des Gutachtens erfolgte Sch\u00e4tzung des Verkehrswerts mit 965.000 DM f\u00fcr das gesamte Grundst\u00fcck ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden. Die H\u00f6he des Verkehrswerts ist zwischen den Beteiligten inzwischen auch unstreitig.<\/p>\n<p>Zutreffend ist das FG auch davon ausgegangen, dass f\u00fcr steuerrechtlich als selbst\u00e4ndige Wirtschaftsg\u00fcter zu behandelnde Grundst\u00fccksteile (BFH-Beschluss vom 23. August 1999 GrS 5\/97, BFHE 189, 174, BStBl II 1999, 774 unter C. 1.) &#8211; im Streitfall die im Erdgeschoss des streitigen Grundst\u00fccks gelegenen gewerblich benutzten R\u00e4ume &#8211; der Verkehrwert aus dem Wert des Gesamtgrundst\u00fccks abzuleiten ist, da die einzelnen Grundst\u00fccksteile zivilrechtlich nicht verkehrsf\u00e4hig sind und deshalb keinen eigenen Verkehrswert haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>2. Dem FG kann jedoch insoweit nicht gefolgt werden, als es der Auffassung ist, der Verkehrswert des gesamten Grundst\u00fccks sei zur Ermittlung des gemeinen Werts des im Rahmen der Betriebsaufgabe in das Privatverm\u00f6gen \u00fcberf\u00fchrten gewerblich genutzten Grundst\u00fccksteils im Verh\u00e4ltnis der Ertragswerte der Grundst\u00fccksteile zueinander aufzuteilen.<\/p>\n<p>Die Ableitung des Werts eines Grundst\u00fccksteils vom Gesamtwert ist nur im Wege der Sch\u00e4tzung m\u00f6glich. Der Senat h\u00e4lt grunds\u00e4tzlich in F\u00e4llen wie dem hier zu entscheidenden eine Aufteilung des Verkehrswerts f\u00fcr das gesamte Grundst\u00fcck nach den Nutzfl\u00e4chenanteilen f\u00fcr die geeignete Methode. Das ergibt sich aus folgenden Erw\u00e4gungen: Nicht nur bei der erstmaligen \u00dcberf\u00fchrung eines Grundst\u00fccksanteils in das Betriebsverm\u00f6gen nach seiner Fertigstellung sind die zu aktivierenden Herstellungs- oder Anschaffungskosten nach dem Verh\u00e4ltnis der Nutzfl\u00e4chen aufzuteilen. F\u00fcr eine sp\u00e4tere Aufteilung der vorgenannten Kosten eines Geb\u00e4udes, von dem ein Teil zu eigenen betrieblichen Zwecken, ein Teil zu fremden betrieblichen Zwecken, ein Teil zu eigenen und ein Teil zu fremden Wohnzwecken genutzt wird, ist ebenfalls jeweils das Verh\u00e4ltnis der Nutzfl\u00e4che des einzelnen Geb\u00e4udeteils zur Nutzfl\u00e4che des gesamten Geb\u00e4udes ma\u00dfgeblich (Bl\u00fcmich\/Schreiber, Einkommensteuergesetz, K\u00f6rperschaftsteuergesetz, Gewerbesteuergesetz, \u00a7 5 EStG Rz. 429, m.w.N.). Auch f\u00fcr die Frage, ob ein eigenbetrieblich genutzter Grundst\u00fccksteil &#8222;von untergeordneter Bedeutung&#8220; ist und daher seine Bilanzierung im Ermessen des Gewerbetreibenden steht (\u00a7 8 der Einkommensteuer-Durchf\u00fchrungsverordnung &#8211; EStDV -; vor 1996: R 13 Abs. 8 der Einkommensteuer-Richtlinien &#8211; EStR &#8211; 1993 bzw. vor 1993: Abschn. 14 Abs. 2 EStR 1991), erfolgt die Aufteilung des hierf\u00fcr ma\u00dfgebenden gemeinen Werts des gesamten Grundst\u00fccks nach dem Verh\u00e4ltnis der Nutzfl\u00e4chen (Schmidt\/Heinicke, a.a.O., \u00a7 4 Rz. 200; BFH-Urteil vom 21. Februar 1990 X R 174\/87, BFHE 160, 173, BStBl II 1990, 578). Entsprechendes gilt bei einer Entnahme. Wird ein Teil eines betrieblich genutzten Geb\u00e4udes zu privaten Zwecken eingesetzt, hat das in der Regel zur Folge, dass der privat genutzte Teil des Geb\u00e4udes und ein entsprechender Teil des Grund und Bodens mit dem Teilwert (\u00a7 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG) als entnommen gilt. Zur Wertbestimmung des entnommenen Geb\u00e4udeteils ist auch hier der Gesamtwert des Geb\u00e4udes nach dem Gr\u00f6\u00dfenma\u00dfstab und nicht nach dem Verh\u00e4ltnis von Ertragswerten aufzuteilen (BFH-Urteil vom 2. Oktober 1986 IV R 281\/84, BFH\/NV 1987, 427). Der Teilwertansatz bei Entnahmen dient ebenso wie der Ansatz des gemeinen Werts bei der Betriebsaufgabe und \u00dcberf\u00fchrung zur\u00fcckbehaltener Wirtschaftsg\u00fcter in das Privatverm\u00f6gen der Versteuerung der stillen Reserven. Das Gesetz bestimmt den Teilwert zwar als den Betrag, den ein Erwerber des ganzen Betriebs im Rahmen des Gesamtkaufpreises f\u00fcr das einzelne Wirtschaftsgut unter der weiteren Annahme ansetzen w\u00fcrde, dass dieser Betrieb fortgef\u00fchrt wird (\u00a7 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG), doch ist Ausgangspunkt f\u00fcr seine Ermittlung (Sch\u00e4tzung) ebenso wie beim gemeinen Wert der Verkehrswert (BFH-Urteil vom 9. September 1986 VIII R 20\/85, BFH\/NV 1987, 442) bzw. sind es die Wiederbeschaffungskosten (Fischer in Kirchhof, Einkommensteuergesetz, Kompaktkommentar, \u00a7 6 Rn. 8). Es ist daher gerechtfertigt, wie bei der Entnahme eines Grundst\u00fccksteils den Grundst\u00fcckswert auch beim Ausscheiden eines Grundst\u00fccksteils aus dem Betriebsverm\u00f6gen anl\u00e4sslich einer Betriebsaufgabe nach einem Gr\u00f6\u00dfenma\u00dfstab und nicht nach dem Verh\u00e4ltnis von Ertragswerten aufzuteilen.<\/p>\n<p>Der Senat sieht sich im Einklang mit der in der Literatur hierzu vertretenen vorherrschenden Auffassung (vgl. z.B. S\u00f6ffing in Lademann\/S\u00f6ffing, Kommentar zum Einkommensteuergesetz, \u00a7 16 Rn. 362; Erdweg in Herrmann\/Heuer\/Raupach, Einkommensteuer- und K\u00f6rperschaftsteuergesetz, Kommentar, 21. Aufl., \u00a7 16 EStG Anm. 500 &#8222;Geb\u00e4udeteile&#8220;; Sunder-Plassmann, Finanz-Rundschau 1980, 214) und der Rechtsprechung des IV. und XI. Senats des BFH, die in ihren Beschl\u00fcssen in BFH\/NV 1998, 1214 bzw. vom 22. August 1996 XI B 152\/95 (BFH\/NV 1997, 239) ebenfalls das Verh\u00e4ltnis der Nutzfl\u00e4chen regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr den geeigneten Aufteilungsma\u00dfstab halten, um im Rahmen eines Aufgabegewinns den Verkehrswert eines Grundst\u00fccksteils zu ermitteln. Der IV. Senat verweist hierzu vor allem auf die h\u00f6chstrichterliche Rechtsprechung zum Ma\u00dfstab f\u00fcr die Verteilung der f\u00fcr das Gesamtgrundst\u00fcck anfallenden laufenden Kosten und Abschreibungen auf die unterschiedlich genutzten Grundst\u00fccksteile.<\/p>\n<p>Anhaltspunkte, dass im Streitfall eine Aufteilung nach dem Verh\u00e4ltnis der Nutzfl\u00e4chen zueinander ausnahmsweise zu einem unzutreffenden Ergebnis f\u00fchrt, sind nicht ersichtlich. Bei einem 4-geschossigen Geb\u00e4ude mit einem gesch\u00e4tzten Verkehrswert von 965.000 DM erscheint ein \u00fcberschl\u00e4gig ermittelter anteiliger Wert f\u00fcr das gewerblich genutzte Erdgeschoss von etwa 260.000 DM (27 % des Gesamtwertes) nicht unangemessen.<\/p>\n<p>3. Die Sache ist nicht spruchreif. Sie geht nach \u00a7 126 Abs. 3 Nr. 2 FGO an die Vorinstanz zur\u00fcck, da das FG von seinem abweichenden Rechtsstandpunkt ausgehend zu der Gr\u00f6\u00dfe des betrieblich genutzten Grundst\u00fccksteils keine Feststellungen getroffen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 15.2.2001 (III R 20\/99) BStBl. 2003 II S. 635 Wird im Rahmen einer Betriebsaufgabe ein betrieblich genutzter Grundst\u00fccksteil in das Privatverm\u00f6gen \u00fcberf\u00fchrt, so ist zur Ermittlung des Aufgabegewinns der gemeine Wert des gesamten Grundst\u00fccks in aller Regel nach einem Gr\u00f6\u00dfenma\u00dfstab (Nutzfl\u00e4chenverh\u00e4ltnis) und nicht nach dem Verh\u00e4ltnis von Ertragswerten (erzielbare Rohmiete; Mietwerte) aufzuteilen. &nbsp; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-15-2-2001-iii-r-20_99-bstbl-2003-ii-s-635\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 15.2.2001 (III R 20\/99)     BStBl. 2003 II S. 635<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-41274","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41274","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41274"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41274\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41274"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41274"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41274"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}